Bilder in Bewegung: Zeitraffer-Aufnahmen mit der GoPro

Zeitraffer

Dieser Beitrag wird der erste Teil eine Mini-Serie rund um das Thema „Zeitraffer“. Für mich liegt eine der wesentlichen Motivationen zum Fotografieren darin, Dinge so einzufangen, die das bloße Auge nicht sieht. Das können Makro-Aufnahmen sein, das Einfrieren schneller Bewegungen – oder eben Bewegungsabläufe als Film.

Hier kann es reizvoll sein, Bewegungen stark zu verlangsamen – viele Smartphones und Action-Kameras bieten heute schon spezielle Zeitlupen-Funktionen mit bis zu 120 Bildern pro Sekunde. Damit lassen sich Bewegungen ruckelfrei auf etwa 1/5 der ursprünglichen Geschwindigkeit verlangsamen. Soll es noch langsamer werden, braucht es spezielle – und damit teure – Kameras, zumindest wenn der Film hinterher auch noch eine gute Auflösung haben soll.

Das Gegenteil davon lässt sich einfacher umsetzen: Zeitraffer eignen sich dazu, Bewegungsmuster sichtbar zu machen, die zu langsam ablaufen, um sie mit dem bloßen Auge erfassen zu können. Für die Umsetzung braucht es nicht mehr als eine digitale Fotokamera mit der Möglichkeit, in festgelegten Zeitabständen Bilder aufzunehmen. Und etwas passende Software, die sich im Internet einfach finden lässt. Die Kamera muss dabei gar kein Top-Modell sein; für ein 4K-Video reichen schon 10 Megapixel aus.

Im ersten Teil beschreibe ich die Umsetzung von Aufnahme der Fotos bis zur Erstellung des Videos mit einer GoPro-Kamera und der zugehörigen Software.

IDEE & ORT

Das Eisenbahnmuseum Darmstadt-Kranichstein gehört mit Sicherheit zu den Orten, wo ich am längsten und am meisten fotografiere. Dabei geht es mir oft weniger darum, die Fahrzeuge in der Ausstellung im Bild festzuhalten, sondern vielmehr den Betrieb während der Veranstaltungen zu zeigen – insbesondere während des größten Events, den sogenannten „Bahnwelttagen“, die jedes Jahr im Mai am langen Himmelfahrt-Wochenende stattfinden. Ich habe den Schwerpunkt meiner Fotos auf das Publikum gelegt und nur mittelbar auf Exponate, die gerade die Aufmerksamkeit auf sich zogen.

Das waren immer nur Momentaufnahmen: Als Mitarbeiter im Museum muss ich während der Veranstaltungen selbst meine Aufgaben in der Ausstellung erfüllen und bekomme so oft nur wenig vom Geschehen auf dem Gelände mit – außer in den Pausen, die ich dann auch zum Fotografieren nutze. Trotzdem hat mich immer interessiert, was eigentlich den ganzen Tag über „da draußen“ passiert. So installierte ich meine Kamera mitten im Geschehen. Weil aber ein Acht-Stunden-Tag in Echtzeit anzuschauen langweilig wäre, hatte ich die Idee, Zeitraffer-Aufnahmen zu machen.

GOPRO KAMERA & SOFTWARE

Vor vielen Jahren habe ich mir eine GoPro Hero 3+ Black Edition Actionkamera gekauft, um damit Aufnahmen aus Perspektiven machen zu können, die mit einer großen Kamera nicht oder nur sehr schwer zugänglich sind. Neben verschiedenen Videomodi besitzen alle GoPros auch einen eingebauten Zeitraffermodus, in dem die Kamera alle paar Sekunden ein Foto macht. Das Zeitintervall kann man bei meiner GoPro zwischen 0,5 und 60 Sekunden wählen. Welches Zeitintervall das richtige ist, hängt davon ab, welche Abläufe man im Bild festhalten möchte; also was sich wie schnell bewegt.

Solange man die einmal gestartete Aufnahme nicht stoppt, läuft sie weiter bis die Speicherkarte voll oder der Akku leer ist. Damit ersteres nicht passiert, legte ich mir eine Micro-SD-Karte mit 64GB Kapazität zu. Für die Stromversorgung habe ich zwei Varianten genutzt: um einen ganzen Tag einzufangen, sorgte ich für eine externe Stromversorgung über Netzteil und USB-Kabel. Für Aufnahmen über 2 bis 3 Stunden reicht der integrierte Akku in Verbindung mit dem für die GoPro 3+ erhältlichen, auf der Rückseite ansteckbaren Zusatz-Akku.

AUFNAHME

Für die Aufnahme braucht es, wie immer in der Fotografie, ein passendes (interessantes) Motiv. Bei einem Zeitraffer kommt noch hinzu, dass sich dieses Motiv im Laufe der Zeit verändern soll: Wolken am Himmel, Verkehr auf einer lebhaften Kreuzung oder im Eisenbahnmuseum eben die Drehscheibe am Ringlokschuppen. Dann sind ein passender Ort und die richtigen Adapter nötig, um die Kamera stabil (wackelfrei) zu befestigen. Ich habe die Ausrichtung der Kamera über die passende Smartphone-App kontrolliert und dann darüber auch die Aufnahme gestartet.

Im Eisenbahnmuseum arbeite ich in der Regel ich mit einem Zeitintervall von zwei Sekunden; im Laufe eines ganzen Veranstaltungstags kommen so über acht Stunden 14.400 Fotos zusammen. Macht man daraus ein Video mit 30 Bildern pro Sekunde, so werden am Ende aus acht Stunden acht Minuten.

NACHBEARBEITUNG

Da meine alte GoPro ausschließlich Fotos im JPEG-Format schießt, sind die Möglichkeiten der Nachbearbeitung relativ begrenzt, zumal die Änderungen auf alle Bilder synchronisiert werden müssen. Bei der teils erheblichen Anzahl von Dateien stellt dies Hard- und Software vor eine nennenswerte Herausforderung. Wie wird nun aus all den Bildern ein Film? Am einfachsten geht das über die mitgelieferte „GoPro Studio“ Software.

GoPro Studio
GoPro Studio (v2.5.12) – Zeitraffer-Video importieren und bearbeiten

Dort wählt man im ersten Schritt den Ordner mit den von der Kamera kopierten Dateien auf der Festplatte aus. Die Software baut daraus automatisch einen Videoclip zusammen. Dann stellt man die gewünschten Optionen ein. Die wichtigsten Einstellungen sind die Bildwiederholrate und ob man den Fischaugen-Effekt herausrechnen lassen möchte oder nicht. Wenn viele gerade Linien im Bild sind, ist das durchaus sinnvoll, kann aber zu starken Verzerrungen in den Bildecken führen. Das Programm erstellt daraus dann einen fertigen Film, den man schließlich im gewünschten Format exportieren kann.

BEISPIEL

Das folgende Video habe ich vor drei Jahren mit der GoPro und der mitgelieferten Software wie oben beschrieben erstellt. Das Aufnahmeintervall betrug zwei Sekunden; über acht Stunden macht das insgesamt 14.400 Fotos:

Dieser Clip hat natürlich noch keinen Ton, da er aus einzelnen Fotos erstellt wurde. Man kann das Video einfach so nutzen oder mit anderen Bausteinen zu einem abwechslungsreichen Film zusammenbauen – dann natürlich auch mit Ton. Die GoPro-Software bietet selbst einige Videoschnitt-Funktionen an, die ich jedoch nie nutze. Früher habe ich meine Filme mit Apples iMovie Software erstellt; inzwischen nutze ich Adobe Premiere Pro CC. Auf das Thema Videoschnitt und Video-Nachbearbeitung werde ich in diesem Beitrag jedoch nicht eingehen. Stattdessen verweise ich dafür auf die fantastische Video-Anleitung (fünf Teile) von Arthur Konze auf YouTube.

ALTERNATIVEN UND GRENZEN

Aktuelle GoPro-Kameras findet Ihr beim Elektronik-Händler Eures Vertrauens. Es soll jedoch nicht unerwähnt bleiben, dass es inzwischen auch recht preiswerte Alternativen zur GoPro gibt. Was die Qualität der erzeugten Bilder und Videos angeht, so gibt es natürlich Unterschiede, zumindest wenn man die Ergebnisse mit dem aktuellen Top-Modell vergleicht. Ob das den Aufpreis wert ist, muss jeder für sich selbst entscheiden, je nach Anwendungszweck.

Zudem bieten inzwischen auch viele Smartphones eine Zeitraffer-Funktion – entweder direkt in der integrierten Kamera-App oder durch Apps von Drittanbietern. Für meinen Anwendungsfall kommt das jedoch nicht infrage: Das Smartphone ist wesentlich empfindlicher gegenüber Umwelteinflüssen (direkte Sonneneinstrahlung, Regen), die Speicherkapazität ist in der Regel ebenso begrenzt wie die Akkulaufzeit – und wer hängt sein Smartphone mit allen seinen Daten bei einer Veranstaltung unbeaufsichtigt ins Gelände?

So oder so gibt es Grenzen. An erster Stelle ist man an die feste Brennweite der Kamera gebunden, die ein extremes Weitwinkel-Bild (Fischauge) liefert. Das ist nicht immer das, was man braucht. Zudem hat die kleine Kamera Probleme mit starken Kontrasten – an hellen Sommertagen sind entweder die hellen Stellen im Bild, z.B. Wolken, ausgebrannt und daher nur noch als weiße Kleckse zu sehen, oder die Schatten saufen im Schwarz ab. Zudem produzieren der automatische Weißabgleich und die Belichtungsautomatik oft seltsame Effekte, etwa wenn Wolken an der Sonne vorbeiziehen und sich so das Licht immer wieder ändert.

Die GoPro bietet mit „ProTune“ auch einen fortgeschrittenen Aufnahmemodus. Dort kann man z.B. den Weißabgleich fest einstellen. Dadurch sind die Aufnahmen kontrastärmer und bieten mehr Möglichkeiten in der Nachbearbeitung. Allerdings konnte ich damit bei Zeitraffer-Aufnahmen nie zufriedenstellende Ergebnisse erreichen – vermutlich, weil mir die Erfahrung im Umgang mit Color Grading und Look-Up Tables fehlt. Neuere GoPro-Modelle wie z.B. die GoPro Hero 5 können auch Fotos im RAW-Format schießen; wer so ein Modell hat, sollte diese Möglichkeit unbedingt nutzen.

AUSBLICK

Im nächsten Teil der Serie wird es um Zeitraffer-Aufnahmen mit Spiegelreflex- bzw. Systemkameras gehen, sowie darum, wie man noch etwas mehr Bewegung in den Film bringt. Der dritte Teil wird sich dann mit der Nachbearbeitung befassen, also insbesondere damit, wie man die Möglichkeiten des RAW-Formats am besten ausnutzen kann, um mit vertretbarem Aufwand ein qualitativ hochwertiges Video zu erzeugen.


FAZIT

Empfehlung: Zeitraffer mit der GoPro sind sehr schnell und einfach gemacht und liefern durchaus beachtliche Ergebnisse. Diese Variante bietet eine ganze Reihe von Vorteilen: Die Kamera ist klein, leicht, unauffällig und lässt sich vielseitig befestigen. Sie arbeitet absolut geräuschlos und hält mit Zusatzakku viele Stunden durch. Die Umwandlung der Fotos in ein fertiges Video geht mit der mitgelieferten GoPro Studio Software im Handumdrehen. Also viel Spaß für wenig Aufwand!

Was ich gelernt habe: Zeitraffer-Videos haben für mich eine neue Möglichkeit eröffnet, Fotografie einzusetzen, um Bewegungsabläufe darzustellen. Vor allem, dass man die Kamera, einmal eingerichtet, einfach „ihr Ding“ machen lassen und sich währenddessen anderen Tätigkeiten widmen kann, ist einfach prima und erlaubt entspanntes „Multitasking“.


LINKS

Bildnachweis: Titelbild – Screenshot Adobe Lightroom CC

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