In eigener Sache: Systementscheidung – Warum Canon APS-C?

Canon 760D

Als Fotografie-Einsteiger oder Umsteiger ist die größte Frage, die sich einem stellt, die nach dem System: Kompaktkamera oder eine mit Wechselobjektiven? Spiegelreflex oder Systemkamera? Micro-Four-Thirds, APS-C oder Vollformat? Alles davon hat seine Daseinsberechtigung, seine speziellen Stärken, aber auch eben seine eigenen Schwächen – es gibt nicht die „eine für alles“. Natürlich gibt es Allround-Kameras, die in allem gut sind – sich dann aber in einzelnen Disziplinen doch jeweils den Spezialisten geschlagen geben müssen.

Erst an zweiter Stelle kommt die Marke. Die technischen Unterschiede zwischen vergleichbaren Kameras verschiedener Hersteller sind heute so gering, dass die Wahl hier oft subjektiv ausfällt: Mit welchen Bedienelementen und welcher Menüführung komme ich besser zurecht? Welche Kameras habe ich früher besessen? Um eine gute Entscheidung treffen, muss man sich einer zentralen Frage stellen:

Was will ich fotografieren? 

Kalender 2018

Mit all diesen Überlegungen habe ich mich schon einmal beschäftigt, als ich mich vor zwei Jahren für meine aktuelle Ausrüstung entschieden habe. Nun, da ich darüber nachdenke, auf eine Kamera mit größerem Funktionsumfang zu wechseln, sind diese Fragen wieder hochaktuell.

ENTDECKE DIE MÖGLICHKEITEN

Es gibt innerhalb der Fotografie so viele verschiedene Teilgebiete, die alle ihren eigenen Anforderungen haben. Die folgende – stark vereinfachte – Liste soll einen kleinen Eindruck typischer Kriterien geben:

  • Landschaften – großer Dynamikumfang
  • Portraits – möglichst geringe Schärfentiefe
  • Nachtaufnahmen – gute Bildqualität (wenig Rauschen) auch bei sehr hohen ISO-Werten
  • Wildlife – hohe Reichweite mit Teleobjektiven
  • Allrounder – große Auswahl an Objektiven
  • Reise – geringes Gewicht, kompakte Maße
  • Video – guter Video-Autofokus, Anschlüsse für Peripherie

Dabei wird klar, dass sich einige dieser Kriterien gegenseitig ausschließen: Für klassische Portraits mit minimaler Schärfentiefe brauche ich eine Vollformat-Kamera mit großer Offenblende. Eine Canon 5D Mark IV wiegt mit dem Kit-Objektiv schon fast 1,5kg; mit einem Portrait-Objektiv wie dem 70-200mm ƒ/2.8 sind es deutlich über 2kg. Im Fotostudio mag das keine Rolle spielen, aber bei einer Wanderung überlegt man sich schon, ob man das mitschleppen will. Eine Sony RX100 III hingegen wiegt nur 300g, ist kaum größer als eine Zigarettenschachtel, und wird dennoch von vielen Fotografen als sehr gute Reisekamera empfohlen. Dafür hat sie anderswo ihre Grenzen.

Für Nachtaufnahmen eignet sich am besten ein großer Sensor mit niedriger Auflösung, so dass jedes Pixel viel Licht einfangen kann – wie zum Beispiel die Sony A7S, eine Vollformat-Kamera mit lediglich 12 Megapixeln, aber überragender Leistung in dunklen Umgebungen. Für Wildtiere hingegen nehme ich lieber einen kleineren Sensor, um mit den Teleobjektiven durch den engeren Bildausschnitt eine noch größere Reichweite zu haben – eine Canon 80D hat 24 Megapixel und durch den Formatfaktor von 1,6 erhalte ich mit einem 300mm-Objektiv denselben Bildausschnitt wie bei 480mm am Vollformat.

Die Frage darf also nicht lauten: Welche Kamera ist die beste? Sondern: Welche Kamera ist für mich die beste?

Alles gepackt für den nächsten Foto-Ausflug
Alles gepackt für den nächsten Foto-Ausflug

WARUM ICH MICH DAMALS FÜR CANON APS-C ENTSCHIEDEN HABE…

Mit Blick auf das anstehende Upgrade lohnt es sich natürlich, darüber noch einmal nachzudenken. Vor allem mit der Frage: Was hat sich seitdem geändert? Wesentliche Erkenntnis von damals: ich bin am ehesten ein Allrounder. Ich habe kein ausgesprochenes Spezialgebiet, sondern fotografiere, was mir Spaß macht: Landschaften, aber auch Leute auf Veranstaltungen. Mal Nachtaufnahmen, mal Tiere. Mal kleine Details, mal das große Ganze. Ich will eine gute Bildqualität, aber die Kamera auch mal einen ganzen Tag mitnehmen können, ohne dass sie zum buchstäblichen Klotz am Bein wird.

Ich habe mich damals nach reiflicher Überlegung für die Canon 760D entschieden. In meinem Blog-Beitrag zur Kamera habe ich ausführlich beschrieben, warum. Und ich habe diese Entscheidung bis heute nie bereut.

Ausschlaggebend waren unter anderem Punkte wie der dreh- und klappbare Touchscreen, die (für mich) intuitive Bedienung, und vor allem die große Auswahl an Objektiven verschiedener Hersteller. Letztlich spielte natürlich auch der Preis eine Rolle. Die 760D hat meine Erwartungen voll erfüllt, und ich habe mir ihr viele sehr schöne Fotos machen können – weit über das hinaus, was ich mir anfangs überlegt hatte.

Natürlich habe ich in den zwei Jahren auch sehr viel dazu gelernt, und mit dem Können wachsen auch die Ansprüche. Daher habe ich mir in den letzten Monaten immer wieder die Frage gestellt: Ist eine Kamera wie die 760D immer noch die für mich beste Kamera?

…UND WARUM ICH JETZT ENTSCHIEDEN HABE, DABEI ZU BLEIBEN

Im Laufe der Zeit habe ich mir eine Anzahl Objektive verschiedenster Hersteller (Canon, Sigma, Tamron, Tokina, Samyang…) zugelegt. Um den finanziellen Aufwand eines Upgrades im Rahmen zu halten war klar, dass ich bei einer Canon-Kamera bleibe. Daher kamen daher nur drei Alternativen infrage: Spiegellos, Vollformat oder ein APS-C Upgrade.

Spiegellose Kamera sind zweifelsohne immer stärker im Kommen, nicht zuletzt weil der Autofokus im Live-View – bisher die Achillesferse dieses Systems – immer besser wird. Auch für mich hätte so eine Kamera Vorteile: Durch den elektronischen Verschluss lassen sich zum Beispiel die vielen tausend Einzelbilder eines Zeitraffer verschleißfrei aufnehmen, und Fokus-Peaking erleichtert das manuelle Fokussieren. Das Problem hier sind die Objektive. Theoretisch lassen sich meine Objektive, mit entsprechenden Adaptern, auch an einer Canon EOS M5 nutzen. Erfahrungsberichte aus vielen Quellen zeigen aber, dass es dabei immer wieder Probleme mit dem Autofokus gibt, vor allem bei weit offener Blende oder schlechten Lichtverhältnissen, und dass sich auch nicht jeder Adapter mit jedem Objektiv verträgt. Es gibt natürlich auch Objektive direkt für spiegellose Kameras – das würde aber erneute Investitionen bedeuten. Auch die begrenzte Akkulaufzeit der meisten spiegellosen Kameras ist für mich ein Faktor. Und zuletzt noch ein ganz irrationaler Grund: das Gefühl, eine „richtige“ Kamera in der Hand zu halten und das Klacken des Spiegels gehören für mich zum Fotografieren einfach dazu. Kurz gesagt, meine Zukunft ist (noch) nicht spiegellos.

Bleibt also Vollformat. Mit dem Erscheinen der aktuellen Canon 6D Mark II war die Versuchung schon recht groß, in diese Richtung zu gehen. Also habe ich mir eine Liste geschrieben und eine Gegenüberstellung gemacht: Was sind die Gesamtkosten für den Umstieg auf Vollformat gegenüber einem Upgrade mit APS-C, und welche Vorteile bringt mir das?

Auf der „Haben“-Seite standen dabei realistische (über verschiedene Quelle hinweg abgeglichene) Verkaufspreise für die aktuelle Kamera und alle Objektive, die rein für APS-C geeignet sind, wie etwa mein aktuelles „Immerdrauf„. Auf der „Soll“-Seite dementsprechend die Kosten für die neu anzuschaffende Kamera und die passenden, wieder zu ergänzenden Objektive. Für das APS-C Upgrade kam hier nur die Preisdifferenz der Kameras zum Tragen.

Unter dem Strich würde mich der Umstieg auf Vollformat rund 1.500,- € mehr kosten, vor allem der Objektive wegen. Bleibt die Frage: Ist es mir das wert?

Die Überschrift hat es schon verraten: nein, das ist es nicht. Denn der Abstand zwischen APS-C und Vollformat ist durch Profi-Objektive wie das 50-100mm ƒ/1.8 von Sigma deutlich geschrumpft, so dass inzwischen auch mit einer „kleinen“ Spiegelreflex sehr gute Portraits und Nachtaufnahmen möglich sind. Natürlich bleibt da noch ein Unterschied. Aber die Fälle, wo dieser für mich relevant wäre, sind so selten, dass es sich am Ende einfach nicht rechnet. Zumal der Umstieg auch Nachteile hätte: Eine Canon 5D mit Kit-Objektiv ist in jeder Dimension (Breite, Höhe, Tiefe) zwei Zentimeter größer als die 760D mit dem Immerdrauf – und um mehr als die Hälfte schwerer. Was nutzt mir eine tolle Kamera, wenn ich sie nicht mitnehme, weil sie zu unhandlich ist?

Ich bleibe also bei Canon APS-C Spiegelreflex. Das ist für mich der ideale Kompromiss aus Größe, Flexibilität, Funktionsumfang und Bildqualität. Wenn im Frühjahr 2018 der Nachfolger der Canon 80D auf den Markt kommt, wie aktuell gemutmaßt wird, dann werde ich mir diese Kamera sehr genau anschauen. Die wesentlichen Gründe für das angestrebte Upgrade sind schnell genannt: deutlich größerer Funktionsumfang und stark verbesserter Autofokus. Bis dahin habe ich sicherlich noch viel Freude an meiner 760D und den Fotos, die ich damit mache.

Ich hoffe, diese Überlegungen waren auch für Euch hilfreich.

– Jochen =8-)


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Bildnachweis: Alle Bilder – eigene Aufnahmen

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