Meine Ausrüstung: Unendliche Weiten – Tokina 11-20mm f/2.8 DX

Tokina AT-X Pro SD 11-20mm ƒ/2,8 DX an der Canon 760D

Der wesentliche Grund für mich, im Herbst 2015 eine neue Kamera anzuschaffen, war die einmalige Möglichkeit, in den Bergen am Rande der Wüste in New Mexico (USA) die Milchstraße fotografieren zu können. Damit war auch klar: Es musste ein besonders für die Astro-Fotografie geeignetes Objektiv her. Aus den Recherchen im Internet ergaben sich schnell die beiden grundlegenden Anforderungen:

  • möglichst weitwinklig, um viel Himmel aufs Bild zu bekommen
  • möglichst offene Blende, um viel Licht einzufangen

Für APS-C Kameras wie meine 760D liegt der Brennweitenbereich für „Ultra-Weitwinkel“ in der Größenordnung 10-20mm. Tatsächlich gibt es in diesem Bereich eine ganze Reihe von Objektiven verschiedener Hersteller. Die meisten haben allerdings eine variable Blende zwischen ƒ/3,5 oder ƒ/4 und ƒ/5,6 und sind somit nicht sehr lichtstark. Doch es gibt eines, das aus dieser Menge mit einem Alleinstellungsmerkmal heraussticht.

TOKINA AT-X Pro SD 11-20mm ƒ/2,8 (IF) DX

Tokina AT-X Pro SD 11-20mm ƒ/2,8 DX
Tokina AT-X Pro SD 11-20mm ƒ/2,8 DX

Das Tokina hat eine durchgehende Offenblende von ƒ/2,8 und fängt damit deutlich mehr Licht ein (rund zwei- bis viermal so viel) als die anderen Objektive in diesem Brennweitenbereich. Dafür ist es mit aktuell rund 600,- € (Jan. 2017) auch das teuerste Objektiv – mal abgesehen von Canons Profilinsen, wie dem 14mm ƒ/2,8 L für rund 2.000,- €. Wenn Ihr den Nachthimmel fotografieren wollt und daher auf die große Blende angewiesen seid, ist das Tokina die Investition allerdings auch wert.

AUSSTATTUNG

Eine große Offenblende bedeutet immer viel Glas, folglich ist das Objekt groß und schwer. Es liegt jedoch zusammen mit der Kamera gut in der Hand. Es ist gut verarbeitet, und auch wenn das Gehäuse aus Plastik ist, wirkt es nicht übermäßig „billig“. Kritikpunkt aus meiner Sicht bei der Verarbeitung: Das Umschalten zwischen Autofokus und manuellem Fokus erfolgt durch Verschieben des Fokusrings, wie man an den Markierungen im Bild oben erkennen kann. Das geht nicht in jeder Position ohne zu haken, und es kommt beim Umschalten daher leicht vor, dass man den eingestellten Fokuspunkt unabsichtlich verschiebt. Davon abgesehen arbeitet der Autofokus zuverlässig, und manuell kann man gefühlvoll fokussieren. Einen Bildstabilisator hat das Objektiv nicht; dieser ist bei so kurzen Brennweiten meiner Meinung nach aber auch nicht unbedingt nötig. Zum Lieferumfang gehört neben den Deckeln für Vorder- und Rückseite auch eine Gegenlichtblende. Diese ist, dem weiten Blickwinkel geschuldet, zum einen recht flach und hat zum anderen einen sehr großen Durchmesser. Daher passt sie nicht mit dem Objektiv zusammen in einen üblichen Köcher, sondern muss extra verstaut werden. Aufgrund von Größe und Gewicht nehme ich das Tokina auch nicht überall mit hin, sondern nur gezielt bei Bedarf.

EINSATZ UND ERGEBNISSE

Ich verwende das Objektiv inzwischen regelmäßig. Natürlich für Aufnahmen des Sternenhimmels, wie unten in den Beispielen zu sehen. Aber nicht nur dafür – auch für Innenaufnahmen eignet es sich bestens, besonders in eher engen oder kleinen Räumen und auch bei stimmungsvoller Beleuchtung. Das Foto vom Dampflokführerstand, der nur mit einer einfachen Lampe ausgeleuchtet war, wäre aufgrund der Platzverhältnisse mit einer längeren Brennweite gar nicht möglich gewesen. Ebenso ist es hervorragend für Landschaften geeignet, wie etwa den Sonnenaufgang am Strand. Für diese Zwecke braucht man zwar nicht zwingend die 2.8er Blende, doch hat man dadurch immer noch den Vorteil, dass das Objektiv beim Abblenden bereits deutlich früher ein bis in die Ecken scharfes Bild erzeugt.

Die Bildbeispiele unten sind alle am kurzen Ende – also bei 11mm – aufgenommen, denn dafür habe ich mir das Objektiv ja gekauft. Auch wenn ich für das lange Ende mit dem Sigma C 17-70mm und dem Sigma A 18-35mm Alternativen habe, so gibt mir der Zoombereich des Tokina bis 20mm doch die Möglichkeit, zwischendrin auch eine „normale“ Weitwinkel-Aufnahme machen zu können, ohne gleich das Objektiv wechseln zu müssen.

Mit der Bildschärfe, die das Tokina liefert, bin ich auf jeden Fall zufrieden. In der Mitte ist es immer scharf; die Ecken sind bei Blende ƒ/2,8 deutlich weicher – bei der Aufnahme von der Milchstraße unten kann man den Unterschied zwischen Bildmitte und den Ecken anhand der Größe der Sterne gut sehen. Dieses Verhalten ist jedoch normal für ein Ultra-Weitwinkel und bewegt sich in einem für mich akzeptablen Rahmen. Blendet man ab, ist das Bild spätestens ab ƒ/5,6 durchgehend sehr scharf. Schließt man die Blende noch weiter bis auf ƒ/11, so erzeugt die Blende schön anzuschauende Sonnensterne. Allerdings hat man bei Gegenlicht mit deutlich sichtbaren Lensflares zu kämpfen. Diese können sehr stylisch aussehen, sind aber nicht immer erwünscht.


FAZIT

Empfehlung: Wenn Ihr nachts die Sterne fotografieren oder Bilder in nur mäßig beleuchteten, engen Innenräumen aufnehmen wollt, dann lohnt sich die Investition in das Tokina auf jeden Fall. Es ist solide, zuverlässig und liefert eine durchaus gute Bildqualität. Es ist allerdings auch nicht frei von Mängeln, und die Empfehlung beruht in erster Linie auf dem Alleinstellungsmerkmal der durchgehenden 2,8er Blende.

Wenn Ihr diese hohe Lichtstärke nicht braucht, dann empfehle ich Euch das Canon EF-S 10-18mm ƒ/4,5-5,6 (Link auf Amazon). Es ist deutlich kleiner, leichter, und vor allem auch preiswerter (Jan. 2017: 230,- €) als das Tokina. Es liefert ebenfalls scharfe Bilder, lässt aber im Vergleich nur rund ein Viertel des Lichts herein, so dass Ihr auf ausreichend helle Motive, längere Belichtungszeiten oder höhere ISO-Werte angewiesen seid.

Was ich gelernt habe: Das Fotografieren mit einem Ultra-Weitwinkel Objektiv macht eine Menge Spaß – weil man auch auf engstem Raum noch eine Menge auf das Bild bekommt und weite Landschaften mit nur einer Aufnahme einfangen kann. Damit einher geht allerdings die Herausforderung, den Vordergrund nicht zu leer wirken zu lassen, denn sonst fühlt sich der Betrachter schnell verloren im Bild – daran arbeit ich noch. Speziell mit dem Tokina habe ich für mich den Spaß an der Sternenfotografie entdeckt, auch wenn das mit der Lichtverschmutzung hier im Rhein-Main-Gebiet alles andere als einfach ist.


LINKS

Bildnachweis: alle Bilder eigene Aufnahmen.


BEISPIELBILDER:

Sonnenaufgang auf St. Simon's Island
Sonnenaufgang auf St. Simon’s Island

 

Feuerkorb auf der Terrasse
Feuerkorb auf der Terrasse

 

Führerstand einer Güterzug-Dampflok (HDR)
Führerstand einer Güterzug-Dampflok (HDR)

 

Milchstraße über Albuquerque
Milchstraße über Albuquerque

 

Berghütte in einer Vollmond-Nacht
Berghütte in einer Vollmond-Nacht

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