Meine Ausrüstung: Der lange Arm des Sensors: Tamron 70-300 mm f/4-5.6

Tamron SP 70-300mm ƒ/4-5,6 Di VC USD an der Canon 760D

Als ich mich nach dem Umstieg auf meine Canon 760D mit den passenden Objektiven beschäftigt habe, war von Anfang klar, dass auch wieder ein Teleobjektiv zur Ausrüstung gehören sollte. Zwar nutze ich die langen Brennweiten eher selten, aber eben doch immer mal wieder. Daher war für mich vor allem ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis ausschlaggebend. Nach entsprechender Recherche kamen zwei Objektive in die engere Auswahl: Das Canon EF-S 55-250 mm ƒ/4-5.6 IS STM, auf das ich unten bei den Alternativen nochmal zu sprechen komme, und eben das Tamron, das ich Euch hier vorstellen möchte.

TAMRON SP 70-300 mm ƒ/4-5.6 DI VC USD

Nachdem es zwischen den beiden genannten Objektiven nach übereinstimmender Meinung vieler Reviews kaum Unterschiede in der Bildqualität gibt, war für mich letztlich die längere Brennweite des Tamron entscheidend. Da mein „Immerdrauf“ bereits den Bereich bis 70 mm abdeckt, konnte ich so mit dem Tamron nahtlos daran anschließen. 300 mm an einer Canon-Kamera mit APS-C Sensor liefern den gleichen Bildausschnitt wie 480 mm an einer Vollformat-Kamera. Damit kommt man, buchstäblich, ziemlich weit. Das war mir dann auch den höheren Preis im Vergleich zum Canon 55-250 wert. Neu kostet das Tamron aktuell (April 2017) um die 300,- Euro. Ich habe das Objektiv bei Ebay gebraucht, aber in sehr gutem Zustand, für ca. 180,- Euro gekauft. Auf der CP+ in Yokohama wurde die Tage übrigens ein Nachfolgemodell mit leichten Verbesserungen in Sachen Autofokus und Bildstabilisator angekündigt; es ist aber noch nicht klar, wann und zu welchem Preis das hier verfügbar sein wird.

Tamron SP 70-300mm ƒ/4-5,6 Di VC USD
Tamron SP 70-300 mm ƒ/4-5.6 Di VC USD

AUSSTATTUNG

Maßgeblich für die Charakterisierung des Objektivs sind die drei Abkürzungen am Ende der vollen Bezeichnung: „Di VC USD“. „Di“ besagt, dass es sich um ein Objektiv für Vollformat-Kameras handelt. Das passt natürlich auch auf APS-C Kameras; aber das bedeutet vor allem: Es ist groß! Insbesondere mit Gegenlichtblende und auf 300 mm ausgefahren erreicht es beeindruckende Ausmaße; aber auch in der Kameratasche nimmt es eine Menge Platz weg. Da überlegt man sich schon mal, ob man das wirklich mitnehmen will. Die große Gegenlichtblende gehört, genau wie die Objektivdeckel für Vorder- und Rückseite, zum Lieferumfang.

Hinter „VC“ verbirgt sich Vibration Control, so nennt Tamron seinen Bildstabilisator. Und der liefert beim 70-300 durchaus beeindruckende Ergebnisse, zumindest bei normalen Fotos. Videos habe ich mit dem Objektiv nie aufgenommen, da soll der Stabilisator jedoch zu nervösen Zuckungen neigen. Mehr dazu in den unten verlinkten Reviews. Ich habe mit dem Objektiv immer aus der Hand fotografiert und auch bei 300 mm waren nur selten verwackelte Bilder dabei.

„USD“ steht schließlich für „Ultrasonic Silent Drive“ und beschreibt den Autofokus-Motor. Der arbeitet ausreichend schnell und ist extrem leise. Generell ist der Autofokus beim Tamron 70-300 an meiner Canon 760D sehr treffsicher; nur bei 300 mm sucht er gelegentlich kurz, bis er den richtigen Punkt gefunden hat.

Schalter hat das Objektiv zwei Stück: einen für den Bildstabilisator und einen für den Autofokus. Dabei kann man auch bei aktiviertem AF jederzeit manuell in den Fokus eingreifen. Ein Reichweitenbegrenzer wie etwa beim Tamron 90 mm ƒ/2.8 Macro fehlt hier; allerdings ist die Naheinstellgrenze bei 1,5 Meter. Der Zoomring arbeitet stramm genug, dass man ihn einerseits gut bedienen kann; das Objektiv andererseits aber selbst mit Gegenlichtblende nicht von alleine ausfährt, wenn man die Kamera kopfüber trägt.

EINSATZ UND ERGEBNISSE

Ich habe das Objektiv tatsächlich in erster Linie dafür genutzt, weit entfernte Dinge zu fotografieren. Bei einem Mindestabstand von 1,5 Metern eignet es sich nur sehr bedingt für Nahaufnahmen. Es gibt allerdings Ausnahmen, wie die Beispielbilder unten zeigen. Für Portraits greife ich dann doch lieber zu einem Objektiv mit einer deutlich offeneren Blende, also dem 90 mm ƒ/2.8 oder dem 50 mm ƒ/1.8.

Das mit den weit entfernten Dingen kann das Tamron dafür richtig gut. Es ist klar, dass bei einem Zoom-Objektiv, das einen so großen Brennweitenbereich abdeckt, immer Kompromisse in der Optik eingegangen werden. Vor allem in dieser Preisklasse – schließlich kosten die Profi-Objektive in dieser Kategorie das sieben- bis achtfache. Daher mag es kaum überraschen, dass das Bild gerade bei 300 mm an einem APS-C Sensor nicht mehr gestochen scharf ist. Überraschend gut hat Tamron dafür die chromatische Aberration im Griff – die bunten Farbsäume an kontrastreichen Kanten halten sich sehr im Rahmen und lassen sich in der Nachbearbeitung leicht korrigieren.

Kurz gesagt: Mit der Bildqualität war ich durchweg immer sehr zufrieden.

Um Euch einen Eindruck zu vermitteln, hier mal ein kleiner extremer Test anhand von zwei Urlaubsfotos, aufgenommen letztes Jahr im Berchtesgadener Land. Zu sehen ist der Blick von einer Berghütte auf den rund sechs Kilometer entfernten Gipfel des Hochstaufen. Zunächst mal die Totale, fotografiert am Abend mit 90 mm Brennweite:

Alpenglühen: Hochstaufen im Abendrot
Alpenglühen: Totale des Hochstaufen im Abendrot

Am nächsten Vormittag wollte ich dann schauen, was das Tamron kann. Hier der volle Bildausschnitt, der sich von diesem Standort bei 300 mm an APS-C ergibt:

Der rund 6,5km entferne Gipfel des Hochlaufen - Voller Bildausschnitt bei 300mm
Gipfel des Hochstaufen aus rund 6 km Entfernung – Voller Bildausschnitt bei 300 mm

Die 760D hat einen 24 Megapixel Sensor, liefert also Bilder in der Größe 6.000 x 4.000 Pixel. Ich habe die Anzeige auf 100% gezoomt und dann Bereich in der Mitte um das Gipfelkreuz herausgeschnitten. Das Kreuz ist rund vier bis fünf Meter groß. Wären zur Zeit der Aufnahme Bergsteiger am Gipfel gewesen, hätte man sie deutlich sehen können. Sehr gut zu erkennen ist die goldene Verzierung am Kreuz; zum Vergleich gibt es eine Nahaufnahme des Gipfelkreuzes auf der Homepage von Klaus Isbaner.

Der rund 6,5km entferne Gipfel des Hochlaufen - 100% Vergrößerung aus der Bildmitte
Gipfel des Hochstaufen aus rund 6 km Entfernung – 100% Vergrößerung aus der Bildmitte

Vermutlich hätte man an einem sonnigen Tag (kürzere Verschlusszeit) und mit Stativ noch etwas mehr an Schärfe herausholen können. Aber wer hat schon immer perfekte Bedingungen beim Fotografieren? So liefern die Bilder einen, wie ich finde, repräsentativen Eindruck was das Objektiv zu leisten vermag. Weitere „alltagsnahe“ Beispielbilder findet Ihr unten am Ende des Beitrags.

ALTERNATIVEN

Wie eingangs schon erwähnt, ist der Hauptkonkurrent für das Tamron 70-300 mm, zumindest wenn man wie ich eine Canon-Kamera mit APS-C Sensor besitzt, dass Canon EF-S 55-250 mm IS STM. Da es speziell für die kleineren Kameras konstruiert ist, kann es auch um einiges kompakter sein. Zum Vergleich: Das Tamron hat die Maße (Durchmesser x Länge) 8,1 x 14,3 cm und wiegt 767 Gramm. Beim Canon sind es 7 x 11 cm, und es wiegt mit 375 Gramm gerade mal die Hälfte. Der Unterschied beim Packmaß liest sich nicht sonderlich beeindruckend, macht sich in der Praxis aber deutlich bemerkbar. Das Canon liegt beim Neupreis bei rund 180,- Euro; das Tamron bei 300,- Euro (April 2017). Von der Bildqualität her liegen beide Objektive auf einem Niveau.

Inzwischen habe ich mich dazu entschieden, mir ein klassisches 70-200 mm Objektiv mit durchgehender Blende ƒ/2.8 zuzulegen. Die größere Blende bietet deutlich mehr Spielraum bei schlechten Lichtverhältnissen (abends oder in Innenräumen), für kurze Verschlusszeiten bei Action-Fotos oder für unscharfe Hintergründe bei Portraits. Auch da gibt es verschiedene Objektive zur Auswahl, die aber alles eines gemeinsam haben: sie sind nochmal deutlich größer und schwerer als das Tamrom. Ein 70-200 ƒ/2.8 ist also sicher kein Objektiv zum immer dabeihaben; das werde ich nur ganz gezielt mitnehmen. Umso wichtiger ist es, eine leicht zu transportierende Alternative zu haben. Daher werde ich beim „Alltags-Tele“ jetzt vom Tamron auf das Canon umsteigen. Denn was nutzt einem ein Teleobjektiv, wenn man es nicht mitnimmt, weil es zu unhandlich ist?


FAZIT

Empfehlung: Das Tamron bietet für seinen Preis eine sehr gute Bildqualität und einen leistungsstarken Bildstabilisator. Wenn Ihr sowohl eine APS-C- als auch eine Vollformat-Kamera habt, oder in absehbarer Zeit umsteigen wollt, dann ist das Tamron der perfekte Allrounder, der Euch sicher eine Menge Spaß bringen wird. Wenn Ihr ausschließlich mit APS-C fotografiert und auf die letzten 50 mm Brennweite nicht zwingend angewiesen seid, dann rate ich Euch wegen des kleineren Packmaßes und des günstigeren Preises zum Canon EF-S 55-250 mm ƒ/4-5.6 IS STM. Von der gebotenen Leistung her sind beide Objektive ebenbürtig.

Was ich gelernt habe: Zum einen steigen mit der Zeit die Ansprüche – daher das angestrebte Upgrade in Richtung 70-200 mm ƒ/2.8. Zum anderen habe ich gemerkt, dass das Tamron aufgrund seiner Ausmaße auf Dauer doch etwas unpraktisch ist – es passt kaum in meine Kameratasche. Daher werde ich nun zum ersten Mal ein Objektiv wieder verkaufen. So oder so möchte ich in meiner Ausrüstung auf ein Teleobjektiv auf keinen Fall verzichten.


LINKS

Bildnachweis: alle Bilder eigene Aufnahmen.


BEISPIELBILDER:

Welpe in Aktion
Welpe in Aktion – aus ausreichender Entfernung aufgenommen, hat der Hund genügen Platz um ungestört zu spielen. Im Gras sieht man sehr schön der Verlauf der Tiefenschärfe.

 

Kurze Spielpause
Kurze Spielpause – Die längeren Brennweiten eignen sich auch hervorragend für Portraits. Der Hund saß direkt am Feldrand, zudem ist bei 180 mm die maximale Blende nur noch ƒ/5.0;  daher ist der Hintergrund nicht komplett unscharf.

Die folgenden Beispielbilder sind aus dem Beitrag „Im Brennpunkt: der Perspektivenwechsel„:

Apfelblüte in der Morgensonne
Apfelblüte in der Morgensonne. Brennweite und Blende helfen hier, die Blüten im Vordergrund herauszustellen und gleichzeitig durch die unscharfen Blüten im Hintergrund zu zeigen, dass es nur ein Ast eines blühenden Baumes ist.

 

Fächer-Ahorn im Herbst
Fächer-Ahorn im Herbst. Wieder helfen das Teleobjektiv bei 300 mm und Blende ƒ/5,6, die Details nah heranzuholen und gleichzeitig die Bäume in Hintergrund zu einer gleichmäßigen gelben Fläche werden zu lassen.

 

Kirschblüten
Kirschblüten. Mit dem Teleobjektiv auf 300 mm kann man sich die Blüten von Nachbars Kirschbaum ganz nah heranholen. Bei Blende ƒ/5,6 werden die Bäume im Hintergrund unscharf genug, um nicht abzulenken.

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2 comments

    1. Langfristig wird es wohl ein 70-200 f/2.8 mit Bildstabilisator. Entweder das neue von Tamron (G2) oder ein gebrauchtes „L II“ von Canon; die liegen preislich auf einer Höhe. Davor gibt es aber noch einen Zwischenschritt.

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