Buchempfehlung: Tony Northrup – Stunning Digital Photography

Book Cover: Stunning Digital Photography (www.northrup.photo)

Ein umfangreiches Fotografie-Buch, das gleichzeitig Video-Tutorial und Foto-Community ist, gibt’s das? Ja, gibt’s tatsächlich. Zumindest auf Englisch: Tony Northrup spannt mit seinem Buch „Stunning Digital Photography“ (SDP) den großen Bogen von Anleitungen für Einsteiger bis hin zu Tipps für Fortgeschrittenen, und das praktisch quer durch alle Disziplinen der Fotografie.

Als ich damals angefangen habe, mich intensiver mit der Fotografie zu beschäftigen, habe ich vor allem eins gesucht: Orientierung. Welche Möglichkeiten gibt’s überhaupt? Was braucht man wofür? Wo fängt man am besten an? Nachdem ich für die Auswahl meiner Kamera und Objektive, sowie für das Thema „Milchstraße fotografieren“ YouTube als Informationsquelle entdeckt hatte, bin ich dort auch recht schnell auf die zahlreichen Videos im Kanal von Chelsea & Tony Northrup gestoßen – und dadurch auf das Buch.

SDP: EINES FÜR ALLES

Das Buch gibt es in allen möglichen Formaten: als gebundene Ausgabe oder als Ebook für alle gängigen Reader. Ich empfehle unbedingt die Ebook-Variante, denn hier sind die zahlreichen Videos mit Beispielen und Anleitungen direkt verlinkt, so dass man zwischen Lesen und Schauen hin- und herspringen kann. Das macht das Buch sehr lebendig, denn in den Videos werden die Auswirkungen verschiedener Einstellungen sehr viel anschaulicher dargestellt als dies lediglich mit ein paar Bildern im Buch möglich wäre. Gerade das macht für mich den großen Reiz aus und war letztlich ausschlaggebend für den Kauf.

Ein weiterer Vorteil hier ist, dass das Buch nicht „fertig“ ist – es werden immer mal wieder Kapitel und Videos aktualisiert, oder es kommen neuen hinzu. Und hat man das Buch einmal erworben, hat man auch automatisch Zugriff auf alle folgenden Aktualisierungen, die man dann einfach von der Homepage herunterladen kann.

BUCHAUFBAU

Das Buch beginnt mit einigen allgemeinen Kapiteln: den „Quick Tips“ für Schnelleinsteiger, gefolgt von Abschnitten zu Bildaufbau, Licht und Blitz, sowie Kamerabedienung im Allgemeinen. Hier werden viele Grundbegriffe erläutert wie etwa die Wirkung von Brennweite, Blickwinkel und Lichteinfall auf ein Bild. Ergänzend zu den allgemeinen Bedienungshinweisen bietet Tony für viele populäre Kameramodelle jeweils ca. einstündige Tutorials an, in denen ausführlich auf die Bedienung der jeweiligen Kamera und ihre Besonderheiten eingegangen wird. Der allgemeine Abschnitt wird abgeschlossen mit einem „Trouble Shooting“ Kapitel, in dem den Ursachen für unscharfe Bilder oder verfälschte Farben nachgegangen wird.

Dann folgt eine ganze Reihe von Kapiteln, die sich, aufbauend auf den zuvor geschaffenen Grundlagen, ausführlich speziellen Themen widmen: Portraits, Hochzeiten, Tiere, Landschaften, Nachtaufnahmen, HDR-Bilder, Makro-/Nahaufnahmen und schließlich Unterwasser-Fotografie. In jedem dieser Abschnitte gibt es neben einleitenden Hinweisen dann spezifische Tipps zur Planung von Fotos, Kameraeinstellungen, Ausrüstung und leicht zu vermeidenden Fehlern. In vielen Kapiteln gibt es zudem ein kleines Quiz, mit dem man einfach schauen kann, wie viel des Gelesenen und Gesehenen man bereits verinnerlicht hat.

DIE VIDEOS

Die Videos sind allesamt gut gemacht – mit zwei bis fünf Minuten haben die meisten von ihnen eine angenehme Länge; bei komplexen Themen können es auch mal zehn Minuten werden. Viele der Videos sind auf dem YouTube-Kanal frei zugänglich; es gibt aber auch etliche, an die man nur über die Links aus dem Buch kommt, so dass man hier einen echten Mehrwert hat. Ich finde das Englisch von Chelsea und Tony gut zu verstehen. Zudem haben die meisten Videos inzwischen auch Untertitel, die man zusätzlich einblenden kann.

Jedes Video betrachtet ein spezielles Thema und stellt es anschaulich dar. Das kann ein Stück Theorie sein, wie etwa die Wirkung der Blendeneinstellung auf das Foto, oder praktische Hinweise, etwa zum Fotografieren von Vögeln. Auch heute noch greife ich immer wieder gezielt auf einzelne Videos aus dem Buch zu, wenn ich etwas Bestimmtes ausprobieren oder wissen will.

FACEBOOK-GRUPPE

Wenn Ihr das Buch habt, bekommt Ihr auch Zugang zur geschlossenen Facebook-Gruppe „Stunning Digital Photography Readers“. Hier könnt Ihr eigene Bilder hochladen und so direkte Rückmeldungen aus dieser recht großen Community bekommen. Die Erfahrung zeigt: Je konkreter die Fragen sind, die Ihr zum eigenen Bild stellt, umso bessere Rückmeldungen erhaltet Ihr. Zudem bieten die zahlreichen Bilder anderer Fotografen Inspirationen für eigene Foto-Versuche. Auch dafür hat sich aus meiner Sicht die Investition in das Buch gelohnt.

WEITERFÜHRENDES

In „Stunning Digital Photography“ geht es in erster Linie um das Machen der Bilder. Was hier nur ansatzweise behandelt wird, ist die Nachbearbeitung. Das ist auch in Ordnung aus meiner Sicht, denn es würde zum einen den Rahmen des Buches sprengen und ist zudem stark von der verwendeten Software abhängig. Wer auf die Programme von Adobe setzt, für den haben Chelsea und Tony weitere Bücher speziell für Lightroom und Photoshop im Angebot, die ähnlich aufgebaut sind wie SDP. Auch hier sind viele, aber lange nicht alle Videos auf YouTube frei zugänglich.

Falls Euch die Erläuterungen zur Theorie des Fotografierens in SDP, egal ob z.B. Bildaufbau oder Kameratechnik, nicht weit genug gehen, oder falls Ihr schlicht neugierig geworden seid, dann schaut Euch unbedingt die Vorlesungsreihe Digitale Fotografie von Mark Levoy an.

VERGLEICHBARES AUF DEUTSCH

Etwas Vergleichbares – im Sinne von „alles aus einer Hand“ – ist mir bislang auf Deutsch noch nicht untergekommen. Natürlich gibt es auch hier ein weit gefächertes Angebot an YouTube-Videos und Büchern, zum Beispiel von Stephan WiesnerBenjamin Jaworskyj und Frank Fischer. Die einzelnen Themen sind hier ebenfalls gut aufbereitet und präsentiert; es fehlt jedoch die allumfassende Klammer, die alles miteinander verbindet. Dies ist nicht zuletzt der Tatsache geschuldet, dass jeder Fotograf seine Spezialgebiete hat, die er besonders gut präsentiert und dafür andere Themen auslässt.


FAZIT

Empfehlung: Wenn für Euch Englisch kein Ausschlusskriterium ist, dann kann ich Euch „Stunning Digital Photography“ auf jeden Fall als Rundum-Paket empfehlen.

Was ich gelernt habe: Das Buch, und viel mehr noch die darin enthaltenen Videos, haben mir einen sehr guten Überblick sowohl über die Grundlagen als auch das ganze Spektrum der Fotografie gegeben. Gleichwohl habe ich im Vergleich mit den Anleitungen anderer Fotografen gelernt, nicht alles aus dem Buch und den Videos ungeprüft zu übernehmen, sondern Dinge auch zu hinterfragen und die für mich passenden Anregungen zu übernehmen. Um es mit Stephan Wiesner zu sagen: nicht glauben, ausprobieren!


LINKS

Titelbild: Buchtitel; Quelle: http://northrup.photo/

YouTube-Empfehlung: Christopher Frost

Christopher Frost Photography

Als ich angefangen habe, mich nach weiteren Objektiven für meine 760D umzuschauen, war der YouTube-Kanal von Christopher Frost einer der ersten, die ich abonniert habe. Chris ist ein begeisterter Fotograf und angehender Vikar, der in Cardiff lebt. Er bezeichnet sich selbst als „Objektiv-Enthusiast“ und veröffentlicht laufend detaillierte Testberichte.

Genau diese Testberichte habe ich sehr zu schätzen gelernt. Chris geht dabei gewissenhaft und nach einem konsistenten Schema vor, so dass die Berichte auch untereinander vergleichbar sind. Gelegentlich nutzt er dies, um mehrere Videos zu einer „Battle“ zusammenzufassen – zum Beispiel zehn verschiedene 50mm Objektive oder acht Ultra-Weitwinkel. So sieht man nicht nur sehr gut, wie sich ein bestimmtes Objektiv unter verschiedenen Einstellungen oder an unterschiedlichen Kameras verhält, sondern kann die Objektive auch leicht untereinander vergleichen.

Die folgenden Punkte werden von ihm bewertet:

  • Anmutung, Qualität und Ausstattung
  • Bildqualität (Schärfe, Kontrast, chromatische Aberrationen) – und zwar an Vollformat als auch an APS-C soweit möglich sowie bei verschiedenen Blendenstufen und (bei Zoom-Objektiven) Brennweiten.
  • Verzerrung und Vignettierung
  • Bildqualität an der Naheinstellgrenze
  • Verhalten bei Gegenlicht
  • Bokeh

Dabei testet er an Objektiven so ziemlich alles, was auf eine Canon DSLR passt; insbesondere von Drittanbietern. Inzwischen sind so schon über 130 Videos entstanden. Zuletzt hat er sich auch eine spiegellose Kamera zugelegt, so dass er nun auch Objektive speziell für DSLM betrachtet.

Die Videos sind sehr angenehm gemacht und beinhalten neben den immer gleichen Testbildern auch stets einige Beispielbilder und persönliche Erfahrungsberichte. Er ist mit Begeisterung bei der Sache, jedoch ohne dabei zu übertreiben. Die Videos haben mit jeweils fünf bis zehn Minuten eine angenehme Länge. Sein Englisch ist sehr gut zu verstehen. Ich habe mich anhand seiner Tests zum Beispiel für mein Tele-Objektiv, das Tamrom SP 70-300mm ƒ4-5,6 Di VC, entschieden.

PLAYLIST-EMPFEHLUNGEN

  • Canon Objektive – Berichte zu Canons eigenen EF, EF-S und neuerdings auch EF-M Linsen.
  • Sigma Objektive – Objektive aus den aktuellen „Art“, „Contemporary“ und „Sports“ Reihen sowie ältere Modelle
  • Tamron Objektive – Gläser aus dem Hause Tamron
  • Berichte zu weiteren Objektiven – Tests zu Linsen von Irix, Mitakon, Tokina, Venus ‚Laowa‘, Yongnuo und Zeiss sowie einige eigenartige Exemplare

Darüber hinaus hat Chris noch weitere Playlisten, die sich um Musik, Fernsehserien oder sein Engagement in der Kirche drehen.


FAZIT

Empfehlung: Wer angenehm gestaltete, fundierte und informative Testberichte zu Objektiven für Canon-Kameras sucht, ist bei Chris an der richtigen Adresse – große Empfehlung!

Was ich gelernt habe: Gerade durch die Vergleichbarkeit der Tests untereinander habe ich verstanden, wie unterschiedlich sich Objektive hinsichtlich Schärfe und Farbsäumen bei verschiedenen Blenden und Brennweiten unterhalten und auch, wie groß die Unterschiede sein können, wenn man dasselbe Objektiv an einer Vollformat- oder APS-C Kamera nutzt.


LINKS

Titelbild: Screenshot von YouTube

YouTube-Empfehlung: ValueTechTV

ValueTechTV

Hinter ValueTech steht im Wesentlichen der Berliner Matthias Proske mit seinem Team. Die Platform bietet dabei sehr viel mehr als nur den YouTube-Kanal, auf den ich zuerst gestoßen bin. Dazu gehört auch die Homepage mit geschriebenen Testberichten und einem recht aktiven Forum rund um Fotografie und Computer. ValueTech ist auch auf den üblichen sozialen Medien aktiv.

Mich haben vor allem die gut gemachten und angenehm präsentierten Testberichte zu Kameras und Objektiven überzeugt, und so war das einer der ersten Kanäle, die ich abonniert habe. Die Tests sind praxisnah, weder zu akademisch oder wissenschaftlich, aber auch nicht zu abschweifend. So habe ich über die Reviews auf diesem Kanal zum Beispiel mein Makro-Objektiv gefunden, mit dem ich sehr glücklich bin und das  mir schon einige faszinierende Aufnahmen beschert hat.

Angenehm hier auch: Matthias ist nicht auf eine bestimmte Kamera-Marke festgelegt sondern testet alle großen Hersteller gleichermaßen, so dass man sehr guten Überblick erhält.

PLAYLIST-EMPFEHLUNGEN

  • DSLR, DSLM und Kompaktkameras – Diese Kanal sammelt alle Kameratests von Canon, Nikon, Samsung, Sony und Co. Die jeweils fünf bis zehn Minuten langen Videos geben einen guten Überblick über das vorgestellte Modell und umfassen gelegentlich auch Vergleiche mit Vorgänger- oder Konkurrenzmodellen oder ein Unboxing. Zu ausgewählten Kameras gibt es dann jeweils nochmal eigene Playlists mit mehreren Videos, wie zum Beispiel für meine Canon 760D.
  • Objektive – Was wäre eine gute Kamera ohne die passenden Objektive? Hier gibt es die Testberichte nicht nur den Objektiven der Kamerahersteller wie Canon, Nikon oder Sony selber, sondern auch Drittanbieter wie Tamron und Sigma sind hier gut vertreten.
  • Foto- und Videozubehör – Diese Kategorie ist extrem umfangreich. Von Stativen über Speicherkarten und Mikrofonen zu Filtern, Taschen und Gimbals findet man hier eigentlich alles, was außer Kameras und Objektiven eben noch zum Thema Fotografie gehört.

Abschließend sei erwähnt, dass es auch noch eine Playlist mit 12 Tipps für bessere Fotos gibts. Der Begriff „Tutorial“ wäre hier allerdings übertrieben, aus meiner Sicht ist das eher ein Video-Glossar in dem einzelne Aspekte der Fotografie ganz kurz vorgestellt werden.


FAZIT

Empfehlung: Gut gemachte, informative Reviews zu Kameras, Objektiven und Ausrüstung. Auf jeden Fall ein Abonnement auf YouTube wert!

Was ich gelernt habe: Die Videos von ValueTechTV haben mir dabei geholfen, einige gute Entscheidungen für meine Ausrüstung zu treffen.


LINKS

Titelbild: Screenshot von YouTube

Milchstraße fotografieren & nachbearbeiten

Lonely Speck

Die Milchstraße fotografieren – das war die Motivation für mich, mich endlich eingehender mit dem Thema Fotografie zu befassen. Im Vorfeld einer Reise nach Albuquerque, New Mexico, hatte ich mir bereits eine neue Kamera zugelegt. Jetzt ging es darum zu lernen, wie ich die Ausrüstung am besten einsetze – und vor allem auch, wie ich im Anschluss am Rechner das Beste aus den Bildern heraushole. Am meisten geholfen hat mir dabei der YouTube-Kanal von Ian Norman, den ich hier vorstellen möchte.

Milchstraße über New Mexico
Milchstraße über New Mexico

INFORMATIONEN AUF DEUTSCH

Der YouTube-Kanal von Ian Norman ist, da er aus Kalifornien stammt, komplett auf Englisch. Die Videos von Ian sind jedoch, was frei zugängliche Informationen zu dem Thema angeht, meiner Meinung mit Abstand das Beste was sich finden lässt. Natürlich gibt es auch Anleitungen auf Deutsch zum Fotografieren der Milchstraße. Einen guten Einstieg bietet hier zum Beispiel dieses Video von Benjamin Jaworskyj:

Videos vergleichbar mit denen von Ian habe ich allerdings bislang nicht auf Deutsch gefunden. Falls Ihr welche habt, die ähnlich gut gemacht sind, lasst es mich wissen! Es gibt natürlich auch eine ganze Reihe von Kaufvideos und -tutorials, zu denen ich allerdings nichts sagen kann. Die aus meiner Sicht wichtigsten Infos zum Thema habe ich für Euch im folgenden Text zusammengefasst.

VORBEREITUNG

PLANUNG

Ich war für rund eine Woche in Albuquerque und hatte einige Abende frei. Also schaute ich mich nach Tipps um, wo und wie man die Milchstraße am besten sehen kann. Dabei bin ich auf Astronomy Adventures gestoßen. Peter hat dort eine „dark site“ auf einer Farm in den Bergen zwischen Albuquerque und Santa Fe, auf ca. 2.400m Höhe. Dort bietet er mit seinem Teleskop geführte Touren durch den Sternenhimmel an. Gemeinsam mit ein paar Freunden hatten wir das große Glück, eine buchstäblich sternenklare Neumondnacht zu erwischen – perfekte Bedingungen. Dazu noch Peters großartige Erzählungen, der uns durch die Geschichte der Astronomie führte und einige hochinteressante Himmelsformationen zeigte.

Hierzulande ist das mit der Milchstraße wegen der Lichtverschmutzung leider nicht ganz so einfach. Um die Sterne richtig gut sehen zu können, muss man schon in den nördlichen Schwarzwald fahren, oder an die Ostseeküste. Eine sehr gute Übersicht wo es nachts richtig dunkel wird gibt es auf der Internetseite www.lightpollutionmap.info.

Aufgehender Vollmond im Odenwald
Aufgehender Vollmond im Odenwald

Eine natürliche Form der Lichtverschmutzung ist der Mond – bei Vollmond ist von den Sternen nicht mehr viel zu sehen. Zu Mondphase, Auf- und Untergang von Mond und Sonne helfen Euch prima Apps wie z.B. The Photograhper’s Ephemeris, das sich am PC oder Mac kostenlos nutzen lässt. Außerdem muss natürlich das Wetter stimmen – je weniger Wolken, je geringer die Luftfeuchtigkeit und je kälter es ist, umso besser. Und zu guter Letzt muss natürlich die Milchstraße oder das Sternbild, das Ihr fotografieren wollt, auch zu sehen sein. Auch hierfür gibt es unzählige Internetseiten und Apps; ich nutze Sky Guide für iOS.

AUSRÜSTUNG

Dieses Thema lässt sich sehr kurz zusammenfassen. Ihr braucht:

  • Eine Kamera (je größer der Sensor, umso besser – auch mit Micro Four Thirds bekommt man noch sehr gute Fotos hin; mit dem Handy dann aber nicht mehr)
  • Ein Objektiv. Dieses sollte folgende Voraussetzungen erfüllen:
    • Möglichst weitwinklig (damit viel Himmel aufs Bild passt)
    • Möglichst große Blendenöffnung (also kleine Blendenzahl, damit viel Licht auf den Sensor kommt)
    • Für APS-C Spiegelreflex bietet sich z.B. das Tokina 11-20mm ƒ/2.8 DX an, das auch ich nutze.
    • Für andere Kamerasysteme gebe ich gerne die Empfehlungen von Stephan Wiesner weiter: Für APS-C Mirrorless das Samyang 12mm ƒ/2.0, und für Vollformat-Kameras das Tamron 15-30mm ƒ/2.8.
    • Teure Ausrüstung ist aber kein Muss: Auch mit dem Kit-Objektiv lassen sich schon sehr gute Bilder machen, wie unten noch gezeigt wird!
  • Stabiles Stativ
  • Optional: Fernauslöser (wenn Ihr keinen habt, nutzt den 2-Sekunden Timer Eurer Kamera)

Außerdem: warme Sachen (auch im Sommer können klare Nächte recht kalt werden), Essen, Trinken, ein Buch. Auch sehr hilfreich: eine Taschenlampe mit „Nachtsichtmodus“ (rote Lampe), damit man etwas nachschauen oder suchen kann ohne sich und andere im Dunkeln zu blenden.

FOTOGRAFIEREN

Ja, und dann: Kamera auf den gewünschten Himmelsausschnitt ausrichten und los geht’s. Das Schwierigste dabei ist das richtige Fokussieren. Im Dunkeln müsst Ihr manuell fokussieren, und einfach das Objektiv auf „unendlich“ drehen funktioniert leider in den wenigsten Fällen. Ich suche mir in der Regel einen möglichst hellen Stern, der auch im Live View auf dem LCD-Monitor der Kamera zu sehen ist, nutze dort die zehnfache Vergrößerung und drehe am Fokusring bis der Stern so klein wie möglich wird. Dann mache ich eine paar Testaufnahmen, zoome maximal hinein und feintune den Fokus bis die Sterne wirklich nur noch winzige Punkte sind.

Zu den Einstellungen: Als Startwert nehme ich meistens  11mm | ƒ/2.8 | ISO 1.600 | 25 Sek.

Wenn Ihr nicht absichtlich auf Sternenspuren aus seid, könnt Ihr nicht beliebig lange belichten, denn die Erde dreht sich schneller als man denkt. Als Faustregel für die maximale Belichtungszeit, bei der die Sterne noch Punkte sind, gilt: (500 geteilt durch (Brennweite * Crop-Faktor)). Der Crop-Faktor gibt das Größenverhältnis des Bildsensors Eurer Kamera im Verhältnis zu einem Vollformat-Sensor an und muss mit eingerechnet werden, da kleinere Sensoren in der Regel auch kleinere Pixel haben und die Bewegung der Sterne somit schneller sichtbar wird. Bei Canon APS-C Kameras wie meiner 760D ist der Crop-Faktor 1,6 (bei Nikon 1,5 und bei Micro Four Thirds 2,0). Das heißt mit meiner Kamera und dem Tokina 11-20mm kann ich maximal (500 / (11 * 1,6)) = 28,4 (abgerundet: 25) Sekunden belichten. Bitte bedenkt, das ist eine Faustregel – also im Zweifelsfall das Bild hinterher genau anschauen und nötigenfalls die Einstellungen anpassen.

Fotografiert wird natürlich mit maximal offene Blende, um so viel Licht wie möglich einzufangen. Beim ISO-Wert starte ich immer bei 1.600; das ist zumindest bei der 760D ein guter Kompromiss zwischen eingefangenem Licht und Bildrauschen – um das ich mich in der Nachbearbeitung eh noch kümmere. Wenn Ihr alles eingestellt habt, kann es losgehen. Und das heißt: nie nur ein Foto von einem Himmelsausschnitt machen, sondern eine ganze Serie. Ich mache immer 16 Bilder oder mehr. Das braucht zwar eine Weile, aber damit könnt Ihr später am Rechner deutlich mehr aus den Fotos herausholen.

Milchstraße und Andromeda-Galaxie
Milchstraße und Andromeda-Galaxie

Ein wichtiger Punkt zum Schluss: man läuft sehr schnell Gefahr, die Bilder zu dunkel aufzunehmen. Wenn sie auf dem recht hellen LCD-Bildschirm der Kamera draußen im Dunkeln gut aussehen, werdet Ihr daheim am Rechner enttäuscht sein. Nehmt die Bilder so auf, dass sie gefühlt viel zu hell sind. Wenn Eure Kamera eine Ansicht mit Histogramm bietet, nutzt es! Natürlich sollten keine Bildbereiche ausgebrannt (komplett weiß) sein, aber es sollte auf jeden Fall Information im rechten Teil des Histogramms (Lichter) vorhanden sein. Je heller das Bild, umso mehr Informationen habt Ihr für die Nachbearbeitung – womit wir beim eigentlichen Thema wären.

NACHBEARBEITUNG

Ian Norman ist ein in Kalifornien lebender Fotograf, der sich auf Astrofotografie spezialisiert hat. Dementsprechend findet Ihr in seinem YouTube-Kanal sehr viele Informationen rund um dieses Thema, und insbesondere zur Nachbearbeitung der Bilder. Seine Tutorials für die Arbeitsschritte in Adobe Lightroom und Photoshop sind gut erklärt und leicht nachvollziehbar. Als ich meine ersten Sternbilder bearbeitet habe, hatte ich stets das iPad griffbereit auf dem seine Videoanleitung lief. Ich habe immer wieder auf Pause gedrückt, oder zurückgespult, und bin ihm so Schritt für Schritt gefolgt. Inzwischen kann ich das meiste davon auch ohne zu spicken.

EINZELBILDER IN LIGHTROOM BEARBEITEN

Die große Herausforderung liegt darin, einen schönen Kontrast und möglichst viele Details hinzubekommen, so dass das Bild natürlich und nicht überladen wirkt. Ihr werdet feststellen, dass die Kamera deutlich mehr Sterne sieht als Ihr mit dem bloßen Auge. Bei der Gestaltung des Nachthimmels, insbesondere was die Farben in der Milchstraße angeht, bleibt einem natürlich eine gewisse künstlerische Freiheit.

Zwei von Ians Videos möchte ich hier besonders herausheben. Im ersten Film zeigt er, wie man selbst unter ungünstigen Verhältnissen noch Bilder der Milchstraße aufnehmen kann:

Dabei erklärt er auch nochmal ausführlich warum es besser ist, Nachtaufnahmen absichtlich zu hell aufzunehmen.

Im zweiten Video beschreibt er den normalen Bearbeitungsprozess für Sternenfotos in Lightroom. Zudem beweist Ian hier eindrucksvoll, dass man auch mit nicht sehr lichtstarken Objektiven super Bilder hinbekommt, wenn man ein paar Punkte beachtet:

In beiden Videos geht es um die Bearbeitung einzelner Bilder. Die fortgeschrittene Variante ist dann, mehrere Fotos in Photoshop zu einem Bild zusammenzusetzen – aber auch dafür werden die Ausgangsdateien zunächst in Lightroom bearbeitet, wie oben, bevor es dann Photoshop weitergeht.

MEHRERE BILDER IN PHOTOSHOP ZUSAMMENFÜHREN

Aufgrund der gegebenen Grenzen bei Blendenöffnung und Belichtungszeit kommt man nicht herum, bei Fotos vom Nachthimmel den ISO-Wert anzuheben, auf 1.600 oder sogar 3.200. Die Folge ist deutlich sichtbares Rauschen im Bild, vor allem wenn man es größer betrachtet. Wendet man einfach die Rauschreduzierung an, die Bildbearbeitungsprogramme üblicher Weise anbieten, gehen leider viele Details – insbesondere kleinere Sterne – verloren.

Hier hilft es jetzt, wenn man mehrere Fotos desselben Ausschnitts gemacht hat. Je mehr, desto besser. Kurz beschrieben besteht der Trick darin, die Bilder exakt übereinander zu legen, und dann für jedes Pixel den Durchschnittswert zu errechnen. Da die Sterne bei korrekter Ausrichtung der Fotos immer an denselben Stellen sind, bleiben sie dabei erhalten. Das Bildrauschen hingegen ist zufällig und rechnet sich so bei der Mittelwertbildung heraus. Wenn ich auf diese Art vier Fotos kombiniere die mit ISO 3.200 aufgenommen wurden, entspricht das Ergebnis in etwa einem Bild das mit ISO 800 aufgenommen wurde. Ich habe bei den Milchstraßenfotos hier im Post jeweils über 20 Aufnahmen gestapelt.

Die detaillierte Anleitung dafür gibt es in diesem Video:

Die besondere Herausforderung dabei besteht im korrekten Ausrichten der einzelnen Bilder. Denn wenn das nicht exakt stimmt, verschwindet in einigen Bildbereichen nicht nur das Rauschen, sondern alle Sterne gleich mit. Bei kontrastreichen Bildern funktioniert das „automatisch ausrichten“ von Photoshop meistens sehr gut. Ich hatte aber auch schon einige Bilder, bei denen das leider gar nicht funktioniert hat. Das ist aber noch kein Grund zu verwzweifeln, denn man kann das auch manuell bewerkstelligen:

Was dann noch bleibt, ist die künslterische Ausgestaltung des Sternenhimmels. Wie man die im Bild enthaltenen Farben und Details am besten zur Geltung bringt, seht Ihr hier:

Das funktioniert natürlich nicht nur für Orion, sondern für jeden Himmelsauschnitt der entsprechend was zu bieten hat.

Es gibt auf dem Kanal noch einige weitere Anleitungen, die allesamt hilfreich sind. Wer zum Beispiel ausreichend viele Bilder von einem Himmelsausschnitt gemacht hat, kann diese auch zu einem Zeitraffer-Video zusammensetzen. Mit dem Wissen aus den hier verlinkten Videos habe ich inzwischen eine ganze Reihe von Nachtaufnahmen gemacht, und bin zunehmend glücklich mit den Ergebnissen. Wie bei allen anderen Motiven gilt natürlich auch hier: Übung macht den Meister. Also: wartet auf die nächste klare Nacht rund um Neumond, und dann nix wie raus mit der Kamera. Gerade jetzt im Winter mit den langen Nächten und trocken-kalter Luft sind die Voraussetzungen ideal…


FAZIT

Empfehlung: Unbedingt anschauen, und dann machen!

Was ich gelernt habe: Das Wissen, was man bei der Aufnahme der Bilder beachten sollte und wie man sie nachbearbeitet, ist sehr viel wichtiger als die Ausrüstung. Die richtige Vorbereitung zählt, und die nötige Geduld bei den Aufnahmen. Die Ergebnisse, mit denen man am Ende belohnt wird, sind die Mühen allemal wert!


LINKS

WEITERE INFORMATIONEN

Bildnachweis: Titelbild: Screenshot von YouTube; Milchstraße und Mondaufgang: eigene Aufnahmen.

YouTube-Empfehlung: DigitalRevTV

DigitalRevTV

Der YouTube-Kanal „DigitalRevTV“ ist mit rund 1,8 Millionen Abonnenten wohl die größte Fotografie-Show im Internet. Dahinter steckt eine ganze Gruppe von Leuten. Im Wesentlichen werden die Videos von Kai und Lok aus Hong Kong präsentiert, die allerhand Themen rund ums Fotografieren behandeln und sich dabei selber nicht all zu ernst nehmen. Dieser Punkt ist leider Segen und Fluch gleichermaßen: Zum Einen macht es genau den Reiz des Kanals aus, dass die Videos nicht nur knochentrockene technischen Daten aneinander reihen und dadurch recht kurzweilig sind; andererseits kommt der eigentliche Informationsgehalt dadurch gelegentlich auch mal zu kurz oder es gleitet Richtung Klamauk ab. Da die beiden wie gesagt aus Hong Kong kommen, sind die Videos alle auf Englisch – aber es ist „British English“ und sehr gut zu verstehen.

Es gibt dort unter anderem eine ganze Reihe Testberichte zu Kameras und Objektiven; diese geben jedoch im Vergleich zu dem, was andere Kanäle zu bieten haben, vergleichsweise wenig her. Ich schaue sie gelegentlich trotzdem, aber tatsächlich in erster Linie des Unterhaltungswertes wegen. Dafür gibt es andere Rubriken, die durchaus lohnenswert sind.

PLAYLIST – EMPFEHLUNGEN

  • „How To“ Videos: Hier finden sich inzwischen fast 100 Videos mit allerhand kreativen Ideen: Was kann man machen, wenn man bei schlechtem Wetter zu Hause festsitzt? Wie fotografiert man Rauch? Oder Wasser? Welche Spielereien kann man mit unscharfen Hintergründen oder Lightpainting machen? Einfach mal durchklicken; da sind ein paar echt coole Ideen dabei – einige davon werde ich bei Gelegenheit sicher auch mal selber ausprobieren.
  • „Pro Photographer, Cheap Camera“: Wie der Name schon sagt, hier bekommt ein namhafter Profi-Fotograf eine „billige“ Kamera in die Hand gedrückt und dann eine zu erfüllende Aufgabe gestellt. Wobei „billig“ hier alles mögliche sein kann: teils sind es einfach uralte Kameras, teils sind es tatsächlich Spielzeugkameras – allen gemein ist jedoch, dass im Vergleich zu dem was heute üblich ist die technischen Möglichkeiten deutlich eingeschränkt sind. Umso erstaunlicher ist es zu sehen, was für fantastische Bilder dann doch dabei heraus kommen!

UPDATE DEZEMBER 2016

Ende 2016 haben, innerhalb weniger Tage, sowohl Kai als auch Lok DigitalRevTV verlassen. Nach dem Weggang der beiden bisherigen Hauptakteuren – Kai vor der Kamera, Lok dahinter – ist nun keiner der ursprünglichen Gründer des Kanals mehr dabei. DigitalRevTV macht in neuer Besetzung weiter, gemacht von Leuten die auch früher schon dabei waren, wenn auch eher in zweiter Reihe. Man darf gespannt sein, was die sich so ausdenken.

Und auch Kai und Lok machen weiter. Kai hat inzwischen seinen eigenen YouTube-Kanal auf dem er weiter unterhaltsame Kamera-Reviews posted. Innerhalb von drei Wochen hat er es schon auf 200.000 Follower gebracht. Lok scheint noch unentschlossen; vielleicht tun sich die beiden ja wieder zusammen…


FAZIT

Empfehlung: Sehr interessante Anregungen; insgesamt eher eine Seite zum Stöbern. Keine zwingende Empfehlung.

Was ich gelernt habe: Für wirklich tolle Bilder ist die Kamera zweitrangig. Man braucht die Idee, und das Auge für das Motiv. Anregungen gibt es hier dafür einige.


LINKS

Titelbild: Screenshot von YouTube

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