Was heißt eigentlich…? – Grundbegriffe, Abkürzungen und Objektivbezeichnungen

Grundbegriffe, Abkürzungen und Objektivbezeichnungen

Jeder, der zum ersten Mal tiefer in das Thema Fotografie einsteigt, sieht sich schnell einem ganzen Wust von Fachbegriffen und Abkürzungen gegenüber. In Testberichten, Tutorials und Online-Communities wimmelt es nur so davon. Dabei hat mich anfangs besonders verwirrt, dass es für ein und dieselbe Sache oft verschiedene Bezeichnungen gibt – oder umgekehrt dieselbe Abkürzung mehrere Bedeutungen hat. Da ich gerade dabei bin, einige meiner Ausrüstungsgegenstände zu verkaufen und durch andere zu ersetzen, musste ich für die entsprechenden Artikelbeschreibungen wieder die passenden Bezeichnungen heraussuchen. Grund genug, das hier mal auf einer Seite zusammenzufassen.

GRUNDBEGRIFFE

Zum Thema Fotografie gibt es unzählige Bücher und Videos, in denen die Grundlagen beschrieben, Anleitungen gegeben und Begriffe erklärt werden. Damit will ich hier gar nicht konkurrieren. Aber ich möchte zumindest die Begriffe, die ich selbst regelmäßig in meinen Posts verwende, in meinen eigenen Worten erläutern.

Bei den meisten Begriffen habe ich Euch den Link zum entsprechenden Artikel auf Wikipedia direkt mit eingebaut, falls Ihr etwas ausführlicher nachlesen möchtet. Und wenn Ihr es ganz genau wissen wollt, dann empfehle ich Euch ausdrücklich die Vorlesungsreihe „Lectures on Digital Photography“ von Mark Levoy.

Belichtungsdreieck

(en: exposure triangle)

Bezeichnet das Zusammenspiel von Belichtungszeit, Blende und ISO-Wert für die korrekte Belichtung eines Fotos.

  • Jede der drei Größen hat eine Belichtungskomponente und eine künstlerische Komponente:
    • Alle drei können das Foto entweder dunkler (kurze Belichtungszeit, geschlossene Blende, kleiner ISO-Wert) oder heller (lange Belichtungszeit, offene Blende, hoher ISO-Wert) machen.
    • Mithilfe der Verschlusszeit kann man Bewegungen entweder einfrieren (kurz) oder fließend darstellen (lang).
    • Eine weit geöffnete Blende erzeugt eine geringe Schärfentiefe, so dass nur das Motiv im Fokus ist. Eine geschlossene Blende hingegen bewirkt das Gegenteil, so dass ein wesentlich größerer Bildbereich scharf abgebildet wird.
    • Niedrige ISO-Werte ergeben ein klares Bild, während hohe ISO-Werte zu Bildrauschen (Körnung) führen.
    • Je nach Art des Fotos, das man machen will, wählt man einen oder zwei der Werte fest, und lässt die Kamera den dritten automatisch wählen.
    • Bei Hamburger Fotospots gibt es einen wunderbaren Spickzettel – Neudeutsch „Cheatcard“ genannt – der anschaulich die drei genannten Parameter und ihre jeweilige Wirkung darstellt:
Quelle: Hamburger Fotospots
  • Erstes Beispiel: Wenn ich die Belichtungszeit halbiere, aber dafür den ISO-Wert verdopple, kommt am Ende dieselbe Belichtung heraus (Bewegungsunschärfe wird verringert, dafür leidet die Bildqualität).
  • Zweites Beispiel: Wenn ich die Blende von ƒ/2.8 auf ƒ/5.6 ändere, kann ich dafür die Belichtungszeit vervierfachen, ohne dabei die Belichtung des Fotos zu verändern (Bewegungen werden fließender gezeigt, dafür verändert sich die Tiefenschärfe).
  • Grau ist alle Theorie, daher hier zwei sehr anschauliche YouTube-Videos zu diesem Thema:
Belichtungszeit /
Verschlusszeit
(en: exposure time shutter speed)

Die Zeitdauer, in der Licht auf den Sensor fällt. Bei den meisten Kameras lässt sie sich zwischen 1/4.000 und 30 Sekunden einstellen (⇒ Wikipedia).

  • Höherwertige Kameras bieten auch 1/8.000 Sekunde an.
  • Für Langzeitbelichtungen jenseits von 30 Sekunden gibt es den sogenannten „Bulb“-Modus, bei dem die Belichtungszeit durch Drücken und Loslassen oder zweimaliges Drücken des Auslösers beliebig lang gewählt werden kann.
  • Wird gesteuert durch den Verschluss (siehe unten).
Blende

(en: Aperture)

Technisch gesehen bezeichnet die Blende die Öffnung im Objektiv, durch die das Licht auf den Kamerasensor fällt. Sie lässt sich in der Regel im Durchmesser variieren (⇒ Wikipedia).

Künstlerisch gesehen ist die Blende das wichtigste Gestaltungsmittel des Fotografen. Sie bestimmt die Schärfentiefe, also den Entfernungsbereich im Bild, der scharf dargestellt wird. Das macht den Unterschied zwischen einem Portrait mit weichem Hintergrund und einer durchgehend scharfen Landschaftsaufnahme. Außerdem hat sie Auswirkungen auf die Menge des einfallenden Lichts, insbesondere bei Aufnahmen mit Blitz.

  • Die Einstellung der Blende wird immer in Relation zum Objektiv angegeben. Die Blendenzahl errechnet sich aus der Brennweite des Objektivs geteilt durch den Durchmesser der wirksamen Öffnung. Da die Größe der Öffnung im Nenner steht, ist die Blendenzahl umso kleiner, je größer die Blendenöffnung ist (⇒ Wikipedia).
  • Die Blendenwerte sind so gewählt, dass eine Änderung von einem Wert zum nächsten immer einer Verdoppelung oder Halbierung der durchgelassenen Lichtmenge entspricht. Das ist gleichbedeutend mit einer Verdoppelung oder Halbierung der Größe (Fläche) der Blendenöffnung. Der Flächeninhalt eines Kreises mit Radius r ist bekanntermaßen π * r². Wenn ich den verdoppeln will, ergibt sich folglich: 2 * π * r² = π * 2 * r² = π * (√2)² * r² = π * (√2 * r)². Ich muss also den Radius um den Faktor √2 ≈ 1,4 verändern, um die Fläche zu verdoppeln.
  • Daher sind die Blendenzahlen immer Vielfache von √2: ƒ/1, ƒ/1.4, ƒ/2, ƒ/2.8, ƒ/4, ƒ/5.6, ƒ/8, ƒ/11, ƒ/16…
Objektiv mit verschieden weit geöffneter Irisblenden im Vergleich (Quelle: Wikipedia)
  • Da bei manuellen Objektiven der Einstellring für die Blende bei diesen Werten einrastet, spricht man im Englischen von „stop“. Dementsprechend beziehen sich die Begriffe „stop of light“, „stop up“ und „stop down“ auf eine Verdoppelung oder Halbierung der eingefangenen Lichtmenge.
  • Im Deutschen wird das Wort Blende auch synonym dafür benutzt; man spricht dann von „einer Blende mehr“ bei Verdoppelung der Lichtmenge. Diese Formulierung wird oft unabhängig davon verwendet, ob die Wirkung tatsächlich mit der Blende erzielt wurde oder durch andere Mittel wie etwa Belichtungszeit, ISO-Wert oder Blitzleistung.
  • Zwischen den oben genannten Hauptwerten gibt es noch Werte für jeweils ±⅓ Blende, also z.B.: ƒ/2.8, ƒ/3.2, ƒ/3.5, ƒ/4.
  • Durch diese Notation ist die Angabe der Blende, bzw. ihre Auswirkung auf die Belichtung, unabhängig von Objektiv und Kamera. Das heißt, ein mit den Daten „ISO 100, Blende ƒ/8, 1/200 Sek.“ korrekt belichtetes Foto eines bestimmten Motivs wird mit jeder Kamera, an der ich diese Werte einstellen kann, korrekt belichtet sein. Was sich unterscheidet ist, je nach Brennweite und Sensorgröße, der dargestellte Bildausschnitt, der Blickwinkel und die Schärfentiefe.
  • Wenn man in einem Foto Umgebungslicht und Blitzlicht mischen will, dann kontrolliert die Blende die Menge des Blitzlichts im Foto, während die Belichtungszeit das Umgebungslicht kontrolliert.
Blitz-Synchronzeit

(en: flash sync speed)

Bezeichnet die kürzeste Belichtungszeit, bei der ein Blitz ohne spezielle „High Speed“-Funktion noch ein vollständig belichtetes Bild liefert. Sie ist abhängig von der Bauart des Verschlusses (siehe unten) und liegt je nach Kamera bei etwa 1/200 Sekunde.
Bokeh Der Begriff leitet sich ab aus dem japanischen Wort für „unscharf, verschwommen“. In der Fotografie wird damit beschrieben, mit welcher Qualität die unscharfen Bildbereiche in einem mit offener Blende aufgenommenen Foto gezeichnet werden (⇒ Wikipedia). Das Bokeh ist abhängig von der Konstruktion des jeweiligen Objektivs und der Beschaffenheit der Linsen. Besonders bei Portrait-Objektiven wird ein hoher Wert auf ein schönes Bokeh gelegt, damit der Hintergrund möglichst weich erscheint und nichts vom Motiv ablenkt. Es gibt jedoch auch Objektive, die ein sehr unruhiges Bokeh erzeugen, z.B. weil Konturen in den unscharfen Bereichen verdoppelt werden.
Chromatische
Aberration / Farbsäume
(en: chromatic aberration / color fringing)
Beim Durchqueren von Wassertropfen werden die einzelnen Farben des Lichts unterschiedlich stark gebrochen. Das Sonnenlicht wird in seine einzelnen Farben zerlegt; so entsteht ein Regenbogen. Dasselbe passiert, wenn das Licht sich seinen Weg durch die Linsen eines Objektivs sucht. Die einzelnen Linsen müssen also so aufeinander abgestimmt sein, dass auf dem Sensor wieder alle Farben passend zueinander an den richtigen Stellen landen. Gelingt das nicht, sieht man an Kanten mit starken Kontrasten (z.B. Äste eines Baums gegen den hellen Himmel oder weißer Rahmen eines ansonsten dunklen Fensters) deutliche Farbsäume, die meistens grün auf der einen und lila auf der anderen Seite sind (⇒ Wikipedia). Sie lassen sich in der Nachbearbeitung in Programmen wie z.B. Adobe Lightroom üblicherweise gut korrigieren.
Crop-Faktor /
Formatfaktor
(en: crop factor)

Um verschiedene Kamera-Typen untereinander vergleichbar zu machen, werden wesentliche Angaben wie z.B. die Brennweite des Objektivs immer auf das sog. Vollformat umgerechnet. Damit werden Kameras bezeichnet, deren Sensor dieselbe Größe hat wie das Negativ eines 35-mm-Kleinbildfilms (24 x 36 mm). Der Formatfaktor gibt das Verhältnis der Längen der Diagonalen an. (⇒ Wikipedia)

  • Weit verbreitet sind die Formate APS-C (Crop-Faktor 1,5 (Nikon) bzw. 1,6 (Canon)) und Micro-Four-Thirds (Crop-Faktor 2 (Olympus, Panasonic)).
  • Zum Vergleich der Brennweite wird diese mit dem Crop-Faktor multipliziert: 50 mm an Canon APS-C entsprechen – multipliziert mit 1,6 – also 80 mm am Vollformat. Diese Entsprechung bezieht sich jedoch allein auf den Bildausschnitt, nicht auf den Blickwinkel.
  • Zum Vergleich der Schärfentiefe multipliziert man die Blende ebenfalls mit dem Crop-Faktor. Beispiel: die rückseitige Kamera an Apples iPhone 7 hat eine Blende von ƒ/1.8 und einen Crop-Faktor von 7,2. Das entspricht also in etwa ƒ/13 am Vollformat und macht klar, warum es mit einer Handy-Kamera praktisch unmöglich ist, Bilder mit unscharfem Hintergrund aufzunehmen (große Blendenzahl = große Schärfentiefe).
Interner Fokus

(en: internal focus)

Bei Objektiven mit internem Fokus befinden sich alle beweglichen Elemente zum Scharfstellen des anvisierten Motivs innerhalb des Objektivs. Das bedeutet, dass insbesondere das Frontelement des Objektivs beim Fokussieren weder ausfährt noch sich dreht. Das ist vor allem dann wichtig, wenn man Filter verwenden möchte, bei denen es auf die richtige Orientierung ankommt; wie etwa Polarisationsfilter oder Filter mit Farb- bzw. Grauverlauf.
ISO

Bezeichnet allgemein die Internationale Organisation für Normung in der Schweiz. Da die Abkürzung für diese Bezeichnung in jeder Sprache anders wäre (auf Deutsch müsste es eigentlich ION heißen), verwendet man weltweit ISO als Eigennamen, abgeleitet von der griechischen Silbe „iso“ für „gleich“. In der Fotografie wird mit dem ISO-Wert die Lichtempfindlichkeit eines analogen Films bzw. digitalen Kamerasensors bezeichnet, wie sie in der Norm ISO 5800 definiert ist (⇒ Wikipedia).

  • Der Standardwert bei den meisten Kameras heutzutage ist ISO 100.
  • Je höher der ISO-Wert, umso lichtempfindlicher ist der Film bzw. Sensor. Dies geht immer mit einer zunehmenden Minderung der Bildqualität (Körnung bzw. Rauschen) einher. Wie stark diese ausfällt, ist bei Digitalkameras abhängig von der Bauform des Sensors, insbesondere der Größe der einzelnen Pixel. Je größer, umso besser. Deshalb haben Low-Light Kameras üblicherweise nur eine geringe Auflösung.
Naheinstellgrenze

(en: minimum focus distance)

Die Naheinstellgrenze bezeichnet die kürzeste Entfernung, auf die ich mit dem Objektiv noch scharf stellen kann. Wichtig zu wissen ist dabei, das dieser Mindestabstand immer von Sensor aus gemessen wird, und nicht vom Frontelement des Objektivs aus. Die Position des Sensors ist auf dem Kameragehäuse mit einem Symbol (0) markiert. Wenn die Naheinstellgrenze z.B. 15 cm sind, aber vom Sensor bis zum Frontelement sind es schon 12 cm, dann bleiben tatsächlich nur noch 3 cm Luft zum anvisierten Objekt. Grundsätzlich nimmt der Mindestabstand mit steigender Brennweite zu; bei Teleobjektiven können das leicht 1,5 Meter oder mehr sein. Ausnahme sind Makro-Objektive, die ganz speziell so konstruiert sind, dass auf sehr kurze Entfernung scharf stellen kann. Dadurch wird der große Abbildungsmaßstab möglich.

Schärfentiefe /
Tiefenschärfe
(en: depth of field)

Die Schärfentiefe (synonym auch Tiefenschärfe; welcher der beiden Begriffe richtig(er) ist, ist Gegenstand fortwährender Debatten zwischen Fotografen und Sprachwissenschaftlern) bezeichnet den Entfernungsbereich, innerhalb dessen Objekte hinreichend scharf abgebildet werden (⇒ Wikipedia).

  • Grundsätzlich werden nur Gegenstände, die sich exakt in der Fokusebene befinden, zu 100% scharf abgebildet.
  • Je weiter ein Gegenstand von der Fokusebene entfernt ist, nach vorne oder hinten, umso unschärfer wird er abgebildet. Das ist ein fließender Übergang, und die Grenze bis wohin ein Gegenstand „scharf genug“ ist, hängt zum einen von der Auflösung der Kamera ab, und zum anderen von der subjektiven Wahrnehmung des Betrachters.
  • Die Schärfentiefe wird kontrolliert durch drei Faktoren:
    1. Die Blende: Kleine Blendenzahl = geringe Schärfentiefe; große Blendenzahl = große Schärfentiefe.
    2. Die Brennweite: Je kürzer die Brennweite, umso größer die Schärfentiefe.
    3. Die Fokusentfernung: Je weiter weg das anvisierte Motiv ist, umso größer ist die Schärfentiefe. Ab einer bestimmten Entfernung (abhängig von Brennweite und Blende) ist Schärfentiefe unendlich; diesen Abstand nennt man Hyperfokaldistanz.
  • Deshalb werden Portraits gerne mit langer Brennweite und möglichst offener Blende fotografiert; so ist nur das Gesicht scharf und der Hintergrund möglichst unscharf. Umgekehrt arbeitet man für Landschaftsaufnahmen typischer Weise mit kurzen Brennweiten und geschlossener Blende (z.B. ƒ/8), damit möglichst viel Bildinhalt scharf abgebildet wird.
Verschluss

(en: shutter)

Der Verschluss ist eine Vorrichtung in der Kamera, die dafür sorgt, dass nur für die Dauer der eingestellten Belichtungszeit Licht auf den Film bzw. Sensor fällt (⇒ Wikipedia). Dabei ist im Wesentlichen zwischen zwei Verschlussarten zu unterscheiden:

  • Beim elektronischen oder digitalen Verschluss handelt es sich nicht um einen Verschluss im eigentlich Sinne, da während der gesamten Zeit Licht auf den Sensor trifft. Der Sensor wird zurückgesetzt (alle Werte auf null), und nach der angegebenen Zeit werden die Werte aller Pixel ausgelesen. Der Vorteil ist, dass dieser Vorgang absolut geräuschlos erfolgt. Die meisten Video-, Handy- und Kompaktkameras arbeiten so; auch Spiegelreflexkameras im Video-Modus.
  • Spiegelreflexkameras nutzen für Fotos üblicherweise einen mechanischen Schlitzverschluss, mit dem sehr präzise Belichtungszeiten bis zu 1/8.000 Sekunde realisiert werden können. Dieser besteht aus zwei Vorhängen. Zu Beginn der Belichtungszeit bewegt sich der erste Vorhang, der bis dahin den Sensor komplett abgedeckt hat, zur Seite. Am Ende der Belichtungszeit bewegt sich der zweite Vorhang aus seiner Ruhestellung in gleicher Richtung über den Sensor und deckt ihn wieder ab. Bei sehr kurzen Belichtungen (unter 1/200 Sekunde) bewegen sich die beiden Vorhänge sehr dicht hintereinander. Dadurch ist zu keinem Zeitpunkt mehr der gesamte Sensor offen, sondern es bewegt sich ein Schlitz so über den Sensor, dass jeder Bereich des Sensors für die eingestellte Zeit belichtet wird.
    • Was dabei genau passiert, kann man sich sehr schön in diesem Zeitlupen-Video auf YouTube anschauen.
    • Daher brauchen Blitze für kurze Belichtungszeiten einen speziellen „High Speed“ Modus. Durch deren extrem kurze Abbrennzeit würde man sonst einen schwarzen Balken im Bild sehen, da nur der Teil des Bildes belichtet wird, der sich zum Blitzzeitpunkt gerade zwischen den beiden Vorhängen befindet.
    • Aus der Bauform und Funktionsweise des Verschlusses leiten sich auch die Begriffe erster/zweiter (Verschluss-)Vorhang ab, die beschreiben, ob der Blitz am Anfang oder am Ende der Belichtungszeit ausgelöst wird.
  • Bei beiden Verschlusstypen wird nicht das gesamte Bild auf einmal aufgenommen, sondern die Belichtung bewegt sich gewissermaßen über den Sensor – durch das zeilenweise Auslesen der Pixel bzw. die Bewegung des Schlitzverschlusses. Das hat den Nachteil, dass schnell bewegende Objekte verzerrt abgebildet werden (sog. Rolling-Shutter-Effekt). Es gibt auch Kameras mit einem sog. „Global Shutter“, bei dem die gesamte Bildinformation auf einmal ausgelesen wird. Diese Technik kommt vor allem in teuren Hochgeschwindigkeitskameras zum Einsatz.
  • Robert Hall hat ein Video auf YouTube, in dem er die Unterschiede sowie die Vor- und Nachteile der beiden Verschlussarten erläutert.

ABKÜRZUNGEN

Abkürzungen in der Fotografie gibt es nahezu beliebig viele. Ich habe hier nur die herausgegriffen, die ich selber relativ häufig benutze. Außerdem fehlen in dieser Liste alle Abkürzungen, die sich auf die Bauform oder Funktion von Objektiven beziehen; diese findet Ihr weiter unten in einer eigenen Rubrik.

AF

Autofokus – Damit stellt die Kamera automatisch auf das anvisierte Objekt scharf. Es gibt zwei grundsätzlich unterschiedliche Autofokus-Systeme: Die Phasenerkennung kommt in Spiegelreflexkameras bei Nutzung des optischen Suchers zum Einsatz; die Kantenerkennung bei der Nutzung eines elektronischen Suchers oder Displays (z.B. am Handy). Die Phasenerkennung ist schneller, die Kantenerkennung zuverlässiger. Ferner kommen je nach Kamera bzw. Objektiv verschiedene Stellantriebe zum Einsatz; siehe auch Objektivbezeichnugen.

APS‑C

Advanced Photo Systems-Classic – Unter dieser Bezeichnung werden heutzutage Digitalkameras mit einer Sensorgröße von 22,5 x 15,0 mm (Crop-Faktor 1,6) bis 25,1 x 16,7 mm (Crop-Faktor 1,5) zusammengefasst. Praktisch alle Kameras mit wechselbaren Objektiven und einem Neupreis unter 1.000,- € haben einen solchen Sensor. APS-C ist keine standardisierte Angabe; die Sensorgröße schwankt je nach Hersteller. Bei Nikon tragen diese Kameras die Bezeichnung „DX“.

Die Bezeichnung geht zurück auf das Mitte der 1990er noch für analoge Filme entwickelte APS-System. Das Aufnahmeformat betrug etwa ⅓  des 35-mm-Kleinbildfilms. Dadurch war es möglich, kleinere Kameras zu bauen und zusätzliche Bildinformationen auf dem Film zu speichern. Durch die schnell aufkommende Digitalfotografie konnte sich APS im Analogbereich jedoch nie durchsetzen und verschwand bereits nach wenigen Jahren wieder vom Markt.

APS-C als Klassifizierung der Sensorgröße hat keinen Bezug zur Sensortechnologie APS (Active Pixel Sensor). Dies ist eine Bauform von sog. CMOS-Sensoren, die wegen des geringen Stromverbrauchs und der kompakten Baugröße in nahezu allen Handy- und Kompaktkameras zum Einsatz kommt.

ILC Interchangeable Lens Camera – Kamera mit wechselbarem Objektiv. Wird oft als Oberbegriff für System- und Spiegelreflexkameras gebraucht, in Abgrenzung zu den Kompaktkameras mit fest verbautem Objektiv.
DSLM Digital Single-Lens Mirrorless – Die englische Bezeichnung für digitale spiegellose Kameras, im Deutschen oft auch als Systemkameras bezeichnet (Beispiel: Sony Alpha a6000). „Single-Lens“ bedeutet, dass das Bild im Sucher durch dasselbe Objektiv erfasst wird wie das eigentliche Foto. Bei älteren Kompaktkameras gab es für den Sucher oft eine eigene Optik. Da heutzutage praktisch alle Kameras digital sind, wird das D oft weggelassen und nur SLM benutzt. Ferner gibt es eine Reihe synonymer Abkürzungen: MILC (Mirrorless Interchangeable Lens Camera), MSC (Mirrorless System Camers) und – mein Favorit  :mrgreen: – EVIL (Electronic Viewfinder Interchangeable Lens camera).
DSLR Digital Single-Lens Reflex – Die englische Bezeichnung für digitale Spiegelreflexkameras (Beispiel: Canon EOS 760D). Auch hier wird oft nur „SLR“ genutzt.
MF Manueller Fokus – Wechselobjektive erlauben in der Regel auch ein manuelles Scharfstellen auf das Motiv. Dies ist sinnvoll bei schwierigen Lichtverhältnissen (z.B. Nachtaufnahmen) oder für Aufnahmen, bei denen ein sich bewegendes Ziel an einer bestimmten Stelle fotografiert werden soll und der Autofokus nicht schnell genug wäre.
MFT Micro-Four-Thirds – Bezeichnet ein hauptsächlich von Olympus und Panasonic genutztes Sensorformat mit dem Crop-Faktor 2. „Four Thirds“ bezieht sich dabei auf das Seitenverhältnis des Sensors von 4:3, anstelle der sonst in der Fotografie üblichen 3:2.
SOOC Straight Out Of Camera – Diese vor allem in Internet-Foren und Foto-Communities genutzte Abkürzung steht für „direkt aus der Kamera“ und bedeutet, dass das so bezeichnete Foto in keiner Weise am Rechner nachbearbeitet wurde.

OBJEKTIVBEZEICHNUNGEN

Bei den Objektiven wird es besonders wild, da hier die Abkürzungen für dieselben Eigenschaften und Funktionen von Hersteller zu Hersteller variieren. In der unten stehenden Tabelle habe ich die gängigsten Kürzel für die Marken, die ich nutze, zusammengefasst.

Was ich dabei gezielt ausgelassen habe, sind die ganzen Bezeichnungen für die „optische Formel“ eines Objektivs – also welche speziell geformten Linsen verbaut sind und welche besonderen Beschichtungen diese haben. Das würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Wichtig sind da nur die Auswirkungen auf die Bildqualität (Verzerrung und chromatische Aberration).

Funktion Canon Samyang Sigma Tamron Tokina
Objektiv für Vollformat-Kameras EF DG Di FX
Objektiv für Kameras mit APS-C Sensor EF-S CS DC Di II DX
Objektiv für spiegellose Kameras EF-M FE (Sony E-Mount) DN
Bildstabilisator IS (Image Stabilization) OS (Optical Stabilizer) VC (Vibration Compensation)
Autofokus USM (Ultra-Sonic Motor)

STM (Stepping Motor)

 AF HSM (Hyper-Sonic Motor) USD (Ultrasonic Silent Drive)  AF
Interner Fokus IF IF IF IF
Profi-Objektive L (Luxury) A (Art)

S (Sport)

EX (Excellence)

SP (Super Professional) AT-X Pro
Consumer-Objektive C (Contemporary) AT-X
ANMERKUNGEN:
  • Canon: Objektive, die intern fokussieren, sowie Objektive für „Normalverbraucher“ haben keine eigene Bezeichnung.
  • Samyang: Objektive von Samyang werden unter verschiedenen Markennamen verkauft; darunter Rokinon, Bower, Opteka, Pro-Optic, Vivitar und Walimex. Technisch sind sie jeweils identisch; unterscheiden sich beim Preis aber teils deutlich. Vollformat-Objektive haben keine eigene Bezeichnung; Objektive mit Bildstabilisator gibt es keine. Auch wird nicht zwischen verschiedenen Produktlinien unterschieden.
  • Tamron: Objektive speziell für spiegellose Kameras gibt es von Tamron meines Wissens nach aktuell keine. Consumer-Objektive haben keine eigene Bezeichnung.
  • Tokina: Keine Objektive speziell für spiegellose Kameras oder mit Bildstabilisator im Angebot.

FAZIT

Empfehlung: Am Anfang sind die ganzen Begriffe und Abkürzungen ziemlich verwirrend, aber davon sollte man sich nicht abschrecken lassen! Für die Grundbegriffe hilft am Anfang natürlich auch mal ein Buch, aber letztlich ist es „learning by doing“. Insbesondere mit dem Belichtungsdreieck muss man sich intensiver befassen und die damit verbundenen gestalterischen Möglichkeiten (Wie bekomme ich den Hintergrund unscharf? Wie friere ich Bewegungen ein?) verinnerlichen.

Was ich gelernt habe: Eine Menge  😀 Und ich lerne immer noch. Auch beim Schreiben dieses Artikels habe ich wieder ein paar Dinge besser verstehen gelernt…


LINKS

Außer auf Wikipedia finder Ihr weitergehende Erklärungen hier:

Bildnachweis: Titelbild: eigene Grafik

Meine Ausrüstung: Der lange Arm des Sensors: Tamron 70-300 mm f/4-5.6

Tamron SP 70-300mm ƒ/4-5,6 Di VC USD an der Canon 760D

Als ich mich nach dem Umstieg auf meine Canon 760D mit den passenden Objektiven beschäftigt habe, war von Anfang klar, dass auch wieder ein Teleobjektiv zur Ausrüstung gehören sollte. Zwar nutze ich die langen Brennweiten eher selten, aber eben doch immer mal wieder. Daher war für mich vor allem ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis ausschlaggebend. Nach entsprechender Recherche kamen zwei Objektive in die engere Auswahl: Das Canon EF-S 55-250 mm ƒ/4-5.6 IS STM, auf das ich unten bei den Alternativen nochmal zu sprechen komme, und eben das Tamron, das ich Euch hier vorstellen möchte.

TAMRON SP 70-300 mm ƒ/4-5.6 DI VC USD

Nachdem es zwischen den beiden genannten Objektiven nach übereinstimmender Meinung vieler Reviews kaum Unterschiede in der Bildqualität gibt, war für mich letztlich die längere Brennweite des Tamron entscheidend. Da mein „Immerdrauf“ bereits den Bereich bis 70 mm abdeckt, konnte ich so mit dem Tamron nahtlos daran anschließen. 300 mm an einer Canon-Kamera mit APS-C Sensor liefern den gleichen Bildausschnitt wie 480 mm an einer Vollformat-Kamera. Damit kommt man, buchstäblich, ziemlich weit. Das war mir dann auch den höheren Preis im Vergleich zum Canon 55-250 wert. Neu kostet das Tamron aktuell (April 2017) um die 300,- Euro. Ich habe das Objektiv bei Ebay gebraucht, aber in sehr gutem Zustand, für ca. 180,- Euro gekauft. Auf der CP+ in Yokohama wurde die Tage übrigens ein Nachfolgemodell mit leichten Verbesserungen in Sachen Autofokus und Bildstabilisator angekündigt; es ist aber noch nicht klar, wann und zu welchem Preis das hier verfügbar sein wird.

Tamron SP 70-300mm ƒ/4-5,6 Di VC USD
Tamron SP 70-300 mm ƒ/4-5.6 Di VC USD

AUSSTATTUNG

Maßgeblich für die Charakterisierung des Objektivs sind die drei Abkürzungen am Ende der vollen Bezeichnung: „Di VC USD“. „Di“ besagt, dass es sich um ein Objektiv für Vollformat-Kameras handelt. Das passt natürlich auch auf APS-C Kameras; aber das bedeutet vor allem: Es ist groß! Insbesondere mit Gegenlichtblende und auf 300 mm ausgefahren erreicht es beeindruckende Ausmaße; aber auch in der Kameratasche nimmt es eine Menge Platz weg. Da überlegt man sich schon mal, ob man das wirklich mitnehmen will. Die große Gegenlichtblende gehört, genau wie die Objektivdeckel für Vorder- und Rückseite, zum Lieferumfang.

Hinter „VC“ verbirgt sich Vibration Control, so nennt Tamron seinen Bildstabilisator. Und der liefert beim 70-300 durchaus beeindruckende Ergebnisse, zumindest bei normalen Fotos. Videos habe ich mit dem Objektiv nie aufgenommen, da soll der Stabilisator jedoch zu nervösen Zuckungen neigen. Mehr dazu in den unten verlinkten Reviews. Ich habe mit dem Objektiv immer aus der Hand fotografiert und auch bei 300 mm waren nur selten verwackelte Bilder dabei.

„USD“ steht schließlich für „Ultrasonic Silent Drive“ und beschreibt den Autofokus-Motor. Der arbeitet ausreichend schnell und ist extrem leise. Generell ist der Autofokus beim Tamron 70-300 an meiner Canon 760D sehr treffsicher; nur bei 300 mm sucht er gelegentlich kurz, bis er den richtigen Punkt gefunden hat.

Schalter hat das Objektiv zwei Stück: einen für den Bildstabilisator und einen für den Autofokus. Dabei kann man auch bei aktiviertem AF jederzeit manuell in den Fokus eingreifen. Ein Reichweitenbegrenzer wie etwa beim Tamron 90 mm ƒ/2.8 Macro fehlt hier; allerdings ist die Naheinstellgrenze bei 1,5 Meter. Der Zoomring arbeitet stramm genug, dass man ihn einerseits gut bedienen kann; das Objektiv andererseits aber selbst mit Gegenlichtblende nicht von alleine ausfährt, wenn man die Kamera kopfüber trägt.

EINSATZ UND ERGEBNISSE

Ich habe das Objektiv tatsächlich in erster Linie dafür genutzt, weit entfernte Dinge zu fotografieren. Bei einem Mindestabstand von 1,5 Metern eignet es sich nur sehr bedingt für Nahaufnahmen. Es gibt allerdings Ausnahmen, wie die Beispielbilder unten zeigen. Für Portraits greife ich dann doch lieber zu einem Objektiv mit einer deutlich offeneren Blende, also dem 90 mm ƒ/2.8 oder dem 50 mm ƒ/1.8.

Das mit den weit entfernten Dingen kann das Tamron dafür richtig gut. Es ist klar, dass bei einem Zoom-Objektiv, das einen so großen Brennweitenbereich abdeckt, immer Kompromisse in der Optik eingegangen werden. Vor allem in dieser Preisklasse – schließlich kosten die Profi-Objektive in dieser Kategorie das sieben- bis achtfache. Daher mag es kaum überraschen, dass das Bild gerade bei 300 mm an einem APS-C Sensor nicht mehr gestochen scharf ist. Überraschend gut hat Tamron dafür die chromatische Aberration im Griff – die bunten Farbsäume an kontrastreichen Kanten halten sich sehr im Rahmen und lassen sich in der Nachbearbeitung leicht korrigieren.

Kurz gesagt: Mit der Bildqualität war ich durchweg immer sehr zufrieden.

Um Euch einen Eindruck zu vermitteln, hier mal ein kleiner extremer Test anhand von zwei Urlaubsfotos, aufgenommen letztes Jahr im Berchtesgadener Land. Zu sehen ist der Blick von einer Berghütte auf den rund sechs Kilometer entfernten Gipfel des Hochstaufen. Zunächst mal die Totale, fotografiert am Abend mit 90 mm Brennweite:

Alpenglühen: Hochstaufen im Abendrot
Alpenglühen: Totale des Hochstaufen im Abendrot

Am nächsten Vormittag wollte ich dann schauen, was das Tamron kann. Hier der volle Bildausschnitt, der sich von diesem Standort bei 300 mm an APS-C ergibt:

Der rund 6,5km entferne Gipfel des Hochlaufen - Voller Bildausschnitt bei 300mm
Gipfel des Hochstaufen aus rund 6 km Entfernung – Voller Bildausschnitt bei 300 mm

Die 760D hat einen 24 Megapixel Sensor, liefert also Bilder in der Größe 6.000 x 4.000 Pixel. Ich habe die Anzeige auf 100% gezoomt und dann Bereich in der Mitte um das Gipfelkreuz herausgeschnitten. Das Kreuz ist rund vier bis fünf Meter groß. Wären zur Zeit der Aufnahme Bergsteiger am Gipfel gewesen, hätte man sie deutlich sehen können. Sehr gut zu erkennen ist die goldene Verzierung am Kreuz; zum Vergleich gibt es eine Nahaufnahme des Gipfelkreuzes auf der Homepage von Klaus Isbaner.

Der rund 6,5km entferne Gipfel des Hochlaufen - 100% Vergrößerung aus der Bildmitte
Gipfel des Hochstaufen aus rund 6 km Entfernung – 100% Vergrößerung aus der Bildmitte

Vermutlich hätte man an einem sonnigen Tag (kürzere Verschlusszeit) und mit Stativ noch etwas mehr an Schärfe herausholen können. Aber wer hat schon immer perfekte Bedingungen beim Fotografieren? So liefern die Bilder einen, wie ich finde, repräsentativen Eindruck was das Objektiv zu leisten vermag. Weitere „alltagsnahe“ Beispielbilder findet Ihr unten am Ende des Beitrags.

ALTERNATIVEN

Wie eingangs schon erwähnt, ist der Hauptkonkurrent für das Tamron 70-300 mm, zumindest wenn man wie ich eine Canon-Kamera mit APS-C Sensor besitzt, dass Canon EF-S 55-250 mm IS STM. Da es speziell für die kleineren Kameras konstruiert ist, kann es auch um einiges kompakter sein. Zum Vergleich: Das Tamron hat die Maße (Durchmesser x Länge) 8,1 x 14,3 cm und wiegt 767 Gramm. Beim Canon sind es 7 x 11 cm, und es wiegt mit 375 Gramm gerade mal die Hälfte. Der Unterschied beim Packmaß liest sich nicht sonderlich beeindruckend, macht sich in der Praxis aber deutlich bemerkbar. Das Canon liegt beim Neupreis bei rund 180,- Euro; das Tamron bei 300,- Euro (April 2017). Von der Bildqualität her liegen beide Objektive auf einem Niveau.

Inzwischen habe ich mich dazu entschieden, mir ein klassisches 70-200 mm Objektiv mit durchgehender Blende ƒ/2.8 zuzulegen. Die größere Blende bietet deutlich mehr Spielraum bei schlechten Lichtverhältnissen (abends oder in Innenräumen), für kurze Verschlusszeiten bei Action-Fotos oder für unscharfe Hintergründe bei Portraits. Auch da gibt es verschiedene Objektive zur Auswahl, die aber alles eines gemeinsam haben: sie sind nochmal deutlich größer und schwerer als das Tamrom. Ein 70-200 ƒ/2.8 ist also sicher kein Objektiv zum immer dabeihaben; das werde ich nur ganz gezielt mitnehmen. Umso wichtiger ist es, eine leicht zu transportierende Alternative zu haben. Daher werde ich beim „Alltags-Tele“ jetzt vom Tamron auf das Canon umsteigen. Denn was nutzt einem ein Teleobjektiv, wenn man es nicht mitnimmt, weil es zu unhandlich ist?


FAZIT

Empfehlung: Das Tamron bietet für seinen Preis eine sehr gute Bildqualität und einen leistungsstarken Bildstabilisator. Wenn Ihr sowohl eine APS-C- als auch eine Vollformat-Kamera habt, oder in absehbarer Zeit umsteigen wollt, dann ist das Tamron der perfekte Allrounder, der Euch sicher eine Menge Spaß bringen wird. Wenn Ihr ausschließlich mit APS-C fotografiert und auf die letzten 50 mm Brennweite nicht zwingend angewiesen seid, dann rate ich Euch wegen des kleineren Packmaßes und des günstigeren Preises zum Canon EF-S 55-250 mm ƒ/4-5.6 IS STM. Von der gebotenen Leistung her sind beide Objektive ebenbürtig.

Was ich gelernt habe: Zum einen steigen mit der Zeit die Ansprüche – daher das angestrebte Upgrade in Richtung 70-200 mm ƒ/2.8. Zum anderen habe ich gemerkt, dass das Tamron aufgrund seiner Ausmaße auf Dauer doch etwas unpraktisch ist – es passt kaum in meine Kameratasche. Daher werde ich nun zum ersten Mal ein Objektiv wieder verkaufen. So oder so möchte ich in meiner Ausrüstung auf ein Teleobjektiv auf keinen Fall verzichten.


LINKS

Bildnachweis: alle Bilder eigene Aufnahmen.


BEISPIELBILDER:

Welpe in Aktion
Welpe in Aktion – aus ausreichender Entfernung aufgenommen, hat der Hund genügen Platz um ungestört zu spielen. Im Gras sieht man sehr schön der Verlauf der Tiefenschärfe.

 

Kurze Spielpause
Kurze Spielpause – Die längeren Brennweiten eignen sich auch hervorragend für Portraits. Der Hund saß direkt am Feldrand, zudem ist bei 180 mm die maximale Blende nur noch ƒ/5.0;  daher ist der Hintergrund nicht komplett unscharf.

Die folgenden Beispielbilder sind aus dem Beitrag „Im Brennpunkt: der Perspektivenwechsel„:

Apfelblüte in der Morgensonne
Apfelblüte in der Morgensonne. Brennweite und Blende helfen hier, die Blüten im Vordergrund herauszustellen und gleichzeitig durch die unscharfen Blüten im Hintergrund zu zeigen, dass es nur ein Ast eines blühenden Baumes ist.

 

Fächer-Ahorn im Herbst
Fächer-Ahorn im Herbst. Wieder helfen das Teleobjektiv bei 300 mm und Blende ƒ/5,6, die Details nah heranzuholen und gleichzeitig die Bäume in Hintergrund zu einer gleichmäßigen gelben Fläche werden zu lassen.

 

Kirschblüten
Kirschblüten. Mit dem Teleobjektiv auf 300 mm kann man sich die Blüten von Nachbars Kirschbaum ganz nah heranholen. Bei Blende ƒ/5,6 werden die Bäume im Hintergrund unscharf genug, um nicht abzulenken.

Meine Ausrüstung: Kleine Welt ganz groß: Tamron 90mm f/2,8 Makro

Tamron SP 90mm ƒ/2,8 Macro Di VC an der Canon 760D

Habt Ihr gewusst, dass die Augen von Schmetterlingen gepunktet sind? Für mich war es erstaunlich, das auf einem meiner eigenen Fotos zu sehen. Makros – oder Nahaufnahmen im Allgemeinen – haben mich schon immer gereizt, weil man sich darauf in Ruhe Details betrachten kann, die man sonst nicht zu sehen bekommen.

Schon für meine alten Kompaktkameras hatte ich Vorsatz-Linsen um damit z.B. nah an Blumen herangehen zu können. In Anbetracht von Können und Ausrüstung damals waren die Ergebnisse jedoch nicht sehr beeindruckend. Als ich im Herbst 2015 angefangen habe, mich eingehender mit Fotografie zu beschäftigen, bin ich auch schnell über viele Video-Tutorials zum Thema Makro-Fotografie gestolpert. Jetzt gibt es dafür technisch viele Möglichkeiten: die sogenannten „Extension Tubes“, die man zwischen Objektiv und Kamera setzt, oder Retroadapter, mit denen man ein Objektiv umgekehrt an der Kamera befestigen kann, sind gängige und preisgünstige Möglichkeiten für den Einstieg.

Ich wollte das Thema jedoch von Anfang an „richtig“ angehen und habe mich daher direkt nach einem echten Makro-Objektiv umgeschaut. Schließlich bin ich durch ein YouTube-Review von ValueTechTV auf das Tamron aufmerksam geworden und hatte dann das Glück, es für einen guten Preis gebraucht auf Ebay zu ergattern.

TAMRON SP 90mm ƒ/2,8 MAKRO DI VC

Tamron SP 90mm ƒ/2,8 Macro Di VC
Tamron SP 90mm ƒ/2,8 Macro Di VC

Dabei ist zu bedenken, dass Makro-Objektive nicht nur für Nahaufnahmen geeignet sind. Sie liefern in der Regel eine hervorragende Bildschärfe, und mit der Offenblende von ƒ/2,8 eignen sie sich auch hervorragend für Portraits. Man bekommt das Tamron, in der Ausführung in der ich es habe (Modellnr. F004), aktuell (Feb. 2017) zwischen 350,- und 400,- Euro auf Ebay oder Amazon. Seit 2016 gibt es das Nachfolgemodell (Modellnr. F017), das neben einem neuen Design außen auch einige Verbesserungen in der Optik mit sich bringt, sofern man den Testberichten glaubt. Dieses kostet allerdings momentan zwischen 650,- und 700,- Euro. Vom Preis-Leistungs-Verhältnis her ist das alte Modell meiner Meinung nach unschlagbar, und es hat sich bei mir bestens bewährt.

AUSSTATTUNG

Das Objektiv liegt von Größe und Gewicht her im mittleren Bereich. Allein wiegt es rund 600g, zusammen mit meiner 760D 1.200g. Das lässt sich bequem tragen und wenn nötig, wie unten beschrieben, auch gut in einer Hand halten. Zum Lieferumfang gehören Deckel für Vorder- und Rückseite sowie eine Gegenlichtblende. Der Autofokus arbeitet recht fix, und lässt sich zudem auf drei verschiedene Bereiche einschränken: 0,3-0,5m, 0,5m-∞ und voller Bereich. So kann man bei der „Jagd“ auf Insekten verhindern, dass die Kamera den vollen Fokusbereich durchsucht und spart so wertvolle Zeit. Natürlich hat das Objektiv auch einen Bildstabilisator, der gute Ergebnisse liefert. Dabei ist allerdings zu bedenken, dass im extremen Nahbereich andere Regeln gelten was die Verwacklungsfreiheit von Fotos angeht.

EINSATZ UND ERGEBNISSE

Die Einsatzmöglichkeiten im Bereich der Makrofotografie sind sehr vielseitig. Eines braucht man dabei immer, und das ist: sehr viel Licht. Im Nahbereich muss man, wenn man aus der Hand fotografiert, die Verschlusszeiten möglichst kurzhalten, um Verwackelungen im Bild zu vermeiden. Auch der Bildstabilisator hilft bei kurzen Entfernungen nur sehr bedingt – selbst bei 1/100 Sekunde sind einige verwackelte Aufnahmen nichts Ungewöhnliches. Wenn die Sonne scheint, schnapp ich mir einfach die Kamera und das Objektiv und gehe raus auf Motivsuche. So sind zum Beispiel die Fotos der Eiskristalle oder des mit Raureif überzogenen Ahorn-Samens entstanden. Während das grelle Licht der Mittagssonne für Landschafts- und Portraitaufnahmen kaum geeignet ist, wegen der starken Kontraste und harten Schatten, ist genau das für Makrofotos nahezu ideal, da es auch feine Strukturen zur Geltung bringt.

Mangelt es an der Sonne, nehme ich den Blitz zur Hilfe – entweder einen Makroblitz, der vorne ans Objektiv geschraubt wird, oder einen normalen Aufsteckblitz. Diesen halte ich dann in der linken Hand, und richte ihn passend auf mein Motiv. Ausgelöst wird er per Kabel oder Funkauslöser. Das Handhaben des Aufsteckbitzes ist zwar etwas umständlicher, gerade auch weil man dann die Kamera mit einer Hand halten und bedienen muss, aber so hat man größere Freiheiten beim Setzen des Lichts. Die Fotos von Schmetterling und Hummel unten bei den Beispielbildern sind mir so geglückt.

Klar ist auch, dass gerade die „Jagd“ auf sich bewegende Motive wie Insekten viel Geduld erfordert. Die kleinen Biester sind verdammt schnell, und wer mal versucht eine ruhig auf einer Blüte sitzende Hummel zu fotografieren der weiß auch wo die Redewendung „Hummeln im Hintern haben“ herkommt. Ich habe an einem Wochenende gut und gerne 500 Bilder an unserem Lavendelbusch gemacht – und am Ende zehn davon behalten.

Schließlich bleibt noch die Möglichkeit, Kamera und Blitz fest zu positionieren und das Motiv der Wahl zu sich zu holen. Die Pusteblume habe ich in eine kleine Vase geklemmt und dann stückweise fotografiert. Da im Nahbereich die Schärfentiefe nicht mehr ausreicht, um die ganze Blüte in einem Bild durchgehend scharf abzubilden, habe ich mehrere Aufnahmen gemacht, die auf verschiedene Bereiche der Pusteblume fokussiert waren – vorne, Mitte, hinten – und diese dann in Photoshop zu einem Bild kombiniert („focus stacking“).

Die Suche nach den kleinen Dingen, oder die Bastelei beim Focus Stacking, bereitet mir eine Menge Spaß und der Ergebnisse erstaunen mich immer wieder aufs Neue. Die hervorragende Bildqualität, die das Tamron liefert, trägt natürlich ihren Teil dazu bei.

ZUBEHÖR

Im Laufe des letzten Jahres habe ich mir noch einiges an Zubehör für die Makro-Fotografie geholt: einen Makro-Blitz, einen Schlitten fürs Stativ, ein Kabel für den Blitz und eine Vorsatzlinse für noch nähere Aufnahmen. Darüber werde ich bei Gelegenheit noch mehr schreiben, gerade wo jetzt im beginnenden Frühjahr auch die Anzahl möglicher Motive wieder stark ansteigt.


FAZIT

Empfehlung: Jedem, der sich mit Makro-Fotografie näher beschäftigen will, kann ich das Tamron sehr empfehlen. Das alte Modell (F004) liefert sehr gute Ergebnisse und ist vom Preis-Leistungs-Verhältnis her praktisch unschlagbar.

Was ich gelernt habe: Makro-Fotografie macht richtig Spaß! Egal ob man draußen auf die Jagd nach Insekten, Blüten oder anderen Details geht, oder ob man sich seine Motive nach Hause holt und dort dann ganz gezielt ins Visier nimmt – anschließend auf dem Bildschirm die vielen Feinheiten in groß zu sehen ruft immer wieder Erstaunen hervor. So habe ich zum Beispiel gelernt, dass Schmetterlingsaugen gepunktet sind…


LINKS

Bildnachweis: alle Bilder eigene Aufnahmen.


BEISPIELBILDER:

Pusteblume - aus neun Einzelbildern durch "Focus Stacking" zusammengesetzte Aufnahme
Pusteblume – aus neun Einzelbildern durch „Focus Stacking“ zusammengesetzte Aufnahme

 

Schmetterling auf Lavendelblüte
Schmetterling auf Lavendelblüte

 

Hummel auf Lavendelblüte
Hummel auf Lavendelblüte

 

Ahorn-Samen mit Raureif in der Morgensonne
Ahorn-Samen mit Raureif in der Morgensonne

 

Eiskristall auf dem Autodach an einem frostigen Januarmorgen
Eiskristall auf dem Autodach an einem frostigen Januarmorgen

YouTube-Empfehlung: Christopher Frost

Christopher Frost Photography

Als ich angefangen habe, mich nach weiteren Objektiven für meine 760D umzuschauen, war der YouTube-Kanal von Christopher Frost einer der ersten, die ich abonniert habe. Chris ist ein begeisterter Fotograf und angehender Vikar, der in Cardiff lebt. Er bezeichnet sich selbst als „Objektiv-Enthusiast“ und veröffentlicht laufend detaillierte Testberichte.

Genau diese Testberichte habe ich sehr zu schätzen gelernt. Chris geht dabei gewissenhaft und nach einem konsistenten Schema vor, so dass die Berichte auch untereinander vergleichbar sind. Gelegentlich nutzt er dies, um mehrere Videos zu einer „Battle“ zusammenzufassen – zum Beispiel zehn verschiedene 50mm Objektive oder acht Ultra-Weitwinkel. So sieht man nicht nur sehr gut, wie sich ein bestimmtes Objektiv unter verschiedenen Einstellungen oder an unterschiedlichen Kameras verhält, sondern kann die Objektive auch leicht untereinander vergleichen.

Die folgenden Punkte werden von ihm bewertet:

  • Anmutung, Qualität und Ausstattung
  • Bildqualität (Schärfe, Kontrast, chromatische Aberrationen) – und zwar an Vollformat als auch an APS-C soweit möglich sowie bei verschiedenen Blendenstufen und (bei Zoom-Objektiven) Brennweiten.
  • Verzerrung und Vignettierung
  • Bildqualität an der Naheinstellgrenze
  • Verhalten bei Gegenlicht
  • Bokeh

Dabei testet er an Objektiven so ziemlich alles, was auf eine Canon DSLR passt; insbesondere von Drittanbietern. Inzwischen sind so schon über 130 Videos entstanden. Zuletzt hat er sich auch eine spiegellose Kamera zugelegt, so dass er nun auch Objektive speziell für DSLM betrachtet.

Die Videos sind sehr angenehm gemacht und beinhalten neben den immer gleichen Testbildern auch stets einige Beispielbilder und persönliche Erfahrungsberichte. Er ist mit Begeisterung bei der Sache, jedoch ohne dabei zu übertreiben. Die Videos haben mit jeweils fünf bis zehn Minuten eine angenehme Länge. Sein Englisch ist sehr gut zu verstehen. Ich habe mich anhand seiner Tests zum Beispiel für mein Tele-Objektiv, das Tamrom SP 70-300mm ƒ4-5,6 Di VC, entschieden.

PLAYLIST-EMPFEHLUNGEN

  • Canon Objektive – Berichte zu Canons eigenen EF, EF-S und neuerdings auch EF-M Linsen.
  • Sigma Objektive – Objektive aus den aktuellen „Art“, „Contemporary“ und „Sports“ Reihen sowie ältere Modelle
  • Tamron Objektive – Gläser aus dem Hause Tamron
  • Berichte zu weiteren Objektiven – Tests zu Linsen von Irix, Mitakon, Tokina, Venus ‚Laowa‘, Yongnuo und Zeiss sowie einige eigenartige Exemplare

Darüber hinaus hat Chris noch weitere Playlisten, die sich um Musik, Fernsehserien oder sein Engagement in der Kirche drehen.


FAZIT

Empfehlung: Wer angenehm gestaltete, fundierte und informative Testberichte zu Objektiven für Canon-Kameras sucht, ist bei Chris an der richtigen Adresse – große Empfehlung!

Was ich gelernt habe: Gerade durch die Vergleichbarkeit der Tests untereinander habe ich verstanden, wie unterschiedlich sich Objektive hinsichtlich Schärfe und Farbsäumen bei verschiedenen Blenden und Brennweiten unterhalten und auch, wie groß die Unterschiede sein können, wenn man dasselbe Objektiv an einer Vollformat- oder APS-C Kamera nutzt.


LINKS

Titelbild: Screenshot von YouTube

Meine Ausrüstung: Unendliche Weiten – Tokina 11-20mm f/2.8 DX

Tokina AT-X Pro SD 11-20mm ƒ/2,8 DX an der Canon 760D

Der wesentliche Grund für mich, im Herbst 2015 eine neue Kamera anzuschaffen, war die einmalige Möglichkeit, in den Bergen am Rande der Wüste in New Mexico (USA) die Milchstraße fotografieren zu können. Damit war auch klar: Es musste ein besonders für die Astro-Fotografie geeignetes Objektiv her. Aus den Recherchen im Internet ergaben sich schnell die beiden grundlegenden Anforderungen:

  • möglichst weitwinklig, um viel Himmel aufs Bild zu bekommen
  • möglichst offene Blende, um viel Licht einzufangen

Für APS-C Kameras wie meine 760D liegt der Brennweitenbereich für „Ultra-Weitwinkel“ in der Größenordnung 10-20mm. Tatsächlich gibt es in diesem Bereich eine ganze Reihe von Objektiven verschiedener Hersteller. Die meisten haben allerdings eine variable Blende zwischen ƒ/3,5 oder ƒ/4 und ƒ/5,6 und sind somit nicht sehr lichtstark. Doch es gibt eines, das aus dieser Menge mit einem Alleinstellungsmerkmal heraussticht.

TOKINA AT-X Pro SD 11-20mm ƒ/2,8 (IF) DX

Tokina AT-X Pro SD 11-20mm ƒ/2,8 DX
Tokina AT-X Pro SD 11-20mm ƒ/2,8 DX

Das Tokina hat eine durchgehende Offenblende von ƒ/2,8 und fängt damit deutlich mehr Licht ein (rund zwei- bis viermal so viel) als die anderen Objektive in diesem Brennweitenbereich. Dafür ist es mit aktuell rund 600,- € (Jan. 2017) auch das teuerste Objektiv – mal abgesehen von Canons Profilinsen, wie dem 14mm ƒ/2,8 L für rund 2.000,- €. Wenn Ihr den Nachthimmel fotografieren wollt und daher auf die große Blende angewiesen seid, ist das Tokina die Investition allerdings auch wert.

AUSSTATTUNG

Eine große Offenblende bedeutet immer viel Glas, folglich ist das Objekt groß und schwer. Es liegt jedoch zusammen mit der Kamera gut in der Hand. Es ist gut verarbeitet, und auch wenn das Gehäuse aus Plastik ist, wirkt es nicht übermäßig „billig“. Kritikpunkt aus meiner Sicht bei der Verarbeitung: Das Umschalten zwischen Autofokus und manuellem Fokus erfolgt durch Verschieben des Fokusrings, wie man an den Markierungen im Bild oben erkennen kann. Das geht nicht in jeder Position ohne zu haken, und es kommt beim Umschalten daher leicht vor, dass man den eingestellten Fokuspunkt unabsichtlich verschiebt. Davon abgesehen arbeitet der Autofokus zuverlässig, und manuell kann man gefühlvoll fokussieren. Einen Bildstabilisator hat das Objektiv nicht; dieser ist bei so kurzen Brennweiten meiner Meinung nach aber auch nicht unbedingt nötig. Zum Lieferumfang gehört neben den Deckeln für Vorder- und Rückseite auch eine Gegenlichtblende. Diese ist, dem weiten Blickwinkel geschuldet, zum einen recht flach und hat zum anderen einen sehr großen Durchmesser. Daher passt sie nicht mit dem Objektiv zusammen in einen üblichen Köcher, sondern muss extra verstaut werden. Aufgrund von Größe und Gewicht nehme ich das Tokina auch nicht überall mit hin, sondern nur gezielt bei Bedarf.

EINSATZ UND ERGEBNISSE

Ich verwende das Objektiv inzwischen regelmäßig. Natürlich für Aufnahmen des Sternenhimmels, wie unten in den Beispielen zu sehen. Aber nicht nur dafür – auch für Innenaufnahmen eignet es sich bestens, besonders in eher engen oder kleinen Räumen und auch bei stimmungsvoller Beleuchtung. Das Foto vom Dampflokführerstand, der nur mit einer einfachen Lampe ausgeleuchtet war, wäre aufgrund der Platzverhältnisse mit einer längeren Brennweite gar nicht möglich gewesen. Ebenso ist es hervorragend für Landschaften geeignet, wie etwa den Sonnenaufgang am Strand. Für diese Zwecke braucht man zwar nicht zwingend die 2.8er Blende, doch hat man dadurch immer noch den Vorteil, dass das Objektiv beim Abblenden bereits deutlich früher ein bis in die Ecken scharfes Bild erzeugt.

Die Bildbeispiele unten sind alle am kurzen Ende – also bei 11mm – aufgenommen, denn dafür habe ich mir das Objektiv ja gekauft. Auch wenn ich für das lange Ende mit dem Sigma C 17-70mm und dem Sigma A 18-35mm Alternativen habe, so gibt mir der Zoombereich des Tokina bis 20mm doch die Möglichkeit, zwischendrin auch eine „normale“ Weitwinkel-Aufnahme machen zu können, ohne gleich das Objektiv wechseln zu müssen.

Mit der Bildschärfe, die das Tokina liefert, bin ich auf jeden Fall zufrieden. In der Mitte ist es immer scharf; die Ecken sind bei Blende ƒ/2,8 deutlich weicher – bei der Aufnahme von der Milchstraße unten kann man den Unterschied zwischen Bildmitte und den Ecken anhand der Größe der Sterne gut sehen. Dieses Verhalten ist jedoch normal für ein Ultra-Weitwinkel und bewegt sich in einem für mich akzeptablen Rahmen. Blendet man ab, ist das Bild spätestens ab ƒ/5,6 durchgehend sehr scharf. Schließt man die Blende noch weiter bis auf ƒ/11, so erzeugt die Blende schön anzuschauende Sonnensterne. Allerdings hat man bei Gegenlicht mit deutlich sichtbaren Lensflares zu kämpfen. Diese können sehr stylisch aussehen, sind aber nicht immer erwünscht.


FAZIT

Empfehlung: Wenn Ihr nachts die Sterne fotografieren oder Bilder in nur mäßig beleuchteten, engen Innenräumen aufnehmen wollt, dann lohnt sich die Investition in das Tokina auf jeden Fall. Es ist solide, zuverlässig und liefert eine durchaus gute Bildqualität. Es ist allerdings auch nicht frei von Mängeln, und die Empfehlung beruht in erster Linie auf dem Alleinstellungsmerkmal der durchgehenden 2,8er Blende.

Wenn Ihr diese hohe Lichtstärke nicht braucht, dann empfehle ich Euch das Canon EF-S 10-18mm ƒ/4,5-5,6 (Link auf Amazon). Es ist deutlich kleiner, leichter, und vor allem auch preiswerter (Jan. 2017: 230,- €) als das Tokina. Es liefert ebenfalls scharfe Bilder, lässt aber im Vergleich nur rund ein Viertel des Lichts herein, so dass Ihr auf ausreichend helle Motive, längere Belichtungszeiten oder höhere ISO-Werte angewiesen seid.

Was ich gelernt habe: Das Fotografieren mit einem Ultra-Weitwinkel Objektiv macht eine Menge Spaß – weil man auch auf engstem Raum noch eine Menge auf das Bild bekommt und weite Landschaften mit nur einer Aufnahme einfangen kann. Damit einher geht allerdings die Herausforderung, den Vordergrund nicht zu leer wirken zu lassen, denn sonst fühlt sich der Betrachter schnell verloren im Bild – daran arbeit ich noch. Speziell mit dem Tokina habe ich für mich den Spaß an der Sternenfotografie entdeckt, auch wenn das mit der Lichtverschmutzung hier im Rhein-Main-Gebiet alles andere als einfach ist.


LINKS

Bildnachweis: alle Bilder eigene Aufnahmen.


BEISPIELBILDER:

Sonnenaufgang auf St. Simon's Island
Sonnenaufgang auf St. Simon’s Island

 

Feuerkorb auf der Terrasse
Feuerkorb auf der Terrasse

 

Führerstand einer Güterzug-Dampflok (HDR)
Führerstand einer Güterzug-Dampflok (HDR)

 

Milchstraße über Albuquerque
Milchstraße über Albuquerque

 

Berghütte in einer Vollmond-Nacht
Berghütte in einer Vollmond-Nacht

YouTube-Empfehlung: ValueTechTV

ValueTechTV

Hinter ValueTech steht im Wesentlichen der Berliner Matthias Proske mit seinem Team. Die Platform bietet dabei sehr viel mehr als nur den YouTube-Kanal, auf den ich zuerst gestoßen bin. Dazu gehört auch die Homepage mit geschriebenen Testberichten und einem recht aktiven Forum rund um Fotografie und Computer. ValueTech ist auch auf den üblichen sozialen Medien aktiv.

Mich haben vor allem die gut gemachten und angenehm präsentierten Testberichte zu Kameras und Objektiven überzeugt, und so war das einer der ersten Kanäle, die ich abonniert habe. Die Tests sind praxisnah, weder zu akademisch oder wissenschaftlich, aber auch nicht zu abschweifend. So habe ich über die Reviews auf diesem Kanal zum Beispiel mein Makro-Objektiv gefunden, mit dem ich sehr glücklich bin und das  mir schon einige faszinierende Aufnahmen beschert hat.

Angenehm hier auch: Matthias ist nicht auf eine bestimmte Kamera-Marke festgelegt sondern testet alle großen Hersteller gleichermaßen, so dass man sehr guten Überblick erhält.

PLAYLIST-EMPFEHLUNGEN

  • DSLR, DSLM und Kompaktkameras – Diese Kanal sammelt alle Kameratests von Canon, Nikon, Samsung, Sony und Co. Die jeweils fünf bis zehn Minuten langen Videos geben einen guten Überblick über das vorgestellte Modell und umfassen gelegentlich auch Vergleiche mit Vorgänger- oder Konkurrenzmodellen oder ein Unboxing. Zu ausgewählten Kameras gibt es dann jeweils nochmal eigene Playlists mit mehreren Videos, wie zum Beispiel für meine Canon 760D.
  • Objektive – Was wäre eine gute Kamera ohne die passenden Objektive? Hier gibt es die Testberichte nicht nur den Objektiven der Kamerahersteller wie Canon, Nikon oder Sony selber, sondern auch Drittanbieter wie Tamron und Sigma sind hier gut vertreten.
  • Foto- und Videozubehör – Diese Kategorie ist extrem umfangreich. Von Stativen über Speicherkarten und Mikrofonen zu Filtern, Taschen und Gimbals findet man hier eigentlich alles, was außer Kameras und Objektiven eben noch zum Thema Fotografie gehört.

Abschließend sei erwähnt, dass es auch noch eine Playlist mit 12 Tipps für bessere Fotos gibts. Der Begriff „Tutorial“ wäre hier allerdings übertrieben, aus meiner Sicht ist das eher ein Video-Glossar in dem einzelne Aspekte der Fotografie ganz kurz vorgestellt werden.


FAZIT

Empfehlung: Gut gemachte, informative Reviews zu Kameras, Objektiven und Ausrüstung. Auf jeden Fall ein Abonnement auf YouTube wert!

Was ich gelernt habe: Die Videos von ValueTechTV haben mir dabei geholfen, einige gute Entscheidungen für meine Ausrüstung zu treffen.


LINKS

Titelbild: Screenshot von YouTube

Ausgeliehen und ausprobiert: Sigma A 50-100mm f/1.8

Sigma A 50-100mm ƒ/1.8 an der Canon 760D

Eine verbleibende Lücke in meiner Ausrüstung ist ein hochwertiges Tele-Zoom-Objektiv – also insbesondere eines, das sich auch für Portraits mit schön unscharfem Hintergrund (Bokeh) eignet. Mit dem „nifty fifty“ Canon 50mm ƒ/1.8 sowie dem Tamron SP 90mm ƒ/2.8 Di VC Macro habe ich zwar schon zwei geeignete Festbrennweiten, aber gerade für Situationen wie Veranstaltungen bei denen sich die Leute bewegen, möchte ich die Flexibilität eines Zooms haben.

Grundsätzlich kommen hier zwei Objektive infrage: zum einen der „Klassiker“, ein 70-200mm ƒ/2.8, das es von Canon, Sigma und Tamron in verschiedenen Ausführungen gibt. Oder das noch recht neue Sigma 50-100mm ƒ/1.8 speziell für APS-C Kameras wie meine 760D. Diese Gläser haben jedoch alle eines gemeinsam: Sie liegen in einer Preisklasse in der man nicht mehr „auf Verdacht“ kauft. Natürlich gibt es unzählige Testberichte, aber um herauszufinden welches Objektiv besser zu meiner Art zu fotografieren passt, bleibt nur eines: ausprobieren.

DRUM PRÜFE WER SICH EWIG BINDET

Die wenigsten von Euch werden das Glück haben einen Fotografen zu kennen, von dem man sich so ein Objektiv mal eben für eine Weile ausleihen kann. Dafür gibt es inzwischen eine ganze Reihe von Anbietern, bei denen man Foto-Ausrüstung mieten kann – nicht nur Objektive, auch Kameras oder ganze Blitz- und Beleuchtungsausrüstungen. Ich habe diesen Service inzwischen zwei Mal genutzt und sehr gute Erfahrungen damit gemacht.

ZOOMYRENTALS

Der Anbieter, den ich nutze, heißt ZoomyRentals.de. Die Firma sitzt in Berlin und bietet eine große Auswahl an Kameras, Objektiven und Zubehör von bzw. für Canon, Sony und Nikon. Der Ausleihvorgang verläuft ganz einfach:

  • Ihr registriert Euch
  • Vor Eurer ersten Bestellung müsst Ihr einmalig eine Kopie Eures Personalausweises zur Verifizierung im Profil hinterlegen. Euer Name und Eure Anschrift müssen gut lesbar sein.
  • Ihr sucht Euch die gewünschte Ausrüstung aus
  • Ihr wählt den Starttermin und die Mietdauer – diese kann zwischen 3 Tagen und 4 Wochen betragen
  • Los geht’s!

Ich empfehle Euch unbedingt, bei jeder Bestellung die angebotene optionale Versicherung mit abzuschließen. Gerade bei teureren Sachen gilt die Devise „better safe than sorry“.

LIEFERUNG

Die Lieferung erfolgt durch einen DHL-Boten. Ihr erhaltet die Ausrüstung am Vormittag des ersten Miettags, und sie wird bei Mietende wiederum vormittags per Boten abgeholt. Das funktioniert sehr zuverlässig; Empfang und Abholung werden jeweils durch Unterschrift bestätigt. Somit seid Ihr auf der sicheren Seite. Vor allem landet das teure Objektiv nicht versehentlich beim Nachbarn oder auf der Terrasse.

Gut verpackt: Sigma A 50-100mm ƒ/1.8 fertig zum Versand
Gut verpackt: Sigma A 50-100mm ƒ/1.8 fertig zum Versand

Bei Objektiven gehören in der Regel je ein Deckel für Vorder- und Rückseite, Sonnenblende, Schutzfilter und eine Objektivtasche zum Lieferumfang. Das alles wird zum Versand sicher in dicken Schaumstoff verpackt. In dem Karton befindet sich dann neben dem Lieferschein auch direkt der Adressaufkleber für die Rücksendung.

Und dann kann es losgehen: Ihr könnt die gemietete Ausrüstung für die Leihdauer nach Lust und Laune ausprobieren. Sorgsamer Umgang mit den Sachen versteht sich von selbst.

SIGMA A 50-100mm ƒ/1.8

Ich habe mir im Dezember 2016 den „großen Bruder“ meines Sigma A 18-35mm ƒ/1.8 eine Woche lang ausgeliehen. In der Zeit hatte ich Besuch und es stand unter anderem eine Feier an, so dass sich ausreichend Gelegenheit zum Testen bot.

LOOK & FEEL

Das Objektiv fällt sofort auf: Es ist groß. Und es ist schwer. Die Kamera locker mit einer Hand herumzutragen wird da schnell zu einer sportlichen Herausforderung; sicherlich kein Objektiv das man immer dabei hat, sondern nur gezielt mitnimmt. Setzt man das in Relation zum Preis von aktuell (Dez. 2016) rund 1.000 Euro wird schnell klar, dass diese Investition wohl überlegt sein will. Das Gewicht hat aber auch seinen Grund: Bei 100mm Brennweite und Blende ƒ/1.8, dazu noch mit dem Zoom, kommt eine Menge Glas zusammen. Zudem ist das Objektiv aus Metall gefertigt und sehr hochwertig verarbeitet.

Sowohl den Zoom als auch den Fokusring habe ich von der Bedienung her als sehr angenehm empfunden. Insgesamt hat mich die Verarbeitung, die ich ja auch schon vom 18-35er her kenne, wieder absolut überzeugt. Die in Reviews im Internet oft kritisierte Objektivschelle hat mich in der Handhabung kaum gestört.

Sigma A 50-100mm ƒ/1.8
Groß, schwer, hochwertig: Sigma A 50-100mm ƒ/1.8

AUSSTATTUNG & EINSATZGEBIET

Dieses Objektiv dient eigentlich genau einem Zweck: nämlich auch mit einer APS-C Kamera professionelle Portraitaufnahmen mit butterweichem Hintergrund machen zu können. Die durchgehende Offenblende von ƒ/1.8 ist das Alleinstellungsmerkmal. Der Zoombereich ist mit 50-100mm recht begrenzt – gerade mal ein 2x Zoom, verglichen mit rund 3x bei einem 70-200er. Insbesondere beim Fotografieren auf der Feier habe ich diesen Bereich jedoch als genau richtig empfunden. Die kürzere Anfangsbrennweite ist in geschlossenen Räumen auf jeden Fall von Vorteil, und am langen Ende kann man, dank der enormen Bildschärfe, durch Zuschneiden des Bildes noch einiges herausholen.

Was sich auf jeden Fall bemerkbar macht ist das Fehlen eines Bildstabilisators. Im stimmungsvoll beleuchteten Raum war ich mit der Belichtungszeit auch bei Blende ƒ/1.8 und ISO 800 meistens in einem Bereich zwischen 1/60 und 1/10 Sekunde. Da wird es selbst mit Aufstützen auf Tisch oder Stuhllehne schwer, die Bilder nicht zu verwackeln – insbesondere bei 100mm. Höher als 800 gehe ich bei der 760D mit dem ISO-Wert nur in Ausnahmefällen, weil das Bildrauschen ab ISO 1600 für meinen Geschmack zu auffällig wird.

Ich werde daher auf jeden Fall auch noch ein 70-200mm ƒ/2.8 mit Bildstabilisator testen. Durch die im Vergleich zum Sigma um gut eine Stufe kleinere Blende wird die Verschlusszeit zwar länger. Dafür sinkt jedoch unter dem Strich das Risiko ein Bild zu verwackeln deutlich. Wie sich das insgesamt in der Praxis auswirkt, werde ich dann sehen.

ZUVERLÄSSIGKEIT & BILDQUALITÄT

Bei den Sigma Art Objektiven mit Blende 1.8 – sowohl beim 18-35er als auch beim 50-100er – ist das mit dem Autofokus so eine Sache. Scheinbar hängt es vom einzelnen Objektiv ab, wie zuverlässig der Autofokus im Phasendetektionsmodus (durch den optischen Sucher) arbeitet. Das gemietete 50-100er zeigte sich hier vorbildlich: Bei praktisch allen Bildern, die ich gemacht habe, saß der Fokus da, wo ich ihn haben wollte. Bei meinem eigenen 18-35er hingegen ist es Glückssache: Bei rund einem Drittel der Bilder greift der Autofokus komplett daneben. Testberichte im Internet bestätigen den Eindruck, dass dies vom konkreten Objektiv abhängt; die Urteile reichen in diesem Punkt bei beiden Objektiven von „hoffnungslos“ bis „problemlos“.

Als Ausweichlösung bietet sich an, den Live-View zu nutzen, denn der Autofokus per Kontrasterkennung funktioniert immer – ist aber langsamer (wer wissen will warum das so ist, kann sich diese Vorlesung anschauen). Und wer die nötige Geduld oder das Feingefühl hat, kann auch manuell fokussieren. Beim Fotografieren mit Stativ nutze ich diese Möglichkeit eigentlich immer.

Die Bildqualität ist dafür über jeden Zweifel erhaben. Bereits bei Offenblende ist die Bildschärfe bis in die Ecken atemberaubend. Das muss sie auch sein, denn in dem Blendenbereich unterhalb von 2.8 liegt ja gerade die Besonderheit des Objektivs. Die Zeichnung der unscharfen Hintergründe ist angenehm weich; nur gelegentlich wird das Bokeh unruhig wenn viele kleine Lichter im Hintergrund sind. Schließt man die Blende, wird man mit wunderschönen Lichtsternen belohnt. Mich haben die gemachten Bilder, drinnen wie draußen, Personen wie Landschaft, durchweg begeistert. Die Bildqualität ist auf jeden Fall ein ganz starkes Argument zugunsten des Sigma A 50-100mm ƒ/1.8.

Sigma A 100-150mm ƒ/1.8 - Beispiel 1

Sigma A 100-150mm ƒ/1.8 - Beispiel 3


FAZIT

Empfehlung: Das Sigma A 50-100mm ƒ/1.8 besetzt eine sehr kleine Nische, nämlich professionelle Portraits mit einer APS-C Kamera zu erstellen. Diese Nische besetzt es allerdings sehr gut. Mich hat vor allem die herausragende Bildqualität begeistert! Verarbeitung und Anmutung entsprechen dem hohen Wert. Es hat auf jeden Fall Spaß gemacht, damit zu arbeiten.

Ich werde, wenn sich eine passende Gelegenheit bietet, auch noch ein 70-200mm ƒ/2.8 mit Bildstabilisator zum Vergleich ausprobieren und dann auf Basis der gewonnenen Erfahrungen mit beiden Objektiven eine Entscheidung treffen. Die gibt es dann auch wieder hier zum Nachlesen.

Was ich gelernt habe: Ein Objektiv mal für eine Woche auszuleihen ist die perfekte Art, es in Ruhe ausprobieren und sich einen Eindruck verschaffen zu können, ob es die eigenen Vorstellungen und Erwartungen erfüllt. Ich werde diese Möglichkeit in Zukunft mit Sicherheit noch öfter nutzen.

Und: Es macht unheimlich Spaß, mit so einem Profi-Objektiv zu fotografieren. Die Testwoche hat mir aber auch gezeigt: So schön die Bilder auch sind, die große Offenblende beim 50-100er allein ist nicht alles. Ich will vor einer Entscheidung auf jeden Fall den Vergleich haben, und von daher war die Entscheidung, das Objektiv erstmal nur zu mieten, genau richtig.


LINKS

Bildnachweis: Alle Bilder eigene Aufnahmen.

Meine Ausrüstung: Das „Immerdrauf“ – Sigma C 17-70mm f/2.8-4.0

Sigma C 17-70mm ƒ/2.8-4.0

Nachdem ich mich für die neue Kamera entschieden hatte, stellte sich als nächstes die Frage nach den passenden Objektiven. Ich hatte dieses Mal ganz bewusst das Gehäuse ohne das sonst übliche Kit-Objektiv, das Canon EF-S 18-55mm ƒ/3.5-5.6, gekauft – ich wollte etwas mit mehr „Bums“.

ALTERNATIVEN ZUM KIT-OBJEKTIV

Als direktes Upgrade zum Kit-Objektiv gibt es von Canon selbst das Canon EF-S 17-55mm ƒ/2.8. Das lässt am kurzen Ende zwei Drittel mehr, am langen Ende sogar viermal so viel Licht rein wie das Kit-Objektiv! Aber es schlägt dafür auch direkt mit (Stand Nov. 2016) rund 750,- € zu Buche. Zum Glück gibt es ja auch noch Drittanbieter! So hatte ich nach einigem Suchen drei Gläser in der engeren Auswahl:

  1. Sigma 17-50 mm ƒ/2.8
  2. Tamron 17-50mm ƒ/2.8
  3. Sigma 17-70 mm ƒ/2.8-4.0

Die wesentlichen Gemeinsamkeiten und Unterschiede lassen sich recht schnell zusammenfassen:

  • Nr. 1 und 2 haben beide einen Dreifach-Zoom und eine konstante Offenblende von ƒ/2.8. Beide kosten neu (Nov. 2016) um die 300,- €
  • Nr. 3 hat einen Vierfach-Zoom, dafür am langen Ende „nur“ ƒ/4.0. Neupreis (Nov. 2016) liegt bei 400,- €.

Nach Studium zahlreicher Reviews habe ich das Tamron-Objektiv als erstes von dieser Liste gestrichen, da den beiden Sigmas übereinstimmend bessere Qualität bescheinigt wurde. Dies betrifft sowohl das Objektiv selbst, als auch die erzeugten Bilder. Damit blieb noch eine Frage zu beantworten: Was ist mir wichtiger – längere Brennweite oder offenere Blende? 70mm mit ƒ/4.0 oder 50mm bei konstant ƒ/2.8?

Ich habe mich schließlich für das 17-70er entschieden. Letztlich war mir die größere Flexibilität durch die 20mm Brennweite „extra“ dann doch wichtiger.

SIGMA C 17-70mm ƒ/2,8-4,0 DC MAKRO OS HSM

Sigma C 17-70mm ƒ/2.8-4.0
Sigma C 17-70mm ƒ/2.8-4.0

Das Sigma ist sicher maßgeblich daran beteiligt, dass mir das Fotografieren so richtig Spaß macht seit ich die neue Kamera habe. Nicht nur dass es deutlich lichtstärker ist – Bildschärfe und die Farbwiedergabe haben mich durchaus begeistert, und so macht es seinem Namen als „Immerdrauf“ alle Ehre. Äußerlich kann es ebenfalls überzeugen: Materialien und Verarbeitung empfinde ich als sehr gut. Zudem wird es komplett mit Objektivdeckel und Gegenlichtblende geliefert – letztere kostet bei Canon gerne mal extra. Von Größe und Gewicht her ist es sehr handlich und liegt zusammen mit der Kamera gut in der Hand.

Was das Fotografieren selbst angeht: Der Autofokus arbeitet an meiner 760D sehr zuverlässig, genauso wie der Bildstabilisator. Damit sind auch unter ungünstigen Lichtverhältnissen noch gute Bilder aus der Hand möglich. Ein echtes Makro-Objektiv ist es zwar nicht – aber mit einem Abbildungsmaßstab von 1:2,8 sind schon beeindruckende Nahaufnahmen möglich. Und Dank der offenen Blende sind durchaus auch Aufnahmen mit einem schönen unscharfen Hintergrund (Bokeh) möglich.

GIBT ES AUCH NACHTEILE?

Ja, aus den Erfahrungen des vergangenen Jahres gibt es ein paar (wenige) Kritikpunkte. Was mir dabei am meisten auffällt: Der Zoom ist ziemlich leichtgängig. Trägt man die Kamera mit dem Objektiv nach unten, am Gürtelclip oder Schultergurt, so fährt das Objektiv beim Laufen durch das eigene Gewicht (mit Gegenlichtblende) von alleine auf 70mm aus. Das kann unangenehm sein, weil man so leichter irgendwo dagegen stößt und zudem meist erstmal wieder den Zoom zurückdrehen muss, wenn man die Kamera in die Hand nimmt.

Bei der Aufnahme von Videos ist, sofern man kein von der Kamera deutlich entferntes externes Mikro verwendet, ein leises Knacken und Schnarren von Bildstabilisator und Autofokus zu hören. Da ich allerdings nur selten Videos aufnehme, stört mich das kaum.

Bei den Fotos hingegen gibt es praktisch nichts auszusetzen – die leichte Vignettierung (dunkle Ecken) bei Aufnahmen mit offener Blende lässt sich in der Nachbearbeitung mit wenigen Klicks (in Adobe Lightroom zum Beispiel reicht schon die Auswahl des korrekten Objektprofils) beheben. Chromatische Aberrationen – grüne oder violette Farbsäume an kontrastreichen Kanten – sind vernachlässigbar.


FAZIT

Empfehlung: Wer nach einem Upgrade für das Kit-Objektiv sucht, dem kann ich das Sigma C 17-70mm ƒ/2.8-4.0 absolut empfehlen. Es ist extrem vielseitig einsetzbar, zuverlässig und liefert sehr überzeugende Ergebnisse. Insbesondere in Anbetracht der Tatsache, dass das „Original“ von Canon nahezu das Doppelte kostet, diesen Aufpreis meiner Meinung nach aber nicht wert ist.

Auch das Schwestermodell, das Sigma 17-50mm ƒ/2.8, ist eine Überlegung wert – vor allem, wenn Ihr öfter Videos filmt, wobei eine konstante Offenblende wichtiger ist. Zwei meiner Freunde haben sich dafür entschieden, an einer Canon 350D bzw. einer Nikon D7100, und sind damit ebenfalls sehr glücklich.

Was ich gelernt habe: Die gründliche Recherche im Vorfeld hat sich absolut gelohnt! Und vor allem: Wenn Ihr nach einem neuen Objektiv sucht, schaut Euch auch die Dritthersteller an – Samyang, Sigma, Tamrom, Tokina und wie sie nicht alle heißen. Sowohl von der Qualität als auch vom Preis-Leistung-Verhältnis her findet Ihr dort sehr interessante Alternativen.


LINKS:

Bildnachweis: alle Bilder eigene Aufnahmen.


BEISPIELBILDER:

Herbstfarben
Herbstfarben
Portrait einer Schnecke
Portrait einer Schnecke
Frankfurt - Skyline bei Nacht (HDR)
Frankfurt – Skyline bei Nacht (HDR)
Sonnenaufgang im Dezember
Sonnenaufgang im Dezember
Die Schmiede (HDR)
Die Schmiede (HDR)
Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.