Foto-Experiment: Gefrierende Seifenblasen

Gefrierende Seifenblase Gefrierende Seifenblase Gefrierende Seifenblase Gefrierende Seifenblase Gefrierende Seifenblase Gefrierende Seifenblase Gefrierende Seifenblase Gefrierende Seifenblase Gefrierende Seifenblase Gefrierende Seifenblase

Die kalte Jahreszeit mit ihren frostigen Temperaturen bietet einem eine ganze Reihe besonderer Fotomotive – zumindest theoretisch. Dazu muss es jedoch auch tatsächlich kalt werden, und in der Hinsicht war der aktuelle Winter bislang ein Totalausfall – nicht ein Tag, an dem es hier auch tagsüber mal unter Null gewesen wäre.  Von daher hatte ich die Hoffnung, den nach wie vor offenen Punkt „Schneeflocken/ Eiskristalle fotografieren“ von meiner Fotowand diesen Winter noch abhaken zu können, eigentlich schon aufgegeben.

Letzte Woche kam sie dann aber doch noch, die „polare Kaltfront“, mit strahlend blauem Himmel und Temperaturen von -10°C am Morgen. Damit war klar, dass die kurze Zeit zwischen Frühstück und Büro zum Fotografieren genutzt wurde. Schnee war zwar noch immer keiner da, aber so habe ich auf die im Internet weit verbreitete Idee zurückgegriffen, Seifenblasen gefrieren zu lassen.

FÜR UNGEDULDIGE

Ausrüstung Einstellungen
  • Kamera
  • Standard-Zoomobjektiv
  • Seifenblasenflüssigkeit
  • Strohhalm
  • Außentemperatur unter -5°C
  • Warme Kleidung
  • Optional: Blitz, ggf. mit Farbfolie
  • Autofokus
  • Blendenvorwahl (A/Av)
  • Blende ca. ƒ/8 – ƒ/11
  • ISO 100 – 200
  • Mit Blitz: manueller Modus

DER AUFBAU

Aufzubauen gibt es hier nicht viel, aber die Voraussetzungen müssen stimmen. Zum Einen muss es draußen ausreichend kalt sein, -5°C sollten es schon sein. Zum Anderen muss es nahezu windstill sein, denn die Seifenblasen sind extrem windanfällig und selbst ein für uns kaum wahrnehmbarer Hauch bringt sie schnell zum Platzen. Schließlich braucht Ihr noch einen passenden Untergrund, auf den man Ihr Seifenblasen setzen wollt. Gut dafür eignet sich zum Beispiel Holz, Steine, Moos, oder – wenn man welchen hat – Schnee. Metall hingegen hat bei mir gar nicht funktioniert. Egal was Ihr wählt, es sollte natürlich auch schön aussehen.

Zu guter Letzt muss das Licht stimmen. Da die Eiskristalle im Gegenlicht am besten zur Geltung kommen, macht Ihr die Fotos idealerweise kurz nach Sonnenaufgang oder kurz vor Sonnenuntergang. So könnt Ihr die tiefstehende Sonne nutzen, und zudem gibt das eine zauberhafte Lichtstimmung. Wenn das nicht geht, etwa weil die Sonne durch Häuser oder Bäume verdeckt ist, dann nehmt einen externen Blitz zur Hilfe. Diesen positioniert Ihr außerhalb des Bildausschnitts hinter der Seifenblase und löst ihn mit einem Fernauslöser aus. Die passende Lichtstimmung könnt Ihr in diesem Fall zum Beispiel dadurch erzeugen, dass Ihr am Blitz eine farbige Folie anbringt.

DIE EINSTELLUNGEN

Die tatsächlichen Einstellungen hängen natürlich vorrangig von den tatsächlichen Lichtverhältnissen ab, daher kann ich hier nur Richtwerte angeben. Beim Objektiv habe ich mich für mein „Immerdrauf“ entschieden, denn der Brennweitenbereich von 17-70 mm (entspricht 27-112 mm am Vollformat) hat mir die nötige Flexibilität bei der Wahl des Bildausschnitts gegeben. Um ausreichend Schärfentiefe zu haben, habe ich die Blende zwischen ƒ/8 und ƒ/11 eingestellt. Den ISO-Wert habe ich, je nach dem wie die Sonne ins Bild passte, zwischen 100 und 200 gewählt; eben so, dass die Belichtungszeit 1/25 Sekunde oder kürzer war. Dank des guten Bildstabilisators im Sigma konnte ich mir so sicher sein, keine verwackelten Bilder zu bekommen.

Zum Fokussieren habe ich den Autofokus mit einem einzelnen Fokuspunkt genutzt. Da das Gefrieren der Seifenblase nur wenige Sekunden dauert, konnte ich so schnell die Position bzw. den Bildausschnitt wechseln. Allerdings hatte die Kamera durchaus ihre Schwierigkeiten damit, immer auf die von mir gewollte Seite der Blase (vorne oder hinten) scharf zu stellen. Ideal ist hier ein Objektiv, bei dem man jederzeit manuell in den Autofokus eingreifen kann – ein Feature, dass dem Sigma leider fehlt.

Da die Sonne bei uns um diese Jahreszeit morgens perfekt durch eine Haus- und Baumlücke auf unsere Terrasse scheint, musste ich nicht auf einen Blitz zurückgreifen, um das nötige Gegenlicht zu erzeugen. Mit Blitz stellt Ihr die Kamera in den manuellen Modus, wobei die tatsächlichen Einstellungen ausgehend von den oben genannten Werten (ISO 100, ƒ/8, 1/25) natürlich entsprechend der Lichtverhältnisse vor Ort angepasst werden müssen. Tendenziell stellt Ihr die Kamera so ein, dass das Bild ohne Blitz etwa eine Blende unterbelichtet ist, und nehmt dann den Blitz dazu. Sofern Ihr die Seifenblase nicht immer im selben Abstand zum Blitz positioniert, macht Ihr es Euch am einfachsten, wenn Ihr den Blitz auf Automatik (TTL) stellt und die Helligkeit nötigenfalls mit der Blitzbelichtungskorrektur anpasst.

DAS SHOOTING

Geplatzt!
So geht’s nicht: Ein kleiner Windhauch hat die halb gefrorene Seifenblase platzen lassen. Zudem war durch Blende ƒ/11 und ISO 100 die Belichtungszeit mit ⅛ Sekunde zu lang, so dass das Bild zusätzlich auch noch verwackelt ist.

Die Erfahrung zeigt, dass, wenn man die Seifenblasen durch den üblichen Blasring (nicht lachen, der heißt wirklich so!) pustet, sie in den seltensten Fällen dort landen, wo man sie haben will – und wenn sie das tun, dann platzen sie sofort. Sehr viel zuverlässigere Ergebnisse erzielt man mit einem Strohhalm: diesen in den Mund nehmen, in die Seifenblasenflüssigkeit eintauchen und die obere Öffnung mit der Zunge zuhalten (nicht saugen; glaubt mir, das schmeckt nicht). Dann den Strohhalm an die gewünschte Stelle halten und die Blase zur gewünschten Größe aufpusten. Es wird nicht jedes Mal klappen, aber die Erfolgsquote ist ausreichend hoch.

Man hat ein paar Sekunden Zeit, bis die Blase anfängt zu gefrieren. Das reicht auf jeden Fall, um den Strohhalm wegzulegen und die Kamera in Position zu bringen. Die Eiskristalle bilden sich zuerst am unteren Rand der Blase und wachsen dann wie Farne nach oben. Wenn es sehr kalt ist, bilden sich auch Kristalle oben auf der Blase, die in einem anderen Muster wachsen. Wie die Kristalle dabei wachsen, ist natürlich Glückssache. Das Ganze funktioniert deswegen, weil eine Seifenblase aus drei Schichten besteht: zwei Lagen Seife mit einem dünnen Wasserfilm dazwischen, und das Wasser gefriert schneller als die Seife.

Nach etwa zehn bis fünfzehn Sekunden ist die Blase komplett gefroren; dieses Zeitfenster bleibt einem also, um die Fotos zu machen. Eine vollständig gefrorene Blase ist dann nur noch milchig-trüb und man kann kaum noch Strukturen erkennen – daher wird es schwer, schöne Bilder mit mehr als einer Seifenblase hinzubekommen.

Man kriegt den Bogen relativ schnell raus was das Timing und die richtige Größe der Blasen angeht. Dann bleibt noch, mit verschiedenen Untergründen, dem Bildausschnitt und den Einstellungen zu spielen. Je mehr Seifenblasen man fotografiert, umso mehr verschiedene Muster wird man in den Eiskristallen sehen.

Die erforderlichen frostigen Temperaturen sind es denn schließlich, die das Shooting zeitlich begrenzen: Zum einen ist man selbst irgendwann so durchgefroren, dass es schwer wird, die Kamera noch halbwegs ruhig zu halten. Zum anderen fängt auch die Seifenblasenflüssigkeit im Behälter irgendwann an, zu gefrieren, bzw. sie wird so zähflüssig, dass sich damit keine Blasen mehr pusten lassen. Dann wird es Zeit, reinzugehen, sich mit einem schönen Kaffee aufzuwärmen und die geschossenen Bilder anzuschauen.

TIPPS & TRICKS

Hier noch ein paar hilfreiche Hinweise, um die Sache etwas angenehmer zu gestalten und die Erfolgsquote zu erhöhen:

  • Benutzt Handschuhe. Diese sollten dick genug sein, um Eure Hände zu wärmen, aber dünn genug, dass Ihr die Kamera noch gut bedienen könnt.
  • Sorgt für Windschutz. Die Seifenblasen sind echt unglaublich windempfindlich. Ich habe mir teilweise mir Kartons geholfen, die neben den Blasen auf dem Tisch standen, so dass weder die Kartons noch ihre Schatten im Bild zu sehen waren, aber die Blase geschützt war. Allerdings solltet Ihr keine bunten Kartons nehmen; deren Spiegelung sieht man sonst in der Seifenblase.
  • Macht die Fotos zu zweit. So kann eine(r) die Seifenblasen setzen, während die/der andere fotografiert. Das spart Zeit, macht Spaß, und Ihr könnt auch einfach und schnell den Standort wechseln.

FAZIT

Empfehlung: Wenn es bei Euch mal kalt genug ist: unbedingt ausprobieren! Es ist ein derart faszinierendes Schauspiel, dabei zuzuschauen, wie die Eiskristalle über die Seifenblase wachsen, dass ich immer wieder dabei zuschauen könnte – selbst ohne dabei zu fotografieren.

Was ich gelernt habe: Nicht von der Kälte abschrecken lassen. Wer besondere Fotos haben will, muss auch was Besonderes dafür tun. Und die Bilder lohnen die Mühe allemal.


LINKS

Bildnachweis: alle Bilder eigene Aufnahmen.

In eigener Sache: Systementscheidung – Warum Canon APS-C?

Canon 760D

Als Fotografie-Einsteiger oder Umsteiger ist die größte Frage, die sich einem stellt, die nach dem System: Kompaktkamera oder eine mit Wechselobjektiven? Spiegelreflex oder Systemkamera? Micro-Four-Thirds, APS-C oder Vollformat? Alles davon hat seine Daseinsberechtigung, seine speziellen Stärken, aber auch eben seine eigenen Schwächen – es gibt nicht die „eine für alles“. Natürlich gibt es Allround-Kameras, die in allem gut sind – sich dann aber in einzelnen Disziplinen doch jeweils den Spezialisten geschlagen geben müssen.

Erst an zweiter Stelle kommt die Marke. Die technischen Unterschiede zwischen vergleichbaren Kameras verschiedener Hersteller sind heute so gering, dass die Wahl hier oft subjektiv ausfällt: Mit welchen Bedienelementen und welcher Menüführung komme ich besser zurecht? Welche Kameras habe ich früher besessen? Um eine gute Entscheidung treffen, muss man sich einer zentralen Frage stellen:

Was will ich fotografieren? 

Kalender 2018

Mit all diesen Überlegungen habe ich mich schon einmal beschäftigt, als ich mich vor zwei Jahren für meine aktuelle Ausrüstung entschieden habe. Nun, da ich darüber nachdenke, auf eine Kamera mit größerem Funktionsumfang zu wechseln, sind diese Fragen wieder hochaktuell.

ENTDECKE DIE MÖGLICHKEITEN

Es gibt innerhalb der Fotografie so viele verschiedene Teilgebiete, die alle ihren eigenen Anforderungen haben. Die folgende – stark vereinfachte – Liste soll einen kleinen Eindruck typischer Kriterien geben:

  • Landschaften – großer Dynamikumfang
  • Portraits – möglichst geringe Schärfentiefe
  • Nachtaufnahmen – gute Bildqualität (wenig Rauschen) auch bei sehr hohen ISO-Werten
  • Wildlife – hohe Reichweite mit Teleobjektiven
  • Allrounder – große Auswahl an Objektiven
  • Reise – geringes Gewicht, kompakte Maße
  • Video – guter Video-Autofokus, Anschlüsse für Peripherie

Dabei wird klar, dass sich einige dieser Kriterien gegenseitig ausschließen: Für klassische Portraits mit minimaler Schärfentiefe brauche ich eine Vollformat-Kamera mit großer Offenblende. Eine Canon 5D Mark IV wiegt mit dem Kit-Objektiv schon fast 1,5kg; mit einem Portrait-Objektiv wie dem 70-200mm ƒ/2.8 sind es deutlich über 2kg. Im Fotostudio mag das keine Rolle spielen, aber bei einer Wanderung überlegt man sich schon, ob man das mitschleppen will. Eine Sony RX100 III hingegen wiegt nur 300g, ist kaum größer als eine Zigarettenschachtel, und wird dennoch von vielen Fotografen als sehr gute Reisekamera empfohlen. Dafür hat sie anderswo ihre Grenzen.

Für Nachtaufnahmen eignet sich am besten ein großer Sensor mit niedriger Auflösung, so dass jedes Pixel viel Licht einfangen kann – wie zum Beispiel die Sony A7S, eine Vollformat-Kamera mit lediglich 12 Megapixeln, aber überragender Leistung in dunklen Umgebungen. Für Wildtiere hingegen nehme ich lieber einen kleineren Sensor, um mit den Teleobjektiven durch den engeren Bildausschnitt eine noch größere Reichweite zu haben – eine Canon 80D hat 24 Megapixel und durch den Formatfaktor von 1,6 erhalte ich mit einem 300mm-Objektiv denselben Bildausschnitt wie bei 480mm am Vollformat.

Die Frage darf also nicht lauten: Welche Kamera ist die beste? Sondern: Welche Kamera ist für mich die beste?

Alles gepackt für den nächsten Foto-Ausflug
Alles gepackt für den nächsten Foto-Ausflug

WARUM ICH MICH DAMALS FÜR CANON APS-C ENTSCHIEDEN HABE…

Mit Blick auf das anstehende Upgrade lohnt es sich natürlich, darüber noch einmal nachzudenken. Vor allem mit der Frage: Was hat sich seitdem geändert? Wesentliche Erkenntnis von damals: ich bin am ehesten ein Allrounder. Ich habe kein ausgesprochenes Spezialgebiet, sondern fotografiere, was mir Spaß macht: Landschaften, aber auch Leute auf Veranstaltungen. Mal Nachtaufnahmen, mal Tiere. Mal kleine Details, mal das große Ganze. Ich will eine gute Bildqualität, aber die Kamera auch mal einen ganzen Tag mitnehmen können, ohne dass sie zum buchstäblichen Klotz am Bein wird.

Ich habe mich damals nach reiflicher Überlegung für die Canon 760D entschieden. In meinem Blog-Beitrag zur Kamera habe ich ausführlich beschrieben, warum. Und ich habe diese Entscheidung bis heute nie bereut.

Ausschlaggebend waren unter anderem Punkte wie der dreh- und klappbare Touchscreen, die (für mich) intuitive Bedienung, und vor allem die große Auswahl an Objektiven verschiedener Hersteller. Letztlich spielte natürlich auch der Preis eine Rolle. Die 760D hat meine Erwartungen voll erfüllt, und ich habe mir ihr viele sehr schöne Fotos machen können – weit über das hinaus, was ich mir anfangs überlegt hatte.

Natürlich habe ich in den zwei Jahren auch sehr viel dazu gelernt, und mit dem Können wachsen auch die Ansprüche. Daher habe ich mir in den letzten Monaten immer wieder die Frage gestellt: Ist eine Kamera wie die 760D immer noch die für mich beste Kamera?

…UND WARUM ICH JETZT ENTSCHIEDEN HABE, DABEI ZU BLEIBEN

Im Laufe der Zeit habe ich mir eine Anzahl Objektive verschiedenster Hersteller (Canon, Sigma, Tamron, Tokina, Samyang…) zugelegt. Um den finanziellen Aufwand eines Upgrades im Rahmen zu halten war klar, dass ich bei einer Canon-Kamera bleibe. Daher kamen daher nur drei Alternativen infrage: Spiegellos, Vollformat oder ein APS-C Upgrade.

Spiegellose Kamera sind zweifelsohne immer stärker im Kommen, nicht zuletzt weil der Autofokus im Live-View – bisher die Achillesferse dieses Systems – immer besser wird. Auch für mich hätte so eine Kamera Vorteile: Durch den elektronischen Verschluss lassen sich zum Beispiel die vielen tausend Einzelbilder eines Zeitraffer verschleißfrei aufnehmen, und Fokus-Peaking erleichtert das manuelle Fokussieren. Das Problem hier sind die Objektive. Theoretisch lassen sich meine Objektive, mit entsprechenden Adaptern, auch an einer Canon EOS M5 nutzen. Erfahrungsberichte aus vielen Quellen zeigen aber, dass es dabei immer wieder Probleme mit dem Autofokus gibt, vor allem bei weit offener Blende oder schlechten Lichtverhältnissen, und dass sich auch nicht jeder Adapter mit jedem Objektiv verträgt. Es gibt natürlich auch Objektive direkt für spiegellose Kameras – das würde aber erneute Investitionen bedeuten. Auch die begrenzte Akkulaufzeit der meisten spiegellosen Kameras ist für mich ein Faktor. Und zuletzt noch ein ganz irrationaler Grund: das Gefühl, eine „richtige“ Kamera in der Hand zu halten und das Klacken des Spiegels gehören für mich zum Fotografieren einfach dazu. Kurz gesagt, meine Zukunft ist (noch) nicht spiegellos.

Bleibt also Vollformat. Mit dem Erscheinen der aktuellen Canon 6D Mark II war die Versuchung schon recht groß, in diese Richtung zu gehen. Also habe ich mir eine Liste geschrieben und eine Gegenüberstellung gemacht: Was sind die Gesamtkosten für den Umstieg auf Vollformat gegenüber einem Upgrade mit APS-C, und welche Vorteile bringt mir das?

Auf der „Haben“-Seite standen dabei realistische (über verschiedene Quelle hinweg abgeglichene) Verkaufspreise für die aktuelle Kamera und alle Objektive, die rein für APS-C geeignet sind, wie etwa mein aktuelles „Immerdrauf„. Auf der „Soll“-Seite dementsprechend die Kosten für die neu anzuschaffende Kamera und die passenden, wieder zu ergänzenden Objektive. Für das APS-C Upgrade kam hier nur die Preisdifferenz der Kameras zum Tragen.

Unter dem Strich würde mich der Umstieg auf Vollformat rund 1.500,- € mehr kosten, vor allem der Objektive wegen. Bleibt die Frage: Ist es mir das wert?

Die Überschrift hat es schon verraten: nein, das ist es nicht. Denn der Abstand zwischen APS-C und Vollformat ist durch Profi-Objektive wie das 50-100mm ƒ/1.8 von Sigma deutlich geschrumpft, so dass inzwischen auch mit einer „kleinen“ Spiegelreflex sehr gute Portraits und Nachtaufnahmen möglich sind. Natürlich bleibt da noch ein Unterschied. Aber die Fälle, wo dieser für mich relevant wäre, sind so selten, dass es sich am Ende einfach nicht rechnet. Zumal der Umstieg auch Nachteile hätte: Eine Canon 5D mit Kit-Objektiv ist in jeder Dimension (Breite, Höhe, Tiefe) zwei Zentimeter größer als die 760D mit dem Immerdrauf – und um mehr als die Hälfte schwerer. Was nutzt mir eine tolle Kamera, wenn ich sie nicht mitnehme, weil sie zu unhandlich ist?

Ich bleibe also bei Canon APS-C Spiegelreflex. Das ist für mich der ideale Kompromiss aus Größe, Flexibilität, Funktionsumfang und Bildqualität. Wenn im Frühjahr 2018 der Nachfolger der Canon 80D auf den Markt kommt, wie aktuell gemutmaßt wird, dann werde ich mir diese Kamera sehr genau anschauen. Die wesentlichen Gründe für das angestrebte Upgrade sind schnell genannt: deutlich größerer Funktionsumfang und stark verbesserter Autofokus. Bis dahin habe ich sicherlich noch viel Freude an meiner 760D und den Fotos, die ich damit mache.

Ich hoffe, diese Überlegungen waren auch für Euch hilfreich.

– Jochen =8-)


LINKS

Bildnachweis: Alle Bilder – eigene Aufnahmen

Foto-Experiment: Wassertropfen

Fotografie mit Wassertropfen Fotografie mit Wassertropfen Fotografie mit Wassertropfen Fotografie mit Wassertropfen Fotografie mit Wassertropfen Fotografie mit Wassertropfen Fotografie mit Wassertropfen Fotografie mit Wassertropfen Fotografie mit Wassertropfen

Wieder ein trübes Wochenende. Wieder einmal Zeit, sich mit einer Fotoidee für drinnen zu beschäftigen. Da kam mir gerade recht, dass ich beim Stöbern auf YouTube über ein Video gestolpert bin, wie man durch eine Glasscheibe mit Wassertropfen darauf sehr schöne abstrakte Bilder erzeugen kann. Die meisten Sachen, die ich dafür brauchte, waren eh schon im Haus – der Rest ließ sich schnell mit einer Fahrt zum Baumarkt und der Investition weniger Euros ergänzen.

FÜR UNGEDULDIGE

Ausrüstung Einstellungen
  • Kamera
  • 1-2 externe Blitze
  • Funkauslöser für Blitze
  • Stativ mit schwenkbarer Mittelsäule oder Galgenstativ
  • Fernauslöser
  • Glasplatte
  • Sprühflasche mit Wasser
  • Manueller Fokus
  • Manueller Modus
  • ISO 100
  • 1/125 Sekunde
  • Blende ƒ/22
  • Weißabgleich: Blitz
  • Blitze: manueller Modus, 1/8 Leistung

DER AUFBAU

Das Wichtigste für dieses Foto-Experiment ist natürlich die Glasplatte. Diese sollte möglichst keine Kratzer oder Flecken haben und natürlich sauber sein. Die Platte muss nicht sehr groß sein; 30×40 cm reichen da schon völlig aus. Ihr braucht etwas, wo Ihr sie drauflegen könnt; ich habe mir da mit Wasserflaschen und Trinkgläsern beholfen. Als Hintergrund für die Bilder diente ein Stück Fotokarton.

Der Aufbau der Kamera stellte eine Herausforderung dar. Den Autofokus konnte ich nicht nutzen, da dieser meistens auf die Gegenstände unter der Glasplatte scharf gestellt hat statt auf die Wassertropfen darüber. Bei manuellem Fokus ist selbst bei Blende ƒ/22 die Schärfentiefe so gering, dass durch unvermeidbare Wackelei in der über den Tisch gebeugten Haltung viele Fotos unscharf wurden. Es musste eine andere Lösung her.

Viele große (und teure) Stative haben für solche Zwecke eine schwenkbare Mittelsäule – mein kleines Reisestativ kann das nicht. Also habe ich auf eine Bastellösung gesetzt: Aus Lichtstativ und Reflektorhalter habe ich mir ein Galgenstativ gebaut, daran einen Stativkopf geschraubt, der schließlich die Kamera gehalten hat. Obwohl ich die Stativfüße entsprechend mit Gewichten (Sandsack) beschwert und alle Schrauben und Klemmen ordentlich festgezogen habe, war das insgesamt eine recht wackelige Angelegenheit. Mit der entsprechenden Vorsicht und einem Fernauslöser für die Kamera hat die Konstruktion jedoch ihren Zweck voll und ganz erfüllt.

Aufbau zum Foto-Experiment "Wassertropfen"
Aufbau zum Foto-Experiment „Wassertropfen“: Die Glasplatte liegt hier auf Wasserflaschen (ca. 30cm hoch); später habe ich sie auf niedrigere Gläser gelegt. Zudem habe ich den Abstand der Kamera variiert. Bei der Positionierung der Blitze ist darauf zu achten, dass die Kante der Glasplatte keinen Schatten ins Bild wirft.

Die Blitze habe ich zu beiden Seiten des Aufbaus positioniert. Ich habe zunächst eine Reihe von Testaufnahmen gemacht, um sicherzustellen, dass die Blitze weder störenden Reflexionen auf der Glasplatte erzeugen, noch ungewollte Schatten ins Bild werfen, zum Beispiel durch die Kante der Glasplatte.

Dann kam das Wasser ins Spiel. Ich habe die Glasplatte zunächst mit einem Mittel behandelt, das eigentlich für Autoscheiben gedacht ist, damit der Regen besser abperlt und die Scheiben nicht beschlagen. Das erzeugt eine Art Lotus-Effekt, so dass sich nicht einfach ein durchgehender Wasserfilm bildet, sondern schöne einzelne Tropfen. Danach habe ich mit einer einfachen Sprühflasche solange Wasser aufgesprüht, bis ausreichend viele und große Tropfen auf der Scheibe waren.

Als letztes habe ich mir die Dinge besorgt, die ich unter die Glasscheibe legen wollte, um sie dann durch die Tropfen zu fotografieren: Obst, eine Blume, sowie Stoffe und Utensilien aus der Schatzkammer meiner Frau ♥.

DIE EINSTELLUNGEN

Das Aussehen der Bilder hängt im Wesentlichen von drei Faktoren ab:

  • Abstand von der Glasplatte zum Objekt darunter
  • Abstand von der Kamera zur Glasplatte
  • Brennweite des Objektivs

Je nachdem, wie man das variiert, kann man verschieden große Dinge ins Bild nehmen und das Größenverhältnis von Objekt zu Wassertropfen verändern. Die Bilder in der Galerie vermitteln einen Eindruck von der Wirkung verschieden großer Tropfen im Verhältnis zum Motiv.

Aufbau zum Foto-Experiment "Wassertropfen"
Aufbau zum Foto-Experiment „Wassertropfen“: ISO 100, ƒ/22, 1/125 Sek., manueller Fokus eingestellt per Live View. Die Blitze werden über den Godox X1c eingestellt und ausgelöst; die Kamera per Kabel-Fernauslöser.

Ich habe verschiedene Brennweiten ausprobiert; die meisten Fotos sind entweder mit dem Tamron SP 90 mm ƒ/2.8 Macro oder dem Canon EF 50 mm ƒ/1.8 entstanden, bei identischen Kameraeinstellungen. Diese sind schnell erklärt:

  • Blende: ƒ/22. Ich wollte eine möglichst große Schärfentiefe haben, damit im Bild nachher sowohl die Tropfen als auch der Gegenstand darunter scharf zu sehen sind. Ich habe auch andere Blendenwerte ausprobiert; aber die Ergebnisse bei ƒ/22 haben mir tatsächlich am besten gefallen.
  • ISO: 100. Da durch die Blitze ausreichend Licht gegeben war, konnte ich ganz auf die beste Bildqualität setzen.
  • Belichtungszeit: 1/125 Sekunde. Der genaue Wert ist hier gar nicht so wichtig; es kommt nur darauf an, dass ein ohne Blitz aufgenommenes Bild komplett schwarz ist, um in den Tropfen keine Reflexionen von Fenstern oder anderen Umgebungslichtern zu haben.
  • Blitze: 1/8 Leistung. Deren Leistung habe ich im manuellen Modus eingestellt, bis das Foto korrekt belichtet war. Bei sehr hellen oder sehr dunklen Objekten habe ich die Leistung entsprechend angepasst.

Ein paar Versuche hat es gebraucht, bis alles soweit gepasst hat – aber das ging recht schnell, und dann konnte es losgehen.

DAS SHOOTING

Nachdem alles aufgebaut ist, besteht die wesentliche Herausforderung darin, mit verschiedenen Gegenständen herumzuspielen und auszuprobieren, wie diese durch die Wassertropfen im Bild aussehen. Grundsätzlich empfehlen sich hier eher farbenfrohe Motive, wobei deren Muster nicht zu kleinteilig sein sollte, denn sonst wirkt das Gesamtbild durch die Wiederholung des Musters in den Tropfen sehr unruhig.

Außer dem Motiv habe ich auch verschiedene Abstände zur Glasplatte, Brennweiten und Blendenwerte ausprobiert. Eine weitere Möglichkeit, die Größe der Tropfen im Bild und damit die Wiederholung des Musters zu beeinflussen, ist, die Glasplatte zu bewegen. In der Regel finden sich in der Mitte des mit Wasser besprühten Bereichs eher große Tropfen, am Rand eher kleine. Dieses Muster verändert sich im Laufe der Zeit ein wenig, denn nach etwa einer Stunde sind die kleinsten Tropfen verdunstet, und es bleiben nur die größeren übrig.

Bei jeder Veränderung der Brennweite oder des Abstands zwischen Kamera und Glasplatte muss natürlich neu fokussiert werden. Dazu habe ich die Live-View-Funktion der Kamera bei zehnfacher Vergrößerung genutzt. Das war gar nicht so einfach, da meine Galgenstativ-Hilfskonstruktion recht wackelig war. Aber mit einer ruhigen Hand ließ sich sowohl das Fokussieren als auch das Aufnehmen der Bilder gut bewerkstelligen.

TIPPS & TRICKS

Wie so häufig bei solchen Experimenten liegt der Teufel eher im Detail, und einige Probleme fallen einem erst auf, wenn man die fertigen Bilder auf dem großen Bildschirm am Computer betrachtet.

  • Die Glasplatte sollte wirklich frei von Kratzern sein. Selbst kleinste Kratzer, die mit bloßem Auge kaum auffallen, treten durch die starke Vergrößerung hinterher in den Bildern sehr deutlich zum Vorschein. Das wird verstärkt durch die Tatsache, dass Kratzer im Gegensatz zu den kreisrunden Tropfen meistens geradlinig sind, und daher sofort als störendes Element auffallen. Ich habe deswegen alle Fotos aus dem ersten Versuch wieder gelöscht, und dann statt der gläsernen Tischplatte auf den Einlegeboden einer Vitrine zurückgegriffen. Genauso gut eignet sich auch die Glasscheibe aus einem Bilderrahmen – Hauptsache, sie hat keine Kratzer.
  • Für viel Tiefenschärfe braucht es viel Licht, daher habe ich auf die Blitze zurückgegriffen. Da sich die Gegenstände unter der Glasplatte in der Regel nicht von alleine bewegen, kann man die Bilder auch nur mit Umgebungslicht machen. Dabei sollte man jedoch auf die Spiegelungen auf Glasplatte und Wassertropfen (Deckenlampe, Fenster, Fernseher…) achten. Zudem muss wegen der dann notwendigen langen Belichtungszeiten die Kamera absolut wackelfrei aufgestellt sein.

FAZIT

Empfehlung: Zur Nachahmung empfohlen – eine schöne Fotografie-Spielerei für ein trübes Wochenende. Die so entstandenen Bilder eignen sich prima z.B. als Hintergrundbilder für Smartphone, Tablet oder Präsentation.

Was ich gelernt habe: Improvisation. Es braucht nicht immer die teure Profi-Studio-Ausrüstung, um schöne Bilder zu erzeugen, wenn man sich mit dem behelfen kann, was man im Hause hat. Und man kann auch aus an sich nicht gerade spannenden Gegenständen interessante Bilder zaubern.


LINKS

Bildnachweis: alle Bilder eigene Aufnahmen.

Foto-Experiment: Lichtmalerei mit Flugzeugen

Night Traffic

Langzeitbelichtungen zählen zu den vielen Mitteln und Wegen, etwas so zu fotografieren, wie man es mit dem bloßen Augen sonst nicht sieht. Und das ist etwas, was mich an der Fotografie sehr reizt. Zu den am weitesten verbreiteten Motiven dieser Art gehören Nachtaufnahmen von Städten, in denen fahrende Autos mit ihren Lichtern lange Streifen durchs Bild malen.

Daran musste ich denken, als ich neulich bei einem Abendspaziergang mal wieder einem der startenden Flugzeuge bei uns in der Gegend hinterher schaute. Alle Flüge, die in Frankfurt auf der Startbahn West abheben, starten genau in unsere Richtung. In der Abenddämmerung kann man ihre Scheinwerfer und Positionslichter sehr gut am Himmel sehen. So reifte die Idee mal auszuprobieren, was man daraus machen kann.

FÜR UNGEDULDIGE

Ausrüstung Einstellungen
  • Kamera
  • Stativ
  • Fernauslöser
  • Wetterfeste Kleidung
  • Getränke
  • Was zum Lesen
  • Taschenlampe
  • Manueller Fokus
  • Manueller Modus
  • ISO 100
  • 30 Sekunden
  • Blende ƒ/11 – ƒ/5.6
  • Serienbildaufnahme
  • Weißabgleich: Tageslicht

DER AUFBAU

Vor ein paar Tagen schließlich waren die Bedingungen ideal: Das Wetter war klar und trocken. Dazu waren ein paar Wolken unterwegs, die aber hoch genug waren, dass sie vom hellen Flughafen nicht angeleuchtet wurden und die startenden Flugzeuge auch nicht sofort darin verschwanden. Also habe ich meine Ausrüstung eingepackt und bin losgelaufen, raus aufs Feld.

Dort habe ich mir einen passenden Standort gesucht, von dem aus man die startenden Flugzeuge gut sehen konnte, ohne die Lichter des nächsten Orts im Bild zu haben. Vor allem galt es zu vermeiden, dass vorbeifahrende Autos mit ihren Scheinwerfern direkt in die Kamera leuchten.

Da ich den Blickwinkel vorher schlecht abschätzen konnte, hatte ich mehrere Objektive eingepackt. Der Bildausschnitt bei 35 mm gefiel mir sehr gut, und so habe ich das Sigma A 18-35 mm ƒ/1.8 verwendet, mit dem ich schon viele schöne Nachtaufnahmen gemacht habe. Da ich die Blende nie weiter geöffnet hatte als ƒ/5.6, hätte jedes normale Standard-Zoomobjektiv hier auch gereicht.

Für die geplanten Langzeitbelichtungen stand die Kamera natürlich auf einem Stativ, und ich hatte meinen Fernauslöser dabei. Den habe ich hauptsächlich deshalb genutzt, weil man dort den Auslöser einrasten kann, so dass die Kamera im Serienbildmodus mehrere Fotos direkt hintereinander schießt.

DIE EINSTELLUNGEN

Hier war Ausprobieren angesagt. Von vornherein klar waren die folgenden Einstellungen: Den ISO-Wert habe ich fest auf 100 eingestellt, um das Rauschen im Bild zu minimieren und die Belichtungszeit zu verlängern. Da sich im Laufe der Dämmerung das Licht ändert, habe ich den Weißabgleich fest auf Tageslicht eingestellt. Und zu guter Letzt habe ich manuell auf den Horizont fokussiert und die Aufnahmemodus auf Serienbild gestellt.

Als nächstes habe ich nach der Belichtungszeit geschaut. Mit Blick durch den Sucher der Kamera verfolgte ich ein Flugzeug von dem Moment an, wo es über den Bäumen auftauchte. Um den gewählten Bildausschnitt zu durchqueren, brauchte es rund 80 Sekunden.

Wie wählt man also die Belichtungszeit? Dabei sind zwei einander entgegengesetzte Effekte abzuwägen. Zum einen entstehen bei kürzeren Intervallen mehr Bilder. Vor allem ergeben sich Lücken in den Leuchtstreifen, da die Kamera zwischen zwei Fotos immer eine kurze Pause macht. Diese müssen dann in der Nachbearbeitung von Hand geschlossen werden. Dies kann durch längere Belichtungszeiten vermieden oder zumindest reduziert werden. Allerdings hat das einen Einfluss auf den Kontrast: Je länger man belichtet, umso schwächer treten die Leuchtspuren hervor.

Ich habe daher ein paar Testfotos gemacht und mir die Ergebnisse auf dem Display der Kamera bei maximaler Vergrößerung angeschaut. Die folgenden beiden Bilder zeigen den Unterschied zwischen einer ganzen und einer halben Minute Belichtungszeit:

Lichtspur (60 Sek.)
Ausschnitt einer Lichtspur mit 60 Sekunden Belichtungszeit bei 200% Vergrößerung. Die von den blinkenden Positionslichtern gemalten Punkte sind kaum noch zu erkennen.
Lichtspur (30 Sek.)
Ausschnitt einer Lichtspur mit 30 Sekunden Belichtungszeit bei 200% Vergrößerung. Die Streifen sind nun erkennbar heller im Vergleich zum Hintergrund, und die Punkte der blinkenden Positionslichter sind deutlich sichtbar.

Ich habe mich schließlich für eine Belichtungszeit von 30 Sekunden entschieden. So waren die Leuchtspuren gut sichtbar, und ich hatte bei einer Flugzeit von 80 Sekunden durch das Bild in jeder Spur zwei Lücken zu schließen – ein guter Kompromiss. Zudem ist das die längste Belichtungszeit, die von meiner Kamera noch im manuellen Modus unterstützt wird. Längere Belichtungen sind nur im „Bulb“-Modus möglich, was die Bedienung der Kamera bzw. des Fernauslösers etwas komplizierter macht.

Als letzten Wert habe ich dann die Blende so gewählt, dass die Belichtung für mich passend war. Dabei wollte ich vor allem vermeiden, dass der Himmel zu hell wird, um die Bilder später einfacher zusammenbauen zu können. So habe ich mit ƒ/11 angefangen und dann, als es zunehmend dunkler wurde, die Blende nach und nach auf ƒ/5.6 geöffnet.

DAS SHOOTING

Nachdem alles eingerichtet war, musste ich nur noch warten – allerdings nie sehr lange. Sobald die Lichter eines Flugzeuges über den Bäumen auftauchten, habe ich den Knopf am Fernauslöser gedrückt und eingerastet. So hat die Kamera drei Bilder direkt nacheinander aufgenommen. Oft war am Ende der dritten Aufnahme bereits das nächste Flugzeug in Sicht. Falls nicht, habe ich der Kamera eine kurze Pause gegönnt.

So kamen über einen Zeitraum von rund eineinhalb Stunden, von viertel nach neun bis zum letzten Start um 22:45, 75 Fotos zusammen. Obwohl der Tag mit über 20°C recht warm war, wurde es mit zunehmender Dunkelheit schnell kühl, sodass sich jetzt die mitgenommene dicke Jacke als sehr nützlich erwies – genauso wie die eingepackten Getränke und was zu lesen.

Alles in allem verging die Zeit doch recht schnell. Dann habe ich alles wieder zusammengepackt, mit der Taschenlampe sichergestellt, dass ich in der Dunkelheit nichts vergessen habe und mich wieder auf den Heimweg gemacht.

DIE NACHBEARBEITUNG

Am nächsten Tag ging es dann daran, aus den Einzelaufnahmen das fertige Bild zusammenzubauen. Dazu habe ich zunächst alle Bilder nach Adobe Lightroom CC importiert und dort einige wenige Einstellungen auf alle Bilder angewandt: Objektivkorrekturen aktiviert (Profilkorrektur und Chromatische Aberration) sowie Kontrast und Klarheit angehoben, um die Leuchtspuren besser vom Hintergrund abzusetzen.

Dann habe ich mir das Foto herausgesucht, auf dem mir der Himmel am besten gefallen hat – das sollte mein Hintergrund werden. Dieses habe ich dann hinsichtlich Farben, Kontraste und Details meinen Vorstellungen entsprechend gestaltet. Das sah dann so aus:

Nachthimmel
Nachthimmel – Dieses Bild hatte für mich den schönsten Himmel, daher habe ich es als Hintergrund verwendet und alle anderen Lichtspuren hier eingebaut.

Dann habe ich alle 75 Bilder, inklusive des Hintergrundbilds, in Lightroom markiert und über „Foto“ → „Bearbeiten in…“ → „In Photoshop als Ebenen öffnen…“ nach Photoshop übertragen. Das hat eine ganze Weile gedauert, aber dann waren alle Fotos in einem Projekt übereinander gelegt.

Als erstes habe ich das Hintergrundbild nach ganz unten gezogen, so dass alle anderen Ebenen darüber lagen, und diese alle ausgeblendet. Dann habe ich mir immer die drei Fotos, die zu einem Flug gehören, herausgesucht und diese wieder eingeblendet:

Einzelne Lichtspur, Teil 1
Einzelne Lichtspur, Teil 1
Einzelne Lichtspur, Teil 2
Einzelne Lichtspur, Teil 2
Einzelne Lichtspur, Teil 3
Einzelne Lichtspur, Teil 3

Der nächste Schritt war dann, für die gewählten Ebenen den Mischmodus von „normal“ umzustellen auf „Aufhellen“. Das heißt, dass von der jeweiligen Ebene nur die Bildanteile übernommen werden, die heller sind als das darunterlegende Bild – und das ist im Wesentlichen die Leuchtspur des Flugzeugs. Das Ergebnis nach diesem ersten Schritt sah so aus:

Eine Spur hinzufügen, vor der Bearbeitung
Die drei Teile einer Lichtspur, im Ebenenmodus „Aufhellen“, vor dem Entfernen ungewollter Artefakte und dem Schließen der Lücken.

Das kommt dem gewünschten Ergebnis schon recht nahe, aber einige Dinge stören hier: Zum einen ist im Hintergrund noch ein Flugzeug quer durchs Bild geflogen, was die rot-weiß gestrichelte Linie am linken Horizont verursacht. Zum anderen sind die Sterne oben rechts im Bild nun doppelt, da sie sich im Vergleich zum Hintergrundbild bereits weiterbewegt haben, und hinter den Bäumen ist das Leuchten des Flughafen zu sehen.

Daher habe ich als nächsten Schritt die drei Ebenen der Leuchtspur auf eine Ebene reduziert und dann eine Ebenenmaske hinzugefügt. Mit deren Hilfe habe ich dann alle ungewollten Bildelemente wieder ausgeblendet – im Endeffekt habe ich die Maske komplett schwarz gemalt, mit Ausnahme der Lichtspur.

Schließlich habe ich den Kopierstempel verwendet, um die beiden Lücken zu schließen, die von der Dreiteilung der Aufnahme herrühren. Dafür habe ich den Aufnahmemodus des Kopierstempels auf „aktuelle Ebene“ gestellt, sowie Deckkraft und Fluss auf 100%. Hier das fertige Ergebnis:

Eine Spur hinzufügen, nach der Bearbeitung
Die fertige Lichtspur: Die Lücken wurden geschlossen, der Streifen des landenden Flugzeugs sowie die doppelten Sterne und das Leuchten hinter den Bäumen sind entfernt.

Danach habe ich diese fertige Ebene ausgeblendet und mich dem nächsten Lichtstreifen zugewendet. Ich habe jede Leuchtspur einzeln bearbeitet, denn das erleichtert die Orientierung beim Schließen der Lücken und beim Entfernen ungewollter Bildelemente. Zudem hat mir das ermöglicht, die einzelnen Spuren am Ende unabhängig voneinander über entsprechende Tonwert-Korrekturebenen in ihrer Helligkeit anzupassen.

Der letzte Arbeitsschritt war dann, alle Ebenen einzublenden, wiederum auf eine einzige Ebene zu reduzieren und das fertige Bild zu speichern:

Night Traffic
Night Traffic – Das fertige Bild. Aus 75 Einzelaufnahmen zusammengesetzt, zeigt es die Lichtspuren, die von startenden Flugzeugen in den Abendhimmel gemalt werden.

TIPPS & TRICKS

Hier noch ein paar weiterführende Informationen, wenn Ihr so etwas selbst mal ausprobieren wollt:

  • Grundsätzlich ist es bei Fotos dieser Art empfehlenswert, mehrere eher kurz belichtete Fotos zu machen und diese anschließend in der Nachbearbeitung zu kombinieren, als eine einzige lange Belichtung. Die Bildqualität wird am Ende besser sein. Vor allem wird das Risiko gesenkt, mehrere Minuten des Geschehens zu verlieren, weil z.B. ein Auto durchs Bild fährt und in die Kamera leuchtet.
  • Es gibt ein sehr gutes Video-Tutorial von Stephan Wiesner zum Thema „Startrails“. Bei ihm bewegen sich Sterne statt Flugzeuge durchs Bild, aber die Nachbearbeitung in Photoshop ist weitgehend dieselbe wie bei dem hier gezeigten Bild.
  • Bei Langzeitbelichtungen hat der Bildaufbau zwei Komponenten, die es zu beachten gilt: Was sieht man als statischen Hintergrund? Und welche Muster erzeugen die Lichtspuren darauf? Um ein Gefühl dafür zu entwickeln hilft natürlich wie immer: ausprobieren.
  • Solche Fotos brauchen Zeit – sowohl in der Planung, während der Aufnahme an sich, als auch in der Nachbereitung. Ich war insgesamt zwei Stunden auf dem Feld, und die Nachbearbeitung hat nochmals etwa drei Stunden gedauert. Nehmt Euch die Zeit für solche Projekte; es lohnt sich!

FAZIT

Empfehlung: Wenn Ihr mal einen Abend Zeit habt – auf jeden Fall ausprobieren. Schnappt Euch Kamera und Stativ, und dann ab zur nächsten Straßenbrücke, Bahnhof, Flughafen, Volksfest – wo auch immer sich etwas mit Lichtern bewegt. So lassen sich anschauliche und teils überraschende Bewegungsmuster einfangen…

Was ich gelernt habe: Ich habe einige gute Erfahrungen gesammelt, zum Beispiel zu den Auswirkungen der Belichtungszeit bei solchen Langzeitbelichtungen und Lichtmalereien. Das gleiche gilt für den Umgang mit Ebenen und Kopierstempel in Photoshop bei der Nachbearbeitung.


LINKS:

Bildnachweis: alle Bilder eigene Aufnahmen.

Was heißt eigentlich…? – Grundbegriffe, Abkürzungen und Objektivbezeichnungen

Grundbegriffe, Abkürzungen und Objektivbezeichnungen

Jeder, der zum ersten Mal tiefer in das Thema Fotografie einsteigt, sieht sich schnell einem ganzen Wust von Fachbegriffen und Abkürzungen gegenüber. In Testberichten, Tutorials und Online-Communities wimmelt es nur so davon. Dabei hat mich anfangs besonders verwirrt, dass es für ein und dieselbe Sache oft verschiedene Bezeichnungen gibt – oder umgekehrt dieselbe Abkürzung mehrere Bedeutungen hat. Da ich gerade dabei bin, einige meiner Ausrüstungsgegenstände zu verkaufen und durch andere zu ersetzen, musste ich für die entsprechenden Artikelbeschreibungen wieder die passenden Bezeichnungen heraussuchen. Grund genug, das hier mal auf einer Seite zusammenzufassen.

GRUNDBEGRIFFE

Zum Thema Fotografie gibt es unzählige Bücher und Videos, in denen die Grundlagen beschrieben, Anleitungen gegeben und Begriffe erklärt werden. Damit will ich hier gar nicht konkurrieren. Aber ich möchte zumindest die Begriffe, die ich selbst regelmäßig in meinen Posts verwende, in meinen eigenen Worten erläutern.

Bei den meisten Begriffen habe ich Euch den Link zum entsprechenden Artikel auf Wikipedia direkt mit eingebaut, falls Ihr etwas ausführlicher nachlesen möchtet. Und wenn Ihr es ganz genau wissen wollt, dann empfehle ich Euch ausdrücklich die Vorlesungsreihe „Lectures on Digital Photography“ von Mark Levoy.

Belichtungsdreieck

(en: exposure triangle)

Bezeichnet das Zusammenspiel von Belichtungszeit, Blende und ISO-Wert für die korrekte Belichtung eines Fotos.

  • Jede der drei Größen hat eine Belichtungskomponente und eine künstlerische Komponente:
    • Alle drei können das Foto entweder dunkler (kurze Belichtungszeit, geschlossene Blende, kleiner ISO-Wert) oder heller (lange Belichtungszeit, offene Blende, hoher ISO-Wert) machen.
    • Mithilfe der Verschlusszeit kann man Bewegungen entweder einfrieren (kurz) oder fließend darstellen (lang).
    • Eine weit geöffnete Blende erzeugt eine geringe Schärfentiefe, so dass nur das Motiv im Fokus ist. Eine geschlossene Blende hingegen bewirkt das Gegenteil, so dass ein wesentlich größerer Bildbereich scharf abgebildet wird.
    • Niedrige ISO-Werte ergeben ein klares Bild, während hohe ISO-Werte zu Bildrauschen (Körnung) führen.
    • Je nach Art des Fotos, das man machen will, wählt man einen oder zwei der Werte fest, und lässt die Kamera den dritten automatisch wählen.
    • Bei Hamburger Fotospots gibt es einen wunderbaren Spickzettel – Neudeutsch „Cheatcard“ genannt – der anschaulich die drei genannten Parameter und ihre jeweilige Wirkung darstellt:
Quelle: Hamburger Fotospots
  • Erstes Beispiel: Wenn ich die Belichtungszeit halbiere, aber dafür den ISO-Wert verdopple, kommt am Ende dieselbe Belichtung heraus (Bewegungsunschärfe wird verringert, dafür leidet die Bildqualität).
  • Zweites Beispiel: Wenn ich die Blende von ƒ/2.8 auf ƒ/5.6 ändere, kann ich dafür die Belichtungszeit vervierfachen, ohne dabei die Belichtung des Fotos zu verändern (Bewegungen werden fließender gezeigt, dafür verändert sich die Tiefenschärfe).
  • Grau ist alle Theorie, daher hier zwei sehr anschauliche YouTube-Videos zu diesem Thema:
Belichtungszeit /
Verschlusszeit
(en: exposure time shutter speed)

Die Zeitdauer, in der Licht auf den Sensor fällt. Bei den meisten Kameras lässt sie sich zwischen 1/4.000 und 30 Sekunden einstellen (⇒ Wikipedia).

  • Höherwertige Kameras bieten auch 1/8.000 Sekunde an.
  • Für Langzeitbelichtungen jenseits von 30 Sekunden gibt es den sogenannten „Bulb“-Modus, bei dem die Belichtungszeit durch Drücken und Loslassen oder zweimaliges Drücken des Auslösers beliebig lang gewählt werden kann.
  • Wird gesteuert durch den Verschluss (siehe unten).
Blende

(en: Aperture)

Technisch gesehen bezeichnet die Blende die Öffnung im Objektiv, durch die das Licht auf den Kamerasensor fällt. Sie lässt sich in der Regel im Durchmesser variieren (⇒ Wikipedia).

Künstlerisch gesehen ist die Blende das wichtigste Gestaltungsmittel des Fotografen. Sie bestimmt die Schärfentiefe, also den Entfernungsbereich im Bild, der scharf dargestellt wird. Das macht den Unterschied zwischen einem Portrait mit weichem Hintergrund und einer durchgehend scharfen Landschaftsaufnahme. Außerdem hat sie Auswirkungen auf die Menge des einfallenden Lichts, insbesondere bei Aufnahmen mit Blitz.

  • Die Einstellung der Blende wird immer in Relation zum Objektiv angegeben. Die Blendenzahl errechnet sich aus der Brennweite des Objektivs geteilt durch den Durchmesser der wirksamen Öffnung. Da die Größe der Öffnung im Nenner steht, ist die Blendenzahl umso kleiner, je größer die Blendenöffnung ist (⇒ Wikipedia).
  • Die Blendenwerte sind so gewählt, dass eine Änderung von einem Wert zum nächsten immer einer Verdoppelung oder Halbierung der durchgelassenen Lichtmenge entspricht. Das ist gleichbedeutend mit einer Verdoppelung oder Halbierung der Größe (Fläche) der Blendenöffnung. Der Flächeninhalt eines Kreises mit Radius r ist bekanntermaßen π * r². Wenn ich den verdoppeln will, ergibt sich folglich: 2 * π * r² = π * 2 * r² = π * (√2)² * r² = π * (√2 * r)². Ich muss also den Radius um den Faktor √2 ≈ 1,4 verändern, um die Fläche zu verdoppeln.
  • Daher sind die Blendenzahlen immer Vielfache von √2: ƒ/1, ƒ/1.4, ƒ/2, ƒ/2.8, ƒ/4, ƒ/5.6, ƒ/8, ƒ/11, ƒ/16…
Objektiv mit verschieden weit geöffneter Irisblenden im Vergleich (Quelle: Wikipedia)
  • Da bei manuellen Objektiven der Einstellring für die Blende bei diesen Werten einrastet, spricht man im Englischen von „stop“. Dementsprechend beziehen sich die Begriffe „stop of light“, „stop up“ und „stop down“ auf eine Verdoppelung oder Halbierung der eingefangenen Lichtmenge.
  • Im Deutschen wird das Wort Blende auch synonym dafür benutzt; man spricht dann von „einer Blende mehr“ bei Verdoppelung der Lichtmenge. Diese Formulierung wird oft unabhängig davon verwendet, ob die Wirkung tatsächlich mit der Blende erzielt wurde oder durch andere Mittel wie etwa Belichtungszeit, ISO-Wert oder Blitzleistung.
  • Zwischen den oben genannten Hauptwerten gibt es noch Werte für jeweils ±⅓ Blende, also z.B.: ƒ/2.8, ƒ/3.2, ƒ/3.5, ƒ/4.
  • Durch diese Notation ist die Angabe der Blende, bzw. ihre Auswirkung auf die Belichtung, unabhängig von Objektiv und Kamera. Das heißt, ein mit den Daten „ISO 100, Blende ƒ/8, 1/200 Sek.“ korrekt belichtetes Foto eines bestimmten Motivs wird mit jeder Kamera, an der ich diese Werte einstellen kann, korrekt belichtet sein. Was sich unterscheidet ist, je nach Brennweite und Sensorgröße, der dargestellte Bildausschnitt, der Blickwinkel und die Schärfentiefe.
  • Wenn man in einem Foto Umgebungslicht und Blitzlicht mischen will, dann kontrolliert die Blende die Menge des Blitzlichts im Foto, während die Belichtungszeit das Umgebungslicht kontrolliert.
Blitz-Synchronzeit

(en: flash sync speed)

Bezeichnet die kürzeste Belichtungszeit, bei der ein Blitz ohne spezielle „High Speed“-Funktion noch ein vollständig belichtetes Bild liefert. Sie ist abhängig von der Bauart des Verschlusses (siehe unten) und liegt je nach Kamera bei etwa 1/200 Sekunde.
Bokeh Der Begriff leitet sich ab aus dem japanischen Wort für „unscharf, verschwommen“. In der Fotografie wird damit beschrieben, mit welcher Qualität die unscharfen Bildbereiche in einem mit offener Blende aufgenommenen Foto gezeichnet werden (⇒ Wikipedia). Das Bokeh ist abhängig von der Konstruktion des jeweiligen Objektivs und der Beschaffenheit der Linsen. Besonders bei Portrait-Objektiven wird ein hoher Wert auf ein schönes Bokeh gelegt, damit der Hintergrund möglichst weich erscheint und nichts vom Motiv ablenkt. Es gibt jedoch auch Objektive, die ein sehr unruhiges Bokeh erzeugen, z.B. weil Konturen in den unscharfen Bereichen verdoppelt werden.
Chromatische
Aberration / Farbsäume
(en: chromatic aberration / color fringing)
Beim Durchqueren von Wassertropfen werden die einzelnen Farben des Lichts unterschiedlich stark gebrochen. Das Sonnenlicht wird in seine einzelnen Farben zerlegt; so entsteht ein Regenbogen. Dasselbe passiert, wenn das Licht sich seinen Weg durch die Linsen eines Objektivs sucht. Die einzelnen Linsen müssen also so aufeinander abgestimmt sein, dass auf dem Sensor wieder alle Farben passend zueinander an den richtigen Stellen landen. Gelingt das nicht, sieht man an Kanten mit starken Kontrasten (z.B. Äste eines Baums gegen den hellen Himmel oder weißer Rahmen eines ansonsten dunklen Fensters) deutliche Farbsäume, die meistens grün auf der einen und lila auf der anderen Seite sind (⇒ Wikipedia). Sie lassen sich in der Nachbearbeitung in Programmen wie z.B. Adobe Lightroom üblicherweise gut korrigieren.
Crop-Faktor /
Formatfaktor
(en: crop factor)

Um verschiedene Kamera-Typen untereinander vergleichbar zu machen, werden wesentliche Angaben wie z.B. die Brennweite des Objektivs immer auf das sog. Vollformat umgerechnet. Damit werden Kameras bezeichnet, deren Sensor dieselbe Größe hat wie das Negativ eines 35-mm-Kleinbildfilms (24 x 36 mm). Der Formatfaktor gibt das Verhältnis der Längen der Diagonalen an. (⇒ Wikipedia)

  • Weit verbreitet sind die Formate APS-C (Crop-Faktor 1,5 (Nikon) bzw. 1,6 (Canon)) und Micro-Four-Thirds (Crop-Faktor 2 (Olympus, Panasonic)).
  • Zum Vergleich der Brennweite wird diese mit dem Crop-Faktor multipliziert: 50 mm an Canon APS-C entsprechen – multipliziert mit 1,6 – also 80 mm am Vollformat. Diese Entsprechung bezieht sich jedoch allein auf den Bildausschnitt, nicht auf den Blickwinkel.
  • Zum Vergleich der Schärfentiefe multipliziert man die Blende ebenfalls mit dem Crop-Faktor. Beispiel: die rückseitige Kamera an Apples iPhone 7 hat eine Blende von ƒ/1.8 und einen Crop-Faktor von 7,2. Das entspricht also in etwa ƒ/13 am Vollformat und macht klar, warum es mit einer Handy-Kamera praktisch unmöglich ist, Bilder mit unscharfem Hintergrund aufzunehmen (große Blendenzahl = große Schärfentiefe).
Interner Fokus

(en: internal focus)

Bei Objektiven mit internem Fokus befinden sich alle beweglichen Elemente zum Scharfstellen des anvisierten Motivs innerhalb des Objektivs. Das bedeutet, dass insbesondere das Frontelement des Objektivs beim Fokussieren weder ausfährt noch sich dreht. Das ist vor allem dann wichtig, wenn man Filter verwenden möchte, bei denen es auf die richtige Orientierung ankommt; wie etwa Polarisationsfilter oder Filter mit Farb- bzw. Grauverlauf.
ISO

Bezeichnet allgemein die Internationale Organisation für Normung in der Schweiz. Da die Abkürzung für diese Bezeichnung in jeder Sprache anders wäre (auf Deutsch müsste es eigentlich ION heißen), verwendet man weltweit ISO als Eigennamen, abgeleitet von der griechischen Silbe „iso“ für „gleich“. In der Fotografie wird mit dem ISO-Wert die Lichtempfindlichkeit eines analogen Films bzw. digitalen Kamerasensors bezeichnet, wie sie in der Norm ISO 5800 definiert ist (⇒ Wikipedia).

  • Der Standardwert bei den meisten Kameras heutzutage ist ISO 100.
  • Je höher der ISO-Wert, umso lichtempfindlicher ist der Film bzw. Sensor. Dies geht immer mit einer zunehmenden Minderung der Bildqualität (Körnung bzw. Rauschen) einher. Wie stark diese ausfällt, ist bei Digitalkameras abhängig von der Bauform des Sensors, insbesondere der Größe der einzelnen Pixel. Je größer, umso besser. Deshalb haben Low-Light Kameras üblicherweise nur eine geringe Auflösung.
Naheinstellgrenze

(en: minimum focus distance)

Die Naheinstellgrenze bezeichnet die kürzeste Entfernung, auf die ich mit dem Objektiv noch scharf stellen kann. Wichtig zu wissen ist dabei, das dieser Mindestabstand immer von Sensor aus gemessen wird, und nicht vom Frontelement des Objektivs aus. Die Position des Sensors ist auf dem Kameragehäuse mit einem Symbol (0) markiert. Wenn die Naheinstellgrenze z.B. 15 cm sind, aber vom Sensor bis zum Frontelement sind es schon 12 cm, dann bleiben tatsächlich nur noch 3 cm Luft zum anvisierten Objekt. Grundsätzlich nimmt der Mindestabstand mit steigender Brennweite zu; bei Teleobjektiven können das leicht 1,5 Meter oder mehr sein. Ausnahme sind Makro-Objektive, die ganz speziell so konstruiert sind, dass auf sehr kurze Entfernung scharf stellen kann. Dadurch wird der große Abbildungsmaßstab möglich.

Schärfentiefe /
Tiefenschärfe
(en: depth of field)

Die Schärfentiefe (synonym auch Tiefenschärfe; welcher der beiden Begriffe richtig(er) ist, ist Gegenstand fortwährender Debatten zwischen Fotografen und Sprachwissenschaftlern) bezeichnet den Entfernungsbereich, innerhalb dessen Objekte hinreichend scharf abgebildet werden (⇒ Wikipedia).

  • Grundsätzlich werden nur Gegenstände, die sich exakt in der Fokusebene befinden, zu 100% scharf abgebildet.
  • Je weiter ein Gegenstand von der Fokusebene entfernt ist, nach vorne oder hinten, umso unschärfer wird er abgebildet. Das ist ein fließender Übergang, und die Grenze bis wohin ein Gegenstand „scharf genug“ ist, hängt zum einen von der Auflösung der Kamera ab, und zum anderen von der subjektiven Wahrnehmung des Betrachters.
  • Die Schärfentiefe wird kontrolliert durch drei Faktoren:
    1. Die Blende: Kleine Blendenzahl = geringe Schärfentiefe; große Blendenzahl = große Schärfentiefe.
    2. Die Brennweite: Je kürzer die Brennweite, umso größer die Schärfentiefe.
    3. Die Fokusentfernung: Je weiter weg das anvisierte Motiv ist, umso größer ist die Schärfentiefe. Ab einer bestimmten Entfernung (abhängig von Brennweite und Blende) ist Schärfentiefe unendlich; diesen Abstand nennt man Hyperfokaldistanz.
  • Deshalb werden Portraits gerne mit langer Brennweite und möglichst offener Blende fotografiert; so ist nur das Gesicht scharf und der Hintergrund möglichst unscharf. Umgekehrt arbeitet man für Landschaftsaufnahmen typischer Weise mit kurzen Brennweiten und geschlossener Blende (z.B. ƒ/8), damit möglichst viel Bildinhalt scharf abgebildet wird.
Verschluss

(en: shutter)

Der Verschluss ist eine Vorrichtung in der Kamera, die dafür sorgt, dass nur für die Dauer der eingestellten Belichtungszeit Licht auf den Film bzw. Sensor fällt (⇒ Wikipedia). Dabei ist im Wesentlichen zwischen zwei Verschlussarten zu unterscheiden:

  • Beim elektronischen oder digitalen Verschluss handelt es sich nicht um einen Verschluss im eigentlich Sinne, da während der gesamten Zeit Licht auf den Sensor trifft. Der Sensor wird zurückgesetzt (alle Werte auf null), und nach der angegebenen Zeit werden die Werte aller Pixel ausgelesen. Der Vorteil ist, dass dieser Vorgang absolut geräuschlos erfolgt. Die meisten Video-, Handy- und Kompaktkameras arbeiten so; auch Spiegelreflexkameras im Video-Modus.
  • Spiegelreflexkameras nutzen für Fotos üblicherweise einen mechanischen Schlitzverschluss, mit dem sehr präzise Belichtungszeiten bis zu 1/8.000 Sekunde realisiert werden können. Dieser besteht aus zwei Vorhängen. Zu Beginn der Belichtungszeit bewegt sich der erste Vorhang, der bis dahin den Sensor komplett abgedeckt hat, zur Seite. Am Ende der Belichtungszeit bewegt sich der zweite Vorhang aus seiner Ruhestellung in gleicher Richtung über den Sensor und deckt ihn wieder ab. Bei sehr kurzen Belichtungen (unter 1/200 Sekunde) bewegen sich die beiden Vorhänge sehr dicht hintereinander. Dadurch ist zu keinem Zeitpunkt mehr der gesamte Sensor offen, sondern es bewegt sich ein Schlitz so über den Sensor, dass jeder Bereich des Sensors für die eingestellte Zeit belichtet wird.
    • Was dabei genau passiert, kann man sich sehr schön in diesem Zeitlupen-Video auf YouTube anschauen.
    • Daher brauchen Blitze für kurze Belichtungszeiten einen speziellen „High Speed“ Modus. Durch deren extrem kurze Abbrennzeit würde man sonst einen schwarzen Balken im Bild sehen, da nur der Teil des Bildes belichtet wird, der sich zum Blitzzeitpunkt gerade zwischen den beiden Vorhängen befindet.
    • Aus der Bauform und Funktionsweise des Verschlusses leiten sich auch die Begriffe erster/zweiter (Verschluss-)Vorhang ab, die beschreiben, ob der Blitz am Anfang oder am Ende der Belichtungszeit ausgelöst wird.
  • Bei beiden Verschlusstypen wird nicht das gesamte Bild auf einmal aufgenommen, sondern die Belichtung bewegt sich gewissermaßen über den Sensor – durch das zeilenweise Auslesen der Pixel bzw. die Bewegung des Schlitzverschlusses. Das hat den Nachteil, dass schnell bewegende Objekte verzerrt abgebildet werden (sog. Rolling-Shutter-Effekt). Es gibt auch Kameras mit einem sog. „Global Shutter“, bei dem die gesamte Bildinformation auf einmal ausgelesen wird. Diese Technik kommt vor allem in teuren Hochgeschwindigkeitskameras zum Einsatz.
  • Robert Hall hat ein Video auf YouTube, in dem er die Unterschiede sowie die Vor- und Nachteile der beiden Verschlussarten erläutert.

ABKÜRZUNGEN

Abkürzungen in der Fotografie gibt es nahezu beliebig viele. Ich habe hier nur die herausgegriffen, die ich selber relativ häufig benutze. Außerdem fehlen in dieser Liste alle Abkürzungen, die sich auf die Bauform oder Funktion von Objektiven beziehen; diese findet Ihr weiter unten in einer eigenen Rubrik.

AF

Autofokus – Damit stellt die Kamera automatisch auf das anvisierte Objekt scharf. Es gibt zwei grundsätzlich unterschiedliche Autofokus-Systeme: Die Phasenerkennung kommt in Spiegelreflexkameras bei Nutzung des optischen Suchers zum Einsatz; die Kantenerkennung bei der Nutzung eines elektronischen Suchers oder Displays (z.B. am Handy). Die Phasenerkennung ist schneller, die Kantenerkennung zuverlässiger. Ferner kommen je nach Kamera bzw. Objektiv verschiedene Stellantriebe zum Einsatz; siehe auch Objektivbezeichnugen.

APS‑C

Advanced Photo Systems-Classic – Unter dieser Bezeichnung werden heutzutage Digitalkameras mit einer Sensorgröße von 22,5 x 15,0 mm (Crop-Faktor 1,6) bis 25,1 x 16,7 mm (Crop-Faktor 1,5) zusammengefasst. Praktisch alle Kameras mit wechselbaren Objektiven und einem Neupreis unter 1.000,- € haben einen solchen Sensor. APS-C ist keine standardisierte Angabe; die Sensorgröße schwankt je nach Hersteller. Bei Nikon tragen diese Kameras die Bezeichnung „DX“.

Die Bezeichnung geht zurück auf das Mitte der 1990er noch für analoge Filme entwickelte APS-System. Das Aufnahmeformat betrug etwa ⅓  des 35-mm-Kleinbildfilms. Dadurch war es möglich, kleinere Kameras zu bauen und zusätzliche Bildinformationen auf dem Film zu speichern. Durch die schnell aufkommende Digitalfotografie konnte sich APS im Analogbereich jedoch nie durchsetzen und verschwand bereits nach wenigen Jahren wieder vom Markt.

APS-C als Klassifizierung der Sensorgröße hat keinen Bezug zur Sensortechnologie APS (Active Pixel Sensor). Dies ist eine Bauform von sog. CMOS-Sensoren, die wegen des geringen Stromverbrauchs und der kompakten Baugröße in nahezu allen Handy- und Kompaktkameras zum Einsatz kommt.

ILC Interchangeable Lens Camera – Kamera mit wechselbarem Objektiv. Wird oft als Oberbegriff für System- und Spiegelreflexkameras gebraucht, in Abgrenzung zu den Kompaktkameras mit fest verbautem Objektiv.
DSLM Digital Single-Lens Mirrorless – Die englische Bezeichnung für digitale spiegellose Kameras, im Deutschen oft auch als Systemkameras bezeichnet (Beispiel: Sony Alpha a6000). „Single-Lens“ bedeutet, dass das Bild im Sucher durch dasselbe Objektiv erfasst wird wie das eigentliche Foto. Bei älteren Kompaktkameras gab es für den Sucher oft eine eigene Optik. Da heutzutage praktisch alle Kameras digital sind, wird das D oft weggelassen und nur SLM benutzt. Ferner gibt es eine Reihe synonymer Abkürzungen: MILC (Mirrorless Interchangeable Lens Camera), MSC (Mirrorless System Camers) und – mein Favorit  :mrgreen: – EVIL (Electronic Viewfinder Interchangeable Lens camera).
DSLR Digital Single-Lens Reflex – Die englische Bezeichnung für digitale Spiegelreflexkameras (Beispiel: Canon EOS 760D). Auch hier wird oft nur „SLR“ genutzt.
MF Manueller Fokus – Wechselobjektive erlauben in der Regel auch ein manuelles Scharfstellen auf das Motiv. Dies ist sinnvoll bei schwierigen Lichtverhältnissen (z.B. Nachtaufnahmen) oder für Aufnahmen, bei denen ein sich bewegendes Ziel an einer bestimmten Stelle fotografiert werden soll und der Autofokus nicht schnell genug wäre.
MFT Micro-Four-Thirds – Bezeichnet ein hauptsächlich von Olympus und Panasonic genutztes Sensorformat mit dem Crop-Faktor 2. „Four Thirds“ bezieht sich dabei auf das Seitenverhältnis des Sensors von 4:3, anstelle der sonst in der Fotografie üblichen 3:2.
SOOC Straight Out Of Camera – Diese vor allem in Internet-Foren und Foto-Communities genutzte Abkürzung steht für „direkt aus der Kamera“ und bedeutet, dass das so bezeichnete Foto in keiner Weise am Rechner nachbearbeitet wurde.

OBJEKTIVBEZEICHNUNGEN

Bei den Objektiven wird es besonders wild, da hier die Abkürzungen für dieselben Eigenschaften und Funktionen von Hersteller zu Hersteller variieren. In der unten stehenden Tabelle habe ich die gängigsten Kürzel für die Marken, die ich nutze, zusammengefasst.

Was ich dabei gezielt ausgelassen habe, sind die ganzen Bezeichnungen für die „optische Formel“ eines Objektivs – also welche speziell geformten Linsen verbaut sind und welche besonderen Beschichtungen diese haben. Das würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Wichtig sind da nur die Auswirkungen auf die Bildqualität (Verzerrung und chromatische Aberration).

Funktion Canon Samyang Sigma Tamron Tokina
Objektiv für Vollformat-Kameras EF DG Di FX
Objektiv für Kameras mit APS-C Sensor EF-S CS DC Di II DX
Objektiv für spiegellose Kameras EF-M FE (Sony E-Mount) DN
Bildstabilisator IS (Image Stabilization) OS (Optical Stabilizer) VC (Vibration Compensation)
Autofokus USM (Ultra-Sonic Motor)

STM (Stepping Motor)

 AF HSM (Hyper-Sonic Motor) USD (Ultrasonic Silent Drive)  AF
Interner Fokus IF IF IF IF
Profi-Objektive L (Luxury) A (Art)

S (Sport)

EX (Excellence)

SP (Super Professional) AT-X Pro
Consumer-Objektive C (Contemporary) AT-X
ANMERKUNGEN:
  • Canon: Objektive, die intern fokussieren, sowie Objektive für „Normalverbraucher“ haben keine eigene Bezeichnung.
  • Samyang: Objektive von Samyang werden unter verschiedenen Markennamen verkauft; darunter Rokinon, Bower, Opteka, Pro-Optic, Vivitar und Walimex. Technisch sind sie jeweils identisch; unterscheiden sich beim Preis aber teils deutlich. Vollformat-Objektive haben keine eigene Bezeichnung; Objektive mit Bildstabilisator gibt es keine. Auch wird nicht zwischen verschiedenen Produktlinien unterschieden.
  • Tamron: Objektive speziell für spiegellose Kameras gibt es von Tamron meines Wissens nach aktuell keine. Consumer-Objektive haben keine eigene Bezeichnung.
  • Tokina: Keine Objektive speziell für spiegellose Kameras oder mit Bildstabilisator im Angebot.

FAZIT

Empfehlung: Am Anfang sind die ganzen Begriffe und Abkürzungen ziemlich verwirrend, aber davon sollte man sich nicht abschrecken lassen! Für die Grundbegriffe hilft am Anfang natürlich auch mal ein Buch, aber letztlich ist es „learning by doing“. Insbesondere mit dem Belichtungsdreieck muss man sich intensiver befassen und die damit verbundenen gestalterischen Möglichkeiten (Wie bekomme ich den Hintergrund unscharf? Wie friere ich Bewegungen ein?) verinnerlichen.

Was ich gelernt habe: Eine Menge  😀 Und ich lerne immer noch. Auch beim Schreiben dieses Artikels habe ich wieder ein paar Dinge besser verstehen gelernt…


LINKS

Außer auf Wikipedia finder Ihr weitergehende Erklärungen hier:

Bildnachweis: Titelbild: eigene Grafik

Im Brennpunkt: der Perspektivenwechsel

Mit verschiedenen Brennweiten durch die Natur

Das kleine Detail oder das große Ganze: Fotografisch lässt sich die Natur aus vielen verschiedenen Perspektiven einfangen. Vor allem der Frühling und der Herbst mit ihrer Blüten- und Farbenpracht und den schönen Lichtstimmungen morgens und abends laden dazu ein, sich die Kamera zu schnappen und raus zu gehen. Egal, ob im eigenen Garten, in der Straße vor dem Haus oder im nächsten Wald – Motive finden sich in Hülle und Fülle.

EIN MOTIV – VERSCHIEDENE PERSPEKTIVEN

Der Vorteil, den eine Kamera mit wechselbaren Objektiven bietet, liegt in der großen Bandbreite an Brennweiten, die einem dadurch zur Verfügung stehen. Bei meiner Canon 760D reicht das inzwischen vom 8 mm Fischauge bis zum 300 mm Teleobjektiv – umgerechnet auf Vollformat entspricht das in etwa 15-480 mm.

Das bietet einen großen gestalterischen Spielraum. Der Klassiker sind natürlich Nahaufnahmen einzelner Blüten, farbiger Blätter und anderer Details. Hier greift Ihr zu einer mittleren bis langen Brennweite, um das Motiv groß ins Bild zu bekommen. Oder Ihr nehmt  gleich ein Makro-Objektiv, wie zum Beispiel das Tamrom 90mm ƒ/2.8 Macro. In dem Bericht dazu findet Ihr auch eine Reihe von Beispielfotos; daher habe ich das Thema Makros hier mal außen vor gelassen.

Magnolienblüte
Magnolienblüte. Hier ging es darum, eine einzelne Blüte zu fotografieren. Die Blende ist auf ƒ/8 eingestellt, um möglichst viel von der Blüte scharf abzubilden.

Ihr könnt aber auch an das andere Ende des Spektrums gehen und eine möglichst kurze Brennweite nutzen, also ein Ultra-Weitwinkel oder gar ein Fischauge. Auch damit könnt Ihr ein einzelnes Objekt groß im Vordergrund abbilden. Der Unterschied zur langen Brennweite ist hier, dass durch den großen Blickwinkel sehr viel vom Hintergrund mit ins Bild kommt und dieser zudem auch nicht so stark verschwimmt. Dadurch wird das Motiv im Kontext seiner Umgebung gezeigt; also nicht nur „einzelne Blüte“, sondern „Blüte am blühenden Baum“. Die beiden Bilder von unserer Magnolie zeigen den Unterschied sehr deutlich.

Magnolie in voller Blüte
Magnolie in voller Blüte. Hier geht es weniger um die einzelne Blüte als darum, den kompletten Baum mit all seiner Blütenpracht zu zeigen. Die Verzerrung durch das Fischauge ist in der oberen Bildhälfte deutlich sichtbar, stört in diesem Fall aber nicht. Durch die kurze Brennweite und Blende ƒ/11 ist praktisch das gesamte Bild scharf.

Ich möchte Euch hier ein paar Gestaltungsbeispiele für die verschiedenen Brennweiten geben, denn: Blumenfoto ist nicht gleich Blumenfoto!

FISCHAUGE & ULTRA-WEITWINKEL

In diesem Bereich habe ich zwei Objektive: Das Samyang 8 mm ƒ/3.5 Fisheye und das Tokina 11-20 mm ƒ/2.8 Ultra-Weitwinkel. Beide bieten einen großen Blickwinkel, so dass Ihr eine Menge mit aufs Bild bekommt. Die kurze Brennweite bedeutet aber auch, dass weiter entfernte Objekte im Bild scheinbar sehr weit weg geschoben werden. Ohne interessanten Vordergrund wirkt ein Bild daher schnell leer und langweilig. Auch der Hintergrund muss mit bedacht werden. Bei so kurzen Brennweiten ist es selbst mit weit offener Blende kaum möglich, den Hintergrund wirklich unscharf zu bekommen, außer man geht mit der Kamera sehr nah ans Motiv. Selbst dann wird der Hintergrund erkennbar bleiben – vor allem beim Fischauge. Jedoch könnt Ihr genau das auch gezielt einsetzen.

Rose im Garten
Rose im Garten. Hier war das Motiv ganz bewusst nicht „Rose“, sondern „Rose in unserem Garten“. Durch die Motivwahl fällt die starke Verzerrung durch das Fischaugen-Objektiv kaum auf.

Hier mal zwei Beispiele dafür: Die Rose oben wurde mit dem Fischauge aufgenommen und die kleine Blüte unten mit dem Tokina. In beiden Fällen wird klar, was das Motiv des Bildes ist; gleichzeitig bleibt zu erkennen, wo sich dieses befindet. Das Tokina ermöglicht es mit seiner sehr großen Offenblende und bei dem kurzen Motivabstand sogar, den Hintergrund ein wenig verschwimmen zu lassen, so dass sich die Pflanze im Vordergrund besser abhebt. Die Rose im oberen Bild war in etwa gleich weit von der Kamera entfernt; durch die noch kürzere Brennweite und Blende ƒ/8 ist hier jedoch nahezu der gesamte Garten samt Haus im Fokus.

Kleine Blüte im Gebüsch
Kleine Blüte im Gebüsch. Recht versteckt unter einem großen Haselnussstrauch zeigen sich diese kleinen Farbtupfer. Durch die kurze Brennweite kommt viel Hintergrund mit ins Bild; so ist leicht zu erkennen, dass das Foto in einem Garten aufgenommen wurde.

Keine Regel ohne Ausnahme: Natürlich kann man eine kurze Brennweite auch bewusst ohne etwas im Vordergrund nutzen, um die Größe und Weite eines Raumes zu betonen. So geschehen bei der Aufnahme vom Herbstwald unten, für die ich das Fischauge einfach vom Boden aus gerade nach oben gerichtet habe. Die größte Herausforderung war hier tatsächlich, mich so weit zu ducken, dass ich nicht selber auf dem Bild zu sehen bin. Ich habe ein ähnliches Foto auch mit meinem  „Immerdrauf“ Standard-Zoom Objektiv gemacht; das Ergebnis war „Baum im Herbstwald“. Mit dem Fischauge konnte ich den ganzen Herbstwald einfangen.

Herbstwald
Herbstwald. Das Fischauge mit seinem enormen Blickwinkel fängt praktisch den gesamten Wald ein und betont die Höhe der Bäume. Durch die geraden, zur Bildmitte gerichteten Linien fällt der Fischaugen-Effekt hier kaum auf.

STANDARD-ZOOM

Damit ist der „normale“ Brennweiten-Bereich gemeint, den auch die üblichen Kit-Objektive abdecken. Bei APS-C Kameras sind das in etwas 17-50 mm; am Vollformat entsprechend 24-70 mm. Zum Vergleich: Die rückseitige Kamera an Apples iPhone hat, je nach Modell und umgerechnet auf Vollformat, eine Brennweite von 25-30 mm. Das soll aber nicht heißen, dass dieser „Standard“-Bereich langweilig ist – im Gegenteil. Je nachdem ob man einen ganzen Baum, eine Pflanze oder nur einige Blätter ins Bild nimmt, ergeben sich große Gestaltungsspielräume.

Bunter Ahornbaum
Bunter Ahornbaum. Hier sollte der ganze Baum ins Bild, um zu zeigen, dass alle Herbstfarben in ein und demselben Baum auftauchen. Dafür braucht es einen Standard-Weitwinkel; Blende ƒ/8 dient dazu, den Baum durchgehend scharf darzustellen.

Es lohnt sich also, mit Zoom, Blende und Abstand zum Motiv zu spielen; auch oder gerade mit dem Kit-Objektiv. Wichtigster Tipp in diesem Zusammenhang: Perspektive wechseln! Die üblichen Schnappschüsse aus Augenhöhe werden schnell langweilig. Daher, wenn Ihr draußen unterwegs seid: Schaut auch einfach mal direkt nach oben – was ist über Euch? Kniet Euch mal hin und fotografiert den kleinen Pilz, der sich durchs Laub ins Streiflicht der Abendsonne reckt…

Pilz im Wald
Pilz im Wald. Die kurze Brennweite zeigt den Pilz in seiner Umgebung; die offene Blende stellt ihn als Hauptmotive heraus.

Zu den „must have“ Objektiven jedes Fotografen mit einer Spiegelreflex- oder Systemkamera gehört eigentlich das 50 mm ƒ/1.8 –  und zwar aus einem Grund: Preis-Leistungs-Verhältnis. Praktisch jeder Kamerahersteller hat so eines für wenig Geld im Angebot; in der Regel kostet es um die 100,- €. Es ist klein, leicht und vielseitig einsetzbar, was ihm den Beinamen „nifty fifty“ eingebracht hat. An einer Vollformat-Kamera ist es eine Standard-Brennweite, die in etwa dem Blickwinkel des menschlichen Auges entspricht und daher als sehr natürlich wahrgenommen wird. An einer APS-C Kamera entspricht es mit umgerechnet rund 80 mm schon einem leichten Tele-Objektiv.

Das herausragende Merkmal ist jedoch die Offenblende von ƒ/1.8. Die meisten Kit-Objektive haben bei 50 mm eine maximale Blende von ƒ/4 oder ƒ/4,5; das sind 2-3 Blendenstufen Unterschied. Das heißt, dass das „nifty fifty“ nicht nur sehr viel mehr Licht einfängt, sondern auch eine deutlich geringere Tiefenschärfe bietet. Das macht es zu einem beliebten Allround-Objektiv, das auch gerne für Portraits genutzt wird. Warum also nicht mal Portraits von prächtig bunten Pflanzen machen?

Ahornbäume im Herbst
Ahornbäume im Herbst. Bei 50 mm kann man nicht nur ein einzelnes Blatt, sondern einen ganzen Ast im Bild zeigen. Bei Blende ƒ/1,8 kann man ihn dennoch deutlich vom Hintergrund absetzen.
Ahornblätter im Herbst
Ahornblätter im Herbst. Die geringe Tiefenschärfe hilft, den Blick auf die Blätter in der Bildmitte zu lenken.

TELE-ZOOM

In den Bereich der Teleobjektive fällt eigentlich alles ab einer Brennweite von 70 mm aufwärts. Dabei sind im Wesentlichen zwei Klassen von Objektiven zu unterscheiden: einerseits die Tele-Zooms, wie etwa mein Tamron 70-300 mm ƒ/4-5.6, und andererseits Festbrennweiten, insbesondere Makro-Objektive, im Bereich 90-150 mm. Der Hauptunterschied ist, wie nah Ihr mit dem Objektiv an Euer Motiv herangehen könnt. Bei dem zuvor genannten 70-300 mm Zoom-Objektiv ist die kürzeste Entfernung, auf die man noch scharf stellen kann, 1,5 Meter. Beim 90mm Makro-Objektiv sind es 30 Zentimeter!

Das hat natürlich einen großen Einfluss auf die Möglichkeiten, die sich einem zur Bildgestaltung bieten. Dabei gilt: Mit einem Makro-Objektiv kann man nicht nur Makros machen, und mit einem Tele-Objektiv muss man nicht immer weit entfernte Dinge fotografieren. Ihr merkt schon, es geht wieder um das Thema Perspektive.

Blume im Garten
Blume im Garten. Durch die geringe Tiefenschärfe bei 90mm ist trotz Blende ƒ/8 der Boden bereits unscharf.

Bei langen Hecken oder Sträuchern bietet sich zum Beispiel ein „Streifschuss“ an, wie unten gezeigt. Hier kann man die Details der Blüten und Blätter einerseits und die Ausdehnung der Hecke andererseits in einem Bild sehen. In einem frontal aufgenommenen Foto ginge, je nach Abstand, nur eines von beiden. Das funktioniert gleichermaßen in der Horizontalen bei einer Blumenwiese. Kein Makro im eigentlichen Sinne, aber ich mache mir hier die offene Blende und dadurch geringe Tiefenschärfe des Makro-Objektivs zu Nutze, um nur einen schmalen Streifen des Ranunkelstrauchs scharf darzustellen.

Geringe Tiefenschärfe im Ranunkelstrauch
Geringe Tiefenschärfe im Ranunkelstrauch. Bei 90mm und Blende ƒ/2,8 ist nur ein schmaler Streifen im Fokus.

Das nachfolgende Bild habe ich mit dem Tamron 70-300 mm aufgenommen, obwohl ich es bei 92 mm genauso gut auch mit dem Makro-Objektiv hätte machen können. Aber das hatte ich in dem Moment nicht greifbar, bzw. mir war auf dem Foto-Streifzug die durch den Zoom gegebene Flexibilität wichtiger. Der Abstand zu den Blüten entsprach hier der Naheinstellgrenze (1,5 m). Letztlich ist das beste Objektiv für ein Foto immer das, was man gerade dabeihat.

Apfelblüte in der Morgensonne
Apfelblüte in der Morgensonne. Brennweite und Blende helfen hier, die Blüten groß im Vordergrund darzustellen und gleichzeitig durch die unscharfen Blüten im Hintergrund zu zeigen, dass es nur ein Ast eines blühenden Baumes ist.

Natürlich ist es die große Stärke der Teleobjektive, weit entferne Objekte nah heranzuholen. Das erlaubt einem dann eben auch, Details zu fotografieren, an die man, aus welchen Gründen auch immer, nicht näher heran kommt – wie zum Beispiel die Blüten in einer Baumkrone. Auch kann man durch den engen Blickwinkel den Hintergrund stark einschränken oder gar ganz loswerden. Das Bild vom Zierahorn zeigt einen nahezu gleichmäßig gelben Hintergrund aus Bäumen mit gelbem Laub. Wäre ich näher an die roten Blätter herangegangen und hätte eine kürzere Brennweite verwendet, würde man das Haus rechts und die Gartenhütte links mit im Bild sehen, und der Hintergrund wäre eben nicht mehr einheitlich gelb.

Fächer-Ahorn im Herbst
Fächer-Ahorn im Herbst. Wieder helfen das Teleobjektiv bei 300mm und Blende ƒ/5,6, um die Details nah heranzuholen und gleichzeitig die Bäume in Hintergrund zu einer gleichmäßigen gelben Fläche werden zu lassen.

Wie stark der Hintergrund verschwimmt, hängt nicht allein von der Brennweite und der Blende ab, sondern vor allem auch vom Verhältnis der beiden Abstände Kamera – Motiv und Motiv – Hintergrund zueinander. Die beiden Bilder von Zierahorn und Kirschblüten wurden mit denselben Einstellungen aufgenommen, und die Bäume im Hintergrund waren in beiden Fällen in etwa gleich weit entfernt. Jedoch war der Zierahorn sehr viel näher an der Kamera als die Kirschblüten, und folglich sieht man einen deutlichen Unterschied bei der Unschärfe der Hintergründe.

Kirschblüten
Kirschblüten. Mit dem Teleobjektiv auf 300 mm kann man sich die Kirschblüten aus Nachbars Garten ganz nah heranholen. Bei Blende ƒ/5,6 werden die Bäume im Hintergrund gerade unscharf genug, um nicht abzulenken.

FAZIT

Empfehlung: Nun, die Empfehlung ist in diesem Fall ziemlich offensichtlich: rausgehen und ausprobieren!

Was ich gelernt habe: Letztlich ist es egal, welche Kamera und Objektive Ihr habt – interessante Perspektiven lassen sich immer finden. Nah ran, weit weg, von oben, von unten, Weitwinkel, Tele, mal mit, mal gegen die Sonne… Es lohnt sich, einfach mal beim nächsten Spaziergang oder Hund ausführen die Kamera mitzunehmen.


LINKS

Hier noch ein paar YouTube-Videos mit weiteren Inspirationen:

Bildnachweis: alle Bilder eigene Aufnahmen.

Foto-Experiment: Rauch und Flammen

Foto-Experiment: Rauch und Flammen Foto-Experiment: Rauch und Flammen Foto-Experiment: Rauch und Flammen Foto-Experiment: Rauch und Flammen Foto-Experiment: Rauch und Flammen Foto-Experiment: Rauch und Flammen Foto-Experiment: Rauch und Flammen Foto-Experiment: Rauch und Flammen Foto-Experiment: Rauch und Flammen Foto-Experiment: Rauch und Flammen

Was tun, wenn man fotografieren will und draußen regnet und stürmt es? Natürlich kann man dem entgegnen, dass eigentlich kein schlechtes Wetter gibt, sondern nur unpassende Kleidung. Aber wenn man es nicht gerade gezielt auf Schlechtwetterfotos abgesehen hat, dann gibt es doch deutlich gemütlichere Alternativen: man holt sich Foto-Ideen für zu Hause. So habe auch ich es gemacht: Ausgehend von den Video-Tutorials für die Wasserspritzer mit Obst bin ich schnell auf das Thema „Rauch fotografieren“ gekommen.  Insbesondere hat es mir dabei die Idee angetan, ein Streichholz beim Entzünden zu fotografieren. Basierend auf den Anregungen aus den Videos habe ich mir mein eigenes Setup überlegt und dann einen Nachmittag gezündelt – mit Ergebnissen, die meine anfänglichen Erwartungen deutlich übertroffen haben.

DER AUFBAU

Ich wollte, dass der Hintergrund der Fotos möglichst absolut schwarz wird, damit sich der helle Rauch und die Flamme gut davon abheben. Das lässt sich zum großen Teil schon alleine durch die Einstellungen von Kamera und Blitzen erreichen; ich habe mich dennoch dafür entschieden, die Bilder in einem abgedunkelten Raum aufzunehmen, um hier auf der sicheren Seite zu sein. Zum Aufbau des Sets an sich:

Aufgenommen habe ich die Fotos mit meiner Canon 760D. Anfangs habe ich das Tamrom SP 90mm ƒ/2.8 Macro verwendet, bin dann aber umgestiegen auf das Canon 50mm ƒ/1.8 STM. Durch die kürzere Brennweite fängt es auf dem zur Verfügung stehenden Platz einen größeren Bildausschnitt ein, und bietet zudem eine größere Schärfentiefe. Da sich der Rauch recht schnell ausbreitet, und das in drei Dimensionen, ist beides relevant. Die Kamera stand natürlich auf einem Stativ und wurde per Kabelfernauslöser bedient.

Ich habe ein Galgenstativ mit einer Halteklemme genutzt, um das Zündholz in Position zu halten. Darunter stand ein Tablett aus Metall als feuerfeste Unterlage. Entzündet wurden die Streichhölzer, indem ich eine Kerzenflamme einige Zentimeter darunter gehalten habe. Als Hintergrund diente ein schwarzer Fotokarton in ca. einem halben Meter Entfernung. Die Kamera war so ausgerichtet, dass mit dem 50mm-Objektiv der Fotokarton das Bild gerade so voll ausgefüllt hat, und sich das Zündholz im unteren Viertel befand.

Zu guter Letzt wurden die Blitze positioniert. Ich habe hier verschiedene Ausrichtungen ausprobiert, und im Laufe des Shootings optimiert. Ich beschreibe hier nur den endgültigen Stand, der die besten Ergebnisse lieferte: Dabei stand ein Blitz (Yongnuo YN565 bzw. YN568) ca. 45° links von der Kamera; der zweite genau gegenüber. Am hinteren Blitz habe ich dann noch ein Stück schwarzen Fotokarton angebracht, um zu verhindern, dass dessen Licht auf den Hintergrund strahlt. Durch diese Mischung aus Licht von vorne und Gegenlicht kam der Rauch besonders gut zur Geltung. Beide Blitze befanden sich oberhalb des Streichholzes um den Rauch anzublitzen, aber tief genug, damit nachher im Bild auch das Zündholz selbst gut angeleuchtet wurde. Gesteuert wurden sie wieder über die Yongnuo YN622c(-TX) Funkauslöser.

So sah das fertige Setup schließlich aus:

Aufbau zum Foto-Experiment "Rauch und Flammen"
Aufbau zum Foto-Experiment „Rauch und Flammen“: Die Blitze sind so ausgerichtet, dass der Hintergrund schwarz bleibt. Die Streichhölzer werden mit Hilfe der Kerze entzündet.

DIE EINSTELLUNGEN

Bei den Einstellungen gab es einiges zu Bedenken, da hier natürliche (Flamme) und künstliche (Blitze) Lichtquellen gemischt werden sollten. Ich habe also zunächst die Kamera mit Hilfe der Kerze so eingestellt, dass die Flamme möglichst hell abgebildet wurde, aber höchstens ein kleiner Teil der Flamme überbelichtet war. Die Belichtungszeit hatte ich vorher schon auf 1/200 Sekunde festgelegt. Das ist die kürzeste Zeit, die der Blitz ohne High-Speed Sync (der YN565) noch mitmacht. Ich wollte auch nicht länger belichten, um zu vermeiden, dass das heftige Flackern der Flamme beim Entzünden des Streichholzes Bewegungsunschärfe verursacht (das ist bei einigen Bildern trotzdem passiert). Tatsächlich war das Ergebnis mit den Anfangswerten Blende ƒ/8.0 (für gute Tiefen- und Bildschärfe) und ISO 100 (für gute Bildqualität) schon durchaus zufriedenstellend.

Dann ging es daran, die Blitze einzustellen. Meine Idee war, hier mit der geringstmöglichen Leistung (1/128) zu arbeiten, und zwar aus zwei Gründen: Bei dieser Einstellung liegt die Abbrennzeit eines Aufsteckblitzes in der Größenordnung von 1/20.000 Sekunde – somit war ein gestochen scharfes Einfrieren der Bewegung des Rauchs garantiert. Außerdem ist bei dieser geringen Leistung der Kondensator im Blitz so schnell wieder aufgeladen, dass die Nutzung des Serienbildmodus der Kamera nahezu ohne Geschwindigkeitseinbußen möglich ist, was die Wahrscheinlichkeit für wirklich gute Fotos deutlich erhöht. Tatsächlich war die Aufnahmegeschwindigkeit bei einer Blitzleistung von 1/64 durch die längere Ladezeit bereits spürbar geringer.

Die ideale Balance zwischen der Helligkeit der Flamme und der des angeblitzten Rauches habe ich dann, unter den genannten Randbedingungen, bei folgenden Einstellungen gefunden:

  • Kamera: Manueller Modus, ISO 200, ƒ/8.0, 1/200 Sek, Serienbildaufnahme (sowohl anfangs mit dem 90mm als auch später mit dem 50mm Objektiv)
  • Blitze: Manueller Modus, 1/128 Leistung, Zoom 24mm (vorderer Blitz mit vorgeklappter Streuscheibe)

Es versteht sich von selbst, dass Ihr diese Einstellungen ggf. Eurem Setup und den Lichtverhältnissen anpassen müsst, um vergleichbare Ergebnisse zu erzielen.

Aufbau zum Foto-Experiment "Rauch und Flammen"
Aufbau zum Foto-Experiment „Rauch und Flammen“: ISO 200, ƒ/8.0, 1/200s, manueller Fokus eingestellt per Live View. Die Blitze werden über den Yongnuo YN622C-TX eingestellt und ausgelöst; die Kamera per Kabel-Fernauslöser.

Die Kamera habe ich dann, mit Hilfe der 10-fachen Vergrößerung im Live View, manuell auf das Streichholz fokussiert. An der Halteklammer habe ich eine Markierung angebracht, so dass ich neue Streichhölzer immer an etwa derselben Stelle einspannen konnte und dadurch nicht jedes Mal neu fokussieren musste. Zudem war der Aufnahmemodus auf Serienbild gestellt, damit ich schnell mehrere Bilder hintereinander macht konnte, und der Weißabgleich auf Automatik.

DAS SHOOTING

Nach den Testaufnahmen für die Belichtung ging es ans Eingemachte. Die größte Herausforderung dabei war herauszufinden, wie man die Kerze unter das Zündholz halten muss. Die Flamme muss nah genug dran sein, damit der Streichholzkopf heiß genug wird um zu zünden, aber weit genug weg, um nicht im Bild zu sein wenn es dann passiert. Auch wie lange man die Kerze darunter halten muss variiert, nicht zuletzt auch weil jedes Streichholz unterschiedlich dick ist. Und schließlich brennt auch jedes Zündholz anders ab: bei manchen gibt es nur eine kurze Stichflamme; bei anderen hingegen dauert es 2 Sekunden bis der Kopf verbrannt ist und nur noch das Holz brennt.

Das Vorgehen war immer gleich: in einer Hand der Fernauslöser für die Kamera, den Auslöseknopf bereits halb gedrückt, in der anderen Hand die brennende Kerze. Dann die Kerze unter das Streichholz halten und sobald dieses zündet, den Auslöser ganz durchdrücken und die Kamera 5-7 Aufnahmen machen lassen. Dann ist der Großteil des Spektakels vorbei. Wie auch schon bei den Aufnahmen der Wasserspritzer hat man das Timing für das Auslösen der Kamera recht schnell heraus.

Anschließend habe ich die Kerze wieder auf dem Tablett abgestellt, und sobald die Kamera fertig war mit dem Schreiben der Bilddaten auf die Speicherkarte, das Streichholz ausgepustet. Von dem davon ausgehenden Rauch habe ich wiederum 5-7 Aufnahmen im Serienmodus gemacht. Je nach dem, wie man das Streichholz auspustet, oder danach noch etwas mit der Hand wedelt, ergeben sich dabei fantastische Figuren.

Mit einem frischen Zündholz in der Halteklammer ging es danach wieder von vorne los.

Foto-Experiment: Rauch und Flammen
Foto-Experiment: Rauch und Flammen. Hier seht Ihr, wie mit der Kerze das Streichholz entzündet wird. Das Foto ist unbearbeitet, so wie aus der Kamera kommt. Vergleicht es mit der fertigen Version in der Gallerie.

Am Ende der Session hatte ich 36 Streichhölzer verbraucht und knapp 600 Fotos gemacht. Auf dem Computer wurden die Ergebnisse dann in mehreren Schritten aussortiert. Nach dem Löschen der Testbilder zum Finden der richtigen Einstellungen sowie weiterer Ausrutscher, wie komplett schwarze, unscharfe oder zu früh ausgelöste Bilder, hatte sich die Anzahl bereits um über die Hälfte reduziert. Dann ging es daran, die Bilder herauszufiltern die das „gewisse Etwas“ hatten. So blieben schließlich 40 Fotos übrig, die ich weiter nachbearbeitet habe. Die „Top Ten“ daraus seht Ihr oben in der Galerie.

TIPPS & TRICKS

Auch hier gilt natürlich wieder: Versucht macht klug, und es gibt einige Punkte, die sich beim nächsten Mal verbessern ließen:

  • Brandschutz: Eine ausreichend große, feuerfeste Unterlage unter dem Streichholz und zum Abstellen der Kerze ist natürlich Pflicht. Für den Fall der Fälle schadet es auch nicht, ein großes Glas oder eine Kanne Wasser griffbereit zu haben. Und nicht vergessen: wenn das Zimmer, in dem Ihr diese Fotos macht, einen Rauchmelder hat, diesen unbedingt vorher deaktivieren (und danach wieder aktivieren!)
  • Abdunklung hin oder her, ausreichend Belüftung muss auf jeden Fall auch sein. Macht zwischendrin auch mal Pause und lüftet den Raum durch – der rauchige Geruch hält sich leider ziemlich hartnäckig.
  • Die Kerze, die Ihr zum Entzünden der Streichhölzer nutzt, sollte handlich sein und sicher stehenbleiben, wenn Ihr sie abstellt – ich habe eine Stumpenkerze genommen, die vom letzten Adventskranz übrig war. Die Flamme sollte möglichst groß sein, aber ohne zu flackern und ohne zu rußen. Hierfür ggf. mit einem Bastelmesser den Rand der Kerze zurückschneiden und etwas von dem flüssigem Wachs abgießen.
  • Als Streichhölzer empfehle ich nicht die üblichen kleinen Zündhölzer, sondern extra lange Hölzer, wie man sie z.B. zum Anzünden von Kaminen nimmt. Die, die ich verwendet habe, waren 12 Zentimeter lang, statt der üblichen 5.

FAZIT

Empfehlung: Auf jeden Fall ausprobieren! Gerade in der dunklen Winterzeit eine schöne Bastelei, mit der man stimmungsvolle Bilder erzeugen kann. Das Ganze funktioniert übrigens auch mit Wunderkerzen.

Was ich gelernt habe: Ich habe wieder einiges gelernt zur korrekten Ausrichtung und Einstellung der Blitze um den gewünschten Look zu erreichen; insbesondere in der Mischung aus natürlichem und künstlichem Licht.


LINKS:

Bildnachweis: alle Bilder eigene Aufnahmen.

Foto-Experiment: Spritziges mit Obst

Foto-Experiment: Wasserspritzer mit Obst Foto-Experiment: Wasserspritzer mit Obst Foto-Experiment: Wasserspritzer mit Obst Foto-Experiment: Wasserspritzer mit Obst Foto-Experiment: Wasserspritzer mit Obst Foto-Experiment: Wasserspritzer mit Obst Foto-Experiment: Wasserspritzer mit Obst Foto-Experiment: Wasserspritzer mit Obst

In den Deko-Regalen von Möbelhäusern und Baumärkten sind sie allgegenwärtig: Bilder von frischem Obst und Gemüse, das spritzend ins Wasser fällt. Die Idee ist also nicht neu, aber dennoch durchaus eine Herausforderung: Wie macht man solche Fotos? Genau das richtige für ein graues und windiges Wochenende, an dem man nicht rausgehen mag.

Nach etwas Recherche im Internet war klar: So viel braucht es dafür gar nicht. Das einzige was gefehlt hat, war ein passendes Glasgefäß – unsere Vasen sind alle rund, und darin würde sich der Blitz spiegeln. Nach einiger Überlegung habe ich mich dann für ein 25-Liter Aquarium aus dem Baumarkt/Gartenhandel entschieden. Das wird sicher noch öfters für Experimente dieser Art zum Einsatz kommen, und die Investition von 20,- Euro war auch überschaubar.

DER AUFBAU

Die Fotos sind dann am heimischen Esstisch entstanden, und der Aufbau ist schnell erklärt:

  • Aufgenommen habe ich die Fotos mit der Canon 760D und dem Tamrom SP 90mm ƒ/2.8 Macro
  • Das Aquarium steht erhöht auf einer Kiste, damit der Tisch dahinter nicht im Bild zu sehen ist
  • Der erste Blitz – ein Yongnuo YN568 EX II – ist von links auf Höhe des Wasserpegels ins Aquarium gerichtet
  • Die gegenüberliegenden Seite ist mit Alufolie abgedeckt, die als Reflektor dient
  • Der zweite Blitz – ein Yongnuo YN565 EX II – ist auf den ca. einen Meter entfernten Hintergrund, einen weißen Faltreflektor, gerichtet.
  • Eingestellt und ausgelöst werden die Blitze über Funksteuerungen Yongnuo YN622C(-TX)
  • Für die Kamera nutze ich einen einfachen Kabelauslöser

So sah das ganze Setup schließlich aus:

Aufbau zum Foto-Experiment "Wasserspritzer mit Obst"
Aufbau zum Foto-Experiment „Spritziges mit Obst“: 25 Liter Aquarium, ein Blitz für die Früchte und Wasserspritzer, Alufolie als Reflektor. Der zweite Blitz und der weiße Hintergrund kommen nur bei den hellen Bildern zum Einsatz.

DIE EINSTELLUNGEN

Hier hilft keine Automatik, da die Bilder ja gezielt über- bzw. unterbelichtet werden sollen (weißer bzw. schwarzer Hintergrund), und der Autofokus die fallenden Früchte auch nicht zuverlässig erfasst. Es muss also alles manuell eingestellt werden. Deshalb habe ich zunächst eine Geschenkpapierrolle über das Aquarium gelegt und von dieser an der Stelle, an der später die Früchte ins Wasser geworfen werden, ein Lineal herunterhängen lassen. Dann habe ich an der Kamera per Live View manuell auf das Lineal fokussiert. Weiter zur Belichtung:

  • Kameraeinstellungen: ISO 100, ƒ/8.0, 1/200s

Die Einstellungen sind so gewählt, dass ein ohne Blitz aufgenommenes Bild komplett schwarz ist. Für die Blende habe ich den Wert 8 gewählt, damit die Früchte auch dann noch scharf abgebildet werden, wenn sie nicht genau an der vorgesehenen Stelle ins Wasser fallen. Wenn Ihr das Experiment nachmacht, und mit diesen Einstellungen bei Euch noch etwas von der Umgebung im Bild zu sehen ist (zum Beispiel ein helles Fenster), dann schließt die Blende noch weiter, z.B. auf ƒ/11.0. Um eine kürzere Belichtungszeit wählen zu können, braucht Ihr Blitze die High-Speed Synchronisation unterstützen. Das ist für das spätere Bild allerdings nicht relevant, da das Einfrieren der Bewegung über die Abbrennzeit des Blitzes erfolgt, sie sehr viel kürzer ist als 1/200 Sekunde.

Als nächstes geht es ans Einstellen der Blitze. Diese müsst Ihr natürlich Euren Lichtverhältnissen anpassen, daher dienen die hier genannten Werte lediglich zur Orientierung. Für die Bilder mit weißem Hintergrund habe ich zunächst den hinteren Blitz eingestellt. Dafür habe ich in der Kamera die Überbelichtungswarnung („Blinkies“) eingeschaltet und den Blitz dann so eingestellt, bis ein Teil des Hintergrunds als überbelichtet angezeigt wurde. Ihr solltet den Blitz nicht zu hell einstellen, weil der weiße Hintergrund sonst die Wasserspritzer und die Ränder der Früchte überstrahlt.

Danach ging es mit einigen Testbildern daran, den Aquariumblitz so einzustellen, dass die weißen Stellen der Zitronenscheibe gerade so nicht überbelichtet waren. Dieser kommt mit sehr viel weniger Power aus. Hier müsst Ihr die Helligkeit des Blitzes ggf. sogar je nach Frucht anders einstellen – die dunkle Orangenscheibe verträgt mehr Blitzpower als die helle Zitrone. Für die Bilder mit schwarzem Hintergrund bleibt der Hintergrundblitz einfach aus; dafür muss der Aquariumblitz stärker eingestellt werden, weil das Licht von hinten fehlt.

  • Blitz-Einstellungen für weißen Hintergrund:
    • Hintergrund: 1/4 + 0.7
    • Aquarium: 1/64 + 0.7
  • Blitz-Einstellungen für schwarzen Hintergrund:
    • Hintergrund: aus
    • Aquarium: 1/8 + 0.3
Aufbau zum Foto-Experiment "Wasserspritzer mit Obst"
Aufbau zum Foto-Experiment „Spritziges mit Obst“: ISO 100, ƒ/8.0, 1/200s, manueller Fokus eingestellt per Live View. Die Blitze werden über den Yongnuo YN622C-TX eingestellt und ausgelöst; die Kamera per Kabel-Fernauslöser.

DAS SHOOTING

Mit den passenden und griffbereit zurecht gelegten Fruchtstücken habe ich mich, mit dem Fernauslöser für die Kamera in der Hand, neben das Aquarium gestellt – und dann ging’s los. Es war einfacher, als ich dachte. Man bekommt den Bogen ziemlich schnell heraus, wie man mit der einen Hand die Früchte fallen lässt und mit der anderen Hand die Kamera im richtigen Moment auslöst. Ich hatte nur wenige Bilder, die vom Timing her völlig daneben waren.

Glückssache ist es da schon eher, wie die einzelnen Sachen ins Wasser fallen – etwa, ob man die Limettenscheibe nur von der Seite sieht, oder der Apfel einen fetten Schatten auf die Orange wirft.

Alles in allem hat es wirklich sehr viel Spaß gemacht und für einen kurzweiligen Nachmittag gesorgt. Dabei ist der Aufwand echt überschaubar – auch mit nur einem externen Blitz kann man solche Fotos machen, statt des Aquariums tut es genauso eine rechteckige Glasvase, und für den Hintergrund kann man ebenso Fotokarton oder eine Tischdecke nehmen.

TIPPS & TRICKS

Wenn man so etwas zum ersten Mal macht, merkt man relativ schnell, dass es immer wieder Kleinigkeiten gibt, an die man nicht gedacht hat – und die man beim nächsten Mal besser machen kann. Hier eine Zusammenstellung meiner wesentlichen Erkenntnisse, ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

  • Nach jedem (wirklich jedem) Wurf die Glasscheiben an Vorder- und Rückseite des Aquariums wieder trockenwischen – am besten mit einem Mikrofasertuch. Das ist zwar lästig, aber dieser Handgriff spart Euch später viel Zeit in der Nachbearbeitung der Fotos; vor allem bei den Bildern mit schwarzem Hintergrund.
  • Wenn Ihr mit Zitrusfrüchten arbeitet, macht erst die Bilder mit schwarzem, danach die mit weißem Hintergrund. Bei diesen Früchten lösen sich bei jedem Wurf kleine Stückchen Fruchtfleisch, die dann als helle Fussel im Bild herum schwimmen. Diese fallen in den weißen Bildern nicht so auf bzw. lassen sich leichter entfernen. Irgendwann werdet Ihr das Wasser komplett wechseln müssen. Wenn Ihr noch andere „Wurfobjekte“ habt, nehmt diese zuerst.
  • Aufpassen mit Hintergrund und Untergrund: Ich habe auf unseren Holztisch eine Plastiktischdecke gelegt, um ihn vor dem Wasser zur schützen. Eine blaue Plastikdecke. Mit bunten Luftballons drauf. Haha. Findet den Fehler. Die Glasscheiben des Aquariums und vor allem auch die Wasseroberfläche reflektieren das gnadenlos – wer bei den Bildern oben genau hinschaut, kann in einigen Wasserspritzern das Blau mit den roten Tupfen aus den Setup-Fotos wiederfinden. Beim nächsten Versuch wird hier alles schwarz bzw. weiß abgedeckt.
  • Wenn Ihr die Früchte und Wasserspritzer gleichsam unterhalb und oberhalb der Wasseroberfläche aufnehmen wollt, muss der ins Aquarium gerichtete Blitz auf derselben Höhe mit dem Wasserpegel sein. Ich hatte ihn zuerst tiefer stehen – mit der Folge, dass sein Licht von der Wasseroberfläche nach unten reflektiert wurde, und alles was über Wasser war, im Dunkeln lag. Als Alternative könnt Ihr den Blitz auch deutlich über das Aquarium stellen und von seitlich oben herunter blitzen lassen; damit imitiert ihr den Lichteinfall von natürlichem Sonnenlicht.

FAZIT

Empfehlung: Unbedingt selber machen! Ideal als Bastelei an einem trüben Nachmittag, und nebenbei lernt man auch noch, mit externen Blitzen zu arbeiten und das Licht richtig zu setzen.

Was ich gelernt habe: Versuch macht klug – das Meiste dazu habe ich ja schon oben bei den Tipps & Tricks geschrieben. Experimente dieser Art werde ich jedenfalls in nächster Zeit sicher noch öfter angehen…


LINKS:

Bildnachweis: alle Bilder eigene Aufnahmen.

Meine Ausrüstung: Unendliche Weiten – Tokina 11-20mm f/2.8 DX

Tokina AT-X Pro SD 11-20mm ƒ/2,8 DX an der Canon 760D

Der wesentliche Grund für mich, im Herbst 2015 eine neue Kamera anzuschaffen, war die einmalige Möglichkeit, in den Bergen am Rande der Wüste in New Mexico (USA) die Milchstraße fotografieren zu können. Damit war auch klar: Es musste ein besonders für die Astro-Fotografie geeignetes Objektiv her. Aus den Recherchen im Internet ergaben sich schnell die beiden grundlegenden Anforderungen:

  • möglichst weitwinklig, um viel Himmel aufs Bild zu bekommen
  • möglichst offene Blende, um viel Licht einzufangen

Für APS-C Kameras wie meine 760D liegt der Brennweitenbereich für „Ultra-Weitwinkel“ in der Größenordnung 10-20mm. Tatsächlich gibt es in diesem Bereich eine ganze Reihe von Objektiven verschiedener Hersteller. Die meisten haben allerdings eine variable Blende zwischen ƒ/3,5 oder ƒ/4 und ƒ/5,6 und sind somit nicht sehr lichtstark. Doch es gibt eines, das aus dieser Menge mit einem Alleinstellungsmerkmal heraussticht.

TOKINA AT-X Pro SD 11-20mm ƒ/2,8 (IF) DX

Tokina AT-X Pro SD 11-20mm ƒ/2,8 DX
Tokina AT-X Pro SD 11-20mm ƒ/2,8 DX

Das Tokina hat eine durchgehende Offenblende von ƒ/2,8 und fängt damit deutlich mehr Licht ein (rund zwei- bis viermal so viel) als die anderen Objektive in diesem Brennweitenbereich. Dafür ist es mit aktuell rund 600,- € (Jan. 2017) auch das teuerste Objektiv – mal abgesehen von Canons Profilinsen, wie dem 14mm ƒ/2,8 L für rund 2.000,- €. Wenn Ihr den Nachthimmel fotografieren wollt und daher auf die große Blende angewiesen seid, ist das Tokina die Investition allerdings auch wert.

AUSSTATTUNG

Eine große Offenblende bedeutet immer viel Glas, folglich ist das Objekt groß und schwer. Es liegt jedoch zusammen mit der Kamera gut in der Hand. Es ist gut verarbeitet, und auch wenn das Gehäuse aus Plastik ist, wirkt es nicht übermäßig „billig“. Kritikpunkt aus meiner Sicht bei der Verarbeitung: Das Umschalten zwischen Autofokus und manuellem Fokus erfolgt durch Verschieben des Fokusrings, wie man an den Markierungen im Bild oben erkennen kann. Das geht nicht in jeder Position ohne zu haken, und es kommt beim Umschalten daher leicht vor, dass man den eingestellten Fokuspunkt unabsichtlich verschiebt. Davon abgesehen arbeitet der Autofokus zuverlässig, und manuell kann man gefühlvoll fokussieren. Einen Bildstabilisator hat das Objektiv nicht; dieser ist bei so kurzen Brennweiten meiner Meinung nach aber auch nicht unbedingt nötig. Zum Lieferumfang gehört neben den Deckeln für Vorder- und Rückseite auch eine Gegenlichtblende. Diese ist, dem weiten Blickwinkel geschuldet, zum einen recht flach und hat zum anderen einen sehr großen Durchmesser. Daher passt sie nicht mit dem Objektiv zusammen in einen üblichen Köcher, sondern muss extra verstaut werden. Aufgrund von Größe und Gewicht nehme ich das Tokina auch nicht überall mit hin, sondern nur gezielt bei Bedarf.

EINSATZ UND ERGEBNISSE

Ich verwende das Objektiv inzwischen regelmäßig. Natürlich für Aufnahmen des Sternenhimmels, wie unten in den Beispielen zu sehen. Aber nicht nur dafür – auch für Innenaufnahmen eignet es sich bestens, besonders in eher engen oder kleinen Räumen und auch bei stimmungsvoller Beleuchtung. Das Foto vom Dampflokführerstand, der nur mit einer einfachen Lampe ausgeleuchtet war, wäre aufgrund der Platzverhältnisse mit einer längeren Brennweite gar nicht möglich gewesen. Ebenso ist es hervorragend für Landschaften geeignet, wie etwa den Sonnenaufgang am Strand. Für diese Zwecke braucht man zwar nicht zwingend die 2.8er Blende, doch hat man dadurch immer noch den Vorteil, dass das Objektiv beim Abblenden bereits deutlich früher ein bis in die Ecken scharfes Bild erzeugt.

Die Bildbeispiele unten sind alle am kurzen Ende – also bei 11mm – aufgenommen, denn dafür habe ich mir das Objektiv ja gekauft. Auch wenn ich für das lange Ende mit dem Sigma C 17-70mm und dem Sigma A 18-35mm Alternativen habe, so gibt mir der Zoombereich des Tokina bis 20mm doch die Möglichkeit, zwischendrin auch eine „normale“ Weitwinkel-Aufnahme machen zu können, ohne gleich das Objektiv wechseln zu müssen.

Mit der Bildschärfe, die das Tokina liefert, bin ich auf jeden Fall zufrieden. In der Mitte ist es immer scharf; die Ecken sind bei Blende ƒ/2,8 deutlich weicher – bei der Aufnahme von der Milchstraße unten kann man den Unterschied zwischen Bildmitte und den Ecken anhand der Größe der Sterne gut sehen. Dieses Verhalten ist jedoch normal für ein Ultra-Weitwinkel und bewegt sich in einem für mich akzeptablen Rahmen. Blendet man ab, ist das Bild spätestens ab ƒ/5,6 durchgehend sehr scharf. Schließt man die Blende noch weiter bis auf ƒ/11, so erzeugt die Blende schön anzuschauende Sonnensterne. Allerdings hat man bei Gegenlicht mit deutlich sichtbaren Lensflares zu kämpfen. Diese können sehr stylisch aussehen, sind aber nicht immer erwünscht.


FAZIT

Empfehlung: Wenn Ihr nachts die Sterne fotografieren oder Bilder in nur mäßig beleuchteten, engen Innenräumen aufnehmen wollt, dann lohnt sich die Investition in das Tokina auf jeden Fall. Es ist solide, zuverlässig und liefert eine durchaus gute Bildqualität. Es ist allerdings auch nicht frei von Mängeln, und die Empfehlung beruht in erster Linie auf dem Alleinstellungsmerkmal der durchgehenden 2,8er Blende.

Wenn Ihr diese hohe Lichtstärke nicht braucht, dann empfehle ich Euch das Canon EF-S 10-18mm ƒ/4,5-5,6 (Link auf Amazon). Es ist deutlich kleiner, leichter, und vor allem auch preiswerter (Jan. 2017: 230,- €) als das Tokina. Es liefert ebenfalls scharfe Bilder, lässt aber im Vergleich nur rund ein Viertel des Lichts herein, so dass Ihr auf ausreichend helle Motive, längere Belichtungszeiten oder höhere ISO-Werte angewiesen seid.

Was ich gelernt habe: Das Fotografieren mit einem Ultra-Weitwinkel Objektiv macht eine Menge Spaß – weil man auch auf engstem Raum noch eine Menge auf das Bild bekommt und weite Landschaften mit nur einer Aufnahme einfangen kann. Damit einher geht allerdings die Herausforderung, den Vordergrund nicht zu leer wirken zu lassen, denn sonst fühlt sich der Betrachter schnell verloren im Bild – daran arbeit ich noch. Speziell mit dem Tokina habe ich für mich den Spaß an der Sternenfotografie entdeckt, auch wenn das mit der Lichtverschmutzung hier im Rhein-Main-Gebiet alles andere als einfach ist.


LINKS

Bildnachweis: alle Bilder eigene Aufnahmen.


BEISPIELBILDER:

Sonnenaufgang auf St. Simon's Island
Sonnenaufgang auf St. Simon’s Island

 

Feuerkorb auf der Terrasse
Feuerkorb auf der Terrasse

 

Führerstand einer Güterzug-Dampflok (HDR)
Führerstand einer Güterzug-Dampflok (HDR)

 

Milchstraße über Albuquerque
Milchstraße über Albuquerque

 

Berghütte in einer Vollmond-Nacht
Berghütte in einer Vollmond-Nacht

In eigener Sache: Meine Fotowand 2017

Fotowand 2017

Mit dem Fotografieren ist es wie mit vielem anderen auch: Man entwickelt sich weiter, indem man sich Ziele setzt, Aufgaben stellt, Herausforderungen angeht, Dinge macht, die man bisher – zumindest so – noch nicht gemacht hat. Also frage ich mich: Was will ich fotografieren? Was muss ich dafür tun? Und dann: Was hat geklappt – und was nicht?

Um für mich dabei den Überblick zu behalten nutze ich eine Anregung von Stephan Wiesner: Die Fotowand. Meine eigene Fotowand für 2017 möchte ich hier mit Euch teilen – und Euch dann natürlich auch nach und nach von der Umsetzung berichten.

BLICK ZURÜCK

Wenn ich so zurückdenke, wie sich das Fotografieren für mich entwickelt hat, gibt es da bis jetzt drei Phasen: Zuerst habe ich eigentlich nur geknipst – ich habe, ohne dabei viel zu überlegen, dokumentiert, wo ich war und was ich erlebt habe. Gelegentlich waren da auch ein paar richtig gute Fotos dabei, die mir auch heute noch sehr gefallen, aber damals waren das eher Zufallstreffer.

Dann kam die Zeit in der ich angefangen habe, mir über die Bilder mehr Gedanken zu machen: die passende Wahl des Bildausschnitts, das Hauptmotiv in seiner Umgebung bzw. Hintergrund, die Lichtverhältnissen etc. Ich wurde wählerischer bei den Aufnahmen. Ich habe nicht mehr einfach alles fotografiert, sondern mir die Sachen herausgesucht, die mich besonders interessieren. Und ich habe auch mal ein Foto bewusst nicht gemacht, wenn zum Beispiel das Licht so gar nicht gestimmt hat. Es ging aber immer noch nach dem Motto „Ok, jetzt bin ich hier, mal schauen was ich für Fotos machen kann“.

Damit sind wir bei Phase drei, wo genau das herumgedreht wird. Jetzt sage ich mir: Ich will dieses Bild machen, wo muss ich dafür hin? Wann muss ich dort sein? Das Foto wird so zum Ziel eines Ausflugs oder Nachmittags und nicht mehr nur bloße Folge davon. Das erfordert Planung, nicht nur beim Wann und Wo, sondern auch: Welche Ausrüstung nehme ich mit? Welches Objektiv? Brauche ich ein Stativ, einen Graufilter, einen Fernauslöser, einen Blitz…?

Wenn ich eine Idee für ein Bild habe, dann suche ich nach Anleitungen, Vorbildern im Netz, hole mir Anregungen, und dann geht es raus und es wird ausprobiert. So habe ich im vergangenen Jahr einige sehr schöne Bilder hinbekommen, die ich so 2015 ganz sicher noch nicht gekonnt hätte. Und 2017 möchte ich diese Messlatte weiter anheben.

FOTOWAND 2017

NACHTAUFNAHME / LANGZEITBELICHTUNG: SYKLINE

Nachtaufnahmen fand ich schon immer reizvoll, gerade auch in Großstädten. Jetzt habe ich, was das angeht, das Glück, in der Nähe von Frankfurt zu wohnen. Dort hat man in der Kombination aus Main und Skyline einige schöne Motive zur Auswahl. Ich habe mich an diesem Bild im vergangenen Jahr schon einige Male probiert, aber bislang habe ich es noch nicht so hinbekommen, wie ich mir das vorstelle.

Den richtigen Standpunkt für mein Foto weiß ich inzwischen: auf der Flößerbrücke. Dort hat man die bei Dunkelheit schön beleuchtete Ignaz-Bubis-Brücke im Vordergrund und dann die Skyline des Bankenviertels dahinter.

Foto-Skizze: Skyline zur blauen Stunde
Foto-Skizze: Skyline zur blauen Stunde

Neben der Wahl des Standorts konnte ich bei den vergangenen Versuchen auch meine Ausrüstung ausprobieren und optimieren. Ich werde das Bild definitiv mit dem Sigma A 18-35mm ƒ/1.8 aufnehmen, aufgrund der überragenden Schärfe, die das Objektiv liefert. Stativ und Fernauslöser sind ebenfalls klar. Außerdem hab ich immer noch einen schwarzen Pappkarton oder ähnliches dabei, denn die Flößerbrücke wird von starken, vor der Brücke angebrachten Scheinwerfern angeleuchtet – und diese leuchten sonst trotz Gegenlichtblende ins Objektiv und sorgen für unschöne Artefakte im Bild. Meine Graufilter werde ich ebenfalls einpacken. Ich habe zwei Stück: einen 8x und einen 1000x. Damit kann die Belichtungszeit entsprechend verlängern, um das Wasser seidig glatt wirken zu lassen.

Was jetzt noch fehlt: ein Wochentagsabend im Winter, wenn es schon früh dunkel wird und noch viele Büros in den Hochhäusern beleuchtet sind sowie ein interessanter Himmel. Ganz ohne Wolken ist langweilig; zu viele Wolken sind auch schwierig, weil der Himmel dann nicht mehr dunkel wird, sondern die Wolken vom hinter der Stadt liegenden Flughafen angeleuchtet werden. Am meisten interessiert mich dabei die Zeit von Sonnenuntergang bis etwa eine dreiviertel Stunde danach, die sogenannte „blaue Stunde“.

NAHAUFNAHME / MAKRO: AUGE

Makros, oder zumindest mal Nahaufnahmen, gehören ebenfalls zu den Bereichen der Fotografie, die mich reizen. Und zwar, weil sie Details zur Geltung bringen, die man sonst einfach nicht wahrnimmt – entweder, weil sie schlicht zu klein sind oder weil die Motive sich sonst zu schnell bewegen, um sie in Ruhe zu betrachten. Das Thema war mir wichtig genug, dass ich mir im letzen Frühjahr ein dediziertes Makro-Objektiv gekauft habe: das Tamron SP 90mm ƒ/2.8 Di VC Macro. Damit bin ich dann im Lavendelstrauch auf Hummel- und Schmetterlingsjagd gegangen oder habe eine Pusteblume in Groß aufgenommen.

Bei den Recherchen rund um das Thema Makros bin ich im Internet immer wieder auf ein faszinierendes Motiv gestoßen: Nahaufnahmen von Augen. Und das ist zu etwas geworden, wo ich denke: Das will ich auf jeden Fall auch ausprobieren.

Foto-Skizze: Nahaufnahme eines Auges
Foto-Skizze: Nahaufnahme eines Auges

Einige Anleitungen und Hinweise habe ich natürlich schon gelesen, was noch fehlt ist: ausprobieren und machen. So weiß ich zum Beispiel noch nicht, ob ich das Foto besser draußen im Sonnenlicht oder drinnen mit Blitz mache. Wie muss das Licht sein, damit die Details in der Iris gut zur Geltung kommen, aber das Modell nicht geblendet die Augen zukneift und ich mit der Kamera bzw. dem Objektiv keinen Schatten auf das Auge werfe?

MAKRO: EISKRISTALLE / SCHNEEFLOCKEN

Bleiben wir noch für eine weitere Foto-Idee im Makro-Bereich: Eiskristalle und Schneeflocken. Dafür braucht es natürlich vor allem erstmal etwas, was hier in der Gegend nun inzwischen den dritten Winter in Folge absolute Fehlanzeige ist: Schnee. Oder zumindest mal anhaltenden und ausreichend tiefen Frost.

Foto-Skizze: Eiskristall-Makro
Foto-Skizze: Eiskristall-Makro

Ein paar „Testbilder“ mit Raureif konnte ich immerhin schon machen – mit durchaus vielversprechenden Ergebnissen. Aber ich bin mir sicher: Da geht noch mehr. Am liebsten im Streiflicht der tiefstehenden Sonne am frühen Morgen, aber sonst tut es hier auch ein passend positionierter externer Blitz.

BEWEGUNG EINFRIEREN AM SPRINGBRUNNEN

Diese Idee ist praktisch das Gegenteil zur Langzeitbelichtung oben: Hier will ich das Wasser nicht seidig glatt zeigen, sondern mit einer möglichst kurzen Belichtungszeit die Bewegung einfrieren und so jeden einzelnen Tropfen gleichsam schwerelos an der Stelle schwebend einfangen. Mit meiner 760D bedeutet das: 1/4000 Sekunde. Vielleicht schaffe ich ja noch das Upgrade zur 80D, dann geht sogar 1/8000 Sekunde – aber es gibt ja auch noch ein paar andere Prioritäten. So oder so wird auch hier, einfach aufgrund der Lichtstärke, wohl das Sigma A 18-35mm ƒ/1.8 zum Einsatz kommen.

Foto-Skizze: Bewegung einfrieren am Springbrunnen
Foto-Skizze: Bewegung einfrieren am Springbrunnen

Während ich mir beim „wie“ hier schon ziemlich sicher bin, fehlt mir noch das „wo“. Also ein Springbrunnen mit einer schönen Fontäne. Leider ist es so, dass in hier Darmstadt viele Springbrunnen auch im Sommer abgestellt sind – entweder weil das Geld für die Instandsetzung marode gewordener Leitungen und Becken fehlt oder aufgrund mutwilliger Beschädigungen und Verunreinigungen. Bislang hat mir hier noch die Muße gefehlt, gezielt nach Springbrunnen in den umliegenden Städten zu suchen – aber für 2017 hab ich das auf dem Plan. Wenn Ihr Vorschläge habt, wo schöne Brunnen sprudeln, dann freue ich mich über Eure Nachricht!

AUTO-PORTRAIT MIT AUFSTECKBLITZ

Diese Idee ergab sich aus der Stöberei im Internet zur Frage: Was kann man eigentlich alles mit einem externen Blitz machen? Dabei bin ich unter anderem auf ein YouTube-Video von Christian Adams gestoßen und dachte mir direkt: was für eine geniale Idee! Aus vielen Einzelbildern, in denen mit einem normalen Aufsteckblitz jeweils nur ein Teil des Autos beleuchtet ist, wird ein Gesamtfoto mit „Showroom-Feeling“ zusammengesetzt. Praktischer Weise gehört ein würdiges Motiv für so eine Aufnahme seit inzwischen 20 Jahren zu unserer Familie:

Foto-Skizze: Auto-Portrait mit Aufsteckblitz
Foto-Skizze: Auto-Portrait mit Aufsteckblitz

Ich denke noch über einen passenden Ort nach, wo ich das Auto möglichst ohne störende Reflexionen, Spiegelungen oder Hintergrund aufnehmen kann. Vor allem will ich ungestört sein, aber auch niemanden in der Umgebung mit der Herumblitzerei nerven. Ansonsten fehlt es eigentlich nur noch an der passenden Gelegenheit – und natürlich einer frischen Politur für das Schmuckstück.

FLUGZEUGE AM FLUGHAFEN

Flugzeuge haben für mich etwas Besonderes, weil sie für mich vor allem mit einem Gefühl verbunden sind: Fernweh. Oft, wenn ich entweder zu Hause im Garten oder im Büro aus dem Fenster heraus den in die Wolken steigenden Fliegern nachschaue, denke ich mir: Wo fliegen die wohl hin? Wie wäre es, jetzt selber da drin zu sitzen? Und auch wenn ich beruflich tatsächlich immer mal wieder selber drin sitze, so ist es für mich nach wie vor etwas Besonderes, am Flughafen zu sein.

Foto-Skizze: Flugzeuge am Flughafen
Foto-Skizze: Flugzeuge am Flughafen

Ich möchte versuchen, dieses Gefühl irgendwie im Bild festzuhalten. Es gibt am und um den Frankfurter Flughafen eine Reihe von Fotostandpunkten, die sich dafür anbieten. Bis jetzt ist es hier aber bei der Theorie, der Recherche, geblieben – das will ich nächstes Jahr ändern. Also raus an den Flughafen und schauen, wie sich die verschiedenen Perspektiven dann tatsächlich darstellen. Dafür werde ich dann auf jeden Fall mein Teleobjektiv und mein Immerdrauf mitnehmen – und ein Stativ.

WEITERE IDEEN

Ich habe natürlich noch mehr Ideen, auch wenn diese noch nicht so konkret oder ausgereift sind wie die oben vorgestellten und es daher noch nicht in das Stadium Skizze/ Fotowand geschafft haben. Zum Beispiel gibt es hier in Darmstadt mit dem Vivarium einen kleinen, aber feinen Zoo. Vom Schmetterling bis zum Känguru finden sich hier eine Menge potentieller Motive, so dass ich dort unbedingt mal auf die „Pirsch“ gehen will.

Auch im Eisenbahnmuseum werde ich auf jeden Fall wieder nach schönen Motiven suchen, mit besonderen Lichtstimmungen – zum Beispiel wenn die untergehende Sonne den Lokschuppen durch die alten Fenster in orangefarbenes Streiflicht taucht. Oder hinter den Kulissen, mit Einblicken die sonst eher im Verborgenen liegen.

Darüber hinaus halte ich Augen und Kopf offen für weitere Ideen, die sich im Laufe des Jahres ergeben…

KALENDER 2018

Ein Projekt, an dem ich definitiv wieder arbeiten möchte, ist ein Fotokalender. Für 2017 hatte ich aus einem „best of“ meiner Fotos aus dem Zeitraum Oktober 2015 – Oktober 2016 einen Kalender zusammengestellt, mit dem ich einigen Freunden eine große Freude machen konnte. Auch, weil viele Bilder in Größe DIN A2 nochmal eine ganz andere Wirkung entfalten als auf einem kleinen Bildschirm betrachtet. Mit hat dabei besonders die Herausforderung gefallen, für jeden Monat ein passendes Motiv zu finden.

Für 2018 möchte ich das deshalb wieder angehen. Dieses Mal stelle ich mir die Aufgabe, einen Kalender mit Fotos im Hochformat zu gestalten. Ein paar Bilder aus diesem Jahr habe ich bereits in die engere Auswahl genommen – auch wenn es vermutlich nicht alle davon am Ende tatsächlich in den Kalender schaffen werden, weil mit den Schmiede-/Feuermotiven bereits ein paar recht ähnliche dabei sind. Die endgültige Entscheidung werde ich aber erst treffen wenn ich alle Bilder zusammen habe, damit sie am Ende auch zueinander passen.

Kalender 2018
Kalender 2018: Die ersten Kandidaten

Natürlich werde ich auch Ideen von der Fotowand für den Kalender nutzen, auch wenn sich nicht alle Motive einfach so ins Hochformat übertragen lassen. Aber gerade in dieser Herausforderung liegt ja auch der Reiz…

Seid gespannt!
– Jochen =8-)

Bildnachweis: Alle Skizzen und Fotos: eigene Bilder.

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.