Meine Ausrüstung: Die Weiße Lady – Canon EF 70-200 mm f/2.8 L USM

Canon EF 70-200mm ƒ/2.8 L USM an der Canon 760D

Auf der Suche nach einem offenblendigen Zoom-Objektiv für Portraits und andere Gelegenheiten, bei denen die Kombination aus langer Brennweite und hoher Lichtstärke nützlich ist, hatte ich kurz vor Weihnachten 2016 das Sigma A 50-100 mm ƒ/1.8 ausgeliehen und ausprobiert. Das Objektiv war von der Bildqualität her überragend, aber ich wollte auf jeden Fall auch noch eines der klassischen 70-200 mm Objektive zum Vergleich testen.

Diese Möglichkeit ergab sich nun dadurch, dass ein befreundeter Fotograf ein solches Objektiv – gebraucht, aber in perfektem Zustand – verkaufte. Bei dieser Gelegenheit habe ich direkt zugegriffen und konnte inzwischen einige Erfahrungen damit sammeln.

CANON EF 70-200 mm ƒ/2.8 L USM

Es handelt sich dabei um die Ursprungsvariante des Objektivs ohne Bildstabilisator, die Canon seit 1995 ununterbrochen herstellt. Man erhält es aktuell (August 2017) neu für ca. 1.200,- €; gebraucht wird es je nach Zustand zwischen 600,- € und 800,- € gehandelt. Canon hat zwischenzeitlich zwei Nachfolgemodelle herausgebracht, beide mit Bildstabilisator. Während das erste einige Schwächen bei der Bildqualität offenbarte, gilt das aktuelle EF 70-200 mm ƒ/2.8 L IS ii USM als das Maß der Dinge für diese Objektivklasse. Alternativen gibt es von Sigma und Tamron; insbesondere das neue Tamron SP 70-200 mm ƒ/2.8 Di VC USD G2 hat viel Aufmerksamkeit erregt.

Diese Objektive sind alle für die Verwendung an Vollformat-Kameras konstruiert, wo sie ihre Stärken voll ausspielen können. Das heißt natürlich auch, dass sie vergleichsweise groß und schwer sind. Das kompakte Gehäuse meiner 760D machte einen etwas verlorenen Eindruck, wie es da so am Objektivanschluss hing…

AUSSTATTUNG

Mit dem ‚L‘ bezeichnet Canon seit den 1970er Jahren Objektive, in denen besondere Techniken zum Einsatz kommen, die für geringe Verzerrung, große Bildschärfe und hohe Farbtreue sorgen. Seither hat sich das ‚L‘ zum Synonym für hochwertige Profi-Objektiv entwickelt. Besonders auffällig ist dabei die weiße Farbgebung bei den Objektiven mit langer Brennweite. Da diese primär für die Sport- und Wildtierfotografie gedacht sind, mithin draußen genutzt werden, soll das übermäßige Erhitzung bei starker Sonneneinstrahlung vermeiden.

Für den harten Alltagseinsatz gedacht, ist das Objektiv entsprechend robust gebaut. Das Gehäuse ist komplett aus Metall gefertigt, was mit einem Gewicht von rund 1,3 kg einhergeht, aber auch einen entsprechend stabilen Eindruck vermittelt. Die Ursprungsversion ist allerdings noch nicht wetterfest. Natürlich gehört in dieser Größenklasse eine stabile und verstellbare Stativschelle dazu.

Schalter gibt es zwei Stück: einen für den Autofokus, wobei manuelles Eingreifen in den Fokus jederzeit möglich ist, und einen, um den Fokusbereich einzugrenzen. Es kann zwischen den Bereichen 1,5m – ∞ und 3m – ∞ gewählt werden, wobei ich den Schalter immer auf der ersten Einstellung gelassen habe.

Canon 70-200mm ƒ/2.8 L mit Objektivtasche
Canon EF 70-200mm ƒ/2.8 L USM mit Objektivtasche

Vervollständigt wird das Erscheinungsbild durch die der langen Brennweite entsprechend tiefe Gegenlichtblende. Außerdem gehört noch eine gepolsterte Objektivtasche mit Gürtelschlaufe und Umhängegurt dazu. Das Objektiv ist meinem Empfinden nach eindeutig zu schwer, um es noch am Gürtel zu tragen. Aber mit der Tasche ist es auch beim Transport im Rucksack gut geschützt.

EINSATZ UND ERGEBNISSE

Ein 70-200 mm mit Blende ƒ/2.8 ist der Klassiker zum Fotografieren auf Veranstaltungen und Feiern. Der Zoom gibt einem die nötige Flexibilität, um Personen in ständig wechselnden Entfernungen einzufangen; gleichzeitig erlaubt es die große Offenblende stets, das Motiv vom Hintergrund abzuheben. Wer eine Vollformatkamera besitzt und öfters bei solchen Gelegenheiten fotografiert, für den führt eigentlich kein Weg an einem solchen Objektiv vorbei.

Dass bei diesem Objektiv der Bildstabilisator fehlt, hat mich tatsächlich nie gestört. Dieser verringert das Risiko, dass Bilder unscharf werden, weil man beim Fotografieren mit längeren Verschlusszeiten gewackelt hat. Wenn man Menschen fotografiert, besonders auf Feiern wo erzählt und gelacht wird, treten Unschärfen im Bild allerdings in erster Linie dadurch auf, dass die Leute sich bewegen. Aus diesem Grund muss man die Belichtungszeit eh recht kurz halten. Ich persönlich halte mich an 1/100 Sekunde als Richtwert; in Ausnahmefällen geht auch mal 1/60. Bei den Fotos, die ich am Ende aussortiert habe, war das Verhältnis Bewegungsunschärfe zu Kamerawackeln etwa 9:1.

Für mich mit meiner APS-C Kamera zeigten sich aber auch einige Nachteile. Bei einem Formatfaktor von 1,6 entsprechen die 70 mm am kurzen Ende schon dem Bildausschnitt bei 110 mm an einer Vollformatkamera – und damit kommt man in geschlossenen Räumen kaum noch weit genug weg, um den gewünschten Bildausschnitt einzufangen. Außerdem wird durch den kleineren Sensor mit Blende ƒ/2.8 der Hintergrund natürlich nicht so weichgezeichnet wie beim gleichen Bildausschnitt am Vollformat. Damit ergeben sich gerade bei den zwei Punkten, die eigentlich die Stärken des Objektivs sind, deutliche Abstriche.

VERGLEICH MIT DEM SIGMA 50-100 mm ƒ/1.8

Für eine direkte Gegenüberstellung des Vollformat-Objektivs Canon 70-200 mm ƒ/2.8 L mit dem speziell für APS-C Kameras gedachten Sigma 50-100 mm ƒ/1.8 Art durfte ich wieder einmal in die Schatzkiste meiner Frau greifen. Die Puppe mit dem Kinderkleid war ca. vier Meter von der Kamera entfernt; der Busch im Hintergrund weitere sieben Meter dahinter. Alle Bilder wurden mit der Canon 760D auf einem Stativ aufgenommen; die Fotos zeigen jeweils den vollen Bildausschnitt.

Zum Vergleich die beiden folgenden Bilderreihen mit den Brennweiten, die beide Objektive abdecken: 70 mm und 100 mm. Ich habe mit jeweils ein Bild bei ƒ/2.8 aufgenommen und mit dem Sigma ein weiteres bei ƒ/1.8. Wie zu erwarten, sind die Bilder bei gleichen Einstellungen praktisch identisch. Bei dem Bild mit ƒ/1.8 sieht man dafür den deutlichen unschärferen Hintergrund, den die offenere Blende des Sigma liefert.

Vergleich Sigma 50-100 mm und Canon 70-200 mm bei 70 mm
Vergleich Sigma 50-100 mm und Canon 70-200 mm bei 70 mm

 

Vergleich Sigma 50-100 mm und Canon 70-200 mm bei 100 mm
Vergleich Sigma 50-100 mm und Canon 70-200 mm bei 100 mm

Zum Abschluss noch ein Vergleich der Brennweiten, die jeweils nur ein Objektiv unterstützt: 50 mm bzw. 200 mm. Der Unterschied ist natürlich vor allem bei 200 mm extrem. An einer APS-C Kamera ist diese Brennweite aber nur im Freien – oder wirklich großen Räumen – sinnvoll nutzbar. Hier bevorzuge ich eindeutig den Bereich, den das Sigma abdeckt. 50 mm, das entspricht dem Bildausschnitt bei 80 mm am Vollformat. Damit sind auf deutlich kürzere Entfernungen schon schöne Aufnahmen möglich, und man kommt so auch in engen Räumen wie einem Restaurant zurecht. Für mich ist das der deutlich häufigere Anwendungsfall. Zumal mir die große Offenblende auch noch bessere Ergebnisse bei schlechten Lichtverhältnissen ermöglicht.

Vergleich Sigma 50-100 mm bei 50 mm und Sigma 70-200 mm bei 200 mm
Vergleich Sigma 50-100 mm bei 50 mm und Sigma 70-200 mm bei 200 mm

ALTERNATIVEN

Da das 70-200 mm ƒ/2.8 ein absoluter Klassiker für Event-Fotografen ist, wird es auch von praktisch allen namhaften Herstellern angeboten. Für Canon-Kameras gibt es außer den beiden hauseigenen Objektiven (das „L USM“ ohne, und das „L IS ii USM“ mit Bildstabilisator) noch die Alternativen von Tamron („SP Di VC USD G2“) und Sigma („EX DG OS HSM“). Das Sigma ist das günstigste der vier, kann aber, wenn man den Reviews im Internet glaubt, mit den anderen nicht mehr mithalten. Dasselbe gilt für das ältere Vorgängermodell von Tamrons aktuellem „G2“.

Wer sich für so ein Objektiv interessiert, für den läuft es derzeit auf eine Entscheidung zwischen dem Canon „L IS ii“ und dem Tamron „G2“ hinaus. Das zweite kostet neu so viel wie das erste gebraucht. Von der Bildqualität her scheint es praktisch keine Unterschiede zu geben; dem Tamron wird aber deutliches „focus breathing“ angekreidet. Das heißt, dass sich bei kurzen Entfernungen zum Motiv die tatsächliche Brennweite verkürzt, was auf Kosten des Bokeh geht. Dazu gibt es viele sehr lange Diskussionen im Netz; wer sich dafür interessiert, dem empfehle ich die (englischen) Videos von Dustin Abbott zu dem Thema. Vom Neupreis her bietet das Tamron aber auf jeden Fall das bessere Preis-Leistungs-Verhältnis, wenn man auf die vollen 200 mm bei kurzem Motivabstand nicht zwingend angewiesen ist.


FAZIT

Empfehlung: Ich habe mich gerade aus verschiedenen Gründen dafür entschieden, bei APS-C zu bleiben. Daher habe ich das 70-200er nun wieder verkauft und mir stattdessen das bereits getestete Sigma 50-100 mm ƒ/1.8 zugelegt. Das deckt einen für mich viel besser nutzbaren Brennweitenbereich ab und lässt zudem deutlich mehr Licht auf den Sensor.

Wer eine Vollformat-Kamera besitzt, oder den längeren Brennweiten-Bereich bevorzugt, der bekommt mit dem alten Canon L USM ohne Bildstabilisator ein robustes und sehr leistungsstarkes Objektiv. Da es nahezu unverwüstlich ist, kann man es guten Gewissens zu einem günstigen Preis gebraucht kaufen.

Was ich gelernt habe: Nur, weil jeder sagt, „das Objektiv ist ein Muss“ oder „weil jeder Profi das hat“, heißt das noch lange nicht, dass es auch das Richtige für mich ist. Ich war jedenfalls froh über die Gelegenheit, beide Objektive (Sigma 50-100 und Canon 70-200) ausgiebig selbst testen zu können. So konnte ich mich so für das entscheiden, das am besten zu meiner Art zu fotografieren passt.

Wer vor einer ähnlichen Entscheidung steht, sollte daher unbedingt die Möglichkeit nutzen, sich ein Objektiv mal für 1-2 Wochen zu leihen und auszuprobieren. Das bringt wesentlich mehr, als das dreiundzwanzigste Review im Internet anzuschauen. Natürlich kostet die Leihgebühr etwas, aber das ist deutlich weniger als man verliert, wenn man sich ein Objektiv kauft, dann merkt das es nicht das Richtige für einen ist und es wieder verkauft.


LINKS

Bildnachweis: alle Bilder eigene Aufnahmen.


BEISPIELBILDER:

Es sind nicht sehr viele, da ich mit dem Objektiv überwiegend auf Feiern fotografiert habe und somit jeweils das Einverständnis aller abgebildeten Personen für die Veröffentlichung benötigt hätte.

Hmmm, lecker - Pfütze!

 

Scherben bringen Glück

 

Wer hat mein Leckerli?

 

YouTube-Empfehlung: Christopher Frost

Christopher Frost Photography

Als ich angefangen habe, mich nach weiteren Objektiven für meine 760D umzuschauen, war der YouTube-Kanal von Christopher Frost einer der ersten, die ich abonniert habe. Chris ist ein begeisterter Fotograf und angehender Vikar, der in Cardiff lebt. Er bezeichnet sich selbst als „Objektiv-Enthusiast“ und veröffentlicht laufend detaillierte Testberichte.

Genau diese Testberichte habe ich sehr zu schätzen gelernt. Chris geht dabei gewissenhaft und nach einem konsistenten Schema vor, so dass die Berichte auch untereinander vergleichbar sind. Gelegentlich nutzt er dies, um mehrere Videos zu einer „Battle“ zusammenzufassen – zum Beispiel zehn verschiedene 50mm Objektive oder acht Ultra-Weitwinkel. So sieht man nicht nur sehr gut, wie sich ein bestimmtes Objektiv unter verschiedenen Einstellungen oder an unterschiedlichen Kameras verhält, sondern kann die Objektive auch leicht untereinander vergleichen.

Die folgenden Punkte werden von ihm bewertet:

  • Anmutung, Qualität und Ausstattung
  • Bildqualität (Schärfe, Kontrast, chromatische Aberrationen) – und zwar an Vollformat als auch an APS-C soweit möglich sowie bei verschiedenen Blendenstufen und (bei Zoom-Objektiven) Brennweiten.
  • Verzerrung und Vignettierung
  • Bildqualität an der Naheinstellgrenze
  • Verhalten bei Gegenlicht
  • Bokeh

Dabei testet er an Objektiven so ziemlich alles, was auf eine Canon DSLR passt; insbesondere von Drittanbietern. Inzwischen sind so schon über 130 Videos entstanden. Zuletzt hat er sich auch eine spiegellose Kamera zugelegt, so dass er nun auch Objektive speziell für DSLM betrachtet.

Die Videos sind sehr angenehm gemacht und beinhalten neben den immer gleichen Testbildern auch stets einige Beispielbilder und persönliche Erfahrungsberichte. Er ist mit Begeisterung bei der Sache, jedoch ohne dabei zu übertreiben. Die Videos haben mit jeweils fünf bis zehn Minuten eine angenehme Länge. Sein Englisch ist sehr gut zu verstehen. Ich habe mich anhand seiner Tests zum Beispiel für mein Tele-Objektiv, das Tamrom SP 70-300mm ƒ4-5,6 Di VC, entschieden.

PLAYLIST-EMPFEHLUNGEN

  • Canon Objektive – Berichte zu Canons eigenen EF, EF-S und neuerdings auch EF-M Linsen.
  • Sigma Objektive – Objektive aus den aktuellen „Art“, „Contemporary“ und „Sports“ Reihen sowie ältere Modelle
  • Tamron Objektive – Gläser aus dem Hause Tamron
  • Berichte zu weiteren Objektiven – Tests zu Linsen von Irix, Mitakon, Tokina, Venus ‚Laowa‘, Yongnuo und Zeiss sowie einige eigenartige Exemplare

Darüber hinaus hat Chris noch weitere Playlisten, die sich um Musik, Fernsehserien oder sein Engagement in der Kirche drehen.


FAZIT

Empfehlung: Wer angenehm gestaltete, fundierte und informative Testberichte zu Objektiven für Canon-Kameras sucht, ist bei Chris an der richtigen Adresse – große Empfehlung!

Was ich gelernt habe: Gerade durch die Vergleichbarkeit der Tests untereinander habe ich verstanden, wie unterschiedlich sich Objektive hinsichtlich Schärfe und Farbsäumen bei verschiedenen Blenden und Brennweiten unterhalten und auch, wie groß die Unterschiede sein können, wenn man dasselbe Objektiv an einer Vollformat- oder APS-C Kamera nutzt.


LINKS

Titelbild: Screenshot von YouTube

Meine Ausrüstung: Canon 760D

Canon 760D

Seit August 2015 bin ich mit meiner Canon 760D unterwegs. Warum ich mich damals so entschieden habe, und ob ich heute wieder so entscheiden würde, das erfahrt Ihr hier. Aber zuerst gibt es einen kurzen…

KAMERA-RÜCKBLICK

KOMPAKTKAMERAS

Meine erste eigene Kamera war eine Olympus C-700 UZ. Das wesentliche Kaufkriterium dürfte rückblickend der optische 10-fach Zoom (umgerechnet auf Vollformat 38-380mm) gewesen sein. Mit ganzen 2 Megapixeln ging es im Sommer 2001 los mit der Digitalfotografie. Da ich damals im Großen und Ganzen mit der Kamera recht happy war, folgte konsequenter Weise 2004 das Upgrade zum Nachfolgemodell, der Olympus C-750 UZ, mit inzwischen 4 Megapixeln und einigen weiteren Verbesserungen.

Die beiden Kameras haben mich durch etliche Urlaube begleitet, und waren auch oft im Eisenbahnmuseum mit am Start. Dort zeigte sich auch schnell das größte Manko: der Zoom war über einen Motor angetrieben und zu langsam, um mit sich bewegenden Motiven wie etwa einem sich nähernden Zug Schritt halten zu können. In Verbindung mit dem ebenfalls nicht sonderlich schnellen Autofokus habe ich mich oft über verpasste Motive geärgert. So wuchs der Entschluss: was Größeres muss her…

DIE ERSTE SPIEGELREFLEX

Olympus E-510
Olympus E-510

Da ich mit den Kameras (Anmutung, Bedienung, Zuverlässigkeit) und den Bildern damals insgesamt durchaus zufrieden war, bestand für mich kein Anlass die Marke zu wechseln – so landete schließlich 2008 bei der Olympus E-510, zusammen mit ihren beiden Kit-Objektiven: 14-42mm ƒ/3.5-5.6 und 40-150mm ƒ/4.0-5.6. Damit hatte ich insgesamt wieder in etwa einen 10-fach Zoom; umgerechnet aufs Vollformat bei 28-300mm.

Alles in allem war ich mit der E-510 über viele Jahre sehr glücklich. Sie war ein treuer Begleiter auf vielen Reisen und hat mir eine Reihe echt schöner Bilder geliefert. Ich muss allerdings zugeben, dass ich dann doch meistens bei den Automatik-Programmen geblieben bin und mich nie eingehend mit den Grundlagen der Fotografie befasst habe. Ich habe die Möglichkeiten der Kamera wohl nie wirklich ausgenutzt, aber eines wusste ich: bei schlechten Lichtverhältnissen – nachts, oder im dunklen Lokschuppen – war E-510 mit ihren Kit-Objektiven schnell am Limit.

Olympus bot für die E-Reihe damals zwar auch „Profi-Objektive“ an; ich habe den Schritt dann letztlich aber doch nie gewagt – auch weil lange der konkrete Anlass fehlte, etwas an der Situation zu ändern. Genau das änderte sich jedoch letztes Jahr – und somit zu aktuellen…

KAMERA-AUSWAHL

Im Herbst 2015 hatte ich die einmalige Gelegenheit, nach Albuquerque, New Mexico zu reisen. Dort gab es gleich zwei Anlässe zum Fotografieren: zum einen die Albuquerque Balloon Fiesta mit rund 550 Heißluftballons – und zum anderen den Sternenhimmel. Abseits von Albuquerque, am Rande der Wüste und auf rund 2.400 Metern Höhe, ergibt sich ein atemberaubender Blick auf die Milchstraße. So fragte ich mich: Wie fotografiert man das richtig? Und was will ich sonst noch alles fotografieren? Also habe ich mir eine Liste geschrieben:

  • Interessiert mich vor allem („must have“): Landschaften / Städte (inkl. Dämmerung/-Nachtaufnahmen), Makros, Sternenhimmel und Mond, Innenaufnahmen auch in eher dunklen Räumen (z.B. Lokschuppen Eisenbahnmuseum)
  • Interessiert mich mäßig („nice to have“): Bilder bei Veranstaltungen (Gruppenfotos), Videos filmen
  • Interessiert mich weniger (nicht relevant für die Auswahl): „klassische“ Portraits, Sport/Action, Vögel/Tiere

Dann habe ich das Internet angeworfen und wurde zunächst schier erschlagen von der Informationsflut. Zu der Zeit habe ich vor allem YouTube als wertvolle Informationsquelle entdeckt. Mein Verdacht, mit der guten alten E-510 dabei nicht mehr weit zu kommen, wurde schnell bestätigt. Also formuliert ich meine Auswahlkriterien für eine neue Kamera:

  • Möglichst große Auswahl von Objektiven
  • Gute Bedienbarkeit
  • Großes Display
  • Gute Bildqualität, auch bei ungünstigen Lichtverhältnissen
  • Verfügbares Zubehör, auch von Drittanbietern
  • Erschwinglichkeit – mein verfügbares Budget damals waren rund 1.500,- €

APS-C ODER VOLLFORMAT

Die erste Entscheidung, die es zu treffen galt, war die über das Kamerasystem. Bedingt durch den letzten Punkt auf meiner Liste schien Vollformat für mich damals außer Reichweite. Da ich mir von Anfang an mehr als ein Objektiv leisten können wollte, der Flexibilität wegen, habe ich mich schließlich für das kleinere (und erschwinglichere) APS-C Format entschieden. Das habe ich bis heute auch nicht bereut. Ob ich bei langfristigerer Planung nicht vielleicht doch zur Canon 6D gegriffen hätte – schwer zu sagen. Die Situationen, wo eine Vollformat-Kamera ihre Stärken gegenüber APS-C ausspielen kann – im Dunkeln, oder beim Freistellen von Motiven – machen bei meinen Fotos dann doch nur eine Minderheit aus.

CANON ODER NIKON (ODER SONY)

Sony hatte ich mir damals vor allem aufgrund des Themas Low-Light Performance angeschaut. Gerade die A7S machte zu der Zeit ja ordentlich Schlagzeilen in der Hinsicht. Die war preislich jedoch weit jenseits meines Horizonts, und bei den kleineren Modellen haben mich insbesondere Bedienbarkeit und Zubehör (Objektivauswahl) nicht überzeugt. Das hat sich inzwischen zwar gebessert, und ich gebe zu die A6500 ist eine durchaus interessante Kamera, nicht zuletzt durch den Bildstabilisator im Gehäuse (den ja auch meine gute alte E-510 schon hatte). Aber 1.700,- € Startpreis?

So habe ich länger zwischen Canon und Nikon geschwankt. Das ist in erster Linie eine Bauchentscheidung, denn die technischen Vor- und Nachteile beider Seiten halten sich in meinen Augen ziemlich die Waage. Mal liegt der eine leicht vorne, mal der andere. Hier der Sensor, da die Objektive. Ich habe mir in einigen Geschäften damals Kameras angeschaut, und danach stand für mich fest: Canon. Vor allem, weil ich mit deren Bedienung besser klargekommen bin. Auch der bessere Video-Autofokus spielte eine Rolle.

70D, 700D, 750D, 760D

Das waren die Modelle, die ich schließlich in die engere Auswahl genommen habe. Die 700D schied als erste aus; sie war vom Preis-Leistungsverhältnis her zwar sehr attraktiv, aber alle Berichte sagten übereinstimmend, dass der Qualitätssprung bei den Nachfolgern 750D/760D erheblich ist. Die kleinere Schwester der beiden, die 750D, war als nächste aus dem Rennen – die zusätzlichen Features der 760D, wie zum Beispiel das Schulterdisplay oder das zweite Einstellrad, waren mir den Aufpreis wert.

Somit blieb die Wahl zwischen der 70D und eben der 760D. Preislich und technisch waren sich die beiden damals recht nah. In verschiedenen Vergleichstests kam die 760D jedoch bei den Dingen die mich interessieren leicht besser weg – somit war die Entscheidung gefallen.

Und ich bin bis heute glücklich damit! Die Kamera liegt gut in der Hand, ist einfach zu bedienen und bietet gerade mit dem dreh- und schwenkbaren Touch-Display oder der Fernsteuerung per WLAN einen sehr guten Funktionsumfang. Das Wichtigste: ich bin mit der Bildqualität mehr als zufrieden. Ich würde diese Entscheidung unter der damals gegebenen Auswahl auch heute wieder so treffen.

Dazu kommt, dass ich inzwischen eine Auswahl an Objektiven habe, mit denen ich alle meine oben genannten Interessen gut abdecken kann. Welche Objektive das im Einzelnen sind, darauf werde ich hier in weiteren Posts unter der Überschrift „Meine Ausrüstung“ noch eingehen.

UND HEUTE…?

Was mich betrifft, so hat sich für mich seither eigentlich nur eine Randbedingung entscheidend geändert, und das ist die Kameraauswahl. Denn seit rund einem halben Jahr gibt es die Canon 80D, die technisch nochmal eine Schippe drauflegt – vor allem beim Thema Autofokus – und deutlich mehr Funktionen bietet als die 760D. Ein halbes Jahr nach Markteinführung ist der Preis der 80D inzwischen um ein gutes Drittel und somit auf ein akzeptables Niveau gefallen. Zukünftiges Upgrade nicht ausgeschlossen.

WAS IST JETZT RICHTIG FÜR EUCH?

Das lässt sich pauschal nicht beantworten. Welche Kamera die beste für Euch ist, hängt immer davon ab, was Ihr damit machen wollt. Deswegen: macht Euch Listen. Schreibt Euch auf, was Euch interessiert, was Ihr fotografieren wollt – jetzt und in den nächsten Jahren. Denn ein Kamerakauf ist ja in der Regel eine längerfristige Entscheidung. Welche Punkte sind Euch an der Kamera selbst wichtig? Welches Budget habt Ihr? Dabei auch immer die Möglichkeit im Auge behalten, sich eine gebrauchte Kamera zu kaufen. Bei einigen Objektiven habe ich das gemacht, und so eine Menge Geld gespart, ohne Abstriche bei der Qualität.

Bei den Links unten habe ich Euch noch die Überlegungen einiger bekannter Fotografen zum Thema Kameraauswahl verlinkt. Schaut sie euch an – und werft dabei immer wieder einen Blick auf Eure Listen.


FAZIT

Empfehlung: Unter der damals gegebenen Auswahl würde ich mich jederzeit wieder für die Canon 760D entscheiden. Aus heutiger Sicht (Oktober 2016) bevorzuge ich ganz klar die Canon 80D. Wer mit Nikon besser zurecht kommt, sollte sich die D7200 anschauen.

Was ich gelernt habe: Es gibt nicht „die eine beste Kamera“ – man muss sich in erster Linie fragen: Was will ich damit fotografieren? Es gibt für viele Anwendungen Kameras, die speziell dafür ausgelegt sind – ihre (teuren) Stärken dann aber auch nur dort ausspielen können. Für mich passt eben am besten ein Allrounder.


LINKS

LINKS AUF ENGLISCH:

Bildnachweis: Titelbild (Canon 760D), Olympus E-510: eigene Aufnahmen

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.