Buchempfehlung: Tony Northrup – Stunning Digital Photography

Book Cover: Stunning Digital Photography (www.northrup.photo)

Ein umfangreiches Fotografie-Buch, das gleichzeitig Video-Tutorial und Foto-Community ist, gibt’s das? Ja, gibt’s tatsächlich. Zumindest auf Englisch: Tony Northrup spannt mit seinem Buch „Stunning Digital Photography“ (SDP) den großen Bogen von Anleitungen für Einsteiger bis hin zu Tipps für Fortgeschrittenen, und das praktisch quer durch alle Disziplinen der Fotografie.

Als ich damals angefangen habe, mich intensiver mit der Fotografie zu beschäftigen, habe ich vor allem eins gesucht: Orientierung. Welche Möglichkeiten gibt’s überhaupt? Was braucht man wofür? Wo fängt man am besten an? Nachdem ich für die Auswahl meiner Kamera und Objektive, sowie für das Thema „Milchstraße fotografieren“ YouTube als Informationsquelle entdeckt hatte, bin ich dort auch recht schnell auf die zahlreichen Videos im Kanal von Chelsea & Tony Northrup gestoßen – und dadurch auf das Buch.

SDP: EINES FÜR ALLES

Das Buch gibt es in allen möglichen Formaten: als gebundene Ausgabe oder als Ebook für alle gängigen Reader. Ich empfehle unbedingt die Ebook-Variante, denn hier sind die zahlreichen Videos mit Beispielen und Anleitungen direkt verlinkt, so dass man zwischen Lesen und Schauen hin- und herspringen kann. Das macht das Buch sehr lebendig, denn in den Videos werden die Auswirkungen verschiedener Einstellungen sehr viel anschaulicher dargestellt als dies lediglich mit ein paar Bildern im Buch möglich wäre. Gerade das macht für mich den großen Reiz aus und war letztlich ausschlaggebend für den Kauf.

Ein weiterer Vorteil hier ist, dass das Buch nicht „fertig“ ist – es werden immer mal wieder Kapitel und Videos aktualisiert, oder es kommen neuen hinzu. Und hat man das Buch einmal erworben, hat man auch automatisch Zugriff auf alle folgenden Aktualisierungen, die man dann einfach von der Homepage herunterladen kann.

BUCHAUFBAU

Das Buch beginnt mit einigen allgemeinen Kapiteln: den „Quick Tips“ für Schnelleinsteiger, gefolgt von Abschnitten zu Bildaufbau, Licht und Blitz, sowie Kamerabedienung im Allgemeinen. Hier werden viele Grundbegriffe erläutert wie etwa die Wirkung von Brennweite, Blickwinkel und Lichteinfall auf ein Bild. Ergänzend zu den allgemeinen Bedienungshinweisen bietet Tony für viele populäre Kameramodelle jeweils ca. einstündige Tutorials an, in denen ausführlich auf die Bedienung der jeweiligen Kamera und ihre Besonderheiten eingegangen wird. Der allgemeine Abschnitt wird abgeschlossen mit einem „Trouble Shooting“ Kapitel, in dem den Ursachen für unscharfe Bilder oder verfälschte Farben nachgegangen wird.

Dann folgt eine ganze Reihe von Kapiteln, die sich, aufbauend auf den zuvor geschaffenen Grundlagen, ausführlich speziellen Themen widmen: Portraits, Hochzeiten, Tiere, Landschaften, Nachtaufnahmen, HDR-Bilder, Makro-/Nahaufnahmen und schließlich Unterwasser-Fotografie. In jedem dieser Abschnitte gibt es neben einleitenden Hinweisen dann spezifische Tipps zur Planung von Fotos, Kameraeinstellungen, Ausrüstung und leicht zu vermeidenden Fehlern. In vielen Kapiteln gibt es zudem ein kleines Quiz, mit dem man einfach schauen kann, wie viel des Gelesenen und Gesehenen man bereits verinnerlicht hat.

DIE VIDEOS

Die Videos sind allesamt gut gemacht – mit zwei bis fünf Minuten haben die meisten von ihnen eine angenehme Länge; bei komplexen Themen können es auch mal zehn Minuten werden. Viele der Videos sind auf dem YouTube-Kanal frei zugänglich; es gibt aber auch etliche, an die man nur über die Links aus dem Buch kommt, so dass man hier einen echten Mehrwert hat. Ich finde das Englisch von Chelsea und Tony gut zu verstehen. Zudem haben die meisten Videos inzwischen auch Untertitel, die man zusätzlich einblenden kann.

Jedes Video betrachtet ein spezielles Thema und stellt es anschaulich dar. Das kann ein Stück Theorie sein, wie etwa die Wirkung der Blendeneinstellung auf das Foto, oder praktische Hinweise, etwa zum Fotografieren von Vögeln. Auch heute noch greife ich immer wieder gezielt auf einzelne Videos aus dem Buch zu, wenn ich etwas Bestimmtes ausprobieren oder wissen will.

FACEBOOK-GRUPPE

Wenn Ihr das Buch habt, bekommt Ihr auch Zugang zur geschlossenen Facebook-Gruppe „Stunning Digital Photography Readers“. Hier könnt Ihr eigene Bilder hochladen und so direkte Rückmeldungen aus dieser recht großen Community bekommen. Die Erfahrung zeigt: Je konkreter die Fragen sind, die Ihr zum eigenen Bild stellt, umso bessere Rückmeldungen erhaltet Ihr. Zudem bieten die zahlreichen Bilder anderer Fotografen Inspirationen für eigene Foto-Versuche. Auch dafür hat sich aus meiner Sicht die Investition in das Buch gelohnt.

WEITERFÜHRENDES

In „Stunning Digital Photography“ geht es in erster Linie um das Machen der Bilder. Was hier nur ansatzweise behandelt wird, ist die Nachbearbeitung. Das ist auch in Ordnung aus meiner Sicht, denn es würde zum einen den Rahmen des Buches sprengen und ist zudem stark von der verwendeten Software abhängig. Wer auf die Programme von Adobe setzt, für den haben Chelsea und Tony weitere Bücher speziell für Lightroom und Photoshop im Angebot, die ähnlich aufgebaut sind wie SDP. Auch hier sind viele, aber lange nicht alle Videos auf YouTube frei zugänglich.

Falls Euch die Erläuterungen zur Theorie des Fotografierens in SDP, egal ob z.B. Bildaufbau oder Kameratechnik, nicht weit genug gehen, oder falls Ihr schlicht neugierig geworden seid, dann schaut Euch unbedingt die Vorlesungsreihe Digitale Fotografie von Mark Levoy an.

VERGLEICHBARES AUF DEUTSCH

Etwas Vergleichbares – im Sinne von „alles aus einer Hand“ – ist mir bislang auf Deutsch noch nicht untergekommen. Natürlich gibt es auch hier ein weit gefächertes Angebot an YouTube-Videos und Büchern, zum Beispiel von Stephan WiesnerBenjamin Jaworskyj und Frank Fischer. Die einzelnen Themen sind hier ebenfalls gut aufbereitet und präsentiert; es fehlt jedoch die allumfassende Klammer, die alles miteinander verbindet. Dies ist nicht zuletzt der Tatsache geschuldet, dass jeder Fotograf seine Spezialgebiete hat, die er besonders gut präsentiert und dafür andere Themen auslässt.


FAZIT

Empfehlung: Wenn für Euch Englisch kein Ausschlusskriterium ist, dann kann ich Euch „Stunning Digital Photography“ auf jeden Fall als Rundum-Paket empfehlen.

Was ich gelernt habe: Das Buch, und viel mehr noch die darin enthaltenen Videos, haben mir einen sehr guten Überblick sowohl über die Grundlagen als auch das ganze Spektrum der Fotografie gegeben. Gleichwohl habe ich im Vergleich mit den Anleitungen anderer Fotografen gelernt, nicht alles aus dem Buch und den Videos ungeprüft zu übernehmen, sondern Dinge auch zu hinterfragen und die für mich passenden Anregungen zu übernehmen. Um es mit Stephan Wiesner zu sagen: nicht glauben, ausprobieren!


LINKS

Titelbild: Buchtitel; Quelle: http://northrup.photo/

Buchempfehlung: Stephan Wiesner – Landschaftsfotografie Tutorial

Stephan Wiesner: Landschaftsfotografie - Tutorial (Buch)

Hallo zusammen.

Allen, die an der Stelle schmunzeln, brauche ich eigentlich nicht mehr viel zu erzählen. Denn dann kennt Ihr Stephan, wie ich, durch seinen YouTube-Kanal, auf den ich im Laufe der Zeit hier noch öfter su sprechen kommen werde. Aber nun zum Buch.

RAUSGEHEN. AUSPROBIEREN.

Das ist mit das Wichtigste, was das Buch vermittelt: Landschaftsfotos entstehen nicht durchs Lesen auf dem Sofa. Stephan weckt die Lust am Rausgehen und nimmt einen regelrecht mit. Es wird nicht nur Theorie vermittelt; sondern das Buch bietet vor allem eigene Erlebnisberichte und Lernerfahrungen. Das beinhaltet das Lernen aus eigenen Fehlern. Stephan ist nicht der „unnahbare Experte“, sondern lässt den Leser augenzwinkernd und selbstkritisch an den eigenen Abenteuern teilhaben. Dadurch wirkt es sehr lebendig und vor allem authentisch; es wird anschaulich beschrieben warum bestimmte Dinge so Sinn machen, wie sie vermittelt werden, und anders eben vielleicht nicht.

Und das ist es, was dieses Bauch aus der breiten Masse heraushebt: der Schreibstil – er folgt seiner angenehmen, aus den YouTube-Videos bekannten Art. Und wer seinen Kanal kennt, wird beim Lesen unweigerlich seine Stimme im Ohr haben.

Rein technisch gesehen erfindet Stephan das Thema Landschaftsfotografie dabei nicht neu. Stephan geht natürlich auch auf die Grundlagen zu Bildaufbau, Blende, Belichtung, Fokussierung etc. ein. Aber er bindet sie praxisnah in seine Erzählungen ein und verliert sich so nicht in grauer Theorie.

In erster Linie ist es tatsächlich ein Praxis-Buch: es inspiriert, regt zum Nachdenken an und beinhaltet eine ganze Reihe von „Hausaufgaben“ – die eigentlich „Rausaufgaben“ heißen müssten. Dazu gehört die Erkenntnis: Beeindruckende Bilder und Bequemlichkeit gehen selten zusammen. So etwas erfordert Planung, frühes Aufstehen (oder spätes Schlafengehen, gelegentlich beides), und gerne auch mal wetterfeste Kleidung. Und das ist das Wesentliche: weder (Kamera-)Ausrüstung noch Wohnort zählen als Ausrede. Zu sehen gibt es überall etwas. Und so gibt es auch für das „wo“ und „wann“ die passenden Tipps.

Somit wächst die Erkenntnis, dass das Wesentliche gar nicht so sehr das Drücken des Auslösers ist – sondern die Vorbereitung und die Planung. Insbesondere sich mal eingehend Gedanken darüber zu machen: Was will ich eigentlich fotografieren? Welche Geschichte will ich erzählen, welche Stimmung rüberbringen? Viele dieser Überlegungen treffen nicht nur auf Landschaften zu, sondern lassen sich auf viele andere Motive übertragen – somit reicht das Buch in meinen Augen weit über das eigentliche Kernthema hinaus.

Ich hatte beim Lesen jedenfalls ständig das Gefühl, Stephan schaut mir über die Schulter und sagt: So, und jetzt: machen. Man bekommt auf angenehme Weise ein schlechtes Gewissen. Immerhin: einige Punkte auf meiner Fotowand sind schon abgehakt.


FAZIT

Empfehlung: Absolute Kaufempfehlung.

Was ich gelernt habe: Das Bild entsteht nicht in der Kamera, sondern im Kopf dahinter. Ideen sammeln, planen, und dann eben: rausgehen und ausprobieren. Sich merken was klappt, und – wichtiger noch – sich merken was nicht klappt, und warum.


LINKS

Titelbild: Buchtitel; Quelle: http://stephanwiesner.de

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.