Bilder in Bewegung: Zeitraffer-Aufnahmen – Nachbearbeitung

Zeitraffer

In den beiden ersten Teilen der Serie ging es darum, wie man mit verschiedenen Kameras die Bilder für eine Zeitrafferaufnahme macht. Für einen längeren Clip kommen dabei schnell ein paar tausend Fotos zusammen. Um diese nun in ein fertiges Video umzuwandeln, gibt es zahlreiche Programme für jedes Betriebssystem. Vom Prinzip her funktionieren diese alle gleich; sie unterscheiden sich beim Funktionsumfang, dem Bedienungskomfort und natürlich dem Preis. Ich möchte hier die beiden Methoden vorstellen, die ich üblicherweise nutze: die schnelle und einfache Variante mit Adobe Photoshop ohne weitere Bearbeitung der Bilder, sowie den Workflow mit der Kombination aus Adobe Lightroom und LRTimelapse, der umfassende Möglichkeiten zur Optimierung bietet des fertigen Videos bietet.

WIE AUS 2.000 FOTOS EIN FILM WIRD

Starten wir mit dem einfachen Fall: die Bilder liegen bereits alle im JPEG-Format vor, so wie das zum Beispiel bei Zeitraffer-Aufnahmen mit meiner alten GoPro der Fall ist. Wer von Adobe das Creative Cloud Foto-Abo nutzt, hat neben Lightroom auch Photoshop zur Verfügung. In Photoshop einfach über Datei → Öffnen das erste Bild auswählen und im Öffnen-Dialog bei den Optionen den Haken für Bildsequenz setzen. Photoshop fragt dann im nächsten Schritt nach der Bildwiederholrate, und anschließend kann man direkt den Film im gewünschten Format exportieren. Wer nur Lightroom nutzt, findet im Internet eine Reihe von Skripten, die im Prinzip dasselbe machen.

Bildsequenz in Photoshop öffnen
Bildsequenz in Adobe Photoshop CC öffnen

Außerdem gibt es eine Vielzahl weiterer Bildbearbeitungsprogramme, die eine solche Funktion anbieten. Ohne sie selber ausprobiert zu haben, möchte ich zumindest das in Java geschriebene Open-Source-Tool ImageJ und die Software Panolapse nennen. Beide laufen sowohl auf MacOS X als auch auf Windows.

Ich möchte noch eine weitere Möglichkeit nennen, die langjährigen Apple-Nutzern zur Verfügung steht: Wer in seinen Archiven noch einen Registrierungscode für die Pro-Version des alten QuickTime Player 7 hat, kann sich die letzte Version von QuickTime 7 von der Apple-Homepage herunterladen. Man kann zwar keine neuen Lizenzschlüssel mehr kaufen, aber die alten funktionieren noch. Nachdem man die Pro-Version aktiviert hat, steht im Menü Datei die Option Bildsequenz öffnen zur Verfügung. Dort einfach das erste Bild der Sequenz auswählen. Es folgt eine Abfrage für die gewünschte Bildwiederholrate, und nach einem kurzen Moment lässt sich das Video bereits anschauen. Anschließend lässt es sich im Apple-üblichen QuickTime-Format (H.264) als Videodatei speichern.

BEARBEITUNG DER EINZELFOTOS

Vor der Umwandlung zum Film bietet sich noch die Gelegenheit, die Bilder zu bearbeiten. Hat man im RAW-Format fotografiert, so stehen einem hierfür die vollen Möglichkeiten zu Verfügung. Insbesondere in den sehr hellen und den sehr dunklen Bildbereichen lassen sich so viele Details herausholen. Zudem kann man Weißabgleich, Kontrast und Farbwiedergabe den eigenen Wünschen entsprechend optimieren.

Damit ergibt sich die Herausforderung, die Bilder so konsistent zu bearbeiten, dass hinterher ein möglichst gleichmäßiger Film dabei herauskommt. Man braucht also ein Programm, das es erlaubt, an einem Foto gemachte Änderungen auf den Rest der Bildreihe zu übertragen.

In Adobe Lightroom geht das am besten, wenn man ein Bild etwa aus der Mitte der Sequenz bearbeitet und dann die Entwicklungseinstellungen auf alle Fotos synchronisiert. Das funktioniert sehr gut, solange sich die gemachten Änderungen für alle Bilder etwa gleich gut eignen. Dabei sollte man die Aufnahmen auch direkt im Seitenverhältnis 16:9 zuschneiden. Nachdem man alle Dateien in der Größe 3840×2160 Pixel (4K-Auflösung) oder 1920×1080 Pixel (Full HD) als JPEG exportiert hat, kann man den Bilderstapel wie oben beschrieben in ein Video umwandeln.

WORKFLOW MIT LRTIMELAPSE 4

Will man die Bilderreihe für die Zeitrafferaufnahme umfangreicher bearbeiten, reicht ein übliches Bildbearbeitungsprogramm alleine nicht mehr aus – denn die Schwierigkeit liegt ja darin, die Anpassungen der einzelnen Fotos so aufeinander abzustimmen, dass am Ende im Video keine plötzlichen Helligkeits- oder Farbänderungen auftreten. Solche sind unvermeidlich, wenn man z.B. im Verlauf der Dämmerung die Verschlusszeit und den ISO-Wert ändert, um die Belichtung anzupassen. Videos von Sonnenauf- oder -untergängen werden daher auch als der „Heilige Gral“ der Zeitraffer bezeichnet.

Für solche Fälle habe ich mir die Software LRTimelapse 4 von Gunther Wegner zugelegt. Diese arbeitet in Verbindung mit Adobe Lightroom und bietet eine Reihe von Funktionen, mit denen sich die erstellten Videos deutlich verbessern lassen. LRTimelapse ist einfach zu bedienen und bietet sehr umfangreiche Möglichkeiten um Anpassungen an den Ausgangsbildern auf die ganze Reihe zu synchronisieren und dabei auch Helligkeitsänderungen im Laufe der Aufnahme anzugleichen. Dabei verändert LRTimelapse die Bilder nicht selbst, sondern berechnet die nötigen Anpassungen für jedes Bild und gibt diese als Metadaten an Lightroom weiter. Die eigentliche Verarbeitung der Bilder erfolgt durch Adobes Camera RAW Engine. Der Prozess läuft wie folgt ab:

  • LRTimelapse starten und den Ordner mit den RAW-Dateien für die Zeitraffer öffnen. Das Programm importiert die Daten und analysiert den Helligkeitsverlauf. Basierend darauf schlägt es eine Anzahl von Keyframes vor, die sich manuell noch anpassen lassen. Üblicherweise setzt man zwischen vier und acht solcher Keyframes.
  • Über einen speziellen Drag&Drop-Button wird die Bildsequenz einfach nach Lightroom importiert. Dort kann man durch Setzen eines vordefinierten Filters die Keyframes auswählen.
  • Diese kann man nun nach Belieben und in vollem Umfang bearbeiten. Man beginnt mit dem ersten Frame und synchronisiert anschließend die vorgenommenen Einstellungen auf alle folgenden Bilder. Dann geht man zum nächsten Foto, nimmt eventuell nötige Anpassungen vor, synchronisiert wieder auf die Folgebilder und so weiter, bis alle Keyframes den eigenen Wünschen entsprechen. Dabei sollte man die Bilder auch gleich auf 16:9 anpassen. So kann man den Bildausschnitt frei wählen; LRTimelapse schneidet sonst automatisch mittig zu.
  • Sind die Keyframes fertig bearbeitet, speichert man die Metadaten als Dateien ab und kehrt zu LRTimelapse zurück.
  • Jetzt kommt der Clou: LRTimelapse berechnet, ausgehend von den Keyframes, automatisch die nötigen Anpassungen für alle übrigen Fotos. So ergeben sich sanfte Übergänge für Helligkeit, Farben und Kontraste. Das dauert einen Moment, dafür kann man sich dann in der Vorschau direkt das Ergebnis anschauen.
  • Zum Feinschliff bietet LRTimelapse noch eine „Deflicker“ (Entflacker) Funktion an, um Helligkeitssprünge zu vermindern. Ich habe auf diese Weise sogar bei Verwendung der Belichtungsautomatik (Blendenvorwahl) der Kamera sehr gute Ergebnisse bei Aufnahmen während der Dämmerung erzielen können.
  • Schließlich werden die Anpassungen für alle Fotos als Metadaten in separaten Dateien (*.xmp) gespeichert.
  • In Lightroom werden diese neuen Metadaten dann geladen und die darin enthaltenen Anpassungen auf die Bilder angewendet.
  • Zuletzt startet man aus Lightroom heraus den Export. Zunächst werden auch hier wieder alle Bilder als JPEG auf die Festplatte gespeichert – bei 2.700 Bildern kann das schonmal ein paar Stunden dauern, zumindest auf einem über sechs Jahre alten Laptop. Danach rendert LRTimelapse aus den JPEGs einen Film mit den gewünschten Einstellungen (Auflösung, Bildwiederholrate, Video-Codec etc.). Das geht relativ schnell, und man kann aus der JPEG-Sequenz immer wieder neue Videos mit anderen Einstellungen erzeugen.

Gunter Wegner bietet ein rund halbstündiges Tutorial-Video (auf Deutsch) an, in dem er ausführlich die Funktionen und Arbeitsweise mit dem Programm erläutert.

BEISPIEL

Das folgende Video zeigt einen Sonnenaufgang über einen Zeitraum von etwa vier Stunden, mit einem Foto alle zehn Sekunden. Aufgenommen wurde der Zeitraffer mit der Canon 760D und dem Radian 2. Für die Aufnahme habe ich die Blende fest auf 2,2 eingestellt, während Verschlusszeit und ISO-Wert von der Kamera automatisch gewählt wurden. Die ersten Bilder entstanden bei 5 Sekunden, ISO 400; die letzten bei 1/4.000 Sekunde, ISO 100. Der Radian 2 hat dabei die Kamera ausgelöst und gedreht.

Die Bilder wurden anschließend wie oben beschrieben in Adobe Lightroom und LRTimelapse 4 bearbeitet. So entstand ein Video mit sehr gleichmäßigen Helligkeits- und Farbübergängen. Die Musik, die aus der freien Musik-Bibliothek von YouTube stammt, habe ich zum Schluss in Adobe PremierePro hinzugefügt.

Noch mehr als die Dämmerung an sich fasziniert mich in dem Video jedoch die Bewegung der Wolken. Es wird sicher nicht mein letzter Film dieser Art gewesen sein; ich werde noch viel mit Zeitintervall, Zeitraum, Ort und Wetter experimentieren…


FAZIT

Empfehlung: Für mich hat sich die Investition in LRTimelapse absolut gelohnt, und ich empfehle es jedem, der sich ernsthaft mit Zeitraffer-Aufnahmen auseinandersetzt. Es gibt auch eine kostenlose Demo-Version, die auf 400 Bilder pro Sequenz beschränkt ist, aber sonst den vollen Funktionsumfang bietet. So kann man gut testen, ob das Programm den eigenen Vorstellungen entspricht.

Was ich gelernt habe: Das Zeitraffer Spaß machen, ist denke ich schon in den ersten Teilen der Serie klar geworden. Mit den passenden Werkzeugen lassen sich auch schwierige Lichtsituationen meistern. So entstehen mit überschaubarem Aufwand kleine Meisterwerke – wieder mal ein „Gewusst, wie“.


LINKS:

Bildnachweis: Titelbild – Screenshot Adobe Lightroom CC; Bildsequenz öffnen – Screenshot Adobe Photoshop CC; YouTube-Video Sonnenaufgang – eigene Aufnahme

Bilder in Bewegung: Zeitraffer-Aufnahmen mit der DSLR/DSLM

Zeitraffer

Dieser Beitrag ist der zweite Teil einer Mini-Serie zum Thema „Zeitraffer“. Der erste Teil beschreibt, wie man Zeitraffer-Videos mit der GoPro (oder einer vergleichbaren Action-Kamera) aufnimmt. Damit kann man bereits ziemlich gute Ergebnisse erzielen, und das mit wenig Aufwand. Um die Aufnahmen noch weiter zu verbessern, gibt es vor allem zwei Ansatzpunkte: freie Wahl der Brennweite und manuelle Kontrolle der Belichtung.

VERBESSERUNGSMÖGLICHKEITEN

Wie schon erwähnt, ist der offensichtlichste Vorteil bei der Nutzung einer Spiegelreflex- oder Systemkamera gegenüber der GoPro die freie Wahl der Brennweite. Dies ermöglicht wiederum andere Perspektiven, da man einzelne Details einer Szene herausheben kann. Je länger die Brennweite, umso leichter fallen Wackler auf, zum Beispiel, weil der Wind gegen das Objektiv drückt. Diese müssen dann in der Nachbearbeitung stabilisiert werden, damit das Video am Ende nicht zittert. Daher ist eine stabile Aufstellung der Kamera sehr wichtig.

Des Weiteren hat man im manuellen Modus der Kamera die volle Kontrolle über die Belichtung der einzelnen Bilder – also Verschlusszeit, Blende, ISO-Wert und Weißabgleich. Sofern im Laufe der Aufnahme keine wesentlichen Änderungen an der Helligkeit der Szene zu erwarten sind, empfiehlt es sich immer, alle diese Werte manuell fest einzustellen. Dadurch ist ein gleichbleibendes Aussehen der Fotos gewährleistet und es entstehen keine seltsamen Effekte durch die Belichtungsautomatik, etwa wenn eine Wolke vor die Sonne zieht und die Szenerie dadurch auf einmal deutlich dunkler und blauer wird. Außerdem muss der Fokus ebenfalls manuell auf das wichtigste Element im Bild eingestellt werden. Ansonsten kann es passieren, dass die Kamera unbeabsichtigt auf Bewegungen im Bild reagiert und Teile der Aufnahme plötzlich unscharf sind.

Um die Bildqualität voll auszunutzen, sollte man natürlich in RAW fotografieren – daher muss man hier, noch viel mehr als bei der GoPro, die Datenmenge im Blick behalten. Bei meiner Canon 760D ist eine RAW-Datei bis zu 30 MB groß. Ein Zeitraffer über eineinhalb Stunden mit einem Aufnahmeintervall von zwei Sekunden erzeugt 2.700 Fotos – das sind rund 80 GB! Dementsprechend habe ich für solche Zwecke in eine 128 GB SD-Karte investiert. Ebenso muss der Akku der Kamera ausreichend lange durchhalten. Für besonders lange Aufnahmen nutze ich daher einen Batteriegriff an der Kamera, in dem zwei Akkus Platz haben.

Eine weitere Gestaltungsmöglichkeit ergibt sich schließlich durch den Einsatz von Filtern. Egal ob Action-Kamera oder Spiegelreflex, bei schönem Wetter ist die Belichtungszeit für ein Foto in der Regel sehr kurz, so um 1/1000 Sekunde. Das führt im fertigen Video dazu, dass sich bewegende Leute oder Fahrzeuge scheinbar ruckartig von einer Position zur nächsten springen, wie man im Beispiel im ersten Teil gut sehen kann. Um bei Filmaufnahmen eine flüssige Bewegung zu erzielen, nimmt man als Richtwert für die Belichtungszeit üblicherweise das Doppelte der Bildwiederholrate, also 1/60 bei 30 Bildern pro Sekunde. Um die Belichtungszeit derart strecken zu können, ohne dass das Bild überbelichtet wird, kommen sogenannte Graufilter oder Neutral-Dichte (ND) Filter zum Einsatz.

Ich habe einen 1.000× Graufilter (ND 3,0-Filter) genutzt, um die Belichtungszeit auf eine halbe Sekunde zu verlängern. In Verbindung mit dem Tokina 11-20 mm Ultra-Weitwinkel habe ich folgende Einstellungen verwendet: ISO 200 | 16 mm | ƒ/4.0 | ½ Sek. Dadurch verschwimmen sich bewegende Personen oder Objekte im Bild. In Kombination mit einem Aufnahmeintervall von zwei Sekunden ergibt sich so im fertigen Film eine schöne fließende Bewegung; das fertige Beispiel-Video zum Vergleich mit dem aus dem ersten Teil gibt es weiter unten.

Bewegungsunschärfe
Bewegungsunschärfe durch Belichtungszeit von einer halben Sekunde bei Verwendung eines Graufilters

Polarisationsfilter können grundsätzlich auch genutzt werden, allerdings mit Einschränkungen: Da die Wirkung des Polfilters vom Winkel der Kamera zur Sonne abhängt, ändert sich die Stärke des Effekts im Laufe der Aufnahme, wenn die Sonne in dieser Zeit deutlich wandert. Das lässt sich in der Nachbearbeitung kaum korrigieren.

Meine 760D hat, im Gegensatz zur GoPro und einigen neueren Kameras, kein eingebautes Intervalometer – der Impuls, alle x Sekunden ein Foto zu machen, muss also von außen kommen. Die preiswerteste Variante dafür ist ein Kabelauslöser, der so eine Funktion mit eingebaut hat. Brauchbare Modelle finden sich im Internet schon für rund 20 Euro, passend für alle gängigen Kameramodelle. Eine weitere Möglichkeit besteht in der Nutzung einer Smartphone-App. Dazu muss die Kamera per Kabel, Bluetooth oder WiFi mit dem Smartphone verbunden werden. Solche Apps bieten neben dem Zeitraffer-Modus oft noch viele weitere Funktionen.

Ich wollte neben technisch besseren Bildern noch eine weitere Komponente ins Spiel bringen, um meine Videos interessanter zu gestalten: nämlich die Kamera selbst während der Aufnahme zu bewegen. Das erfordert eine sehr präzise Steuerung, damit sich hinterher eine sanfte Bewegung ergibt. Dafür gibt es inzwischen einige Geräte zur Auswahl, die sowohl die Bewegung als auch die synchronisierte Steuerung der Kamera übernehmen.

ALPINE LABS RADIAN 2

Über eine Crowdfunding-Kampagne bin ich auf den Radian 2 von Alpine Labs gestoßen. Dieses Gerät, das aussieht wie eine unscheinbare schwarze Dose, hat es buchstäblich in sich: es enthält einen Akku, einen Motor und eine Fernsteuerung für die Kamera. Bedient wird es via Bluetooth mit der passenden Smartphone-App; die Kamera wird via USB-Kabel verbunden. Im Wesentlichen ermöglicht es Zeitrafferaufnahmen mit Kameraschwenks: Über einen festgelegten Zeitraum wird die Kamera einen bestimmten Winkel (horizontal oder vertikal) gedreht, und alle x Sekunden wird ein Foto gemacht. Der Radian macht zwischen Drehen und Aufnahme immer eine kurze Pause, damit das Bild nicht verwackelt.

Timelapse-Setup
Timelapse-Setup: Canon 760D mit Batteriegriff, Alpine Labs Radian 2 und iPhone mit der Radian App

Mit der recht schweren Kombination aus Kamera, Batteriegriff und dem Tokina (Gesamtgewicht: 1,5 kg) hatte der Radian keinerlei Mühe bei horizontalen Schwenks. Für einen vertikalen Schwenk war das jedoch zu schwer; das muss ich bei Gelegenheit nochmal mit einem leichteren Aufbau testen.

Unabhängig davon lässt sich auch die Aufnahme selbst auf vielfache Weise variieren. Der Radian kann während der Aufnahme die Kamera-Einstellungen verändern. So kann bei Aufnahmen in der Dämmerung die Belichtung angepasst werden („Exposure Ramping“). Die Frequenz der Aufnahmen lässt sich ebenfalls regeln, so dass sich die Geschwindigkeit der Zeitraffer im Verlauf des Videos ändert („Speed Ramping“).

Alles in allem ein sehr vielseitiges und dazu einfach zu bedienendes Gerät, das viel Abwechslung in Zeitraffer-Aufnahmen bringt. Natürlich kann man den Radian auch verwenden um die GoPro zu drehen – allerdings fehlt hier die Verbindung mit der Kamera, da sich die GoPro nicht auf gleiche Weise fernsteuern lässt. Das schränkt die Möglichkeiten deutlich ein. Der Radian 2, wie ich ihn habe, ist bei Alpine Labs aktuell ausverkauft. Ob und wann es wieder welche gibt, ist nicht klar. Es gibt inzwischen jedoch auch vergleichbare Geräte anderer Hersteller.

BEISPIEL

Das folgende Video zeigt einen Zeitraum von etwa eineinhalb Stunden. Die Fotos wurden wie oben beschrieben mit der Canon 760D, dem Radian 2 und einem ND-Filter gemacht; ich habe alle zwei Sekunden für eine halbe Sekunde belichtet. Dadurch wirken die Bewegungen im Bild flüssiger; die Leute springen nicht mehr im Bild umher. Die Drehung der Kamera bringt zusätzliche Bewegung ins Bild. Mit am faszinierendsten finde ich jedoch die Bewegung der Wolken an diesem Tag.

AUSBLICK

Im nächsten Teil wird es um die Nachbearbeitung gehen: Wie optimiere ich die aufgenommenen Fotos, und wie wird aus den vielen Einzelbildern ein fertiger Film? Es gibt unzählige Möglichkeiten zur Bearbeitung und Konvertierung der Daten. Ich werde Euch vorstellen, welche Vorgehensweise und Software ich dafür nutze.


FAZIT

Empfehlung: Bei der Bildqualität liegen zwischen den mit der großen Kamera aufgenommenen Fotos und denen aus der GoPro natürlich Welten. Dafür ist die nötige Ausrüstung aber auch deutlich größer und schwerer (und teurer). Je nach Gegebenheit muss man das gegeneinander abwägen. Wann immer möglich, empfehle ich auf jeden Fall den Einsatz einer Spiegelreflex- oder Systemkamera, um alle Möglichkeiten der Bildgestaltung und Nachbearbeitung ausnutzen zu können.

Was ich gelernt habe: Wichtig ist, dass sämtliche Einstellungen – ISO, Belichtungszeit, Blende, Fokus, Weißabgleich – manuell vorgenommen werden, damit diese während der Aufnahmezeit konstant bleiben. Anpassungen durch die Automatik der Kamera führen sonst zu unschönem Flackern im fertigen Video. Bei der Aufnahme schneller Bewegungsabläufe, wie zum Beispiel fahrenden Autos, wirkt das fertige Video deutlich flüssiger, wenn man einen Graufilter zur Verlängerung der Belichtungszeit nutzt, um so Bewegungsunschärfe zu erzeugen.


LINKS

Bildnachweis: Titelbild – Screenshot Adobe Lightroom CC; alle anderen Bilder – eigene Aufnahmen.

Bilder in Bewegung: Zeitraffer-Aufnahmen mit der GoPro

Zeitraffer

Dieser Beitrag wird der erste Teil eine Mini-Serie rund um das Thema „Zeitraffer“. Für mich liegt eine der wesentlichen Motivationen zum Fotografieren darin, Dinge so einzufangen, die das bloße Auge nicht sieht. Das können Makro-Aufnahmen sein, das Einfrieren schneller Bewegungen – oder eben Bewegungsabläufe als Film.

Hier kann es reizvoll sein, Bewegungen stark zu verlangsamen – viele Smartphones und Action-Kameras bieten heute schon spezielle Zeitlupen-Funktionen mit bis zu 120 Bildern pro Sekunde. Damit lassen sich Bewegungen ruckelfrei auf etwa 1/5 der ursprünglichen Geschwindigkeit verlangsamen. Soll es noch langsamer werden, braucht es spezielle – und damit teure – Kameras, zumindest wenn der Film hinterher auch noch eine gute Auflösung haben soll.

Das Gegenteil davon lässt sich einfacher umsetzen: Zeitraffer eignen sich dazu, Bewegungsmuster sichtbar zu machen, die zu langsam ablaufen, um sie mit dem bloßen Auge erfassen zu können. Für die Umsetzung braucht es nicht mehr als eine digitale Fotokamera mit der Möglichkeit, in festgelegten Zeitabständen Bilder aufzunehmen. Und etwas passende Software, die sich im Internet einfach finden lässt. Die Kamera muss dabei gar kein Top-Modell sein; für ein 4K-Video reichen schon 10 Megapixel aus.

Im ersten Teil beschreibe ich die Umsetzung von Aufnahme der Fotos bis zur Erstellung des Videos mit einer GoPro-Kamera und der zugehörigen Software.

IDEE & ORT

Das Eisenbahnmuseum Darmstadt-Kranichstein gehört mit Sicherheit zu den Orten, wo ich am längsten und am meisten fotografiere. Dabei geht es mir oft weniger darum, die Fahrzeuge in der Ausstellung im Bild festzuhalten, sondern vielmehr den Betrieb während der Veranstaltungen zu zeigen – insbesondere während des größten Events, den sogenannten „Bahnwelttagen“, die jedes Jahr im Mai am langen Himmelfahrt-Wochenende stattfinden. Ich habe den Schwerpunkt meiner Fotos auf das Publikum gelegt und nur mittelbar auf Exponate, die gerade die Aufmerksamkeit auf sich zogen.

Das waren immer nur Momentaufnahmen: Als Mitarbeiter im Museum muss ich während der Veranstaltungen selbst meine Aufgaben in der Ausstellung erfüllen und bekomme so oft nur wenig vom Geschehen auf dem Gelände mit – außer in den Pausen, die ich dann auch zum Fotografieren nutze. Trotzdem hat mich immer interessiert, was eigentlich den ganzen Tag über „da draußen“ passiert. So installierte ich meine Kamera mitten im Geschehen. Weil aber ein Acht-Stunden-Tag in Echtzeit anzuschauen langweilig wäre, hatte ich die Idee, Zeitraffer-Aufnahmen zu machen.

GOPRO KAMERA & SOFTWARE

Vor vielen Jahren habe ich mir eine GoPro Hero 3+ Black Edition Actionkamera gekauft, um damit Aufnahmen aus Perspektiven machen zu können, die mit einer großen Kamera nicht oder nur sehr schwer zugänglich sind. Neben verschiedenen Videomodi besitzen alle GoPros auch einen eingebauten Zeitraffermodus, in dem die Kamera alle paar Sekunden ein Foto macht. Das Zeitintervall kann man bei meiner GoPro zwischen 0,5 und 60 Sekunden wählen. Welches Zeitintervall das richtige ist, hängt davon ab, welche Abläufe man im Bild festhalten möchte; also was sich wie schnell bewegt.

Solange man die einmal gestartete Aufnahme nicht stoppt, läuft sie weiter bis die Speicherkarte voll oder der Akku leer ist. Damit ersteres nicht passiert, legte ich mir eine Micro-SD-Karte mit 64GB Kapazität zu. Für die Stromversorgung habe ich zwei Varianten genutzt: um einen ganzen Tag einzufangen, sorgte ich für eine externe Stromversorgung über Netzteil und USB-Kabel. Für Aufnahmen über 2 bis 3 Stunden reicht der integrierte Akku in Verbindung mit dem für die GoPro 3+ erhältlichen, auf der Rückseite ansteckbaren Zusatz-Akku.

AUFNAHME

Für die Aufnahme braucht es, wie immer in der Fotografie, ein passendes (interessantes) Motiv. Bei einem Zeitraffer kommt noch hinzu, dass sich dieses Motiv im Laufe der Zeit verändern soll: Wolken am Himmel, Verkehr auf einer lebhaften Kreuzung oder im Eisenbahnmuseum eben die Drehscheibe am Ringlokschuppen. Dann sind ein passender Ort und die richtigen Adapter nötig, um die Kamera stabil (wackelfrei) zu befestigen. Ich habe die Ausrichtung der Kamera über die passende Smartphone-App kontrolliert und dann darüber auch die Aufnahme gestartet.

Im Eisenbahnmuseum arbeite ich in der Regel ich mit einem Zeitintervall von zwei Sekunden; im Laufe eines ganzen Veranstaltungstags kommen so über acht Stunden 14.400 Fotos zusammen. Macht man daraus ein Video mit 30 Bildern pro Sekunde, so werden am Ende aus acht Stunden acht Minuten.

NACHBEARBEITUNG

Da meine alte GoPro ausschließlich Fotos im JPEG-Format schießt, sind die Möglichkeiten der Nachbearbeitung relativ begrenzt, zumal die Änderungen auf alle Bilder synchronisiert werden müssen. Bei der teils erheblichen Anzahl von Dateien stellt dies Hard- und Software vor eine nennenswerte Herausforderung. Wie wird nun aus all den Bildern ein Film? Am einfachsten geht das über die mitgelieferte „GoPro Studio“ Software.

GoPro Studio
GoPro Studio (v2.5.12) – Zeitraffer-Video importieren und bearbeiten

Dort wählt man im ersten Schritt den Ordner mit den von der Kamera kopierten Dateien auf der Festplatte aus. Die Software baut daraus automatisch einen Videoclip zusammen. Dann stellt man die gewünschten Optionen ein. Die wichtigsten Einstellungen sind die Bildwiederholrate und ob man den Fischaugen-Effekt herausrechnen lassen möchte oder nicht. Wenn viele gerade Linien im Bild sind, ist das durchaus sinnvoll, kann aber zu starken Verzerrungen in den Bildecken führen. Das Programm erstellt daraus dann einen fertigen Film, den man schließlich im gewünschten Format exportieren kann.

BEISPIEL

Das folgende Video habe ich vor drei Jahren mit der GoPro und der mitgelieferten Software wie oben beschrieben erstellt. Das Aufnahmeintervall betrug zwei Sekunden; über acht Stunden macht das insgesamt 14.400 Fotos:

Dieser Clip hat natürlich noch keinen Ton, da er aus einzelnen Fotos erstellt wurde. Man kann das Video einfach so nutzen oder mit anderen Bausteinen zu einem abwechslungsreichen Film zusammenbauen – dann natürlich auch mit Ton. Die GoPro-Software bietet selbst einige Videoschnitt-Funktionen an, die ich jedoch nie nutze. Früher habe ich meine Filme mit Apples iMovie Software erstellt; inzwischen nutze ich Adobe Premiere Pro CC. Auf das Thema Videoschnitt und Video-Nachbearbeitung werde ich in diesem Beitrag jedoch nicht eingehen. Stattdessen verweise ich dafür auf die fantastische Video-Anleitung (fünf Teile) von Arthur Konze auf YouTube.

ALTERNATIVEN UND GRENZEN

Aktuelle GoPro-Kameras findet Ihr beim Elektronik-Händler Eures Vertrauens. Es soll jedoch nicht unerwähnt bleiben, dass es inzwischen auch recht preiswerte Alternativen zur GoPro gibt. Was die Qualität der erzeugten Bilder und Videos angeht, so gibt es natürlich Unterschiede, zumindest wenn man die Ergebnisse mit dem aktuellen Top-Modell vergleicht. Ob das den Aufpreis wert ist, muss jeder für sich selbst entscheiden, je nach Anwendungszweck.

Zudem bieten inzwischen auch viele Smartphones eine Zeitraffer-Funktion – entweder direkt in der integrierten Kamera-App oder durch Apps von Drittanbietern. Für meinen Anwendungsfall kommt das jedoch nicht infrage: Das Smartphone ist wesentlich empfindlicher gegenüber Umwelteinflüssen (direkte Sonneneinstrahlung, Regen), die Speicherkapazität ist in der Regel ebenso begrenzt wie die Akkulaufzeit – und wer hängt sein Smartphone mit allen seinen Daten bei einer Veranstaltung unbeaufsichtigt ins Gelände?

So oder so gibt es Grenzen. An erster Stelle ist man an die feste Brennweite der Kamera gebunden, die ein extremes Weitwinkel-Bild (Fischauge) liefert. Das ist nicht immer das, was man braucht. Zudem hat die kleine Kamera Probleme mit starken Kontrasten – an hellen Sommertagen sind entweder die hellen Stellen im Bild, z.B. Wolken, ausgebrannt und daher nur noch als weiße Kleckse zu sehen, oder die Schatten saufen im Schwarz ab. Zudem produzieren der automatische Weißabgleich und die Belichtungsautomatik oft seltsame Effekte, etwa wenn Wolken an der Sonne vorbeiziehen und sich so das Licht immer wieder ändert.

Die GoPro bietet mit „ProTune“ auch einen fortgeschrittenen Aufnahmemodus. Dort kann man z.B. den Weißabgleich fest einstellen. Dadurch sind die Aufnahmen kontrastärmer und bieten mehr Möglichkeiten in der Nachbearbeitung. Allerdings konnte ich damit bei Zeitraffer-Aufnahmen nie zufriedenstellende Ergebnisse erreichen – vermutlich, weil mir die Erfahrung im Umgang mit Color Grading und Look-Up Tables fehlt. Neuere GoPro-Modelle wie z.B. die GoPro Hero 5 können auch Fotos im RAW-Format schießen; wer so ein Modell hat, sollte diese Möglichkeit unbedingt nutzen.

AUSBLICK

Im nächsten Teil der Serie wird es um Zeitraffer-Aufnahmen mit Spiegelreflex- bzw. Systemkameras gehen, sowie darum, wie man noch etwas mehr Bewegung in den Film bringt. Der dritte Teil wird sich dann mit der Nachbearbeitung befassen, also insbesondere damit, wie man die Möglichkeiten des RAW-Formats am besten ausnutzen kann, um mit vertretbarem Aufwand ein qualitativ hochwertiges Video zu erzeugen.


FAZIT

Empfehlung: Zeitraffer mit der GoPro sind sehr schnell und einfach gemacht und liefern durchaus beachtliche Ergebnisse. Diese Variante bietet eine ganze Reihe von Vorteilen: Die Kamera ist klein, leicht, unauffällig und lässt sich vielseitig befestigen. Sie arbeitet absolut geräuschlos und hält mit Zusatzakku viele Stunden durch. Die Umwandlung der Fotos in ein fertiges Video geht mit der mitgelieferten GoPro Studio Software im Handumdrehen. Also viel Spaß für wenig Aufwand!

Was ich gelernt habe: Zeitraffer-Videos haben für mich eine neue Möglichkeit eröffnet, Fotografie einzusetzen, um Bewegungsabläufe darzustellen. Vor allem, dass man die Kamera, einmal eingerichtet, einfach „ihr Ding“ machen lassen und sich währenddessen anderen Tätigkeiten widmen kann, ist einfach prima und erlaubt entspanntes „Multitasking“.


LINKS

Bildnachweis: Titelbild – Screenshot Adobe Lightroom CC

Im Brennpunkt: der Perspektivenwechsel

Mit verschiedenen Brennweiten durch die Natur

Das kleine Detail oder das große Ganze: Fotografisch lässt sich die Natur aus vielen verschiedenen Perspektiven einfangen. Vor allem der Frühling und der Herbst mit ihrer Blüten- und Farbenpracht und den schönen Lichtstimmungen morgens und abends laden dazu ein, sich die Kamera zu schnappen und raus zu gehen. Egal, ob im eigenen Garten, in der Straße vor dem Haus oder im nächsten Wald – Motive finden sich in Hülle und Fülle.

EIN MOTIV – VERSCHIEDENE PERSPEKTIVEN

Der Vorteil, den eine Kamera mit wechselbaren Objektiven bietet, liegt in der großen Bandbreite an Brennweiten, die einem dadurch zur Verfügung stehen. Bei meiner Canon 760D reicht das inzwischen vom 8 mm Fischauge bis zum 300 mm Teleobjektiv – umgerechnet auf Vollformat entspricht das in etwa 15-480 mm.

Das bietet einen großen gestalterischen Spielraum. Der Klassiker sind natürlich Nahaufnahmen einzelner Blüten, farbiger Blätter und anderer Details. Hier greift Ihr zu einer mittleren bis langen Brennweite, um das Motiv groß ins Bild zu bekommen. Oder Ihr nehmt  gleich ein Makro-Objektiv, wie zum Beispiel das Tamrom 90mm ƒ/2.8 Macro. In dem Bericht dazu findet Ihr auch eine Reihe von Beispielfotos; daher habe ich das Thema Makros hier mal außen vor gelassen.

Magnolienblüte
Magnolienblüte. Hier ging es darum, eine einzelne Blüte zu fotografieren. Die Blende ist auf ƒ/8 eingestellt, um möglichst viel von der Blüte scharf abzubilden.

Ihr könnt aber auch an das andere Ende des Spektrums gehen und eine möglichst kurze Brennweite nutzen, also ein Ultra-Weitwinkel oder gar ein Fischauge. Auch damit könnt Ihr ein einzelnes Objekt groß im Vordergrund abbilden. Der Unterschied zur langen Brennweite ist hier, dass durch den großen Blickwinkel sehr viel vom Hintergrund mit ins Bild kommt und dieser zudem auch nicht so stark verschwimmt. Dadurch wird das Motiv im Kontext seiner Umgebung gezeigt; also nicht nur „einzelne Blüte“, sondern „Blüte am blühenden Baum“. Die beiden Bilder von unserer Magnolie zeigen den Unterschied sehr deutlich.

Magnolie in voller Blüte
Magnolie in voller Blüte. Hier geht es weniger um die einzelne Blüte als darum, den kompletten Baum mit all seiner Blütenpracht zu zeigen. Die Verzerrung durch das Fischauge ist in der oberen Bildhälfte deutlich sichtbar, stört in diesem Fall aber nicht. Durch die kurze Brennweite und Blende ƒ/11 ist praktisch das gesamte Bild scharf.

Ich möchte Euch hier ein paar Gestaltungsbeispiele für die verschiedenen Brennweiten geben, denn: Blumenfoto ist nicht gleich Blumenfoto!

FISCHAUGE & ULTRA-WEITWINKEL

In diesem Bereich habe ich zwei Objektive: Das Samyang 8 mm ƒ/3.5 Fisheye und das Tokina 11-20 mm ƒ/2.8 Ultra-Weitwinkel. Beide bieten einen großen Blickwinkel, so dass Ihr eine Menge mit aufs Bild bekommt. Die kurze Brennweite bedeutet aber auch, dass weiter entfernte Objekte im Bild scheinbar sehr weit weg geschoben werden. Ohne interessanten Vordergrund wirkt ein Bild daher schnell leer und langweilig. Auch der Hintergrund muss mit bedacht werden. Bei so kurzen Brennweiten ist es selbst mit weit offener Blende kaum möglich, den Hintergrund wirklich unscharf zu bekommen, außer man geht mit der Kamera sehr nah ans Motiv. Selbst dann wird der Hintergrund erkennbar bleiben – vor allem beim Fischauge. Jedoch könnt Ihr genau das auch gezielt einsetzen.

Rose im Garten
Rose im Garten. Hier war das Motiv ganz bewusst nicht „Rose“, sondern „Rose in unserem Garten“. Durch die Motivwahl fällt die starke Verzerrung durch das Fischaugen-Objektiv kaum auf.

Hier mal zwei Beispiele dafür: Die Rose oben wurde mit dem Fischauge aufgenommen und die kleine Blüte unten mit dem Tokina. In beiden Fällen wird klar, was das Motiv des Bildes ist; gleichzeitig bleibt zu erkennen, wo sich dieses befindet. Das Tokina ermöglicht es mit seiner sehr großen Offenblende und bei dem kurzen Motivabstand sogar, den Hintergrund ein wenig verschwimmen zu lassen, so dass sich die Pflanze im Vordergrund besser abhebt. Die Rose im oberen Bild war in etwa gleich weit von der Kamera entfernt; durch die noch kürzere Brennweite und Blende ƒ/8 ist hier jedoch nahezu der gesamte Garten samt Haus im Fokus.

Kleine Blüte im Gebüsch
Kleine Blüte im Gebüsch. Recht versteckt unter einem großen Haselnussstrauch zeigen sich diese kleinen Farbtupfer. Durch die kurze Brennweite kommt viel Hintergrund mit ins Bild; so ist leicht zu erkennen, dass das Foto in einem Garten aufgenommen wurde.

Keine Regel ohne Ausnahme: Natürlich kann man eine kurze Brennweite auch bewusst ohne etwas im Vordergrund nutzen, um die Größe und Weite eines Raumes zu betonen. So geschehen bei der Aufnahme vom Herbstwald unten, für die ich das Fischauge einfach vom Boden aus gerade nach oben gerichtet habe. Die größte Herausforderung war hier tatsächlich, mich so weit zu ducken, dass ich nicht selber auf dem Bild zu sehen bin. Ich habe ein ähnliches Foto auch mit meinem  „Immerdrauf“ Standard-Zoom Objektiv gemacht; das Ergebnis war „Baum im Herbstwald“. Mit dem Fischauge konnte ich den ganzen Herbstwald einfangen.

Herbstwald
Herbstwald. Das Fischauge mit seinem enormen Blickwinkel fängt praktisch den gesamten Wald ein und betont die Höhe der Bäume. Durch die geraden, zur Bildmitte gerichteten Linien fällt der Fischaugen-Effekt hier kaum auf.

STANDARD-ZOOM

Damit ist der „normale“ Brennweiten-Bereich gemeint, den auch die üblichen Kit-Objektive abdecken. Bei APS-C Kameras sind das in etwas 17-50 mm; am Vollformat entsprechend 24-70 mm. Zum Vergleich: Die rückseitige Kamera an Apples iPhone hat, je nach Modell und umgerechnet auf Vollformat, eine Brennweite von 25-30 mm. Das soll aber nicht heißen, dass dieser „Standard“-Bereich langweilig ist – im Gegenteil. Je nachdem ob man einen ganzen Baum, eine Pflanze oder nur einige Blätter ins Bild nimmt, ergeben sich große Gestaltungsspielräume.

Bunter Ahornbaum
Bunter Ahornbaum. Hier sollte der ganze Baum ins Bild, um zu zeigen, dass alle Herbstfarben in ein und demselben Baum auftauchen. Dafür braucht es einen Standard-Weitwinkel; Blende ƒ/8 dient dazu, den Baum durchgehend scharf darzustellen.

Es lohnt sich also, mit Zoom, Blende und Abstand zum Motiv zu spielen; auch oder gerade mit dem Kit-Objektiv. Wichtigster Tipp in diesem Zusammenhang: Perspektive wechseln! Die üblichen Schnappschüsse aus Augenhöhe werden schnell langweilig. Daher, wenn Ihr draußen unterwegs seid: Schaut auch einfach mal direkt nach oben – was ist über Euch? Kniet Euch mal hin und fotografiert den kleinen Pilz, der sich durchs Laub ins Streiflicht der Abendsonne reckt…

Pilz im Wald
Pilz im Wald. Die kurze Brennweite zeigt den Pilz in seiner Umgebung; die offene Blende stellt ihn als Hauptmotive heraus.

Zu den „must have“ Objektiven jedes Fotografen mit einer Spiegelreflex- oder Systemkamera gehört eigentlich das 50 mm ƒ/1.8 –  und zwar aus einem Grund: Preis-Leistungs-Verhältnis. Praktisch jeder Kamerahersteller hat so eines für wenig Geld im Angebot; in der Regel kostet es um die 100,- €. Es ist klein, leicht und vielseitig einsetzbar, was ihm den Beinamen „nifty fifty“ eingebracht hat. An einer Vollformat-Kamera ist es eine Standard-Brennweite, die in etwa dem Blickwinkel des menschlichen Auges entspricht und daher als sehr natürlich wahrgenommen wird. An einer APS-C Kamera entspricht es mit umgerechnet rund 80 mm schon einem leichten Tele-Objektiv.

Das herausragende Merkmal ist jedoch die Offenblende von ƒ/1.8. Die meisten Kit-Objektive haben bei 50 mm eine maximale Blende von ƒ/4 oder ƒ/4,5; das sind 2-3 Blendenstufen Unterschied. Das heißt, dass das „nifty fifty“ nicht nur sehr viel mehr Licht einfängt, sondern auch eine deutlich geringere Tiefenschärfe bietet. Das macht es zu einem beliebten Allround-Objektiv, das auch gerne für Portraits genutzt wird. Warum also nicht mal Portraits von prächtig bunten Pflanzen machen?

Ahornbäume im Herbst
Ahornbäume im Herbst. Bei 50 mm kann man nicht nur ein einzelnes Blatt, sondern einen ganzen Ast im Bild zeigen. Bei Blende ƒ/1,8 kann man ihn dennoch deutlich vom Hintergrund absetzen.
Ahornblätter im Herbst
Ahornblätter im Herbst. Die geringe Tiefenschärfe hilft, den Blick auf die Blätter in der Bildmitte zu lenken.

TELE-ZOOM

In den Bereich der Teleobjektive fällt eigentlich alles ab einer Brennweite von 70 mm aufwärts. Dabei sind im Wesentlichen zwei Klassen von Objektiven zu unterscheiden: einerseits die Tele-Zooms, wie etwa mein Tamron 70-300 mm ƒ/4-5.6, und andererseits Festbrennweiten, insbesondere Makro-Objektive, im Bereich 90-150 mm. Der Hauptunterschied ist, wie nah Ihr mit dem Objektiv an Euer Motiv herangehen könnt. Bei dem zuvor genannten 70-300 mm Zoom-Objektiv ist die kürzeste Entfernung, auf die man noch scharf stellen kann, 1,5 Meter. Beim 90mm Makro-Objektiv sind es 30 Zentimeter!

Das hat natürlich einen großen Einfluss auf die Möglichkeiten, die sich einem zur Bildgestaltung bieten. Dabei gilt: Mit einem Makro-Objektiv kann man nicht nur Makros machen, und mit einem Tele-Objektiv muss man nicht immer weit entfernte Dinge fotografieren. Ihr merkt schon, es geht wieder um das Thema Perspektive.

Blume im Garten
Blume im Garten. Durch die geringe Tiefenschärfe bei 90mm ist trotz Blende ƒ/8 der Boden bereits unscharf.

Bei langen Hecken oder Sträuchern bietet sich zum Beispiel ein „Streifschuss“ an, wie unten gezeigt. Hier kann man die Details der Blüten und Blätter einerseits und die Ausdehnung der Hecke andererseits in einem Bild sehen. In einem frontal aufgenommenen Foto ginge, je nach Abstand, nur eines von beiden. Das funktioniert gleichermaßen in der Horizontalen bei einer Blumenwiese. Kein Makro im eigentlichen Sinne, aber ich mache mir hier die offene Blende und dadurch geringe Tiefenschärfe des Makro-Objektivs zu Nutze, um nur einen schmalen Streifen des Ranunkelstrauchs scharf darzustellen.

Geringe Tiefenschärfe im Ranunkelstrauch
Geringe Tiefenschärfe im Ranunkelstrauch. Bei 90mm und Blende ƒ/2,8 ist nur ein schmaler Streifen im Fokus.

Das nachfolgende Bild habe ich mit dem Tamron 70-300 mm aufgenommen, obwohl ich es bei 92 mm genauso gut auch mit dem Makro-Objektiv hätte machen können. Aber das hatte ich in dem Moment nicht greifbar, bzw. mir war auf dem Foto-Streifzug die durch den Zoom gegebene Flexibilität wichtiger. Der Abstand zu den Blüten entsprach hier der Naheinstellgrenze (1,5 m). Letztlich ist das beste Objektiv für ein Foto immer das, was man gerade dabeihat.

Apfelblüte in der Morgensonne
Apfelblüte in der Morgensonne. Brennweite und Blende helfen hier, die Blüten groß im Vordergrund darzustellen und gleichzeitig durch die unscharfen Blüten im Hintergrund zu zeigen, dass es nur ein Ast eines blühenden Baumes ist.

Natürlich ist es die große Stärke der Teleobjektive, weit entferne Objekte nah heranzuholen. Das erlaubt einem dann eben auch, Details zu fotografieren, an die man, aus welchen Gründen auch immer, nicht näher heran kommt – wie zum Beispiel die Blüten in einer Baumkrone. Auch kann man durch den engen Blickwinkel den Hintergrund stark einschränken oder gar ganz loswerden. Das Bild vom Zierahorn zeigt einen nahezu gleichmäßig gelben Hintergrund aus Bäumen mit gelbem Laub. Wäre ich näher an die roten Blätter herangegangen und hätte eine kürzere Brennweite verwendet, würde man das Haus rechts und die Gartenhütte links mit im Bild sehen, und der Hintergrund wäre eben nicht mehr einheitlich gelb.

Fächer-Ahorn im Herbst
Fächer-Ahorn im Herbst. Wieder helfen das Teleobjektiv bei 300mm und Blende ƒ/5,6, um die Details nah heranzuholen und gleichzeitig die Bäume in Hintergrund zu einer gleichmäßigen gelben Fläche werden zu lassen.

Wie stark der Hintergrund verschwimmt, hängt nicht allein von der Brennweite und der Blende ab, sondern vor allem auch vom Verhältnis der beiden Abstände Kamera – Motiv und Motiv – Hintergrund zueinander. Die beiden Bilder von Zierahorn und Kirschblüten wurden mit denselben Einstellungen aufgenommen, und die Bäume im Hintergrund waren in beiden Fällen in etwa gleich weit entfernt. Jedoch war der Zierahorn sehr viel näher an der Kamera als die Kirschblüten, und folglich sieht man einen deutlichen Unterschied bei der Unschärfe der Hintergründe.

Kirschblüten
Kirschblüten. Mit dem Teleobjektiv auf 300 mm kann man sich die Kirschblüten aus Nachbars Garten ganz nah heranholen. Bei Blende ƒ/5,6 werden die Bäume im Hintergrund gerade unscharf genug, um nicht abzulenken.

FAZIT

Empfehlung: Nun, die Empfehlung ist in diesem Fall ziemlich offensichtlich: rausgehen und ausprobieren!

Was ich gelernt habe: Letztlich ist es egal, welche Kamera und Objektive Ihr habt – interessante Perspektiven lassen sich immer finden. Nah ran, weit weg, von oben, von unten, Weitwinkel, Tele, mal mit, mal gegen die Sonne… Es lohnt sich, einfach mal beim nächsten Spaziergang oder Hund ausführen die Kamera mitzunehmen.


LINKS

Hier noch ein paar YouTube-Videos mit weiteren Inspirationen:

Bildnachweis: alle Bilder eigene Aufnahmen.

Buchempfehlung: Tony Northrup – Stunning Digital Photography

Book Cover: Stunning Digital Photography (www.northrup.photo)

Ein umfangreiches Fotografie-Buch, das gleichzeitig Video-Tutorial und Foto-Community ist, gibt’s das? Ja, gibt’s tatsächlich. Zumindest auf Englisch: Tony Northrup spannt mit seinem Buch „Stunning Digital Photography“ (SDP) den großen Bogen von Anleitungen für Einsteiger bis hin zu Tipps für Fortgeschrittenen, und das praktisch quer durch alle Disziplinen der Fotografie.

Als ich damals angefangen habe, mich intensiver mit der Fotografie zu beschäftigen, habe ich vor allem eins gesucht: Orientierung. Welche Möglichkeiten gibt’s überhaupt? Was braucht man wofür? Wo fängt man am besten an? Nachdem ich für die Auswahl meiner Kamera und Objektive, sowie für das Thema „Milchstraße fotografieren“ YouTube als Informationsquelle entdeckt hatte, bin ich dort auch recht schnell auf die zahlreichen Videos im Kanal von Chelsea & Tony Northrup gestoßen – und dadurch auf das Buch.

SDP: EINES FÜR ALLES

Das Buch gibt es in allen möglichen Formaten: als gebundene Ausgabe oder als Ebook für alle gängigen Reader. Ich empfehle unbedingt die Ebook-Variante, denn hier sind die zahlreichen Videos mit Beispielen und Anleitungen direkt verlinkt, so dass man zwischen Lesen und Schauen hin- und herspringen kann. Das macht das Buch sehr lebendig, denn in den Videos werden die Auswirkungen verschiedener Einstellungen sehr viel anschaulicher dargestellt als dies lediglich mit ein paar Bildern im Buch möglich wäre. Gerade das macht für mich den großen Reiz aus und war letztlich ausschlaggebend für den Kauf.

Ein weiterer Vorteil hier ist, dass das Buch nicht „fertig“ ist – es werden immer mal wieder Kapitel und Videos aktualisiert, oder es kommen neuen hinzu. Und hat man das Buch einmal erworben, hat man auch automatisch Zugriff auf alle folgenden Aktualisierungen, die man dann einfach von der Homepage herunterladen kann.

BUCHAUFBAU

Das Buch beginnt mit einigen allgemeinen Kapiteln: den „Quick Tips“ für Schnelleinsteiger, gefolgt von Abschnitten zu Bildaufbau, Licht und Blitz, sowie Kamerabedienung im Allgemeinen. Hier werden viele Grundbegriffe erläutert wie etwa die Wirkung von Brennweite, Blickwinkel und Lichteinfall auf ein Bild. Ergänzend zu den allgemeinen Bedienungshinweisen bietet Tony für viele populäre Kameramodelle jeweils ca. einstündige Tutorials an, in denen ausführlich auf die Bedienung der jeweiligen Kamera und ihre Besonderheiten eingegangen wird. Der allgemeine Abschnitt wird abgeschlossen mit einem „Trouble Shooting“ Kapitel, in dem den Ursachen für unscharfe Bilder oder verfälschte Farben nachgegangen wird.

Dann folgt eine ganze Reihe von Kapiteln, die sich, aufbauend auf den zuvor geschaffenen Grundlagen, ausführlich speziellen Themen widmen: Portraits, Hochzeiten, Tiere, Landschaften, Nachtaufnahmen, HDR-Bilder, Makro-/Nahaufnahmen und schließlich Unterwasser-Fotografie. In jedem dieser Abschnitte gibt es neben einleitenden Hinweisen dann spezifische Tipps zur Planung von Fotos, Kameraeinstellungen, Ausrüstung und leicht zu vermeidenden Fehlern. In vielen Kapiteln gibt es zudem ein kleines Quiz, mit dem man einfach schauen kann, wie viel des Gelesenen und Gesehenen man bereits verinnerlicht hat.

DIE VIDEOS

Die Videos sind allesamt gut gemacht – mit zwei bis fünf Minuten haben die meisten von ihnen eine angenehme Länge; bei komplexen Themen können es auch mal zehn Minuten werden. Viele der Videos sind auf dem YouTube-Kanal frei zugänglich; es gibt aber auch etliche, an die man nur über die Links aus dem Buch kommt, so dass man hier einen echten Mehrwert hat. Ich finde das Englisch von Chelsea und Tony gut zu verstehen. Zudem haben die meisten Videos inzwischen auch Untertitel, die man zusätzlich einblenden kann.

Jedes Video betrachtet ein spezielles Thema und stellt es anschaulich dar. Das kann ein Stück Theorie sein, wie etwa die Wirkung der Blendeneinstellung auf das Foto, oder praktische Hinweise, etwa zum Fotografieren von Vögeln. Auch heute noch greife ich immer wieder gezielt auf einzelne Videos aus dem Buch zu, wenn ich etwas Bestimmtes ausprobieren oder wissen will.

FACEBOOK-GRUPPE

Wenn Ihr das Buch habt, bekommt Ihr auch Zugang zur geschlossenen Facebook-Gruppe „Stunning Digital Photography Readers“. Hier könnt Ihr eigene Bilder hochladen und so direkte Rückmeldungen aus dieser recht großen Community bekommen. Die Erfahrung zeigt: Je konkreter die Fragen sind, die Ihr zum eigenen Bild stellt, umso bessere Rückmeldungen erhaltet Ihr. Zudem bieten die zahlreichen Bilder anderer Fotografen Inspirationen für eigene Foto-Versuche. Auch dafür hat sich aus meiner Sicht die Investition in das Buch gelohnt.

WEITERFÜHRENDES

In „Stunning Digital Photography“ geht es in erster Linie um das Machen der Bilder. Was hier nur ansatzweise behandelt wird, ist die Nachbearbeitung. Das ist auch in Ordnung aus meiner Sicht, denn es würde zum einen den Rahmen des Buches sprengen und ist zudem stark von der verwendeten Software abhängig. Wer auf die Programme von Adobe setzt, für den haben Chelsea und Tony weitere Bücher speziell für Lightroom und Photoshop im Angebot, die ähnlich aufgebaut sind wie SDP. Auch hier sind viele, aber lange nicht alle Videos auf YouTube frei zugänglich.

Falls Euch die Erläuterungen zur Theorie des Fotografierens in SDP, egal ob z.B. Bildaufbau oder Kameratechnik, nicht weit genug gehen, oder falls Ihr schlicht neugierig geworden seid, dann schaut Euch unbedingt die Vorlesungsreihe Digitale Fotografie von Mark Levoy an.

VERGLEICHBARES AUF DEUTSCH

Etwas Vergleichbares – im Sinne von „alles aus einer Hand“ – ist mir bislang auf Deutsch noch nicht untergekommen. Natürlich gibt es auch hier ein weit gefächertes Angebot an YouTube-Videos und Büchern, zum Beispiel von Stephan WiesnerBenjamin Jaworskyj und Frank Fischer. Die einzelnen Themen sind hier ebenfalls gut aufbereitet und präsentiert; es fehlt jedoch die allumfassende Klammer, die alles miteinander verbindet. Dies ist nicht zuletzt der Tatsache geschuldet, dass jeder Fotograf seine Spezialgebiete hat, die er besonders gut präsentiert und dafür andere Themen auslässt.


FAZIT

Empfehlung: Wenn für Euch Englisch kein Ausschlusskriterium ist, dann kann ich Euch „Stunning Digital Photography“ auf jeden Fall als Rundum-Paket empfehlen.

Was ich gelernt habe: Das Buch, und viel mehr noch die darin enthaltenen Videos, haben mir einen sehr guten Überblick sowohl über die Grundlagen als auch das ganze Spektrum der Fotografie gegeben. Gleichwohl habe ich im Vergleich mit den Anleitungen anderer Fotografen gelernt, nicht alles aus dem Buch und den Videos ungeprüft zu übernehmen, sondern Dinge auch zu hinterfragen und die für mich passenden Anregungen zu übernehmen. Um es mit Stephan Wiesner zu sagen: nicht glauben, ausprobieren!


LINKS

Titelbild: Buchtitel; Quelle: http://northrup.photo/

Blog-Empfehlung: 20 Tipps zum Bildaufbau in der Fotografie

Bildaufbau - Drittelregel und führende Linien

Der gezielte Bildaufbau ist das wesentliche Unterscheidungsmerkmal zwischen einem Schnappschuss und einer Fotografie. Das soll nicht heißen, dass Schnappschüsse „verboten“ sind – manchmal ist das Einfangen eines kurzen Moments viel wichtiger als das „Drumherum“. In der Regel hat man jedoch die Zeit, sich ein paar Gedanken darüber zu machen wie man das angepeilte Motiv schön in Szene setzen kann. Wir kennen alle die typischen Urlaubsbilder: Horizont und/oder Person in der Bildmitte. Ich gebe zu, ich habe in der Vergangenheit auch schon viele von der Sorte produziert. Und wir wissen auch alle, wie langweilig diese Bilder meistens sind.

Jetzt gibt es natürlich auch zum Thema Bildaufbau mehr als genug Literatur – man kann buchstäblich ganze Vorlesungen darüber halten. Und genau das ist auch wieder das Problem: Sucht man danach im Internet, findet man oft seitenweise Texte die sich in Details und kunsthistorischen Zusammenhängen verlieren, ohne jedoch anschauliche Beispiele zu liefern. Oder es werden jeweils isoliert nur einzelne Aspekte betrachtet, wie etwa die Drittelregel.

Umso glücklicher war ich daher, als ich auf den Blog von Barry O Carroll gestoßen bin. Neben den Bildergalerien von seinen Reisen hat er auch eine Reihe von Guides geschrieben und dort veröffentlicht. Allen voran der Beitrag „Guide to Composition in Photography – 20 Tips„. Dort stellt er in einer gut strukturierten Übersicht die wesentlichen Regeln des Bildaufbaus vor – allesamt mit anschaulichen Bildbeispielen und einem kurzen(!) Text. Einfach auf den Punkt gebracht – besser kann man es nicht mehr machen.

Dabei gilt: Diese Regeln sind keine Gesetze, an die man sicher jederzeit akribisch halten muss. Sie sind eher als Inspiration gedacht wie man seine Bilder interessanter gestalten kann. Hat man sie verinnerlicht, und schaut sich dann berühmte Fotografien an, wird man viele dieser Gestaltungsmuster schnell wieder erkennen.

INFORMATIONEN AUF DEUTSCH

Barrys Blog ist natürlich auf Englisch – aber auch wenn Ihr in dieser Sprache nicht so sicher seid, schaut Euch die 20 Tipps auf jeden Fall an. Viele der Illustrationen sprechen schon für sich. Ich habe mich dennoch bemüht auch eine vergleichbare Seite mit deutschem Text zu finden. Den meiner Meinung nach besten Treffer dazu findet Ihr bei Frank Salomo auf seiner Seite fuenfzigmillimeter.de unter dem Titel „Motivanordnung und Bildaufbau„.


FAZIT

Empfehlung: Unbedingt anschauen!

Was ich gelernt habe: Grau ist alle Theorie, Bilder sagen mehr als 1.000 Worte – hier gibt es kurz und knapp zusammengefasst und fantastisch aufbereitet jede Menge Anregungen zur Gestaltung der eigenen Fotos. Die Beispiel-Fotos mit den aufgebrachten Linien und Markierungen zeigen jeweils sehr gut, wie und warum die jeweilige Regel funktioniert.


LINKS

Bildnachweis: Titelbild: eigene Aufnahme

Buchempfehlung: Stephan Wiesner – Landschaftsfotografie Tutorial

Stephan Wiesner: Landschaftsfotografie - Tutorial (Buch)

Hallo zusammen.

Allen, die an der Stelle schmunzeln, brauche ich eigentlich nicht mehr viel zu erzählen. Denn dann kennt Ihr Stephan, wie ich, durch seinen YouTube-Kanal, auf den ich im Laufe der Zeit hier noch öfter su sprechen kommen werde. Aber nun zum Buch.

RAUSGEHEN. AUSPROBIEREN.

Das ist mit das Wichtigste, was das Buch vermittelt: Landschaftsfotos entstehen nicht durchs Lesen auf dem Sofa. Stephan weckt die Lust am Rausgehen und nimmt einen regelrecht mit. Es wird nicht nur Theorie vermittelt; sondern das Buch bietet vor allem eigene Erlebnisberichte und Lernerfahrungen. Das beinhaltet das Lernen aus eigenen Fehlern. Stephan ist nicht der „unnahbare Experte“, sondern lässt den Leser augenzwinkernd und selbstkritisch an den eigenen Abenteuern teilhaben. Dadurch wirkt es sehr lebendig und vor allem authentisch; es wird anschaulich beschrieben warum bestimmte Dinge so Sinn machen, wie sie vermittelt werden, und anders eben vielleicht nicht.

Und das ist es, was dieses Bauch aus der breiten Masse heraushebt: der Schreibstil – er folgt seiner angenehmen, aus den YouTube-Videos bekannten Art. Und wer seinen Kanal kennt, wird beim Lesen unweigerlich seine Stimme im Ohr haben.

Rein technisch gesehen erfindet Stephan das Thema Landschaftsfotografie dabei nicht neu. Stephan geht natürlich auch auf die Grundlagen zu Bildaufbau, Blende, Belichtung, Fokussierung etc. ein. Aber er bindet sie praxisnah in seine Erzählungen ein und verliert sich so nicht in grauer Theorie.

In erster Linie ist es tatsächlich ein Praxis-Buch: es inspiriert, regt zum Nachdenken an und beinhaltet eine ganze Reihe von „Hausaufgaben“ – die eigentlich „Rausaufgaben“ heißen müssten. Dazu gehört die Erkenntnis: Beeindruckende Bilder und Bequemlichkeit gehen selten zusammen. So etwas erfordert Planung, frühes Aufstehen (oder spätes Schlafengehen, gelegentlich beides), und gerne auch mal wetterfeste Kleidung. Und das ist das Wesentliche: weder (Kamera-)Ausrüstung noch Wohnort zählen als Ausrede. Zu sehen gibt es überall etwas. Und so gibt es auch für das „wo“ und „wann“ die passenden Tipps.

Somit wächst die Erkenntnis, dass das Wesentliche gar nicht so sehr das Drücken des Auslösers ist – sondern die Vorbereitung und die Planung. Insbesondere sich mal eingehend Gedanken darüber zu machen: Was will ich eigentlich fotografieren? Welche Geschichte will ich erzählen, welche Stimmung rüberbringen? Viele dieser Überlegungen treffen nicht nur auf Landschaften zu, sondern lassen sich auf viele andere Motive übertragen – somit reicht das Buch in meinen Augen weit über das eigentliche Kernthema hinaus.

Ich hatte beim Lesen jedenfalls ständig das Gefühl, Stephan schaut mir über die Schulter und sagt: So, und jetzt: machen. Man bekommt auf angenehme Weise ein schlechtes Gewissen. Immerhin: einige Punkte auf meiner Fotowand sind schon abgehakt.


FAZIT

Empfehlung: Absolute Kaufempfehlung.

Was ich gelernt habe: Das Bild entsteht nicht in der Kamera, sondern im Kopf dahinter. Ideen sammeln, planen, und dann eben: rausgehen und ausprobieren. Sich merken was klappt, und – wichtiger noch – sich merken was nicht klappt, und warum.


LINKS

Titelbild: Buchtitel; Quelle: http://stephanwiesner.de

YouTube-Empfehlung: Marc Levoy – Lectures on Digital Photography

Marc Levoy - Lectures on Digital Photography

Wenn man sich mit der Theorie des Fotografierens beschäftigt, kommt man leicht vom Hundertsten ins Tausendste: man merkt schnell, dass es mit dem Belichtungsdreieck alleine nicht getan ist. Wie kommt das Bild überhaupt auf den Sensor? Wie sieht die Kamera Farben? Wie sehen wir sie? Woher kommt das Bildrauschen? Das kann man sich entweder alles einzeln zusammensuchen – oder man schnappt sich das „Rundum-Sorglos-Paket“ von Marc Levoy.

ZUSAMMENFASSUNG

Marc Levoy ist emeritierter Professor der Universität Stanford, und arbeitet jetzt bei Google. Von 2009 bis 2014 hat er an der Universität seine Vorlesung unter der Überschrift „Wie Kameras funktionieren, und wie man mit ihnen gute Bilder macht“ gehalten. In Frühjahr 2016 hat er seine Vorlesung in angepasster Form noch einmal gehalten, bei Google, wo sie dankenswerter Weise aufgezeichnet und komplett ins Netz gestellt wurde. 18 Vorlesungen, das sind über 22 Stunden Videomaterial. Hier die Übersetzung der Kursbeschreibung:

Eine Einführung in die wissenschaftlichen, künstlerischen und rechnerischen Aspekte der digitalen Fotografie. Die Themen beinhalten Objektive und Optik, Licht und Sensoren, optische Effekt in der Natur, Perspektive und Tiefenschärfe, Datenauswertung und Rauschen, die Kamera als Berechnungsplattform, Bildverarbeitung und Bearbeitung, und Fotografie mithilfe von Computern. Wir werfen außerdem einen Blick auf die Geschichte der Fotografie, schauen uns die Arbeiten berühmter Fotografen an, und sprechen über den Aufbau aussagestarker Bilder.

Wer des Englischen halbwegs mächtig ist, sollte sich diese Vorlesungsreihe auf keinen Fall entgehen lassen. Die Vorträge sind sehr angenehm; sein Englisch ist sehr gut zu verstehen und er verliert sich in „Fachchinesisch“, auch wenn er natürlich durchaus sehr tief ins Detail geht. Dabei verliert er aber nie den roten Faden, und das macht das Gesamtpaket so interessant.

Auf der Homepage zur Vorlesung gibt es nicht nur die Links zu den 18 Videos auf YouTube, sondern auch alle in der Vorlesung verwendeten Applets inklusive Anleitung, sowie die gestellten Aufgaben zum selber ausprobieren!


FAZIT

Empfehlung: Auf jeden Fall anschauen!

Was ich gelernt habe: Eine Menge 🙂 Vor allem sind mir eine Menge Hintergründe und Zusammenhänge klar geworden, die sich einem nicht erschließen wenn man sich nur punktuell mit einzelnen Themen auseinandersetzt. Man kann sich natürlich über den Stundenplan auf der Homepage auch gezielt die Themen heraussuchen, die einen besonders interessieren. Meine Empfehlung ist aber ganz klar sich die Zeit zu nehmen um sich nach und nach die gesamte Reihe anzuschauen.


LINKS

Auf interessante Stunden,
– Jochen =8-)

Titelbild: Screenshot der o.a. Homepage

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