In eigener Sache: Meine Fotowand 2017

Fotowand 2017

Mit dem Fotografieren ist es wie mit vielem anderen auch: Man entwickelt sich weiter, indem man sich Ziele setzt, Aufgaben stellt, Herausforderungen angeht, Dinge macht, die man bisher – zumindest so – noch nicht gemacht hat. Also frage ich mich: Was will ich fotografieren? Was muss ich dafür tun? Und dann: Was hat geklappt – und was nicht?

Um für mich dabei den Überblick zu behalten nutze ich eine Anregung von Stephan Wiesner: Die Fotowand. Meine eigene Fotowand für 2017 möchte ich hier mit Euch teilen – und Euch dann natürlich auch nach und nach von der Umsetzung berichten.

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Wenn ich so zurückdenke, wie sich das Fotografieren für mich entwickelt hat, gibt es da bis jetzt drei Phasen: Zuerst habe ich eigentlich nur geknipst – ich habe, ohne dabei viel zu überlegen, dokumentiert, wo ich war und was ich erlebt habe. Gelegentlich waren da auch ein paar richtig gute Fotos dabei, die mir auch heute noch sehr gefallen, aber damals waren das eher Zufallstreffer.

Dann kam die Zeit in der ich angefangen habe, mir über die Bilder mehr Gedanken zu machen: die passende Wahl des Bildausschnitts, das Hauptmotiv in seiner Umgebung bzw. Hintergrund, die Lichtverhältnissen etc. Ich wurde wählerischer bei den Aufnahmen. Ich habe nicht mehr einfach alles fotografiert, sondern mir die Sachen herausgesucht, die mich besonders interessieren. Und ich habe auch mal ein Foto bewusst nicht gemacht, wenn zum Beispiel das Licht so gar nicht gestimmt hat. Es ging aber immer noch nach dem Motto „Ok, jetzt bin ich hier, mal schauen was ich für Fotos machen kann“.

Damit sind wir bei Phase drei, wo genau das herumgedreht wird. Jetzt sage ich mir: Ich will dieses Bild machen, wo muss ich dafür hin? Wann muss ich dort sein? Das Foto wird so zum Ziel eines Ausflugs oder Nachmittags und nicht mehr nur bloße Folge davon. Das erfordert Planung, nicht nur beim Wann und Wo, sondern auch: Welche Ausrüstung nehme ich mit? Welches Objektiv? Brauche ich ein Stativ, einen Graufilter, einen Fernauslöser, einen Blitz…?

Wenn ich eine Idee für ein Bild habe, dann suche ich nach Anleitungen, Vorbildern im Netz, hole mir Anregungen, und dann geht es raus und es wird ausprobiert. So habe ich im vergangenen Jahr einige sehr schöne Bilder hinbekommen, die ich so 2015 ganz sicher noch nicht gekonnt hätte. Und 2017 möchte ich diese Messlatte weiter anheben.

FOTOWAND 2017

NACHTAUFNAHME / LANGZEITBELICHTUNG: SYKLINE

Nachtaufnahmen fand ich schon immer reizvoll, gerade auch in Großstädten. Jetzt habe ich, was das angeht, das Glück, in der Nähe von Frankfurt zu wohnen. Dort hat man in der Kombination aus Main und Skyline einige schöne Motive zur Auswahl. Ich habe mich an diesem Bild im vergangenen Jahr schon einige Male probiert, aber bislang habe ich es noch nicht so hinbekommen, wie ich mir das vorstelle.

Den richtigen Standpunkt für mein Foto weiß ich inzwischen: auf der Flößerbrücke. Dort hat man die bei Dunkelheit schön beleuchtete Ignaz-Bubis-Brücke im Vordergrund und dann die Skyline des Bankenviertels dahinter.

Foto-Skizze: Skyline zur blauen Stunde
Foto-Skizze: Skyline zur blauen Stunde

Neben der Wahl des Standorts konnte ich bei den vergangenen Versuchen auch meine Ausrüstung ausprobieren und optimieren. Ich werde das Bild definitiv mit dem Sigma A 18-35mm ƒ/1.8 aufnehmen, aufgrund der überragenden Schärfe, die das Objektiv liefert. Stativ und Fernauslöser sind ebenfalls klar. Außerdem hab ich immer noch einen schwarzen Pappkarton oder ähnliches dabei, denn die Flößerbrücke wird von starken, vor der Brücke angebrachten Scheinwerfern angeleuchtet – und diese leuchten sonst trotz Gegenlichtblende ins Objektiv und sorgen für unschöne Artefakte im Bild. Meine Graufilter werde ich ebenfalls einpacken. Ich habe zwei Stück: einen 8x und einen 1000x. Damit kann die Belichtungszeit entsprechend verlängern, um das Wasser seidig glatt wirken zu lassen.

Was jetzt noch fehlt: ein Wochentagsabend im Winter, wenn es schon früh dunkel wird und noch viele Büros in den Hochhäusern beleuchtet sind sowie ein interessanter Himmel. Ganz ohne Wolken ist langweilig; zu viele Wolken sind auch schwierig, weil der Himmel dann nicht mehr dunkel wird, sondern die Wolken vom hinter der Stadt liegenden Flughafen angeleuchtet werden. Am meisten interessiert mich dabei die Zeit von Sonnenuntergang bis etwa eine dreiviertel Stunde danach, die sogenannte „blaue Stunde“.

NAHAUFNAHME / MAKRO: AUGE

Makros, oder zumindest mal Nahaufnahmen, gehören ebenfalls zu den Bereichen der Fotografie, die mich reizen. Und zwar, weil sie Details zur Geltung bringen, die man sonst einfach nicht wahrnimmt – entweder, weil sie schlicht zu klein sind oder weil die Motive sich sonst zu schnell bewegen, um sie in Ruhe zu betrachten. Das Thema war mir wichtig genug, dass ich mir im letzen Frühjahr ein dediziertes Makro-Objektiv gekauft habe: das Tamron SP 90mm ƒ/2.8 Di VC Macro. Damit bin ich dann im Lavendelstrauch auf Hummel- und Schmetterlingsjagd gegangen oder habe eine Pusteblume in Groß aufgenommen.

Bei den Recherchen rund um das Thema Makros bin ich im Internet immer wieder auf ein faszinierendes Motiv gestoßen: Nahaufnahmen von Augen. Und das ist zu etwas geworden, wo ich denke: Das will ich auf jeden Fall auch ausprobieren.

Foto-Skizze: Nahaufnahme eines Auges
Foto-Skizze: Nahaufnahme eines Auges

Einige Anleitungen und Hinweise habe ich natürlich schon gelesen, was noch fehlt ist: ausprobieren und machen. So weiß ich zum Beispiel noch nicht, ob ich das Foto besser draußen im Sonnenlicht oder drinnen mit Blitz mache. Wie muss das Licht sein, damit die Details in der Iris gut zur Geltung kommen, aber das Modell nicht geblendet die Augen zukneift und ich mit der Kamera bzw. dem Objektiv keinen Schatten auf das Auge werfe?

MAKRO: EISKRISTALLE / SCHNEEFLOCKEN

Bleiben wir noch für eine weitere Foto-Idee im Makro-Bereich: Eiskristalle und Schneeflocken. Dafür braucht es natürlich vor allem erstmal etwas, was hier in der Gegend nun inzwischen den dritten Winter in Folge absolute Fehlanzeige ist: Schnee. Oder zumindest mal anhaltenden und ausreichend tiefen Frost.

Foto-Skizze: Eiskristall-Makro
Foto-Skizze: Eiskristall-Makro

Ein paar „Testbilder“ mit Raureif konnte ich immerhin schon machen – mit durchaus vielversprechenden Ergebnissen. Aber ich bin mir sicher: Da geht noch mehr. Am liebsten im Streiflicht der tiefstehenden Sonne am frühen Morgen, aber sonst tut es hier auch ein passend positionierter externer Blitz.

BEWEGUNG EINFRIEREN AM SPRINGBRUNNEN

Diese Idee ist praktisch das Gegenteil zur Langzeitbelichtung oben: Hier will ich das Wasser nicht seidig glatt zeigen, sondern mit einer möglichst kurzen Belichtungszeit die Bewegung einfrieren und so jeden einzelnen Tropfen gleichsam schwerelos an der Stelle schwebend einfangen. Mit meiner 760D bedeutet das: 1/4000 Sekunde. Vielleicht schaffe ich ja noch das Upgrade zur 80D, dann geht sogar 1/8000 Sekunde – aber es gibt ja auch noch ein paar andere Prioritäten. So oder so wird auch hier, einfach aufgrund der Lichtstärke, wohl das Sigma A 18-35mm ƒ/1.8 zum Einsatz kommen.

Foto-Skizze: Bewegung einfrieren am Springbrunnen
Foto-Skizze: Bewegung einfrieren am Springbrunnen

Während ich mir beim „wie“ hier schon ziemlich sicher bin, fehlt mir noch das „wo“. Also ein Springbrunnen mit einer schönen Fontäne. Leider ist es so, dass in hier Darmstadt viele Springbrunnen auch im Sommer abgestellt sind – entweder weil das Geld für die Instandsetzung marode gewordener Leitungen und Becken fehlt oder aufgrund mutwilliger Beschädigungen und Verunreinigungen. Bislang hat mir hier noch die Muße gefehlt, gezielt nach Springbrunnen in den umliegenden Städten zu suchen – aber für 2017 hab ich das auf dem Plan. Wenn Ihr Vorschläge habt, wo schöne Brunnen sprudeln, dann freue ich mich über Eure Nachricht!

AUTO-PORTRAIT MIT AUFSTECKBLITZ

Diese Idee ergab sich aus der Stöberei im Internet zur Frage: Was kann man eigentlich alles mit einem externen Blitz machen? Dabei bin ich unter anderem auf ein YouTube-Video von Christian Adams gestoßen und dachte mir direkt: was für eine geniale Idee! Aus vielen Einzelbildern, in denen mit einem normalen Aufsteckblitz jeweils nur ein Teil des Autos beleuchtet ist, wird ein Gesamtfoto mit „Showroom-Feeling“ zusammengesetzt. Praktischer Weise gehört ein würdiges Motiv für so eine Aufnahme seit inzwischen 20 Jahren zu unserer Familie:

Foto-Skizze: Auto-Portrait mit Aufsteckblitz
Foto-Skizze: Auto-Portrait mit Aufsteckblitz

Ich denke noch über einen passenden Ort nach, wo ich das Auto möglichst ohne störende Reflexionen, Spiegelungen oder Hintergrund aufnehmen kann. Vor allem will ich ungestört sein, aber auch niemanden in der Umgebung mit der Herumblitzerei nerven. Ansonsten fehlt es eigentlich nur noch an der passenden Gelegenheit – und natürlich einer frischen Politur für das Schmuckstück.

FLUGZEUGE AM FLUGHAFEN

Flugzeuge haben für mich etwas Besonderes, weil sie für mich vor allem mit einem Gefühl verbunden sind: Fernweh. Oft, wenn ich entweder zu Hause im Garten oder im Büro aus dem Fenster heraus den in die Wolken steigenden Fliegern nachschaue, denke ich mir: Wo fliegen die wohl hin? Wie wäre es, jetzt selber da drin zu sitzen? Und auch wenn ich beruflich tatsächlich immer mal wieder selber drin sitze, so ist es für mich nach wie vor etwas Besonderes, am Flughafen zu sein.

Foto-Skizze: Flugzeuge am Flughafen
Foto-Skizze: Flugzeuge am Flughafen

Ich möchte versuchen, dieses Gefühl irgendwie im Bild festzuhalten. Es gibt am und um den Frankfurter Flughafen eine Reihe von Fotostandpunkten, die sich dafür anbieten. Bis jetzt ist es hier aber bei der Theorie, der Recherche, geblieben – das will ich nächstes Jahr ändern. Also raus an den Flughafen und schauen, wie sich die verschiedenen Perspektiven dann tatsächlich darstellen. Dafür werde ich dann auf jeden Fall mein Teleobjektiv und mein Immerdrauf mitnehmen – und ein Stativ.

WEITERE IDEEN

Ich habe natürlich noch mehr Ideen, auch wenn diese noch nicht so konkret oder ausgereift sind wie die oben vorgestellten und es daher noch nicht in das Stadium Skizze/ Fotowand geschafft haben. Zum Beispiel gibt es hier in Darmstadt mit dem Vivarium einen kleinen, aber feinen Zoo. Vom Schmetterling bis zum Känguru finden sich hier eine Menge potentieller Motive, so dass ich dort unbedingt mal auf die „Pirsch“ gehen will.

Auch im Eisenbahnmuseum werde ich auf jeden Fall wieder nach schönen Motiven suchen, mit besonderen Lichtstimmungen – zum Beispiel wenn die untergehende Sonne den Lokschuppen durch die alten Fenster in orangefarbenes Streiflicht taucht. Oder hinter den Kulissen, mit Einblicken die sonst eher im Verborgenen liegen.

Darüber hinaus halte ich Augen und Kopf offen für weitere Ideen, die sich im Laufe des Jahres ergeben…

KALENDER 2018

Ein Projekt, an dem ich definitiv wieder arbeiten möchte, ist ein Fotokalender. Für 2017 hatte ich aus einem „best of“ meiner Fotos aus dem Zeitraum Oktober 2015 – Oktober 2016 einen Kalender zusammengestellt, mit dem ich einigen Freunden eine große Freude machen konnte. Auch, weil viele Bilder in Größe DIN A2 nochmal eine ganz andere Wirkung entfalten als auf einem kleinen Bildschirm betrachtet. Mit hat dabei besonders die Herausforderung gefallen, für jeden Monat ein passendes Motiv zu finden.

Für 2018 möchte ich das deshalb wieder angehen. Dieses Mal stelle ich mir die Aufgabe, einen Kalender mit Fotos im Hochformat zu gestalten. Ein paar Bilder aus diesem Jahr habe ich bereits in die engere Auswahl genommen – auch wenn es vermutlich nicht alle davon am Ende tatsächlich in den Kalender schaffen werden, weil mit den Schmiede-/Feuermotiven bereits ein paar recht ähnliche dabei sind. Die endgültige Entscheidung werde ich aber erst treffen wenn ich alle Bilder zusammen habe, damit sie am Ende auch zueinander passen.

Kalender 2018
Kalender 2018: Die ersten Kandidaten

Natürlich werde ich auch Ideen von der Fotowand für den Kalender nutzen, auch wenn sich nicht alle Motive einfach so ins Hochformat übertragen lassen. Aber gerade in dieser Herausforderung liegt ja auch der Reiz…

Seid gespannt!
– Jochen =8-)

Bildnachweis: Alle Skizzen und Fotos: eigene Bilder.

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