Foto-Experiment: Wassertropfen

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Wieder ein trübes Wochenende. Wieder einmal Zeit, sich mit einer Fotoidee für drinnen zu beschäftigen. Da kam mir gerade recht, dass ich beim Stöbern auf YouTube über ein Video gestolpert bin, wie man durch eine Glasscheibe mit Wassertropfen darauf sehr schöne abstrakte Bilder erzeugen kann. Die meisten Sachen, die ich dafür brauchte, waren eh schon im Haus – der Rest ließ sich schnell mit einer Fahrt zum Baumarkt und der Investition weniger Euros ergänzen.

FÜR UNGEDULDIGE

Ausrüstung Einstellungen
  • Kamera
  • 1-2 externe Blitze
  • Funkauslöser für Blitze
  • Stativ mit schwenkbarer Mittelsäule oder Galgenstativ
  • Fernauslöser
  • Glasplatte
  • Sprühflasche mit Wasser
  • Manueller Fokus
  • Manueller Modus
  • ISO 100
  • 1/125 Sekunde
  • Blende ƒ/22
  • Weißabgleich: Blitz
  • Blitze: manueller Modus, 1/8 Leistung

DER AUFBAU

Das Wichtigste für dieses Foto-Experiment ist natürlich die Glasplatte. Diese sollte möglichst keine Kratzer oder Flecken haben und natürlich sauber sein. Die Platte muss nicht sehr groß sein; 30×40 cm reichen da schon völlig aus. Ihr braucht etwas, wo Ihr sie drauflegen könnt; ich habe mir da mit Wasserflaschen und Trinkgläsern beholfen. Als Hintergrund für die Bilder diente ein Stück Fotokarton.

Der Aufbau der Kamera stellte eine Herausforderung dar. Den Autofokus konnte ich nicht nutzen, da dieser meistens auf die Gegenstände unter der Glasplatte scharf gestellt hat statt auf die Wassertropfen darüber. Bei manuellem Fokus ist selbst bei Blende ƒ/22 die Schärfentiefe so gering, dass durch unvermeidbare Wackelei in der über den Tisch gebeugten Haltung viele Fotos unscharf wurden. Es musste eine andere Lösung her.

Viele große (und teure) Stative haben für solche Zwecke eine schwenkbare Mittelsäule – mein kleines Reisestativ kann das nicht. Also habe ich auf eine Bastellösung gesetzt: Aus Lichtstativ und Reflektorhalter habe ich mir ein Galgenstativ gebaut, daran einen Stativkopf geschraubt, der schließlich die Kamera gehalten hat. Obwohl ich die Stativfüße entsprechend mit Gewichten (Sandsack) beschwert und alle Schrauben und Klemmen ordentlich festgezogen habe, war das insgesamt eine recht wackelige Angelegenheit. Mit der entsprechenden Vorsicht und einem Fernauslöser für die Kamera hat die Konstruktion jedoch ihren Zweck voll und ganz erfüllt.

Aufbau zum Foto-Experiment "Wassertropfen"
Aufbau zum Foto-Experiment „Wassertropfen“: Die Glasplatte liegt hier auf Wasserflaschen (ca. 30cm hoch); später habe ich sie auf niedrigere Gläser gelegt. Zudem habe ich den Abstand der Kamera variiert. Bei der Positionierung der Blitze ist darauf zu achten, dass die Kante der Glasplatte keinen Schatten ins Bild wirft.

Die Blitze habe ich zu beiden Seiten des Aufbaus positioniert. Ich habe zunächst eine Reihe von Testaufnahmen gemacht, um sicherzustellen, dass die Blitze weder störenden Reflexionen auf der Glasplatte erzeugen, noch ungewollte Schatten ins Bild werfen, zum Beispiel durch die Kante der Glasplatte.

Dann kam das Wasser ins Spiel. Ich habe die Glasplatte zunächst mit einem Mittel behandelt, das eigentlich für Autoscheiben gedacht ist, damit der Regen besser abperlt und die Scheiben nicht beschlagen. Das erzeugt eine Art Lotus-Effekt, so dass sich nicht einfach ein durchgehender Wasserfilm bildet, sondern schöne einzelne Tropfen. Danach habe ich mit einer einfachen Sprühflasche solange Wasser aufgesprüht, bis ausreichend viele und große Tropfen auf der Scheibe waren.

Als letztes habe ich mir die Dinge besorgt, die ich unter die Glasscheibe legen wollte, um sie dann durch die Tropfen zu fotografieren: Obst, eine Blume, sowie Stoffe und Utensilien aus der Schatzkammer meiner Frau ♥.

DIE EINSTELLUNGEN

Das Aussehen der Bilder hängt im Wesentlichen von drei Faktoren ab:

  • Abstand von der Glasplatte zum Objekt darunter
  • Abstand von der Kamera zur Glasplatte
  • Brennweite des Objektivs

Je nachdem, wie man das variiert, kann man verschieden große Dinge ins Bild nehmen und das Größenverhältnis von Objekt zu Wassertropfen verändern. Die Bilder in der Galerie vermitteln einen Eindruck von der Wirkung verschieden großer Tropfen im Verhältnis zum Motiv.

Aufbau zum Foto-Experiment "Wassertropfen"
Aufbau zum Foto-Experiment „Wassertropfen“: ISO 100, ƒ/22, 1/125 Sek., manueller Fokus eingestellt per Live View. Die Blitze werden über den Godox X1c eingestellt und ausgelöst; die Kamera per Kabel-Fernauslöser.

Ich habe verschiedene Brennweiten ausprobiert; die meisten Fotos sind entweder mit dem Tamron SP 90 mm ƒ/2.8 Macro oder dem Canon EF 50 mm ƒ/1.8 entstanden, bei identischen Kameraeinstellungen. Diese sind schnell erklärt:

  • Blende: ƒ/22. Ich wollte eine möglichst große Schärfentiefe haben, damit im Bild nachher sowohl die Tropfen als auch der Gegenstand darunter scharf zu sehen sind. Ich habe auch andere Blendenwerte ausprobiert; aber die Ergebnisse bei ƒ/22 haben mir tatsächlich am besten gefallen.
  • ISO: 100. Da durch die Blitze ausreichend Licht gegeben war, konnte ich ganz auf die beste Bildqualität setzen.
  • Belichtungszeit: 1/125 Sekunde. Der genaue Wert ist hier gar nicht so wichtig; es kommt nur darauf an, dass ein ohne Blitz aufgenommenes Bild komplett schwarz ist, um in den Tropfen keine Reflexionen von Fenstern oder anderen Umgebungslichtern zu haben.
  • Blitze: 1/8 Leistung. Deren Leistung habe ich im manuellen Modus eingestellt, bis das Foto korrekt belichtet war. Bei sehr hellen oder sehr dunklen Objekten habe ich die Leistung entsprechend angepasst.

Ein paar Versuche hat es gebraucht, bis alles soweit gepasst hat – aber das ging recht schnell, und dann konnte es losgehen.

DAS SHOOTING

Nachdem alles aufgebaut ist, besteht die wesentliche Herausforderung darin, mit verschiedenen Gegenständen herumzuspielen und auszuprobieren, wie diese durch die Wassertropfen im Bild aussehen. Grundsätzlich empfehlen sich hier eher farbenfrohe Motive, wobei deren Muster nicht zu kleinteilig sein sollte, denn sonst wirkt das Gesamtbild durch die Wiederholung des Musters in den Tropfen sehr unruhig.

Außer dem Motiv habe ich auch verschiedene Abstände zur Glasplatte, Brennweiten und Blendenwerte ausprobiert. Eine weitere Möglichkeit, die Größe der Tropfen im Bild und damit die Wiederholung des Musters zu beeinflussen, ist, die Glasplatte zu bewegen. In der Regel finden sich in der Mitte des mit Wasser besprühten Bereichs eher große Tropfen, am Rand eher kleine. Dieses Muster verändert sich im Laufe der Zeit ein wenig, denn nach etwa einer Stunde sind die kleinsten Tropfen verdunstet, und es bleiben nur die größeren übrig.

Bei jeder Veränderung der Brennweite oder des Abstands zwischen Kamera und Glasplatte muss natürlich neu fokussiert werden. Dazu habe ich die Live-View-Funktion der Kamera bei zehnfacher Vergrößerung genutzt. Das war gar nicht so einfach, da meine Galgenstativ-Hilfskonstruktion recht wackelig war. Aber mit einer ruhigen Hand ließ sich sowohl das Fokussieren als auch das Aufnehmen der Bilder gut bewerkstelligen.

TIPPS & TRICKS

Wie so häufig bei solchen Experimenten liegt der Teufel eher im Detail, und einige Probleme fallen einem erst auf, wenn man die fertigen Bilder auf dem großen Bildschirm am Computer betrachtet.

  • Die Glasplatte sollte wirklich frei von Kratzern sein. Selbst kleinste Kratzer, die mit bloßem Auge kaum auffallen, treten durch die starke Vergrößerung hinterher in den Bildern sehr deutlich zum Vorschein. Das wird verstärkt durch die Tatsache, dass Kratzer im Gegensatz zu den kreisrunden Tropfen meistens geradlinig sind, und daher sofort als störendes Element auffallen. Ich habe deswegen alle Fotos aus dem ersten Versuch wieder gelöscht, und dann statt der gläsernen Tischplatte auf den Einlegeboden einer Vitrine zurückgegriffen. Genauso gut eignet sich auch die Glasscheibe aus einem Bilderrahmen – Hauptsache, sie hat keine Kratzer.
  • Für viel Tiefenschärfe braucht es viel Licht, daher habe ich auf die Blitze zurückgegriffen. Da sich die Gegenstände unter der Glasplatte in der Regel nicht von alleine bewegen, kann man die Bilder auch nur mit Umgebungslicht machen. Dabei sollte man jedoch auf die Spiegelungen auf Glasplatte und Wassertropfen (Deckenlampe, Fenster, Fernseher…) achten. Zudem muss wegen der dann notwendigen langen Belichtungszeiten die Kamera absolut wackelfrei aufgestellt sein.

FAZIT

Empfehlung: Zur Nachahmung empfohlen – eine schöne Fotografie-Spielerei für ein trübes Wochenende. Die so entstandenen Bilder eignen sich prima z.B. als Hintergrundbilder für Smartphone, Tablet oder Präsentation.

Was ich gelernt habe: Improvisation. Es braucht nicht immer die teure Profi-Studio-Ausrüstung, um schöne Bilder zu erzeugen, wenn man sich mit dem behelfen kann, was man im Hause hat. Und man kann auch aus an sich nicht gerade spannenden Gegenständen interessante Bilder zaubern.


LINKS

Bildnachweis: alle Bilder eigene Aufnahmen.

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