Foto-Experiment: Spritziges mit Obst

Foto-Experiment: Wasserspritzer mit Obst Foto-Experiment: Wasserspritzer mit Obst Foto-Experiment: Wasserspritzer mit Obst Foto-Experiment: Wasserspritzer mit Obst Foto-Experiment: Wasserspritzer mit Obst Foto-Experiment: Wasserspritzer mit Obst Foto-Experiment: Wasserspritzer mit Obst Foto-Experiment: Wasserspritzer mit Obst

In den Deko-Regalen von Möbelhäusern und Baumärkten sind sie allgegenwärtig: Bilder von frischem Obst und Gemüse, das spritzend ins Wasser fällt. Die Idee ist also nicht neu, aber dennoch durchaus eine Herausforderung: Wie macht man solche Fotos? Genau das richtige für ein graues und windiges Wochenende, an dem man nicht rausgehen mag.

Nach etwas Recherche im Internet war klar: So viel braucht es dafür gar nicht. Das einzige was gefehlt hat, war ein passendes Glasgefäß – unsere Vasen sind alle rund, und darin würde sich der Blitz spiegeln. Nach einiger Überlegung habe ich mich dann für ein 25-Liter Aquarium aus dem Baumarkt/Gartenhandel entschieden. Das wird sicher noch öfters für Experimente dieser Art zum Einsatz kommen, und die Investition von 20,- Euro war auch überschaubar.

DER AUFBAU

Die Fotos sind dann am heimischen Esstisch entstanden, und der Aufbau ist schnell erklärt:

  • Aufgenommen habe ich die Fotos mit der Canon 760D und dem Tamrom SP 90mm ƒ/2.8 Macro
  • Das Aquarium steht erhöht auf einer Kiste, damit der Tisch dahinter nicht im Bild zu sehen ist
  • Der erste Blitz – ein Yongnuo YN568 EX II – ist von links auf Höhe des Wasserpegels ins Aquarium gerichtet
  • Die gegenüberliegenden Seite ist mit Alufolie abgedeckt, die als Reflektor dient
  • Der zweite Blitz – ein Yongnuo YN565 EX II – ist auf den ca. einen Meter entfernten Hintergrund, einen weißen Faltreflektor, gerichtet.
  • Eingestellt und ausgelöst werden die Blitze über Funksteuerungen Yongnuo YN622C(-TX)
  • Für die Kamera nutze ich einen einfachen Kabelauslöser

So sah das ganze Setup schließlich aus:

Aufbau zum Foto-Experiment "Wasserspritzer mit Obst"
Aufbau zum Foto-Experiment „Spritziges mit Obst“: 25 Liter Aquarium, ein Blitz für die Früchte und Wasserspritzer, Alufolie als Reflektor. Der zweite Blitz und der weiße Hintergrund kommen nur bei den hellen Bildern zum Einsatz.

DIE EINSTELLUNGEN

Hier hilft keine Automatik, da die Bilder ja gezielt über- bzw. unterbelichtet werden sollen (weißer bzw. schwarzer Hintergrund), und der Autofokus die fallenden Früchte auch nicht zuverlässig erfasst. Es muss also alles manuell eingestellt werden. Deshalb habe ich zunächst eine Geschenkpapierrolle über das Aquarium gelegt und von dieser an der Stelle, an der später die Früchte ins Wasser geworfen werden, ein Lineal herunterhängen lassen. Dann habe ich an der Kamera per Live View manuell auf das Lineal fokussiert. Weiter zur Belichtung:

  • Kameraeinstellungen: ISO 100, ƒ/8.0, 1/200s

Die Einstellungen sind so gewählt, dass ein ohne Blitz aufgenommenes Bild komplett schwarz ist. Für die Blende habe ich den Wert 8 gewählt, damit die Früchte auch dann noch scharf abgebildet werden, wenn sie nicht genau an der vorgesehenen Stelle ins Wasser fallen. Wenn Ihr das Experiment nachmacht, und mit diesen Einstellungen bei Euch noch etwas von der Umgebung im Bild zu sehen ist (zum Beispiel ein helles Fenster), dann schließt die Blende noch weiter, z.B. auf ƒ/11.0. Um eine kürzere Belichtungszeit wählen zu können, braucht Ihr Blitze die High-Speed Synchronisation unterstützen. Das ist für das spätere Bild allerdings nicht relevant, da das Einfrieren der Bewegung über die Abbrennzeit des Blitzes erfolgt, sie sehr viel kürzer ist als 1/200 Sekunde.

Als nächstes geht es ans Einstellen der Blitze. Diese müsst Ihr natürlich Euren Lichtverhältnissen anpassen, daher dienen die hier genannten Werte lediglich zur Orientierung. Für die Bilder mit weißem Hintergrund habe ich zunächst den hinteren Blitz eingestellt. Dafür habe ich in der Kamera die Überbelichtungswarnung („Blinkies“) eingeschaltet und den Blitz dann so eingestellt, bis ein Teil des Hintergrunds als überbelichtet angezeigt wurde. Ihr solltet den Blitz nicht zu hell einstellen, weil der weiße Hintergrund sonst die Wasserspritzer und die Ränder der Früchte überstrahlt.

Danach ging es mit einigen Testbildern daran, den Aquariumblitz so einzustellen, dass die weißen Stellen der Zitronenscheibe gerade so nicht überbelichtet waren. Dieser kommt mit sehr viel weniger Power aus. Hier müsst Ihr die Helligkeit des Blitzes ggf. sogar je nach Frucht anders einstellen – die dunkle Orangenscheibe verträgt mehr Blitzpower als die helle Zitrone. Für die Bilder mit schwarzem Hintergrund bleibt der Hintergrundblitz einfach aus; dafür muss der Aquariumblitz stärker eingestellt werden, weil das Licht von hinten fehlt.

  • Blitz-Einstellungen für weißen Hintergrund:
    • Hintergrund: 1/4 + 0.7
    • Aquarium: 1/64 + 0.7
  • Blitz-Einstellungen für schwarzen Hintergrund:
    • Hintergrund: aus
    • Aquarium: 1/8 + 0.3
Aufbau zum Foto-Experiment "Wasserspritzer mit Obst"
Aufbau zum Foto-Experiment „Spritziges mit Obst“: ISO 100, ƒ/8.0, 1/200s, manueller Fokus eingestellt per Live View. Die Blitze werden über den Yongnuo YN622C-TX eingestellt und ausgelöst; die Kamera per Kabel-Fernauslöser.

DAS SHOOTING

Mit den passenden und griffbereit zurecht gelegten Fruchtstücken habe ich mich, mit dem Fernauslöser für die Kamera in der Hand, neben das Aquarium gestellt – und dann ging’s los. Es war einfacher, als ich dachte. Man bekommt den Bogen ziemlich schnell heraus, wie man mit der einen Hand die Früchte fallen lässt und mit der anderen Hand die Kamera im richtigen Moment auslöst. Ich hatte nur wenige Bilder, die vom Timing her völlig daneben waren.

Glückssache ist es da schon eher, wie die einzelnen Sachen ins Wasser fallen – etwa, ob man die Limettenscheibe nur von der Seite sieht, oder der Apfel einen fetten Schatten auf die Orange wirft.

Alles in allem hat es wirklich sehr viel Spaß gemacht und für einen kurzweiligen Nachmittag gesorgt. Dabei ist der Aufwand echt überschaubar – auch mit nur einem externen Blitz kann man solche Fotos machen, statt des Aquariums tut es genauso eine rechteckige Glasvase, und für den Hintergrund kann man ebenso Fotokarton oder eine Tischdecke nehmen.

TIPPS & TRICKS

Wenn man so etwas zum ersten Mal macht, merkt man relativ schnell, dass es immer wieder Kleinigkeiten gibt, an die man nicht gedacht hat – und die man beim nächsten Mal besser machen kann. Hier eine Zusammenstellung meiner wesentlichen Erkenntnisse, ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

  • Nach jedem (wirklich jedem) Wurf die Glasscheiben an Vorder- und Rückseite des Aquariums wieder trockenwischen – am besten mit einem Mikrofasertuch. Das ist zwar lästig, aber dieser Handgriff spart Euch später viel Zeit in der Nachbearbeitung der Fotos; vor allem bei den Bildern mit schwarzem Hintergrund.
  • Wenn Ihr mit Zitrusfrüchten arbeitet, macht erst die Bilder mit schwarzem, danach die mit weißem Hintergrund. Bei diesen Früchten lösen sich bei jedem Wurf kleine Stückchen Fruchtfleisch, die dann als helle Fussel im Bild herum schwimmen. Diese fallen in den weißen Bildern nicht so auf bzw. lassen sich leichter entfernen. Irgendwann werdet Ihr das Wasser komplett wechseln müssen. Wenn Ihr noch andere „Wurfobjekte“ habt, nehmt diese zuerst.
  • Aufpassen mit Hintergrund und Untergrund: Ich habe auf unseren Holztisch eine Plastiktischdecke gelegt, um ihn vor dem Wasser zur schützen. Eine blaue Plastikdecke. Mit bunten Luftballons drauf. Haha. Findet den Fehler. Die Glasscheiben des Aquariums und vor allem auch die Wasseroberfläche reflektieren das gnadenlos – wer bei den Bildern oben genau hinschaut, kann in einigen Wasserspritzern das Blau mit den roten Tupfen aus den Setup-Fotos wiederfinden. Beim nächsten Versuch wird hier alles schwarz bzw. weiß abgedeckt.
  • Wenn Ihr die Früchte und Wasserspritzer gleichsam unterhalb und oberhalb der Wasseroberfläche aufnehmen wollt, muss der ins Aquarium gerichtete Blitz auf derselben Höhe mit dem Wasserpegel sein. Ich hatte ihn zuerst tiefer stehen – mit der Folge, dass sein Licht von der Wasseroberfläche nach unten reflektiert wurde, und alles was über Wasser war, im Dunkeln lag. Als Alternative könnt Ihr den Blitz auch deutlich über das Aquarium stellen und von seitlich oben herunter blitzen lassen; damit imitiert ihr den Lichteinfall von natürlichem Sonnenlicht.

FAZIT

Empfehlung: Unbedingt selber machen! Ideal als Bastelei an einem trüben Nachmittag, und nebenbei lernt man auch noch, mit externen Blitzen zu arbeiten und das Licht richtig zu setzen.

Was ich gelernt habe: Versuch macht klug – das Meiste dazu habe ich ja schon oben bei den Tipps & Tricks geschrieben. Experimente dieser Art werde ich jedenfalls in nächster Zeit sicher noch öfter angehen…


LINKS:

Bildnachweis: alle Bilder eigene Aufnahmen.

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