Foto-Experiment: Lichtmalerei mit Flugzeugen

Night Traffic

Langzeitbelichtungen zählen zu den vielen Mitteln und Wegen, etwas so zu fotografieren, wie man es mit dem bloßen Augen sonst nicht sieht. Und das ist etwas, was mich an der Fotografie sehr reizt. Zu den am weitesten verbreiteten Motiven dieser Art gehören Nachtaufnahmen von Städten, in denen fahrende Autos mit ihren Lichtern lange Streifen durchs Bild malen.

Daran musste ich denken, als ich neulich bei einem Abendspaziergang mal wieder einem der startenden Flugzeuge bei uns in der Gegend hinterher schaute. Alle Flüge, die in Frankfurt auf der Startbahn West abheben, starten genau in unsere Richtung. In der Abenddämmerung kann man ihre Scheinwerfer und Positionslichter sehr gut am Himmel sehen. So reifte die Idee mal auszuprobieren, was man daraus machen kann.

FÜR UNGEDULDIGE

Ausrüstung Einstellungen
  • Kamera
  • Stativ
  • Fernauslöser
  • Wetterfeste Kleidung
  • Getränke
  • Was zum Lesen
  • Taschenlampe
  • Manueller Fokus
  • Manueller Modus
  • ISO 100
  • 30 Sekunden
  • Blende ƒ/11 – ƒ/5.6
  • Serienbildaufnahme
  • Weißabgleich: Tageslicht

DER AUFBAU

Vor ein paar Tagen schließlich waren die Bedingungen ideal: Das Wetter war klar und trocken. Dazu waren ein paar Wolken unterwegs, die aber hoch genug waren, dass sie vom hellen Flughafen nicht angeleuchtet wurden und die startenden Flugzeuge auch nicht sofort darin verschwanden. Also habe ich meine Ausrüstung eingepackt und bin losgelaufen, raus aufs Feld.

Dort habe ich mir einen passenden Standort gesucht, von dem aus man die startenden Flugzeuge gut sehen konnte, ohne die Lichter des nächsten Orts im Bild zu haben. Vor allem galt es zu vermeiden, dass vorbeifahrende Autos mit ihren Scheinwerfern direkt in die Kamera leuchten.

Da ich den Blickwinkel vorher schlecht abschätzen konnte, hatte ich mehrere Objektive eingepackt. Der Bildausschnitt bei 35 mm gefiel mir sehr gut, und so habe ich das Sigma A 18-35 mm ƒ/1.8 verwendet, mit dem ich schon viele schöne Nachtaufnahmen gemacht habe. Da ich die Blende nie weiter geöffnet hatte als ƒ/5.6, hätte jedes normale Standard-Zoomobjektiv hier auch gereicht.

Für die geplanten Langzeitbelichtungen stand die Kamera natürlich auf einem Stativ, und ich hatte meinen Fernauslöser dabei. Den habe ich hauptsächlich deshalb genutzt, weil man dort den Auslöser einrasten kann, so dass die Kamera im Serienbildmodus mehrere Fotos direkt hintereinander schießt.

DIE EINSTELLUNGEN

Hier war Ausprobieren angesagt. Von vornherein klar waren die folgenden Einstellungen: Den ISO-Wert habe ich fest auf 100 eingestellt, um das Rauschen im Bild zu minimieren und die Belichtungszeit zu verlängern. Da sich im Laufe der Dämmerung das Licht ändert, habe ich den Weißabgleich fest auf Tageslicht eingestellt. Und zu guter Letzt habe ich manuell auf den Horizont fokussiert und die Aufnahmemodus auf Serienbild gestellt.

Als nächstes habe ich nach der Belichtungszeit geschaut. Mit Blick durch den Sucher der Kamera verfolgte ich ein Flugzeug von dem Moment an, wo es über den Bäumen auftauchte. Um den gewählten Bildausschnitt zu durchqueren, brauchte es rund 80 Sekunden.

Wie wählt man also die Belichtungszeit? Dabei sind zwei einander entgegengesetzte Effekte abzuwägen. Zum einen entstehen bei kürzeren Intervallen mehr Bilder. Vor allem ergeben sich Lücken in den Leuchtstreifen, da die Kamera zwischen zwei Fotos immer eine kurze Pause macht. Diese müssen dann in der Nachbearbeitung von Hand geschlossen werden. Dies kann durch längere Belichtungszeiten vermieden oder zumindest reduziert werden. Allerdings hat das einen Einfluss auf den Kontrast: Je länger man belichtet, umso schwächer treten die Leuchtspuren hervor.

Ich habe daher ein paar Testfotos gemacht und mir die Ergebnisse auf dem Display der Kamera bei maximaler Vergrößerung angeschaut. Die folgenden beiden Bilder zeigen den Unterschied zwischen einer ganzen und einer halben Minute Belichtungszeit:

Lichtspur (60 Sek.)
Ausschnitt einer Lichtspur mit 60 Sekunden Belichtungszeit bei 200% Vergrößerung. Die von den blinkenden Positionslichtern gemalten Punkte sind kaum noch zu erkennen.
Lichtspur (30 Sek.)
Ausschnitt einer Lichtspur mit 30 Sekunden Belichtungszeit bei 200% Vergrößerung. Die Streifen sind nun erkennbar heller im Vergleich zum Hintergrund, und die Punkte der blinkenden Positionslichter sind deutlich sichtbar.

Ich habe mich schließlich für eine Belichtungszeit von 30 Sekunden entschieden. So waren die Leuchtspuren gut sichtbar, und ich hatte bei einer Flugzeit von 80 Sekunden durch das Bild in jeder Spur zwei Lücken zu schließen – ein guter Kompromiss. Zudem ist das die längste Belichtungszeit, die von meiner Kamera noch im manuellen Modus unterstützt wird. Längere Belichtungen sind nur im „Bulb“-Modus möglich, was die Bedienung der Kamera bzw. des Fernauslösers etwas komplizierter macht.

Als letzten Wert habe ich dann die Blende so gewählt, dass die Belichtung für mich passend war. Dabei wollte ich vor allem vermeiden, dass der Himmel zu hell wird, um die Bilder später einfacher zusammenbauen zu können. So habe ich mit ƒ/11 angefangen und dann, als es zunehmend dunkler wurde, die Blende nach und nach auf ƒ/5.6 geöffnet.

DAS SHOOTING

Nachdem alles eingerichtet war, musste ich nur noch warten – allerdings nie sehr lange. Sobald die Lichter eines Flugzeuges über den Bäumen auftauchten, habe ich den Knopf am Fernauslöser gedrückt und eingerastet. So hat die Kamera drei Bilder direkt nacheinander aufgenommen. Oft war am Ende der dritten Aufnahme bereits das nächste Flugzeug in Sicht. Falls nicht, habe ich der Kamera eine kurze Pause gegönnt.

So kamen über einen Zeitraum von rund eineinhalb Stunden, von viertel nach neun bis zum letzten Start um 22:45, 75 Fotos zusammen. Obwohl der Tag mit über 20°C recht warm war, wurde es mit zunehmender Dunkelheit schnell kühl, sodass sich jetzt die mitgenommene dicke Jacke als sehr nützlich erwies – genauso wie die eingepackten Getränke und was zu lesen.

Alles in allem verging die Zeit doch recht schnell. Dann habe ich alles wieder zusammengepackt, mit der Taschenlampe sichergestellt, dass ich in der Dunkelheit nichts vergessen habe und mich wieder auf den Heimweg gemacht.

DIE NACHBEARBEITUNG

Am nächsten Tag ging es dann daran, aus den Einzelaufnahmen das fertige Bild zusammenzubauen. Dazu habe ich zunächst alle Bilder nach Adobe Lightroom CC importiert und dort einige wenige Einstellungen auf alle Bilder angewandt: Objektivkorrekturen aktiviert (Profilkorrektur und Chromatische Aberration) sowie Kontrast und Klarheit angehoben, um die Leuchtspuren besser vom Hintergrund abzusetzen.

Dann habe ich mir das Foto herausgesucht, auf dem mir der Himmel am besten gefallen hat – das sollte mein Hintergrund werden. Dieses habe ich dann hinsichtlich Farben, Kontraste und Details meinen Vorstellungen entsprechend gestaltet. Das sah dann so aus:

Nachthimmel
Nachthimmel – Dieses Bild hatte für mich den schönsten Himmel, daher habe ich es als Hintergrund verwendet und alle anderen Lichtspuren hier eingebaut.

Dann habe ich alle 75 Bilder, inklusive des Hintergrundbilds, in Lightroom markiert und über „Foto“ → „Bearbeiten in…“ → „In Photoshop als Ebenen öffnen…“ nach Photoshop übertragen. Das hat eine ganze Weile gedauert, aber dann waren alle Fotos in einem Projekt übereinander gelegt.

Als erstes habe ich das Hintergrundbild nach ganz unten gezogen, so dass alle anderen Ebenen darüber lagen, und diese alle ausgeblendet. Dann habe ich mir immer die drei Fotos, die zu einem Flug gehören, herausgesucht und diese wieder eingeblendet:

Einzelne Lichtspur, Teil 1
Einzelne Lichtspur, Teil 1
Einzelne Lichtspur, Teil 2
Einzelne Lichtspur, Teil 2
Einzelne Lichtspur, Teil 3
Einzelne Lichtspur, Teil 3

Der nächste Schritt war dann, für die gewählten Ebenen den Mischmodus von „normal“ umzustellen auf „Aufhellen“. Das heißt, dass von der jeweiligen Ebene nur die Bildanteile übernommen werden, die heller sind als das darunterlegende Bild – und das ist im Wesentlichen die Leuchtspur des Flugzeugs. Das Ergebnis nach diesem ersten Schritt sah so aus:

Eine Spur hinzufügen, vor der Bearbeitung
Die drei Teile einer Lichtspur, im Ebenenmodus „Aufhellen“, vor dem Entfernen ungewollter Artefakte und dem Schließen der Lücken.

Das kommt dem gewünschten Ergebnis schon recht nahe, aber einige Dinge stören hier: Zum einen ist im Hintergrund noch ein Flugzeug quer durchs Bild geflogen, was die rot-weiß gestrichelte Linie am linken Horizont verursacht. Zum anderen sind die Sterne oben rechts im Bild nun doppelt, da sie sich im Vergleich zum Hintergrundbild bereits weiterbewegt haben, und hinter den Bäumen ist das Leuchten des Flughafen zu sehen.

Daher habe ich als nächsten Schritt die drei Ebenen der Leuchtspur auf eine Ebene reduziert und dann eine Ebenenmaske hinzugefügt. Mit deren Hilfe habe ich dann alle ungewollten Bildelemente wieder ausgeblendet – im Endeffekt habe ich die Maske komplett schwarz gemalt, mit Ausnahme der Lichtspur.

Schließlich habe ich den Kopierstempel verwendet, um die beiden Lücken zu schließen, die von der Dreiteilung der Aufnahme herrühren. Dafür habe ich den Aufnahmemodus des Kopierstempels auf „aktuelle Ebene“ gestellt, sowie Deckkraft und Fluss auf 100%. Hier das fertige Ergebnis:

Eine Spur hinzufügen, nach der Bearbeitung
Die fertige Lichtspur: Die Lücken wurden geschlossen, der Streifen des landenden Flugzeugs sowie die doppelten Sterne und das Leuchten hinter den Bäumen sind entfernt.

Danach habe ich diese fertige Ebene ausgeblendet und mich dem nächsten Lichtstreifen zugewendet. Ich habe jede Leuchtspur einzeln bearbeitet, denn das erleichtert die Orientierung beim Schließen der Lücken und beim Entfernen ungewollter Bildelemente. Zudem hat mir das ermöglicht, die einzelnen Spuren am Ende unabhängig voneinander über entsprechende Tonwert-Korrekturebenen in ihrer Helligkeit anzupassen.

Der letzte Arbeitsschritt war dann, alle Ebenen einzublenden, wiederum auf eine einzige Ebene zu reduzieren und das fertige Bild zu speichern:

Night Traffic
Night Traffic – Das fertige Bild. Aus 75 Einzelaufnahmen zusammengesetzt, zeigt es die Lichtspuren, die von startenden Flugzeugen in den Abendhimmel gemalt werden.

TIPPS & TRICKS

Hier noch ein paar weiterführende Informationen, wenn Ihr so etwas selbst mal ausprobieren wollt:

  • Grundsätzlich ist es bei Fotos dieser Art empfehlenswert, mehrere eher kurz belichtete Fotos zu machen und diese anschließend in der Nachbearbeitung zu kombinieren, als eine einzige lange Belichtung. Die Bildqualität wird am Ende besser sein. Vor allem wird das Risiko gesenkt, mehrere Minuten des Geschehens zu verlieren, weil z.B. ein Auto durchs Bild fährt und in die Kamera leuchtet.
  • Es gibt ein sehr gutes Video-Tutorial von Stephan Wiesner zum Thema „Startrails“. Bei ihm bewegen sich Sterne statt Flugzeuge durchs Bild, aber die Nachbearbeitung in Photoshop ist weitgehend dieselbe wie bei dem hier gezeigten Bild.
  • Bei Langzeitbelichtungen hat der Bildaufbau zwei Komponenten, die es zu beachten gilt: Was sieht man als statischen Hintergrund? Und welche Muster erzeugen die Lichtspuren darauf? Um ein Gefühl dafür zu entwickeln hilft natürlich wie immer: ausprobieren.
  • Solche Fotos brauchen Zeit – sowohl in der Planung, während der Aufnahme an sich, als auch in der Nachbereitung. Ich war insgesamt zwei Stunden auf dem Feld, und die Nachbearbeitung hat nochmals etwa drei Stunden gedauert. Nehmt Euch die Zeit für solche Projekte; es lohnt sich!

FAZIT

Empfehlung: Wenn Ihr mal einen Abend Zeit habt – auf jeden Fall ausprobieren. Schnappt Euch Kamera und Stativ, und dann ab zur nächsten Straßenbrücke, Bahnhof, Flughafen, Volksfest – wo auch immer sich etwas mit Lichtern bewegt. So lassen sich anschauliche und teils überraschende Bewegungsmuster einfangen…

Was ich gelernt habe: Ich habe einige gute Erfahrungen gesammelt, zum Beispiel zu den Auswirkungen der Belichtungszeit bei solchen Langzeitbelichtungen und Lichtmalereien. Das gleiche gilt für den Umgang mit Ebenen und Kopierstempel in Photoshop bei der Nachbearbeitung.


LINKS:

Bildnachweis: alle Bilder eigene Aufnahmen.

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