Was heißt eigentlich…? – Grundbegriffe, Abkürzungen und Objektivbezeichnungen

Grundbegriffe, Abkürzungen und Objektivbezeichnungen

Jeder, der zum ersten Mal tiefer in das Thema Fotografie einsteigt, sieht sich schnell einem ganzen Wust von Fachbegriffen und Abkürzungen gegenüber. In Testberichten, Tutorials und Online-Communities wimmelt es nur so davon. Dabei hat mich anfangs besonders verwirrt, dass es für ein und dieselbe Sache oft verschiedene Bezeichnungen gibt – oder umgekehrt dieselbe Abkürzung mehrere Bedeutungen hat. Da ich gerade dabei bin, einige meiner Ausrüstungsgegenstände zu verkaufen und durch andere zu ersetzen, musste ich für die entsprechenden Artikelbeschreibungen wieder die passenden Bezeichnungen heraussuchen. Grund genug, das hier mal auf einer Seite zusammenzufassen.

GRUNDBEGRIFFE

Zum Thema Fotografie gibt es unzählige Bücher und Videos, in denen die Grundlagen beschrieben, Anleitungen gegeben und Begriffe erklärt werden. Damit will ich hier gar nicht konkurrieren. Aber ich möchte zumindest die Begriffe, die ich selbst regelmäßig in meinen Posts verwende, in meinen eigenen Worten erläutern.

Bei den meisten Begriffen habe ich Euch den Link zum entsprechenden Artikel auf Wikipedia direkt mit eingebaut, falls Ihr etwas ausführlicher nachlesen möchtet. Und wenn Ihr es ganz genau wissen wollt, dann empfehle ich Euch ausdrücklich die Vorlesungsreihe „Lectures on Digital Photography“ von Mark Levoy.

Belichtungsdreieck

(en: exposure triangle)

Bezeichnet das Zusammenspiel von Belichtungszeit, Blende und ISO-Wert für die korrekte Belichtung eines Fotos.

  • Jede der drei Größen hat eine Belichtungskomponente und eine künstlerische Komponente:
    • Alle drei können das Foto entweder dunkler (kurze Belichtungszeit, geschlossene Blende, kleiner ISO-Wert) oder heller (lange Belichtungszeit, offene Blende, hoher ISO-Wert) machen.
    • Mithilfe der Verschlusszeit kann man Bewegungen entweder einfrieren (kurz) oder fließend darstellen (lang).
    • Eine weit geöffnete Blende erzeugt eine geringe Schärfentiefe, so dass nur das Motiv im Fokus ist. Eine geschlossene Blende hingegen bewirkt das Gegenteil, so dass ein wesentlich größerer Bildbereich scharf abgebildet wird.
    • Niedrige ISO-Werte ergeben ein klares Bild, während hohe ISO-Werte zu Bildrauschen (Körnung) führen.
    • Je nach Art des Fotos, das man machen will, wählt man einen oder zwei der Werte fest, und lässt die Kamera den dritten automatisch wählen.
    • Bei Hamburger Fotospots gibt es einen wunderbaren Spickzettel – Neudeutsch „Cheatcard“ genannt – der anschaulich die drei genannten Parameter und ihre jeweilige Wirkung darstellt:
Quelle: Hamburger Fotospots
  • Erstes Beispiel: Wenn ich die Belichtungszeit halbiere, aber dafür den ISO-Wert verdopple, kommt am Ende dieselbe Belichtung heraus (Bewegungsunschärfe wird verringert, dafür leidet die Bildqualität).
  • Zweites Beispiel: Wenn ich die Blende von ƒ/2.8 auf ƒ/5.6 ändere, kann ich dafür die Belichtungszeit vervierfachen, ohne dabei die Belichtung des Fotos zu verändern (Bewegungen werden fließender gezeigt, dafür verändert sich die Tiefenschärfe).
  • Grau ist alle Theorie, daher hier zwei sehr anschauliche YouTube-Videos zu diesem Thema:
Belichtungszeit /
Verschlusszeit
(en: exposure time shutter speed)

Die Zeitdauer, in der Licht auf den Sensor fällt. Bei den meisten Kameras lässt sie sich zwischen 1/4.000 und 30 Sekunden einstellen (⇒ Wikipedia).

  • Höherwertige Kameras bieten auch 1/8.000 Sekunde an.
  • Für Langzeitbelichtungen jenseits von 30 Sekunden gibt es den sogenannten „Bulb“-Modus, bei dem die Belichtungszeit durch Drücken und Loslassen oder zweimaliges Drücken des Auslösers beliebig lang gewählt werden kann.
  • Wird gesteuert durch den Verschluss (siehe unten).
Blende

(en: Aperture)

Technisch gesehen bezeichnet die Blende die Öffnung im Objektiv, durch die das Licht auf den Kamerasensor fällt. Sie lässt sich in der Regel im Durchmesser variieren (⇒ Wikipedia).

Künstlerisch gesehen ist die Blende das wichtigste Gestaltungsmittel des Fotografen. Sie bestimmt die Schärfentiefe, also den Entfernungsbereich im Bild, der scharf dargestellt wird. Das macht den Unterschied zwischen einem Portrait mit weichem Hintergrund und einer durchgehend scharfen Landschaftsaufnahme. Außerdem hat sie Auswirkungen auf die Menge des einfallenden Lichts, insbesondere bei Aufnahmen mit Blitz.

  • Die Einstellung der Blende wird immer in Relation zum Objektiv angegeben. Die Blendenzahl errechnet sich aus der Brennweite des Objektivs geteilt durch den Durchmesser der wirksamen Öffnung. Da die Größe der Öffnung im Nenner steht, ist die Blendenzahl umso kleiner, je größer die Blendenöffnung ist (⇒ Wikipedia).
  • Die Blendenwerte sind so gewählt, dass eine Änderung von einem Wert zum nächsten immer einer Verdoppelung oder Halbierung der durchgelassenen Lichtmenge entspricht. Das ist gleichbedeutend mit einer Verdoppelung oder Halbierung der Größe (Fläche) der Blendenöffnung. Der Flächeninhalt eines Kreises mit Radius r ist bekanntermaßen π * r². Wenn ich den verdoppeln will, ergibt sich folglich: 2 * π * r² = π * 2 * r² = π * (√2)² * r² = π * (√2 * r)². Ich muss also den Radius um den Faktor √2 ≈ 1,4 verändern, um die Fläche zu verdoppeln.
  • Daher sind die Blendenzahlen immer Vielfache von √2: ƒ/1, ƒ/1.4, ƒ/2, ƒ/2.8, ƒ/4, ƒ/5.6, ƒ/8, ƒ/11, ƒ/16…
Objektiv mit verschieden weit geöffneter Irisblenden im Vergleich (Quelle: Wikipedia)
  • Da bei manuellen Objektiven der Einstellring für die Blende bei diesen Werten einrastet, spricht man im Englischen von „stop“. Dementsprechend beziehen sich die Begriffe „stop of light“, „stop up“ und „stop down“ auf eine Verdoppelung oder Halbierung der eingefangenen Lichtmenge.
  • Im Deutschen wird das Wort Blende auch synonym dafür benutzt; man spricht dann von „einer Blende mehr“ bei Verdoppelung der Lichtmenge. Diese Formulierung wird oft unabhängig davon verwendet, ob die Wirkung tatsächlich mit der Blende erzielt wurde oder durch andere Mittel wie etwa Belichtungszeit, ISO-Wert oder Blitzleistung.
  • Zwischen den oben genannten Hauptwerten gibt es noch Werte für jeweils ±⅓ Blende, also z.B.: ƒ/2.8, ƒ/3.2, ƒ/3.5, ƒ/4.
  • Durch diese Notation ist die Angabe der Blende, bzw. ihre Auswirkung auf die Belichtung, unabhängig von Objektiv und Kamera. Das heißt, ein mit den Daten „ISO 100, Blende ƒ/8, 1/200 Sek.“ korrekt belichtetes Foto eines bestimmten Motivs wird mit jeder Kamera, an der ich diese Werte einstellen kann, korrekt belichtet sein. Was sich unterscheidet ist, je nach Brennweite und Sensorgröße, der dargestellte Bildausschnitt, der Blickwinkel und die Schärfentiefe.
  • Wenn man in einem Foto Umgebungslicht und Blitzlicht mischen will, dann kontrolliert die Blende die Menge des Blitzlichts im Foto, während die Belichtungszeit das Umgebungslicht kontrolliert.
Blitz-Synchronzeit

(en: flash sync speed)

Bezeichnet die kürzeste Belichtungszeit, bei der ein Blitz ohne spezielle „High Speed“-Funktion noch ein vollständig belichtetes Bild liefert. Sie ist abhängig von der Bauart des Verschlusses (siehe unten) und liegt je nach Kamera bei etwa 1/200 Sekunde.
Bokeh Der Begriff leitet sich ab aus dem japanischen Wort für „unscharf, verschwommen“. In der Fotografie wird damit beschrieben, mit welcher Qualität die unscharfen Bildbereiche in einem mit offener Blende aufgenommenen Foto gezeichnet werden (⇒ Wikipedia). Das Bokeh ist abhängig von der Konstruktion des jeweiligen Objektivs und der Beschaffenheit der Linsen. Besonders bei Portrait-Objektiven wird ein hoher Wert auf ein schönes Bokeh gelegt, damit der Hintergrund möglichst weich erscheint und nichts vom Motiv ablenkt. Es gibt jedoch auch Objektive, die ein sehr unruhiges Bokeh erzeugen, z.B. weil Konturen in den unscharfen Bereichen verdoppelt werden.
Chromatische
Aberration / Farbsäume
(en: chromatic aberration / color fringing)
Beim Durchqueren von Wassertropfen werden die einzelnen Farben des Lichts unterschiedlich stark gebrochen. Das Sonnenlicht wird in seine einzelnen Farben zerlegt; so entsteht ein Regenbogen. Dasselbe passiert, wenn das Licht sich seinen Weg durch die Linsen eines Objektivs sucht. Die einzelnen Linsen müssen also so aufeinander abgestimmt sein, dass auf dem Sensor wieder alle Farben passend zueinander an den richtigen Stellen landen. Gelingt das nicht, sieht man an Kanten mit starken Kontrasten (z.B. Äste eines Baums gegen den hellen Himmel oder weißer Rahmen eines ansonsten dunklen Fensters) deutliche Farbsäume, die meistens grün auf der einen und lila auf der anderen Seite sind (⇒ Wikipedia). Sie lassen sich in der Nachbearbeitung in Programmen wie z.B. Adobe Lightroom üblicherweise gut korrigieren.
Crop-Faktor /
Formatfaktor
(en: crop factor)

Um verschiedene Kamera-Typen untereinander vergleichbar zu machen, werden wesentliche Angaben wie z.B. die Brennweite des Objektivs immer auf das sog. Vollformat umgerechnet. Damit werden Kameras bezeichnet, deren Sensor dieselbe Größe hat wie das Negativ eines 35-mm-Kleinbildfilms (24 x 36 mm). Der Formatfaktor gibt das Verhältnis der Längen der Diagonalen an. (⇒ Wikipedia)

  • Weit verbreitet sind die Formate APS-C (Crop-Faktor 1,5 (Nikon) bzw. 1,6 (Canon)) und Micro-Four-Thirds (Crop-Faktor 2 (Olympus, Panasonic)).
  • Zum Vergleich der Brennweite wird diese mit dem Crop-Faktor multipliziert: 50 mm an Canon APS-C entsprechen – multipliziert mit 1,6 – also 80 mm am Vollformat. Diese Entsprechung bezieht sich jedoch allein auf den Bildausschnitt, nicht auf den Blickwinkel.
  • Zum Vergleich der Schärfentiefe multipliziert man die Blende ebenfalls mit dem Crop-Faktor. Beispiel: die rückseitige Kamera an Apples iPhone 7 hat eine Blende von ƒ/1.8 und einen Crop-Faktor von 7,2. Das entspricht also in etwa ƒ/13 am Vollformat und macht klar, warum es mit einer Handy-Kamera praktisch unmöglich ist, Bilder mit unscharfem Hintergrund aufzunehmen (große Blendenzahl = große Schärfentiefe).
Interner Fokus

(en: internal focus)

Bei Objektiven mit internem Fokus befinden sich alle beweglichen Elemente zum Scharfstellen des anvisierten Motivs innerhalb des Objektivs. Das bedeutet, dass insbesondere das Frontelement des Objektivs beim Fokussieren weder ausfährt noch sich dreht. Das ist vor allem dann wichtig, wenn man Filter verwenden möchte, bei denen es auf die richtige Orientierung ankommt; wie etwa Polarisationsfilter oder Filter mit Farb- bzw. Grauverlauf.
ISO

Bezeichnet allgemein die Internationale Organisation für Normung in der Schweiz. Da die Abkürzung für diese Bezeichnung in jeder Sprache anders wäre (auf Deutsch müsste es eigentlich ION heißen), verwendet man weltweit ISO als Eigennamen, abgeleitet von der griechischen Silbe „iso“ für „gleich“. In der Fotografie wird mit dem ISO-Wert die Lichtempfindlichkeit eines analogen Films bzw. digitalen Kamerasensors bezeichnet, wie sie in der Norm ISO 5800 definiert ist (⇒ Wikipedia).

  • Der Standardwert bei den meisten Kameras heutzutage ist ISO 100.
  • Je höher der ISO-Wert, umso lichtempfindlicher ist der Film bzw. Sensor. Dies geht immer mit einer zunehmenden Minderung der Bildqualität (Körnung bzw. Rauschen) einher. Wie stark diese ausfällt, ist bei Digitalkameras abhängig von der Bauform des Sensors, insbesondere der Größe der einzelnen Pixel. Je größer, umso besser. Deshalb haben Low-Light Kameras üblicherweise nur eine geringe Auflösung.
Naheinstellgrenze

(en: minimum focus distance)

Die Naheinstellgrenze bezeichnet die kürzeste Entfernung, auf die ich mit dem Objektiv noch scharf stellen kann. Wichtig zu wissen ist dabei, das dieser Mindestabstand immer von Sensor aus gemessen wird, und nicht vom Frontelement des Objektivs aus. Die Position des Sensors ist auf dem Kameragehäuse mit einem Symbol (0) markiert. Wenn die Naheinstellgrenze z.B. 15 cm sind, aber vom Sensor bis zum Frontelement sind es schon 12 cm, dann bleiben tatsächlich nur noch 3 cm Luft zum anvisierten Objekt. Grundsätzlich nimmt der Mindestabstand mit steigender Brennweite zu; bei Teleobjektiven können das leicht 1,5 Meter oder mehr sein. Ausnahme sind Makro-Objektive, die ganz speziell so konstruiert sind, dass auf sehr kurze Entfernung scharf stellen kann. Dadurch wird der große Abbildungsmaßstab möglich.

Schärfentiefe /
Tiefenschärfe
(en: depth of field)

Die Schärfentiefe (synonym auch Tiefenschärfe; welcher der beiden Begriffe richtig(er) ist, ist Gegenstand fortwährender Debatten zwischen Fotografen und Sprachwissenschaftlern) bezeichnet den Entfernungsbereich, innerhalb dessen Objekte hinreichend scharf abgebildet werden (⇒ Wikipedia).

  • Grundsätzlich werden nur Gegenstände, die sich exakt in der Fokusebene befinden, zu 100% scharf abgebildet.
  • Je weiter ein Gegenstand von der Fokusebene entfernt ist, nach vorne oder hinten, umso unschärfer wird er abgebildet. Das ist ein fließender Übergang, und die Grenze bis wohin ein Gegenstand „scharf genug“ ist, hängt zum einen von der Auflösung der Kamera ab, und zum anderen von der subjektiven Wahrnehmung des Betrachters.
  • Die Schärfentiefe wird kontrolliert durch drei Faktoren:
    1. Die Blende: Kleine Blendenzahl = geringe Schärfentiefe; große Blendenzahl = große Schärfentiefe.
    2. Die Brennweite: Je kürzer die Brennweite, umso größer die Schärfentiefe.
    3. Die Fokusentfernung: Je weiter weg das anvisierte Motiv ist, umso größer ist die Schärfentiefe. Ab einer bestimmten Entfernung (abhängig von Brennweite und Blende) ist Schärfentiefe unendlich; diesen Abstand nennt man Hyperfokaldistanz.
  • Deshalb werden Portraits gerne mit langer Brennweite und möglichst offener Blende fotografiert; so ist nur das Gesicht scharf und der Hintergrund möglichst unscharf. Umgekehrt arbeitet man für Landschaftsaufnahmen typischer Weise mit kurzen Brennweiten und geschlossener Blende (z.B. ƒ/8), damit möglichst viel Bildinhalt scharf abgebildet wird.
Verschluss

(en: shutter)

Der Verschluss ist eine Vorrichtung in der Kamera, die dafür sorgt, dass nur für die Dauer der eingestellten Belichtungszeit Licht auf den Film bzw. Sensor fällt (⇒ Wikipedia). Dabei ist im Wesentlichen zwischen zwei Verschlussarten zu unterscheiden:

  • Beim elektronischen oder digitalen Verschluss handelt es sich nicht um einen Verschluss im eigentlich Sinne, da während der gesamten Zeit Licht auf den Sensor trifft. Der Sensor wird zurückgesetzt (alle Werte auf null), und nach der angegebenen Zeit werden die Werte aller Pixel ausgelesen. Der Vorteil ist, dass dieser Vorgang absolut geräuschlos erfolgt. Die meisten Video-, Handy- und Kompaktkameras arbeiten so; auch Spiegelreflexkameras im Video-Modus.
  • Spiegelreflexkameras nutzen für Fotos üblicherweise einen mechanischen Schlitzverschluss, mit dem sehr präzise Belichtungszeiten bis zu 1/8.000 Sekunde realisiert werden können. Dieser besteht aus zwei Vorhängen. Zu Beginn der Belichtungszeit bewegt sich der erste Vorhang, der bis dahin den Sensor komplett abgedeckt hat, zur Seite. Am Ende der Belichtungszeit bewegt sich der zweite Vorhang aus seiner Ruhestellung in gleicher Richtung über den Sensor und deckt ihn wieder ab. Bei sehr kurzen Belichtungen (unter 1/200 Sekunde) bewegen sich die beiden Vorhänge sehr dicht hintereinander. Dadurch ist zu keinem Zeitpunkt mehr der gesamte Sensor offen, sondern es bewegt sich ein Schlitz so über den Sensor, dass jeder Bereich des Sensors für die eingestellte Zeit belichtet wird.
    • Was dabei genau passiert, kann man sich sehr schön in diesem Zeitlupen-Video auf YouTube anschauen.
    • Daher brauchen Blitze für kurze Belichtungszeiten einen speziellen „High Speed“ Modus. Durch deren extrem kurze Abbrennzeit würde man sonst einen schwarzen Balken im Bild sehen, da nur der Teil des Bildes belichtet wird, der sich zum Blitzzeitpunkt gerade zwischen den beiden Vorhängen befindet.
    • Aus der Bauform und Funktionsweise des Verschlusses leiten sich auch die Begriffe erster/zweiter (Verschluss-)Vorhang ab, die beschreiben, ob der Blitz am Anfang oder am Ende der Belichtungszeit ausgelöst wird.
  • Bei beiden Verschlusstypen wird nicht das gesamte Bild auf einmal aufgenommen, sondern die Belichtung bewegt sich gewissermaßen über den Sensor – durch das zeilenweise Auslesen der Pixel bzw. die Bewegung des Schlitzverschlusses. Das hat den Nachteil, dass schnell bewegende Objekte verzerrt abgebildet werden (sog. Rolling-Shutter-Effekt). Es gibt auch Kameras mit einem sog. „Global Shutter“, bei dem die gesamte Bildinformation auf einmal ausgelesen wird. Diese Technik kommt vor allem in teuren Hochgeschwindigkeitskameras zum Einsatz.
  • Robert Hall hat ein Video auf YouTube, in dem er die Unterschiede sowie die Vor- und Nachteile der beiden Verschlussarten erläutert.

ABKÜRZUNGEN

Abkürzungen in der Fotografie gibt es nahezu beliebig viele. Ich habe hier nur die herausgegriffen, die ich selber relativ häufig benutze. Außerdem fehlen in dieser Liste alle Abkürzungen, die sich auf die Bauform oder Funktion von Objektiven beziehen; diese findet Ihr weiter unten in einer eigenen Rubrik.

AF

Autofokus – Damit stellt die Kamera automatisch auf das anvisierte Objekt scharf. Es gibt zwei grundsätzlich unterschiedliche Autofokus-Systeme: Die Phasenerkennung kommt in Spiegelreflexkameras bei Nutzung des optischen Suchers zum Einsatz; die Kantenerkennung bei der Nutzung eines elektronischen Suchers oder Displays (z.B. am Handy). Die Phasenerkennung ist schneller, die Kantenerkennung zuverlässiger. Ferner kommen je nach Kamera bzw. Objektiv verschiedene Stellantriebe zum Einsatz; siehe auch Objektivbezeichnugen.

APS‑C

Advanced Photo Systems-Classic – Unter dieser Bezeichnung werden heutzutage Digitalkameras mit einer Sensorgröße von 22,5 x 15,0 mm (Crop-Faktor 1,6) bis 25,1 x 16,7 mm (Crop-Faktor 1,5) zusammengefasst. Praktisch alle Kameras mit wechselbaren Objektiven und einem Neupreis unter 1.000,- € haben einen solchen Sensor. APS-C ist keine standardisierte Angabe; die Sensorgröße schwankt je nach Hersteller. Bei Nikon tragen diese Kameras die Bezeichnung „DX“.

Die Bezeichnung geht zurück auf das Mitte der 1990er noch für analoge Filme entwickelte APS-System. Das Aufnahmeformat betrug etwa ⅓  des 35-mm-Kleinbildfilms. Dadurch war es möglich, kleinere Kameras zu bauen und zusätzliche Bildinformationen auf dem Film zu speichern. Durch die schnell aufkommende Digitalfotografie konnte sich APS im Analogbereich jedoch nie durchsetzen und verschwand bereits nach wenigen Jahren wieder vom Markt.

APS-C als Klassifizierung der Sensorgröße hat keinen Bezug zur Sensortechnologie APS (Active Pixel Sensor). Dies ist eine Bauform von sog. CMOS-Sensoren, die wegen des geringen Stromverbrauchs und der kompakten Baugröße in nahezu allen Handy- und Kompaktkameras zum Einsatz kommt.

ILC Interchangeable Lens Camera – Kamera mit wechselbarem Objektiv. Wird oft als Oberbegriff für System- und Spiegelreflexkameras gebraucht, in Abgrenzung zu den Kompaktkameras mit fest verbautem Objektiv.
DSLM Digital Single-Lens Mirrorless – Die englische Bezeichnung für digitale spiegellose Kameras, im Deutschen oft auch als Systemkameras bezeichnet (Beispiel: Sony Alpha a6000). „Single-Lens“ bedeutet, dass das Bild im Sucher durch dasselbe Objektiv erfasst wird wie das eigentliche Foto. Bei älteren Kompaktkameras gab es für den Sucher oft eine eigene Optik. Da heutzutage praktisch alle Kameras digital sind, wird das D oft weggelassen und nur SLM benutzt. Ferner gibt es eine Reihe synonymer Abkürzungen: MILC (Mirrorless Interchangeable Lens Camera), MSC (Mirrorless System Camers) und – mein Favorit  :mrgreen: – EVIL (Electronic Viewfinder Interchangeable Lens camera).
DSLR Digital Single-Lens Reflex – Die englische Bezeichnung für digitale Spiegelreflexkameras (Beispiel: Canon EOS 760D). Auch hier wird oft nur „SLR“ genutzt.
MF Manueller Fokus – Wechselobjektive erlauben in der Regel auch ein manuelles Scharfstellen auf das Motiv. Dies ist sinnvoll bei schwierigen Lichtverhältnissen (z.B. Nachtaufnahmen) oder für Aufnahmen, bei denen ein sich bewegendes Ziel an einer bestimmten Stelle fotografiert werden soll und der Autofokus nicht schnell genug wäre.
MFT Micro-Four-Thirds – Bezeichnet ein hauptsächlich von Olympus und Panasonic genutztes Sensorformat mit dem Crop-Faktor 2. „Four Thirds“ bezieht sich dabei auf das Seitenverhältnis des Sensors von 4:3, anstelle der sonst in der Fotografie üblichen 3:2.
SOOC Straight Out Of Camera – Diese vor allem in Internet-Foren und Foto-Communities genutzte Abkürzung steht für „direkt aus der Kamera“ und bedeutet, dass das so bezeichnete Foto in keiner Weise am Rechner nachbearbeitet wurde.

OBJEKTIVBEZEICHNUNGEN

Bei den Objektiven wird es besonders wild, da hier die Abkürzungen für dieselben Eigenschaften und Funktionen von Hersteller zu Hersteller variieren. In der unten stehenden Tabelle habe ich die gängigsten Kürzel für die Marken, die ich nutze, zusammengefasst.

Was ich dabei gezielt ausgelassen habe, sind die ganzen Bezeichnungen für die „optische Formel“ eines Objektivs – also welche speziell geformten Linsen verbaut sind und welche besonderen Beschichtungen diese haben. Das würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Wichtig sind da nur die Auswirkungen auf die Bildqualität (Verzerrung und chromatische Aberration).

Funktion Canon Samyang Sigma Tamron Tokina
Objektiv für Vollformat-Kameras EF DG Di FX
Objektiv für Kameras mit APS-C Sensor EF-S CS DC Di II DX
Objektiv für spiegellose Kameras EF-M FE (Sony E-Mount) DN
Bildstabilisator IS (Image Stabilization) OS (Optical Stabilizer) VC (Vibration Compensation)
Autofokus USM (Ultra-Sonic Motor)

STM (Stepping Motor)

 AF HSM (Hyper-Sonic Motor) USD (Ultrasonic Silent Drive)  AF
Interner Fokus IF IF IF IF
Profi-Objektive L (Luxury) A (Art)

S (Sport)

EX (Excellence)

SP (Super Professional) AT-X Pro
Consumer-Objektive C (Contemporary) AT-X
ANMERKUNGEN:
  • Canon: Objektive, die intern fokussieren, sowie Objektive für „Normalverbraucher“ haben keine eigene Bezeichnung.
  • Samyang: Objektive von Samyang werden unter verschiedenen Markennamen verkauft; darunter Rokinon, Bower, Opteka, Pro-Optic, Vivitar und Walimex. Technisch sind sie jeweils identisch; unterscheiden sich beim Preis aber teils deutlich. Vollformat-Objektive haben keine eigene Bezeichnung; Objektive mit Bildstabilisator gibt es keine. Auch wird nicht zwischen verschiedenen Produktlinien unterschieden.
  • Tamron: Objektive speziell für spiegellose Kameras gibt es von Tamron meines Wissens nach aktuell keine. Consumer-Objektive haben keine eigene Bezeichnung.
  • Tokina: Keine Objektive speziell für spiegellose Kameras oder mit Bildstabilisator im Angebot.

FAZIT

Empfehlung: Am Anfang sind die ganzen Begriffe und Abkürzungen ziemlich verwirrend, aber davon sollte man sich nicht abschrecken lassen! Für die Grundbegriffe hilft am Anfang natürlich auch mal ein Buch, aber letztlich ist es „learning by doing“. Insbesondere mit dem Belichtungsdreieck muss man sich intensiver befassen und die damit verbundenen gestalterischen Möglichkeiten (Wie bekomme ich den Hintergrund unscharf? Wie friere ich Bewegungen ein?) verinnerlichen.

Was ich gelernt habe: Eine Menge  😀 Und ich lerne immer noch. Auch beim Schreiben dieses Artikels habe ich wieder ein paar Dinge besser verstehen gelernt…


LINKS

Außer auf Wikipedia finder Ihr weitergehende Erklärungen hier:

Bildnachweis: Titelbild: eigene Grafik

Buchempfehlung: Tony Northrup – Stunning Digital Photography

Book Cover: Stunning Digital Photography (www.northrup.photo)

Ein umfangreiches Fotografie-Buch, das gleichzeitig Video-Tutorial und Foto-Community ist, gibt’s das? Ja, gibt’s tatsächlich. Zumindest auf Englisch: Tony Northrup spannt mit seinem Buch „Stunning Digital Photography“ (SDP) den großen Bogen von Anleitungen für Einsteiger bis hin zu Tipps für Fortgeschrittenen, und das praktisch quer durch alle Disziplinen der Fotografie.

Als ich damals angefangen habe, mich intensiver mit der Fotografie zu beschäftigen, habe ich vor allem eins gesucht: Orientierung. Welche Möglichkeiten gibt’s überhaupt? Was braucht man wofür? Wo fängt man am besten an? Nachdem ich für die Auswahl meiner Kamera und Objektive, sowie für das Thema „Milchstraße fotografieren“ YouTube als Informationsquelle entdeckt hatte, bin ich dort auch recht schnell auf die zahlreichen Videos im Kanal von Chelsea & Tony Northrup gestoßen – und dadurch auf das Buch.

SDP: EINES FÜR ALLES

Das Buch gibt es in allen möglichen Formaten: als gebundene Ausgabe oder als Ebook für alle gängigen Reader. Ich empfehle unbedingt die Ebook-Variante, denn hier sind die zahlreichen Videos mit Beispielen und Anleitungen direkt verlinkt, so dass man zwischen Lesen und Schauen hin- und herspringen kann. Das macht das Buch sehr lebendig, denn in den Videos werden die Auswirkungen verschiedener Einstellungen sehr viel anschaulicher dargestellt als dies lediglich mit ein paar Bildern im Buch möglich wäre. Gerade das macht für mich den großen Reiz aus und war letztlich ausschlaggebend für den Kauf.

Ein weiterer Vorteil hier ist, dass das Buch nicht „fertig“ ist – es werden immer mal wieder Kapitel und Videos aktualisiert, oder es kommen neuen hinzu. Und hat man das Buch einmal erworben, hat man auch automatisch Zugriff auf alle folgenden Aktualisierungen, die man dann einfach von der Homepage herunterladen kann.

BUCHAUFBAU

Das Buch beginnt mit einigen allgemeinen Kapiteln: den „Quick Tips“ für Schnelleinsteiger, gefolgt von Abschnitten zu Bildaufbau, Licht und Blitz, sowie Kamerabedienung im Allgemeinen. Hier werden viele Grundbegriffe erläutert wie etwa die Wirkung von Brennweite, Blickwinkel und Lichteinfall auf ein Bild. Ergänzend zu den allgemeinen Bedienungshinweisen bietet Tony für viele populäre Kameramodelle jeweils ca. einstündige Tutorials an, in denen ausführlich auf die Bedienung der jeweiligen Kamera und ihre Besonderheiten eingegangen wird. Der allgemeine Abschnitt wird abgeschlossen mit einem „Trouble Shooting“ Kapitel, in dem den Ursachen für unscharfe Bilder oder verfälschte Farben nachgegangen wird.

Dann folgt eine ganze Reihe von Kapiteln, die sich, aufbauend auf den zuvor geschaffenen Grundlagen, ausführlich speziellen Themen widmen: Portraits, Hochzeiten, Tiere, Landschaften, Nachtaufnahmen, HDR-Bilder, Makro-/Nahaufnahmen und schließlich Unterwasser-Fotografie. In jedem dieser Abschnitte gibt es neben einleitenden Hinweisen dann spezifische Tipps zur Planung von Fotos, Kameraeinstellungen, Ausrüstung und leicht zu vermeidenden Fehlern. In vielen Kapiteln gibt es zudem ein kleines Quiz, mit dem man einfach schauen kann, wie viel des Gelesenen und Gesehenen man bereits verinnerlicht hat.

DIE VIDEOS

Die Videos sind allesamt gut gemacht – mit zwei bis fünf Minuten haben die meisten von ihnen eine angenehme Länge; bei komplexen Themen können es auch mal zehn Minuten werden. Viele der Videos sind auf dem YouTube-Kanal frei zugänglich; es gibt aber auch etliche, an die man nur über die Links aus dem Buch kommt, so dass man hier einen echten Mehrwert hat. Ich finde das Englisch von Chelsea und Tony gut zu verstehen. Zudem haben die meisten Videos inzwischen auch Untertitel, die man zusätzlich einblenden kann.

Jedes Video betrachtet ein spezielles Thema und stellt es anschaulich dar. Das kann ein Stück Theorie sein, wie etwa die Wirkung der Blendeneinstellung auf das Foto, oder praktische Hinweise, etwa zum Fotografieren von Vögeln. Auch heute noch greife ich immer wieder gezielt auf einzelne Videos aus dem Buch zu, wenn ich etwas Bestimmtes ausprobieren oder wissen will.

FACEBOOK-GRUPPE

Wenn Ihr das Buch habt, bekommt Ihr auch Zugang zur geschlossenen Facebook-Gruppe „Stunning Digital Photography Readers“. Hier könnt Ihr eigene Bilder hochladen und so direkte Rückmeldungen aus dieser recht großen Community bekommen. Die Erfahrung zeigt: Je konkreter die Fragen sind, die Ihr zum eigenen Bild stellt, umso bessere Rückmeldungen erhaltet Ihr. Zudem bieten die zahlreichen Bilder anderer Fotografen Inspirationen für eigene Foto-Versuche. Auch dafür hat sich aus meiner Sicht die Investition in das Buch gelohnt.

WEITERFÜHRENDES

In „Stunning Digital Photography“ geht es in erster Linie um das Machen der Bilder. Was hier nur ansatzweise behandelt wird, ist die Nachbearbeitung. Das ist auch in Ordnung aus meiner Sicht, denn es würde zum einen den Rahmen des Buches sprengen und ist zudem stark von der verwendeten Software abhängig. Wer auf die Programme von Adobe setzt, für den haben Chelsea und Tony weitere Bücher speziell für Lightroom und Photoshop im Angebot, die ähnlich aufgebaut sind wie SDP. Auch hier sind viele, aber lange nicht alle Videos auf YouTube frei zugänglich.

Falls Euch die Erläuterungen zur Theorie des Fotografierens in SDP, egal ob z.B. Bildaufbau oder Kameratechnik, nicht weit genug gehen, oder falls Ihr schlicht neugierig geworden seid, dann schaut Euch unbedingt die Vorlesungsreihe Digitale Fotografie von Mark Levoy an.

VERGLEICHBARES AUF DEUTSCH

Etwas Vergleichbares – im Sinne von „alles aus einer Hand“ – ist mir bislang auf Deutsch noch nicht untergekommen. Natürlich gibt es auch hier ein weit gefächertes Angebot an YouTube-Videos und Büchern, zum Beispiel von Stephan WiesnerBenjamin Jaworskyj und Frank Fischer. Die einzelnen Themen sind hier ebenfalls gut aufbereitet und präsentiert; es fehlt jedoch die allumfassende Klammer, die alles miteinander verbindet. Dies ist nicht zuletzt der Tatsache geschuldet, dass jeder Fotograf seine Spezialgebiete hat, die er besonders gut präsentiert und dafür andere Themen auslässt.


FAZIT

Empfehlung: Wenn für Euch Englisch kein Ausschlusskriterium ist, dann kann ich Euch „Stunning Digital Photography“ auf jeden Fall als Rundum-Paket empfehlen.

Was ich gelernt habe: Das Buch, und viel mehr noch die darin enthaltenen Videos, haben mir einen sehr guten Überblick sowohl über die Grundlagen als auch das ganze Spektrum der Fotografie gegeben. Gleichwohl habe ich im Vergleich mit den Anleitungen anderer Fotografen gelernt, nicht alles aus dem Buch und den Videos ungeprüft zu übernehmen, sondern Dinge auch zu hinterfragen und die für mich passenden Anregungen zu übernehmen. Um es mit Stephan Wiesner zu sagen: nicht glauben, ausprobieren!


LINKS

Titelbild: Buchtitel; Quelle: http://northrup.photo/

Blog-Empfehlung: 20 Tipps zum Bildaufbau in der Fotografie

Bildaufbau - Drittelregel und führende Linien

Der gezielte Bildaufbau ist das wesentliche Unterscheidungsmerkmal zwischen einem Schnappschuss und einer Fotografie. Das soll nicht heißen, dass Schnappschüsse „verboten“ sind – manchmal ist das Einfangen eines kurzen Moments viel wichtiger als das „Drumherum“. In der Regel hat man jedoch die Zeit, sich ein paar Gedanken darüber zu machen wie man das angepeilte Motiv schön in Szene setzen kann. Wir kennen alle die typischen Urlaubsbilder: Horizont und/oder Person in der Bildmitte. Ich gebe zu, ich habe in der Vergangenheit auch schon viele von der Sorte produziert. Und wir wissen auch alle, wie langweilig diese Bilder meistens sind.

Jetzt gibt es natürlich auch zum Thema Bildaufbau mehr als genug Literatur – man kann buchstäblich ganze Vorlesungen darüber halten. Und genau das ist auch wieder das Problem: Sucht man danach im Internet, findet man oft seitenweise Texte die sich in Details und kunsthistorischen Zusammenhängen verlieren, ohne jedoch anschauliche Beispiele zu liefern. Oder es werden jeweils isoliert nur einzelne Aspekte betrachtet, wie etwa die Drittelregel.

Umso glücklicher war ich daher, als ich auf den Blog von Barry O Carroll gestoßen bin. Neben den Bildergalerien von seinen Reisen hat er auch eine Reihe von Guides geschrieben und dort veröffentlicht. Allen voran der Beitrag „Guide to Composition in Photography – 20 Tips„. Dort stellt er in einer gut strukturierten Übersicht die wesentlichen Regeln des Bildaufbaus vor – allesamt mit anschaulichen Bildbeispielen und einem kurzen(!) Text. Einfach auf den Punkt gebracht – besser kann man es nicht mehr machen.

Dabei gilt: Diese Regeln sind keine Gesetze, an die man sicher jederzeit akribisch halten muss. Sie sind eher als Inspiration gedacht wie man seine Bilder interessanter gestalten kann. Hat man sie verinnerlicht, und schaut sich dann berühmte Fotografien an, wird man viele dieser Gestaltungsmuster schnell wieder erkennen.

INFORMATIONEN AUF DEUTSCH

Barrys Blog ist natürlich auf Englisch – aber auch wenn Ihr in dieser Sprache nicht so sicher seid, schaut Euch die 20 Tipps auf jeden Fall an. Viele der Illustrationen sprechen schon für sich. Ich habe mich dennoch bemüht auch eine vergleichbare Seite mit deutschem Text zu finden. Den meiner Meinung nach besten Treffer dazu findet Ihr bei Frank Salomo auf seiner Seite fuenfzigmillimeter.de unter dem Titel „Motivanordnung und Bildaufbau„.


FAZIT

Empfehlung: Unbedingt anschauen!

Was ich gelernt habe: Grau ist alle Theorie, Bilder sagen mehr als 1.000 Worte – hier gibt es kurz und knapp zusammengefasst und fantastisch aufbereitet jede Menge Anregungen zur Gestaltung der eigenen Fotos. Die Beispiel-Fotos mit den aufgebrachten Linien und Markierungen zeigen jeweils sehr gut, wie und warum die jeweilige Regel funktioniert.


LINKS

Bildnachweis: Titelbild: eigene Aufnahme

YouTube-Empfehlung: Marc Levoy – Lectures on Digital Photography

Marc Levoy - Lectures on Digital Photography

Wenn man sich mit der Theorie des Fotografierens beschäftigt, kommt man leicht vom Hundertsten ins Tausendste: man merkt schnell, dass es mit dem Belichtungsdreieck alleine nicht getan ist. Wie kommt das Bild überhaupt auf den Sensor? Wie sieht die Kamera Farben? Wie sehen wir sie? Woher kommt das Bildrauschen? Das kann man sich entweder alles einzeln zusammensuchen – oder man schnappt sich das „Rundum-Sorglos-Paket“ von Marc Levoy.

ZUSAMMENFASSUNG

Marc Levoy ist emeritierter Professor der Universität Stanford, und arbeitet jetzt bei Google. Von 2009 bis 2014 hat er an der Universität seine Vorlesung unter der Überschrift „Wie Kameras funktionieren, und wie man mit ihnen gute Bilder macht“ gehalten. In Frühjahr 2016 hat er seine Vorlesung in angepasster Form noch einmal gehalten, bei Google, wo sie dankenswerter Weise aufgezeichnet und komplett ins Netz gestellt wurde. 18 Vorlesungen, das sind über 22 Stunden Videomaterial. Hier die Übersetzung der Kursbeschreibung:

Eine Einführung in die wissenschaftlichen, künstlerischen und rechnerischen Aspekte der digitalen Fotografie. Die Themen beinhalten Objektive und Optik, Licht und Sensoren, optische Effekt in der Natur, Perspektive und Tiefenschärfe, Datenauswertung und Rauschen, die Kamera als Berechnungsplattform, Bildverarbeitung und Bearbeitung, und Fotografie mithilfe von Computern. Wir werfen außerdem einen Blick auf die Geschichte der Fotografie, schauen uns die Arbeiten berühmter Fotografen an, und sprechen über den Aufbau aussagestarker Bilder.

Wer des Englischen halbwegs mächtig ist, sollte sich diese Vorlesungsreihe auf keinen Fall entgehen lassen. Die Vorträge sind sehr angenehm; sein Englisch ist sehr gut zu verstehen und er verliert sich in „Fachchinesisch“, auch wenn er natürlich durchaus sehr tief ins Detail geht. Dabei verliert er aber nie den roten Faden, und das macht das Gesamtpaket so interessant.

Auf der Homepage zur Vorlesung gibt es nicht nur die Links zu den 18 Videos auf YouTube, sondern auch alle in der Vorlesung verwendeten Applets inklusive Anleitung, sowie die gestellten Aufgaben zum selber ausprobieren!


FAZIT

Empfehlung: Auf jeden Fall anschauen!

Was ich gelernt habe: Eine Menge 🙂 Vor allem sind mir eine Menge Hintergründe und Zusammenhänge klar geworden, die sich einem nicht erschließen wenn man sich nur punktuell mit einzelnen Themen auseinandersetzt. Man kann sich natürlich über den Stundenplan auf der Homepage auch gezielt die Themen heraussuchen, die einen besonders interessieren. Meine Empfehlung ist aber ganz klar sich die Zeit zu nehmen um sich nach und nach die gesamte Reihe anzuschauen.


LINKS

Auf interessante Stunden,
– Jochen =8-)

Titelbild: Screenshot der o.a. Homepage

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