Bilder in Bewegung: Zeitraffer-Aufnahmen – Nachbearbeitung

Zeitraffer

In den beiden ersten Teilen der Serie ging es darum, wie man mit verschiedenen Kameras die Bilder für eine Zeitrafferaufnahme macht. Für einen längeren Clip kommen dabei schnell ein paar tausend Fotos zusammen. Um diese nun in ein fertiges Video umzuwandeln, gibt es zahlreiche Programme für jedes Betriebssystem. Vom Prinzip her funktionieren diese alle gleich; sie unterscheiden sich beim Funktionsumfang, dem Bedienungskomfort und natürlich dem Preis. Ich möchte hier die beiden Methoden vorstellen, die ich üblicherweise nutze: die schnelle und einfache Variante mit Adobe Photoshop ohne weitere Bearbeitung der Bilder, sowie den Workflow mit der Kombination aus Adobe Lightroom und LRTimelapse, der umfassende Möglichkeiten zur Optimierung bietet des fertigen Videos bietet.

WIE AUS 2.000 FOTOS EIN FILM WIRD

Starten wir mit dem einfachen Fall: die Bilder liegen bereits alle im JPEG-Format vor, so wie das zum Beispiel bei Zeitraffer-Aufnahmen mit meiner alten GoPro der Fall ist. Wer von Adobe das Creative Cloud Foto-Abo nutzt, hat neben Lightroom auch Photoshop zur Verfügung. In Photoshop einfach über Datei → Öffnen das erste Bild auswählen und im Öffnen-Dialog bei den Optionen den Haken für Bildsequenz setzen. Photoshop fragt dann im nächsten Schritt nach der Bildwiederholrate, und anschließend kann man direkt den Film im gewünschten Format exportieren. Wer nur Lightroom nutzt, findet im Internet eine Reihe von Skripten, die im Prinzip dasselbe machen.

Bildsequenz in Photoshop öffnen
Bildsequenz in Adobe Photoshop CC öffnen

Außerdem gibt es eine Vielzahl weiterer Bildbearbeitungsprogramme, die eine solche Funktion anbieten. Ohne sie selber ausprobiert zu haben, möchte ich zumindest das in Java geschriebene Open-Source-Tool ImageJ und die Software Panolapse nennen. Beide laufen sowohl auf MacOS X als auch auf Windows.

Ich möchte noch eine weitere Möglichkeit nennen, die langjährigen Apple-Nutzern zur Verfügung steht: Wer in seinen Archiven noch einen Registrierungscode für die Pro-Version des alten QuickTime Player 7 hat, kann sich die letzte Version von QuickTime 7 von der Apple-Homepage herunterladen. Man kann zwar keine neuen Lizenzschlüssel mehr kaufen, aber die alten funktionieren noch. Nachdem man die Pro-Version aktiviert hat, steht im Menü Datei die Option Bildsequenz öffnen zur Verfügung. Dort einfach das erste Bild der Sequenz auswählen. Es folgt eine Abfrage für die gewünschte Bildwiederholrate, und nach einem kurzen Moment lässt sich das Video bereits anschauen. Anschließend lässt es sich im Apple-üblichen QuickTime-Format (H.264) als Videodatei speichern.

BEARBEITUNG DER EINZELFOTOS

Vor der Umwandlung zum Film bietet sich noch die Gelegenheit, die Bilder zu bearbeiten. Hat man im RAW-Format fotografiert, so stehen einem hierfür die vollen Möglichkeiten zu Verfügung. Insbesondere in den sehr hellen und den sehr dunklen Bildbereichen lassen sich so viele Details herausholen. Zudem kann man Weißabgleich, Kontrast und Farbwiedergabe den eigenen Wünschen entsprechend optimieren.

Damit ergibt sich die Herausforderung, die Bilder so konsistent zu bearbeiten, dass hinterher ein möglichst gleichmäßiger Film dabei herauskommt. Man braucht also ein Programm, das es erlaubt, an einem Foto gemachte Änderungen auf den Rest der Bildreihe zu übertragen.

In Adobe Lightroom geht das am besten, wenn man ein Bild etwa aus der Mitte der Sequenz bearbeitet und dann die Entwicklungseinstellungen auf alle Fotos synchronisiert. Das funktioniert sehr gut, solange sich die gemachten Änderungen für alle Bilder etwa gleich gut eignen. Dabei sollte man die Aufnahmen auch direkt im Seitenverhältnis 16:9 zuschneiden. Nachdem man alle Dateien in der Größe 3840×2160 Pixel (4K-Auflösung) oder 1920×1080 Pixel (Full HD) als JPEG exportiert hat, kann man den Bilderstapel wie oben beschrieben in ein Video umwandeln.

WORKFLOW MIT LRTIMELAPSE 4

Will man die Bilderreihe für die Zeitrafferaufnahme umfangreicher bearbeiten, reicht ein übliches Bildbearbeitungsprogramm alleine nicht mehr aus – denn die Schwierigkeit liegt ja darin, die Anpassungen der einzelnen Fotos so aufeinander abzustimmen, dass am Ende im Video keine plötzlichen Helligkeits- oder Farbänderungen auftreten. Solche sind unvermeidlich, wenn man z.B. im Verlauf der Dämmerung die Verschlusszeit und den ISO-Wert ändert, um die Belichtung anzupassen. Videos von Sonnenauf- oder -untergängen werden daher auch als der „Heilige Gral“ der Zeitraffer bezeichnet.

Für solche Fälle habe ich mir die Software LRTimelapse 4 von Gunther Wegner zugelegt. Diese arbeitet in Verbindung mit Adobe Lightroom und bietet eine Reihe von Funktionen, mit denen sich die erstellten Videos deutlich verbessern lassen. LRTimelapse ist einfach zu bedienen und bietet sehr umfangreiche Möglichkeiten um Anpassungen an den Ausgangsbildern auf die ganze Reihe zu synchronisieren und dabei auch Helligkeitsänderungen im Laufe der Aufnahme anzugleichen. Dabei verändert LRTimelapse die Bilder nicht selbst, sondern berechnet die nötigen Anpassungen für jedes Bild und gibt diese als Metadaten an Lightroom weiter. Die eigentliche Verarbeitung der Bilder erfolgt durch Adobes Camera RAW Engine. Der Prozess läuft wie folgt ab:

  • LRTimelapse starten und den Ordner mit den RAW-Dateien für die Zeitraffer öffnen. Das Programm importiert die Daten und analysiert den Helligkeitsverlauf. Basierend darauf schlägt es eine Anzahl von Keyframes vor, die sich manuell noch anpassen lassen. Üblicherweise setzt man zwischen vier und acht solcher Keyframes.
  • Über einen speziellen Drag&Drop-Button wird die Bildsequenz einfach nach Lightroom importiert. Dort kann man durch Setzen eines vordefinierten Filters die Keyframes auswählen.
  • Diese kann man nun nach Belieben und in vollem Umfang bearbeiten. Man beginnt mit dem ersten Frame und synchronisiert anschließend die vorgenommenen Einstellungen auf alle folgenden Bilder. Dann geht man zum nächsten Foto, nimmt eventuell nötige Anpassungen vor, synchronisiert wieder auf die Folgebilder und so weiter, bis alle Keyframes den eigenen Wünschen entsprechen. Dabei sollte man die Bilder auch gleich auf 16:9 anpassen. So kann man den Bildausschnitt frei wählen; LRTimelapse schneidet sonst automatisch mittig zu.
  • Sind die Keyframes fertig bearbeitet, speichert man die Metadaten als Dateien ab und kehrt zu LRTimelapse zurück.
  • Jetzt kommt der Clou: LRTimelapse berechnet, ausgehend von den Keyframes, automatisch die nötigen Anpassungen für alle übrigen Fotos. So ergeben sich sanfte Übergänge für Helligkeit, Farben und Kontraste. Das dauert einen Moment, dafür kann man sich dann in der Vorschau direkt das Ergebnis anschauen.
  • Zum Feinschliff bietet LRTimelapse noch eine „Deflicker“ (Entflacker) Funktion an, um Helligkeitssprünge zu vermindern. Ich habe auf diese Weise sogar bei Verwendung der Belichtungsautomatik (Blendenvorwahl) der Kamera sehr gute Ergebnisse bei Aufnahmen während der Dämmerung erzielen können.
  • Schließlich werden die Anpassungen für alle Fotos als Metadaten in separaten Dateien (*.xmp) gespeichert.
  • In Lightroom werden diese neuen Metadaten dann geladen und die darin enthaltenen Anpassungen auf die Bilder angewendet.
  • Zuletzt startet man aus Lightroom heraus den Export. Zunächst werden auch hier wieder alle Bilder als JPEG auf die Festplatte gespeichert – bei 2.700 Bildern kann das schonmal ein paar Stunden dauern, zumindest auf einem über sechs Jahre alten Laptop. Danach rendert LRTimelapse aus den JPEGs einen Film mit den gewünschten Einstellungen (Auflösung, Bildwiederholrate, Video-Codec etc.). Das geht relativ schnell, und man kann aus der JPEG-Sequenz immer wieder neue Videos mit anderen Einstellungen erzeugen.

Gunter Wegner bietet ein rund halbstündiges Tutorial-Video (auf Deutsch) an, in dem er ausführlich die Funktionen und Arbeitsweise mit dem Programm erläutert.

BEISPIEL

Das folgende Video zeigt einen Sonnenaufgang über einen Zeitraum von etwa vier Stunden, mit einem Foto alle zehn Sekunden. Aufgenommen wurde der Zeitraffer mit der Canon 760D und dem Radian 2. Für die Aufnahme habe ich die Blende fest auf 2,2 eingestellt, während Verschlusszeit und ISO-Wert von der Kamera automatisch gewählt wurden. Die ersten Bilder entstanden bei 5 Sekunden, ISO 400; die letzten bei 1/4.000 Sekunde, ISO 100. Der Radian 2 hat dabei die Kamera ausgelöst und gedreht.

Die Bilder wurden anschließend wie oben beschrieben in Adobe Lightroom und LRTimelapse 4 bearbeitet. So entstand ein Video mit sehr gleichmäßigen Helligkeits- und Farbübergängen. Die Musik, die aus der freien Musik-Bibliothek von YouTube stammt, habe ich zum Schluss in Adobe PremierePro hinzugefügt.

Noch mehr als die Dämmerung an sich fasziniert mich in dem Video jedoch die Bewegung der Wolken. Es wird sicher nicht mein letzter Film dieser Art gewesen sein; ich werde noch viel mit Zeitintervall, Zeitraum, Ort und Wetter experimentieren…


FAZIT

Empfehlung: Für mich hat sich die Investition in LRTimelapse absolut gelohnt, und ich empfehle es jedem, der sich ernsthaft mit Zeitraffer-Aufnahmen auseinandersetzt. Es gibt auch eine kostenlose Demo-Version, die auf 400 Bilder pro Sequenz beschränkt ist, aber sonst den vollen Funktionsumfang bietet. So kann man gut testen, ob das Programm den eigenen Vorstellungen entspricht.

Was ich gelernt habe: Das Zeitraffer Spaß machen, ist denke ich schon in den ersten Teilen der Serie klar geworden. Mit den passenden Werkzeugen lassen sich auch schwierige Lichtsituationen meistern. So entstehen mit überschaubarem Aufwand kleine Meisterwerke – wieder mal ein „Gewusst, wie“.


LINKS:

Bildnachweis: Titelbild – Screenshot Adobe Lightroom CC; Bildsequenz öffnen – Screenshot Adobe Photoshop CC; YouTube-Video Sonnenaufgang – eigene Aufnahme

Foto-Experiment: Lichtmalerei mit Flugzeugen

Night Traffic

Langzeitbelichtungen zählen zu den vielen Mitteln und Wegen, etwas so zu fotografieren, wie man es mit dem bloßen Augen sonst nicht sieht. Und das ist etwas, was mich an der Fotografie sehr reizt. Zu den am weitesten verbreiteten Motiven dieser Art gehören Nachtaufnahmen von Städten, in denen fahrende Autos mit ihren Lichtern lange Streifen durchs Bild malen.

Daran musste ich denken, als ich neulich bei einem Abendspaziergang mal wieder einem der startenden Flugzeuge bei uns in der Gegend hinterher schaute. Alle Flüge, die in Frankfurt auf der Startbahn West abheben, starten genau in unsere Richtung. In der Abenddämmerung kann man ihre Scheinwerfer und Positionslichter sehr gut am Himmel sehen. So reifte die Idee mal auszuprobieren, was man daraus machen kann.

FÜR UNGEDULDIGE

Ausrüstung Einstellungen
  • Kamera
  • Stativ
  • Fernauslöser
  • Wetterfeste Kleidung
  • Getränke
  • Was zum Lesen
  • Taschenlampe
  • Manueller Fokus
  • Manueller Modus
  • ISO 100
  • 30 Sekunden
  • Blende ƒ/11 – ƒ/5.6
  • Serienbildaufnahme
  • Weißabgleich: Tageslicht

DER AUFBAU

Vor ein paar Tagen schließlich waren die Bedingungen ideal: Das Wetter war klar und trocken. Dazu waren ein paar Wolken unterwegs, die aber hoch genug waren, dass sie vom hellen Flughafen nicht angeleuchtet wurden und die startenden Flugzeuge auch nicht sofort darin verschwanden. Also habe ich meine Ausrüstung eingepackt und bin losgelaufen, raus aufs Feld.

Dort habe ich mir einen passenden Standort gesucht, von dem aus man die startenden Flugzeuge gut sehen konnte, ohne die Lichter des nächsten Orts im Bild zu haben. Vor allem galt es zu vermeiden, dass vorbeifahrende Autos mit ihren Scheinwerfern direkt in die Kamera leuchten.

Da ich den Blickwinkel vorher schlecht abschätzen konnte, hatte ich mehrere Objektive eingepackt. Der Bildausschnitt bei 35 mm gefiel mir sehr gut, und so habe ich das Sigma A 18-35 mm ƒ/1.8 verwendet, mit dem ich schon viele schöne Nachtaufnahmen gemacht habe. Da ich die Blende nie weiter geöffnet hatte als ƒ/5.6, hätte jedes normale Standard-Zoomobjektiv hier auch gereicht.

Für die geplanten Langzeitbelichtungen stand die Kamera natürlich auf einem Stativ, und ich hatte meinen Fernauslöser dabei. Den habe ich hauptsächlich deshalb genutzt, weil man dort den Auslöser einrasten kann, so dass die Kamera im Serienbildmodus mehrere Fotos direkt hintereinander schießt.

DIE EINSTELLUNGEN

Hier war Ausprobieren angesagt. Von vornherein klar waren die folgenden Einstellungen: Den ISO-Wert habe ich fest auf 100 eingestellt, um das Rauschen im Bild zu minimieren und die Belichtungszeit zu verlängern. Da sich im Laufe der Dämmerung das Licht ändert, habe ich den Weißabgleich fest auf Tageslicht eingestellt. Und zu guter Letzt habe ich manuell auf den Horizont fokussiert und die Aufnahmemodus auf Serienbild gestellt.

Als nächstes habe ich nach der Belichtungszeit geschaut. Mit Blick durch den Sucher der Kamera verfolgte ich ein Flugzeug von dem Moment an, wo es über den Bäumen auftauchte. Um den gewählten Bildausschnitt zu durchqueren, brauchte es rund 80 Sekunden.

Wie wählt man also die Belichtungszeit? Dabei sind zwei einander entgegengesetzte Effekte abzuwägen. Zum einen entstehen bei kürzeren Intervallen mehr Bilder. Vor allem ergeben sich Lücken in den Leuchtstreifen, da die Kamera zwischen zwei Fotos immer eine kurze Pause macht. Diese müssen dann in der Nachbearbeitung von Hand geschlossen werden. Dies kann durch längere Belichtungszeiten vermieden oder zumindest reduziert werden. Allerdings hat das einen Einfluss auf den Kontrast: Je länger man belichtet, umso schwächer treten die Leuchtspuren hervor.

Ich habe daher ein paar Testfotos gemacht und mir die Ergebnisse auf dem Display der Kamera bei maximaler Vergrößerung angeschaut. Die folgenden beiden Bilder zeigen den Unterschied zwischen einer ganzen und einer halben Minute Belichtungszeit:

Lichtspur (60 Sek.)
Ausschnitt einer Lichtspur mit 60 Sekunden Belichtungszeit bei 200% Vergrößerung. Die von den blinkenden Positionslichtern gemalten Punkte sind kaum noch zu erkennen.
Lichtspur (30 Sek.)
Ausschnitt einer Lichtspur mit 30 Sekunden Belichtungszeit bei 200% Vergrößerung. Die Streifen sind nun erkennbar heller im Vergleich zum Hintergrund, und die Punkte der blinkenden Positionslichter sind deutlich sichtbar.

Ich habe mich schließlich für eine Belichtungszeit von 30 Sekunden entschieden. So waren die Leuchtspuren gut sichtbar, und ich hatte bei einer Flugzeit von 80 Sekunden durch das Bild in jeder Spur zwei Lücken zu schließen – ein guter Kompromiss. Zudem ist das die längste Belichtungszeit, die von meiner Kamera noch im manuellen Modus unterstützt wird. Längere Belichtungen sind nur im „Bulb“-Modus möglich, was die Bedienung der Kamera bzw. des Fernauslösers etwas komplizierter macht.

Als letzten Wert habe ich dann die Blende so gewählt, dass die Belichtung für mich passend war. Dabei wollte ich vor allem vermeiden, dass der Himmel zu hell wird, um die Bilder später einfacher zusammenbauen zu können. So habe ich mit ƒ/11 angefangen und dann, als es zunehmend dunkler wurde, die Blende nach und nach auf ƒ/5.6 geöffnet.

DAS SHOOTING

Nachdem alles eingerichtet war, musste ich nur noch warten – allerdings nie sehr lange. Sobald die Lichter eines Flugzeuges über den Bäumen auftauchten, habe ich den Knopf am Fernauslöser gedrückt und eingerastet. So hat die Kamera drei Bilder direkt nacheinander aufgenommen. Oft war am Ende der dritten Aufnahme bereits das nächste Flugzeug in Sicht. Falls nicht, habe ich der Kamera eine kurze Pause gegönnt.

So kamen über einen Zeitraum von rund eineinhalb Stunden, von viertel nach neun bis zum letzten Start um 22:45, 75 Fotos zusammen. Obwohl der Tag mit über 20°C recht warm war, wurde es mit zunehmender Dunkelheit schnell kühl, sodass sich jetzt die mitgenommene dicke Jacke als sehr nützlich erwies – genauso wie die eingepackten Getränke und was zu lesen.

Alles in allem verging die Zeit doch recht schnell. Dann habe ich alles wieder zusammengepackt, mit der Taschenlampe sichergestellt, dass ich in der Dunkelheit nichts vergessen habe und mich wieder auf den Heimweg gemacht.

DIE NACHBEARBEITUNG

Am nächsten Tag ging es dann daran, aus den Einzelaufnahmen das fertige Bild zusammenzubauen. Dazu habe ich zunächst alle Bilder nach Adobe Lightroom CC importiert und dort einige wenige Einstellungen auf alle Bilder angewandt: Objektivkorrekturen aktiviert (Profilkorrektur und Chromatische Aberration) sowie Kontrast und Klarheit angehoben, um die Leuchtspuren besser vom Hintergrund abzusetzen.

Dann habe ich mir das Foto herausgesucht, auf dem mir der Himmel am besten gefallen hat – das sollte mein Hintergrund werden. Dieses habe ich dann hinsichtlich Farben, Kontraste und Details meinen Vorstellungen entsprechend gestaltet. Das sah dann so aus:

Nachthimmel
Nachthimmel – Dieses Bild hatte für mich den schönsten Himmel, daher habe ich es als Hintergrund verwendet und alle anderen Lichtspuren hier eingebaut.

Dann habe ich alle 75 Bilder, inklusive des Hintergrundbilds, in Lightroom markiert und über „Foto“ → „Bearbeiten in…“ → „In Photoshop als Ebenen öffnen…“ nach Photoshop übertragen. Das hat eine ganze Weile gedauert, aber dann waren alle Fotos in einem Projekt übereinander gelegt.

Als erstes habe ich das Hintergrundbild nach ganz unten gezogen, so dass alle anderen Ebenen darüber lagen, und diese alle ausgeblendet. Dann habe ich mir immer die drei Fotos, die zu einem Flug gehören, herausgesucht und diese wieder eingeblendet:

Einzelne Lichtspur, Teil 1
Einzelne Lichtspur, Teil 1
Einzelne Lichtspur, Teil 2
Einzelne Lichtspur, Teil 2
Einzelne Lichtspur, Teil 3
Einzelne Lichtspur, Teil 3

Der nächste Schritt war dann, für die gewählten Ebenen den Mischmodus von „normal“ umzustellen auf „Aufhellen“. Das heißt, dass von der jeweiligen Ebene nur die Bildanteile übernommen werden, die heller sind als das darunterlegende Bild – und das ist im Wesentlichen die Leuchtspur des Flugzeugs. Das Ergebnis nach diesem ersten Schritt sah so aus:

Eine Spur hinzufügen, vor der Bearbeitung
Die drei Teile einer Lichtspur, im Ebenenmodus „Aufhellen“, vor dem Entfernen ungewollter Artefakte und dem Schließen der Lücken.

Das kommt dem gewünschten Ergebnis schon recht nahe, aber einige Dinge stören hier: Zum einen ist im Hintergrund noch ein Flugzeug quer durchs Bild geflogen, was die rot-weiß gestrichelte Linie am linken Horizont verursacht. Zum anderen sind die Sterne oben rechts im Bild nun doppelt, da sie sich im Vergleich zum Hintergrundbild bereits weiterbewegt haben, und hinter den Bäumen ist das Leuchten des Flughafen zu sehen.

Daher habe ich als nächsten Schritt die drei Ebenen der Leuchtspur auf eine Ebene reduziert und dann eine Ebenenmaske hinzugefügt. Mit deren Hilfe habe ich dann alle ungewollten Bildelemente wieder ausgeblendet – im Endeffekt habe ich die Maske komplett schwarz gemalt, mit Ausnahme der Lichtspur.

Schließlich habe ich den Kopierstempel verwendet, um die beiden Lücken zu schließen, die von der Dreiteilung der Aufnahme herrühren. Dafür habe ich den Aufnahmemodus des Kopierstempels auf „aktuelle Ebene“ gestellt, sowie Deckkraft und Fluss auf 100%. Hier das fertige Ergebnis:

Eine Spur hinzufügen, nach der Bearbeitung
Die fertige Lichtspur: Die Lücken wurden geschlossen, der Streifen des landenden Flugzeugs sowie die doppelten Sterne und das Leuchten hinter den Bäumen sind entfernt.

Danach habe ich diese fertige Ebene ausgeblendet und mich dem nächsten Lichtstreifen zugewendet. Ich habe jede Leuchtspur einzeln bearbeitet, denn das erleichtert die Orientierung beim Schließen der Lücken und beim Entfernen ungewollter Bildelemente. Zudem hat mir das ermöglicht, die einzelnen Spuren am Ende unabhängig voneinander über entsprechende Tonwert-Korrekturebenen in ihrer Helligkeit anzupassen.

Der letzte Arbeitsschritt war dann, alle Ebenen einzublenden, wiederum auf eine einzige Ebene zu reduzieren und das fertige Bild zu speichern:

Night Traffic
Night Traffic – Das fertige Bild. Aus 75 Einzelaufnahmen zusammengesetzt, zeigt es die Lichtspuren, die von startenden Flugzeugen in den Abendhimmel gemalt werden.

TIPPS & TRICKS

Hier noch ein paar weiterführende Informationen, wenn Ihr so etwas selbst mal ausprobieren wollt:

  • Grundsätzlich ist es bei Fotos dieser Art empfehlenswert, mehrere eher kurz belichtete Fotos zu machen und diese anschließend in der Nachbearbeitung zu kombinieren, als eine einzige lange Belichtung. Die Bildqualität wird am Ende besser sein. Vor allem wird das Risiko gesenkt, mehrere Minuten des Geschehens zu verlieren, weil z.B. ein Auto durchs Bild fährt und in die Kamera leuchtet.
  • Es gibt ein sehr gutes Video-Tutorial von Stephan Wiesner zum Thema „Startrails“. Bei ihm bewegen sich Sterne statt Flugzeuge durchs Bild, aber die Nachbearbeitung in Photoshop ist weitgehend dieselbe wie bei dem hier gezeigten Bild.
  • Bei Langzeitbelichtungen hat der Bildaufbau zwei Komponenten, die es zu beachten gilt: Was sieht man als statischen Hintergrund? Und welche Muster erzeugen die Lichtspuren darauf? Um ein Gefühl dafür zu entwickeln hilft natürlich wie immer: ausprobieren.
  • Solche Fotos brauchen Zeit – sowohl in der Planung, während der Aufnahme an sich, als auch in der Nachbereitung. Ich war insgesamt zwei Stunden auf dem Feld, und die Nachbearbeitung hat nochmals etwa drei Stunden gedauert. Nehmt Euch die Zeit für solche Projekte; es lohnt sich!

FAZIT

Empfehlung: Wenn Ihr mal einen Abend Zeit habt – auf jeden Fall ausprobieren. Schnappt Euch Kamera und Stativ, und dann ab zur nächsten Straßenbrücke, Bahnhof, Flughafen, Volksfest – wo auch immer sich etwas mit Lichtern bewegt. So lassen sich anschauliche und teils überraschende Bewegungsmuster einfangen…

Was ich gelernt habe: Ich habe einige gute Erfahrungen gesammelt, zum Beispiel zu den Auswirkungen der Belichtungszeit bei solchen Langzeitbelichtungen und Lichtmalereien. Das gleiche gilt für den Umgang mit Ebenen und Kopierstempel in Photoshop bei der Nachbearbeitung.


LINKS:

Bildnachweis: alle Bilder eigene Aufnahmen.

Milchstraße fotografieren & nachbearbeiten

Lonely Speck

Die Milchstraße fotografieren – das war die Motivation für mich, mich endlich eingehender mit dem Thema Fotografie zu befassen. Im Vorfeld einer Reise nach Albuquerque, New Mexico, hatte ich mir bereits eine neue Kamera zugelegt. Jetzt ging es darum zu lernen, wie ich die Ausrüstung am besten einsetze – und vor allem auch, wie ich im Anschluss am Rechner das Beste aus den Bildern heraushole. Am meisten geholfen hat mir dabei der YouTube-Kanal von Ian Norman, den ich hier vorstellen möchte.

Milchstraße über New Mexico
Milchstraße über New Mexico

INFORMATIONEN AUF DEUTSCH

Der YouTube-Kanal von Ian Norman ist, da er aus Kalifornien stammt, komplett auf Englisch. Die Videos von Ian sind jedoch, was frei zugängliche Informationen zu dem Thema angeht, meiner Meinung mit Abstand das Beste was sich finden lässt. Natürlich gibt es auch Anleitungen auf Deutsch zum Fotografieren der Milchstraße. Einen guten Einstieg bietet hier zum Beispiel dieses Video von Benjamin Jaworskyj:

Videos vergleichbar mit denen von Ian habe ich allerdings bislang nicht auf Deutsch gefunden. Falls Ihr welche habt, die ähnlich gut gemacht sind, lasst es mich wissen! Es gibt natürlich auch eine ganze Reihe von Kaufvideos und -tutorials, zu denen ich allerdings nichts sagen kann. Die aus meiner Sicht wichtigsten Infos zum Thema habe ich für Euch im folgenden Text zusammengefasst.

VORBEREITUNG

PLANUNG

Ich war für rund eine Woche in Albuquerque und hatte einige Abende frei. Also schaute ich mich nach Tipps um, wo und wie man die Milchstraße am besten sehen kann. Dabei bin ich auf Astronomy Adventures gestoßen. Peter hat dort eine „dark site“ auf einer Farm in den Bergen zwischen Albuquerque und Santa Fe, auf ca. 2.400m Höhe. Dort bietet er mit seinem Teleskop geführte Touren durch den Sternenhimmel an. Gemeinsam mit ein paar Freunden hatten wir das große Glück, eine buchstäblich sternenklare Neumondnacht zu erwischen – perfekte Bedingungen. Dazu noch Peters großartige Erzählungen, der uns durch die Geschichte der Astronomie führte und einige hochinteressante Himmelsformationen zeigte.

Hierzulande ist das mit der Milchstraße wegen der Lichtverschmutzung leider nicht ganz so einfach. Um die Sterne richtig gut sehen zu können, muss man schon in den nördlichen Schwarzwald fahren, oder an die Ostseeküste. Eine sehr gute Übersicht wo es nachts richtig dunkel wird gibt es auf der Internetseite www.lightpollutionmap.info.

Aufgehender Vollmond im Odenwald
Aufgehender Vollmond im Odenwald

Eine natürliche Form der Lichtverschmutzung ist der Mond – bei Vollmond ist von den Sternen nicht mehr viel zu sehen. Zu Mondphase, Auf- und Untergang von Mond und Sonne helfen Euch prima Apps wie z.B. The Photograhper’s Ephemeris, das sich am PC oder Mac kostenlos nutzen lässt. Außerdem muss natürlich das Wetter stimmen – je weniger Wolken, je geringer die Luftfeuchtigkeit und je kälter es ist, umso besser. Und zu guter Letzt muss natürlich die Milchstraße oder das Sternbild, das Ihr fotografieren wollt, auch zu sehen sein. Auch hierfür gibt es unzählige Internetseiten und Apps; ich nutze Sky Guide für iOS.

AUSRÜSTUNG

Dieses Thema lässt sich sehr kurz zusammenfassen. Ihr braucht:

  • Eine Kamera (je größer der Sensor, umso besser – auch mit Micro Four Thirds bekommt man noch sehr gute Fotos hin; mit dem Handy dann aber nicht mehr)
  • Ein Objektiv. Dieses sollte folgende Voraussetzungen erfüllen:
    • Möglichst weitwinklig (damit viel Himmel aufs Bild passt)
    • Möglichst große Blendenöffnung (also kleine Blendenzahl, damit viel Licht auf den Sensor kommt)
    • Für APS-C Spiegelreflex bietet sich z.B. das Tokina 11-20mm ƒ/2.8 DX an, das auch ich nutze.
    • Für andere Kamerasysteme gebe ich gerne die Empfehlungen von Stephan Wiesner weiter: Für APS-C Mirrorless das Samyang 12mm ƒ/2.0, und für Vollformat-Kameras das Tamron 15-30mm ƒ/2.8.
    • Teure Ausrüstung ist aber kein Muss: Auch mit dem Kit-Objektiv lassen sich schon sehr gute Bilder machen, wie unten noch gezeigt wird!
  • Stabiles Stativ
  • Optional: Fernauslöser (wenn Ihr keinen habt, nutzt den 2-Sekunden Timer Eurer Kamera)

Außerdem: warme Sachen (auch im Sommer können klare Nächte recht kalt werden), Essen, Trinken, ein Buch. Auch sehr hilfreich: eine Taschenlampe mit „Nachtsichtmodus“ (rote Lampe), damit man etwas nachschauen oder suchen kann ohne sich und andere im Dunkeln zu blenden.

FOTOGRAFIEREN

Ja, und dann: Kamera auf den gewünschten Himmelsausschnitt ausrichten und los geht’s. Das Schwierigste dabei ist das richtige Fokussieren. Im Dunkeln müsst Ihr manuell fokussieren, und einfach das Objektiv auf „unendlich“ drehen funktioniert leider in den wenigsten Fällen. Ich suche mir in der Regel einen möglichst hellen Stern, der auch im Live View auf dem LCD-Monitor der Kamera zu sehen ist, nutze dort die zehnfache Vergrößerung und drehe am Fokusring bis der Stern so klein wie möglich wird. Dann mache ich eine paar Testaufnahmen, zoome maximal hinein und feintune den Fokus bis die Sterne wirklich nur noch winzige Punkte sind.

Zu den Einstellungen: Als Startwert nehme ich meistens  11mm | ƒ/2.8 | ISO 1.600 | 25 Sek.

Wenn Ihr nicht absichtlich auf Sternenspuren aus seid, könnt Ihr nicht beliebig lange belichten, denn die Erde dreht sich schneller als man denkt. Als Faustregel für die maximale Belichtungszeit, bei der die Sterne noch Punkte sind, gilt: (500 geteilt durch (Brennweite * Crop-Faktor)). Der Crop-Faktor gibt das Größenverhältnis des Bildsensors Eurer Kamera im Verhältnis zu einem Vollformat-Sensor an und muss mit eingerechnet werden, da kleinere Sensoren in der Regel auch kleinere Pixel haben und die Bewegung der Sterne somit schneller sichtbar wird. Bei Canon APS-C Kameras wie meiner 760D ist der Crop-Faktor 1,6 (bei Nikon 1,5 und bei Micro Four Thirds 2,0). Das heißt mit meiner Kamera und dem Tokina 11-20mm kann ich maximal (500 / (11 * 1,6)) = 28,4 (abgerundet: 25) Sekunden belichten. Bitte bedenkt, das ist eine Faustregel – also im Zweifelsfall das Bild hinterher genau anschauen und nötigenfalls die Einstellungen anpassen.

Fotografiert wird natürlich mit maximal offene Blende, um so viel Licht wie möglich einzufangen. Beim ISO-Wert starte ich immer bei 1.600; das ist zumindest bei der 760D ein guter Kompromiss zwischen eingefangenem Licht und Bildrauschen – um das ich mich in der Nachbearbeitung eh noch kümmere. Wenn Ihr alles eingestellt habt, kann es losgehen. Und das heißt: nie nur ein Foto von einem Himmelsausschnitt machen, sondern eine ganze Serie. Ich mache immer 16 Bilder oder mehr. Das braucht zwar eine Weile, aber damit könnt Ihr später am Rechner deutlich mehr aus den Fotos herausholen.

Milchstraße und Andromeda-Galaxie
Milchstraße und Andromeda-Galaxie

Ein wichtiger Punkt zum Schluss: man läuft sehr schnell Gefahr, die Bilder zu dunkel aufzunehmen. Wenn sie auf dem recht hellen LCD-Bildschirm der Kamera draußen im Dunkeln gut aussehen, werdet Ihr daheim am Rechner enttäuscht sein. Nehmt die Bilder so auf, dass sie gefühlt viel zu hell sind. Wenn Eure Kamera eine Ansicht mit Histogramm bietet, nutzt es! Natürlich sollten keine Bildbereiche ausgebrannt (komplett weiß) sein, aber es sollte auf jeden Fall Information im rechten Teil des Histogramms (Lichter) vorhanden sein. Je heller das Bild, umso mehr Informationen habt Ihr für die Nachbearbeitung – womit wir beim eigentlichen Thema wären.

NACHBEARBEITUNG

Ian Norman ist ein in Kalifornien lebender Fotograf, der sich auf Astrofotografie spezialisiert hat. Dementsprechend findet Ihr in seinem YouTube-Kanal sehr viele Informationen rund um dieses Thema, und insbesondere zur Nachbearbeitung der Bilder. Seine Tutorials für die Arbeitsschritte in Adobe Lightroom und Photoshop sind gut erklärt und leicht nachvollziehbar. Als ich meine ersten Sternbilder bearbeitet habe, hatte ich stets das iPad griffbereit auf dem seine Videoanleitung lief. Ich habe immer wieder auf Pause gedrückt, oder zurückgespult, und bin ihm so Schritt für Schritt gefolgt. Inzwischen kann ich das meiste davon auch ohne zu spicken.

EINZELBILDER IN LIGHTROOM BEARBEITEN

Die große Herausforderung liegt darin, einen schönen Kontrast und möglichst viele Details hinzubekommen, so dass das Bild natürlich und nicht überladen wirkt. Ihr werdet feststellen, dass die Kamera deutlich mehr Sterne sieht als Ihr mit dem bloßen Auge. Bei der Gestaltung des Nachthimmels, insbesondere was die Farben in der Milchstraße angeht, bleibt einem natürlich eine gewisse künstlerische Freiheit.

Zwei von Ians Videos möchte ich hier besonders herausheben. Im ersten Film zeigt er, wie man selbst unter ungünstigen Verhältnissen noch Bilder der Milchstraße aufnehmen kann:

Dabei erklärt er auch nochmal ausführlich warum es besser ist, Nachtaufnahmen absichtlich zu hell aufzunehmen.

Im zweiten Video beschreibt er den normalen Bearbeitungsprozess für Sternenfotos in Lightroom. Zudem beweist Ian hier eindrucksvoll, dass man auch mit nicht sehr lichtstarken Objektiven super Bilder hinbekommt, wenn man ein paar Punkte beachtet:

In beiden Videos geht es um die Bearbeitung einzelner Bilder. Die fortgeschrittene Variante ist dann, mehrere Fotos in Photoshop zu einem Bild zusammenzusetzen – aber auch dafür werden die Ausgangsdateien zunächst in Lightroom bearbeitet, wie oben, bevor es dann Photoshop weitergeht.

MEHRERE BILDER IN PHOTOSHOP ZUSAMMENFÜHREN

Aufgrund der gegebenen Grenzen bei Blendenöffnung und Belichtungszeit kommt man nicht herum, bei Fotos vom Nachthimmel den ISO-Wert anzuheben, auf 1.600 oder sogar 3.200. Die Folge ist deutlich sichtbares Rauschen im Bild, vor allem wenn man es größer betrachtet. Wendet man einfach die Rauschreduzierung an, die Bildbearbeitungsprogramme üblicher Weise anbieten, gehen leider viele Details – insbesondere kleinere Sterne – verloren.

Hier hilft es jetzt, wenn man mehrere Fotos desselben Ausschnitts gemacht hat. Je mehr, desto besser. Kurz beschrieben besteht der Trick darin, die Bilder exakt übereinander zu legen, und dann für jedes Pixel den Durchschnittswert zu errechnen. Da die Sterne bei korrekter Ausrichtung der Fotos immer an denselben Stellen sind, bleiben sie dabei erhalten. Das Bildrauschen hingegen ist zufällig und rechnet sich so bei der Mittelwertbildung heraus. Wenn ich auf diese Art vier Fotos kombiniere die mit ISO 3.200 aufgenommen wurden, entspricht das Ergebnis in etwa einem Bild das mit ISO 800 aufgenommen wurde. Ich habe bei den Milchstraßenfotos hier im Post jeweils über 20 Aufnahmen gestapelt.

Die detaillierte Anleitung dafür gibt es in diesem Video:

Die besondere Herausforderung dabei besteht im korrekten Ausrichten der einzelnen Bilder. Denn wenn das nicht exakt stimmt, verschwindet in einigen Bildbereichen nicht nur das Rauschen, sondern alle Sterne gleich mit. Bei kontrastreichen Bildern funktioniert das „automatisch ausrichten“ von Photoshop meistens sehr gut. Ich hatte aber auch schon einige Bilder, bei denen das leider gar nicht funktioniert hat. Das ist aber noch kein Grund zu verwzweifeln, denn man kann das auch manuell bewerkstelligen:

Was dann noch bleibt, ist die künslterische Ausgestaltung des Sternenhimmels. Wie man die im Bild enthaltenen Farben und Details am besten zur Geltung bringt, seht Ihr hier:

Das funktioniert natürlich nicht nur für Orion, sondern für jeden Himmelsauschnitt der entsprechend was zu bieten hat.

Es gibt auf dem Kanal noch einige weitere Anleitungen, die allesamt hilfreich sind. Wer zum Beispiel ausreichend viele Bilder von einem Himmelsausschnitt gemacht hat, kann diese auch zu einem Zeitraffer-Video zusammensetzen. Mit dem Wissen aus den hier verlinkten Videos habe ich inzwischen eine ganze Reihe von Nachtaufnahmen gemacht, und bin zunehmend glücklich mit den Ergebnissen. Wie bei allen anderen Motiven gilt natürlich auch hier: Übung macht den Meister. Also: wartet auf die nächste klare Nacht rund um Neumond, und dann nix wie raus mit der Kamera. Gerade jetzt im Winter mit den langen Nächten und trocken-kalter Luft sind die Voraussetzungen ideal…


FAZIT

Empfehlung: Unbedingt anschauen, und dann machen!

Was ich gelernt habe: Das Wissen, was man bei der Aufnahme der Bilder beachten sollte und wie man sie nachbearbeitet, ist sehr viel wichtiger als die Ausrüstung. Die richtige Vorbereitung zählt, und die nötige Geduld bei den Aufnahmen. Die Ergebnisse, mit denen man am Ende belohnt wird, sind die Mühen allemal wert!


LINKS

WEITERE INFORMATIONEN

Bildnachweis: Titelbild: Screenshot von YouTube; Milchstraße und Mondaufgang: eigene Aufnahmen.

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