Ausgeliehen und ausprobiert: Sigma A 50-100mm f/1.8

Sigma A 50-100mm ƒ/1.8 an der Canon 760D

Eine verbleibende Lücke in meiner Ausrüstung ist ein hochwertiges Tele-Zoom-Objektiv – also insbesondere eines, das sich auch für Portraits mit schön unscharfem Hintergrund (Bokeh) eignet. Mit dem „nifty fifty“ Canon 50mm ƒ/1.8 sowie dem Tamron SP 90mm ƒ/2.8 Di VC Macro habe ich zwar schon zwei geeignete Festbrennweiten, aber gerade für Situationen wie Veranstaltungen bei denen sich die Leute bewegen, möchte ich die Flexibilität eines Zooms haben.

Grundsätzlich kommen hier zwei Objektive infrage: zum einen der „Klassiker“, ein 70-200mm ƒ/2.8, das es von Canon, Sigma und Tamron in verschiedenen Ausführungen gibt. Oder das noch recht neue Sigma 50-100mm ƒ/1.8 speziell für APS-C Kameras wie meine 760D. Diese Gläser haben jedoch alle eines gemeinsam: Sie liegen in einer Preisklasse in der man nicht mehr „auf Verdacht“ kauft. Natürlich gibt es unzählige Testberichte, aber um herauszufinden welches Objektiv besser zu meiner Art zu fotografieren passt, bleibt nur eines: ausprobieren.

DRUM PRÜFE WER SICH EWIG BINDET

Die wenigsten von Euch werden das Glück haben einen Fotografen zu kennen, von dem man sich so ein Objektiv mal eben für eine Weile ausleihen kann. Dafür gibt es inzwischen eine ganze Reihe von Anbietern, bei denen man Foto-Ausrüstung mieten kann – nicht nur Objektive, auch Kameras oder ganze Blitz- und Beleuchtungsausrüstungen. Ich habe diesen Service inzwischen zwei Mal genutzt und sehr gute Erfahrungen damit gemacht.

ZOOMYRENTALS

Der Anbieter, den ich nutze, heißt ZoomyRentals.de. Die Firma sitzt in Berlin und bietet eine große Auswahl an Kameras, Objektiven und Zubehör von bzw. für Canon, Sony und Nikon. Der Ausleihvorgang verläuft ganz einfach:

  • Ihr registriert Euch
  • Vor Eurer ersten Bestellung müsst Ihr einmalig eine Kopie Eures Personalausweises zur Verifizierung im Profil hinterlegen. Euer Name und Eure Anschrift müssen gut lesbar sein.
  • Ihr sucht Euch die gewünschte Ausrüstung aus
  • Ihr wählt den Starttermin und die Mietdauer – diese kann zwischen 3 Tagen und 4 Wochen betragen
  • Los geht’s!

Ich empfehle Euch unbedingt, bei jeder Bestellung die angebotene optionale Versicherung mit abzuschließen. Gerade bei teureren Sachen gilt die Devise „better safe than sorry“.

LIEFERUNG

Die Lieferung erfolgt durch einen DHL-Boten. Ihr erhaltet die Ausrüstung am Vormittag des ersten Miettags, und sie wird bei Mietende wiederum vormittags per Boten abgeholt. Das funktioniert sehr zuverlässig; Empfang und Abholung werden jeweils durch Unterschrift bestätigt. Somit seid Ihr auf der sicheren Seite. Vor allem landet das teure Objektiv nicht versehentlich beim Nachbarn oder auf der Terrasse.

Gut verpackt: Sigma A 50-100mm ƒ/1.8 fertig zum Versand
Gut verpackt: Sigma A 50-100mm ƒ/1.8 fertig zum Versand

Bei Objektiven gehören in der Regel je ein Deckel für Vorder- und Rückseite, Sonnenblende, Schutzfilter und eine Objektivtasche zum Lieferumfang. Das alles wird zum Versand sicher in dicken Schaumstoff verpackt. In dem Karton befindet sich dann neben dem Lieferschein auch direkt der Adressaufkleber für die Rücksendung.

Und dann kann es losgehen: Ihr könnt die gemietete Ausrüstung für die Leihdauer nach Lust und Laune ausprobieren. Sorgsamer Umgang mit den Sachen versteht sich von selbst.

SIGMA A 50-100mm ƒ/1.8

Ich habe mir im Dezember 2016 den „großen Bruder“ meines Sigma A 18-35mm ƒ/1.8 eine Woche lang ausgeliehen. In der Zeit hatte ich Besuch und es stand unter anderem eine Feier an, so dass sich ausreichend Gelegenheit zum Testen bot.

LOOK & FEEL

Das Objektiv fällt sofort auf: Es ist groß. Und es ist schwer. Die Kamera locker mit einer Hand herumzutragen wird da schnell zu einer sportlichen Herausforderung; sicherlich kein Objektiv das man immer dabei hat, sondern nur gezielt mitnimmt. Setzt man das in Relation zum Preis von aktuell (Dez. 2016) rund 1.000 Euro wird schnell klar, dass diese Investition wohl überlegt sein will. Das Gewicht hat aber auch seinen Grund: Bei 100mm Brennweite und Blende ƒ/1.8, dazu noch mit dem Zoom, kommt eine Menge Glas zusammen. Zudem ist das Objektiv aus Metall gefertigt und sehr hochwertig verarbeitet.

Sowohl den Zoom als auch den Fokusring habe ich von der Bedienung her als sehr angenehm empfunden. Insgesamt hat mich die Verarbeitung, die ich ja auch schon vom 18-35er her kenne, wieder absolut überzeugt. Die in Reviews im Internet oft kritisierte Objektivschelle hat mich in der Handhabung kaum gestört.

Sigma A 50-100mm ƒ/1.8
Groß, schwer, hochwertig: Sigma A 50-100mm ƒ/1.8

AUSSTATTUNG & EINSATZGEBIET

Dieses Objektiv dient eigentlich genau einem Zweck: nämlich auch mit einer APS-C Kamera professionelle Portraitaufnahmen mit butterweichem Hintergrund machen zu können. Die durchgehende Offenblende von ƒ/1.8 ist das Alleinstellungsmerkmal. Der Zoombereich ist mit 50-100mm recht begrenzt – gerade mal ein 2x Zoom, verglichen mit rund 3x bei einem 70-200er. Insbesondere beim Fotografieren auf der Feier habe ich diesen Bereich jedoch als genau richtig empfunden. Die kürzere Anfangsbrennweite ist in geschlossenen Räumen auf jeden Fall von Vorteil, und am langen Ende kann man, dank der enormen Bildschärfe, durch Zuschneiden des Bildes noch einiges herausholen.

Was sich auf jeden Fall bemerkbar macht ist das Fehlen eines Bildstabilisators. Im stimmungsvoll beleuchteten Raum war ich mit der Belichtungszeit auch bei Blende ƒ/1.8 und ISO 800 meistens in einem Bereich zwischen 1/60 und 1/10 Sekunde. Da wird es selbst mit Aufstützen auf Tisch oder Stuhllehne schwer, die Bilder nicht zu verwackeln – insbesondere bei 100mm. Höher als 800 gehe ich bei der 760D mit dem ISO-Wert nur in Ausnahmefällen, weil das Bildrauschen ab ISO 1600 für meinen Geschmack zu auffällig wird.

Ich werde daher auf jeden Fall auch noch ein 70-200mm ƒ/2.8 mit Bildstabilisator testen. Durch die im Vergleich zum Sigma um gut eine Stufe kleinere Blende wird die Verschlusszeit zwar länger. Dafür sinkt jedoch unter dem Strich das Risiko ein Bild zu verwackeln deutlich. Wie sich das insgesamt in der Praxis auswirkt, werde ich dann sehen.

ZUVERLÄSSIGKEIT & BILDQUALITÄT

Bei den Sigma Art Objektiven mit Blende 1.8 – sowohl beim 18-35er als auch beim 50-100er – ist das mit dem Autofokus so eine Sache. Scheinbar hängt es vom einzelnen Objektiv ab, wie zuverlässig der Autofokus im Phasendetektionsmodus (durch den optischen Sucher) arbeitet. Das gemietete 50-100er zeigte sich hier vorbildlich: Bei praktisch allen Bildern, die ich gemacht habe, saß der Fokus da, wo ich ihn haben wollte. Bei meinem eigenen 18-35er hingegen ist es Glückssache: Bei rund einem Drittel der Bilder greift der Autofokus komplett daneben. Testberichte im Internet bestätigen den Eindruck, dass dies vom konkreten Objektiv abhängt; die Urteile reichen in diesem Punkt bei beiden Objektiven von „hoffnungslos“ bis „problemlos“.

Als Ausweichlösung bietet sich an, den Live-View zu nutzen, denn der Autofokus per Kontrasterkennung funktioniert immer – ist aber langsamer (wer wissen will warum das so ist, kann sich diese Vorlesung anschauen). Und wer die nötige Geduld oder das Feingefühl hat, kann auch manuell fokussieren. Beim Fotografieren mit Stativ nutze ich diese Möglichkeit eigentlich immer.

Die Bildqualität ist dafür über jeden Zweifel erhaben. Bereits bei Offenblende ist die Bildschärfe bis in die Ecken atemberaubend. Das muss sie auch sein, denn in dem Blendenbereich unterhalb von 2.8 liegt ja gerade die Besonderheit des Objektivs. Die Zeichnung der unscharfen Hintergründe ist angenehm weich; nur gelegentlich wird das Bokeh unruhig wenn viele kleine Lichter im Hintergrund sind. Schließt man die Blende, wird man mit wunderschönen Lichtsternen belohnt. Mich haben die gemachten Bilder, drinnen wie draußen, Personen wie Landschaft, durchweg begeistert. Die Bildqualität ist auf jeden Fall ein ganz starkes Argument zugunsten des Sigma A 50-100mm ƒ/1.8.

Sigma A 100-150mm ƒ/1.8 - Beispiel 1

Sigma A 100-150mm ƒ/1.8 - Beispiel 3


FAZIT

Empfehlung: Das Sigma A 50-100mm ƒ/1.8 besetzt eine sehr kleine Nische, nämlich professionelle Portraits mit einer APS-C Kamera zu erstellen. Diese Nische besetzt es allerdings sehr gut. Mich hat vor allem die herausragende Bildqualität begeistert! Verarbeitung und Anmutung entsprechen dem hohen Wert. Es hat auf jeden Fall Spaß gemacht, damit zu arbeiten.

Ich werde, wenn sich eine passende Gelegenheit bietet, auch noch ein 70-200mm ƒ/2.8 mit Bildstabilisator zum Vergleich ausprobieren und dann auf Basis der gewonnenen Erfahrungen mit beiden Objektiven eine Entscheidung treffen. Die gibt es dann auch wieder hier zum Nachlesen.

Was ich gelernt habe: Ein Objektiv mal für eine Woche auszuleihen ist die perfekte Art, es in Ruhe ausprobieren und sich einen Eindruck verschaffen zu können, ob es die eigenen Vorstellungen und Erwartungen erfüllt. Ich werde diese Möglichkeit in Zukunft mit Sicherheit noch öfter nutzen.

Und: Es macht unheimlich Spaß, mit so einem Profi-Objektiv zu fotografieren. Die Testwoche hat mir aber auch gezeigt: So schön die Bilder auch sind, die große Offenblende beim 50-100er allein ist nicht alles. Ich will vor einer Entscheidung auf jeden Fall den Vergleich haben, und von daher war die Entscheidung, das Objektiv erstmal nur zu mieten, genau richtig.


LINKS

Bildnachweis: Alle Bilder eigene Aufnahmen.

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