Foto-Experiment: Gefrierende Seifenblasen

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Die kalte Jahreszeit mit ihren frostigen Temperaturen bietet einem eine ganze Reihe besonderer Fotomotive – zumindest theoretisch. Dazu muss es jedoch auch tatsächlich kalt werden, und in der Hinsicht war der aktuelle Winter bislang ein Totalausfall – nicht ein Tag, an dem es hier auch tagsüber mal unter Null gewesen wäre.  Von daher hatte ich die Hoffnung, den nach wie vor offenen Punkt „Schneeflocken/ Eiskristalle fotografieren“ von meiner Fotowand diesen Winter noch abhaken zu können, eigentlich schon aufgegeben.

Letzte Woche kam sie dann aber doch noch, die „polare Kaltfront“, mit strahlend blauem Himmel und Temperaturen von -10°C am Morgen. Damit war klar, dass die kurze Zeit zwischen Frühstück und Büro zum Fotografieren genutzt wurde. Schnee war zwar noch immer keiner da, aber so habe ich auf die im Internet weit verbreitete Idee zurückgegriffen, Seifenblasen gefrieren zu lassen.

FÜR UNGEDULDIGE

Ausrüstung Einstellungen
  • Kamera
  • Standard-Zoomobjektiv
  • Seifenblasenflüssigkeit
  • Strohhalm
  • Außentemperatur unter -5°C
  • Warme Kleidung
  • Optional: Blitz, ggf. mit Farbfolie
  • Autofokus
  • Blendenvorwahl (A/Av)
  • Blende ca. ƒ/8 – ƒ/11
  • ISO 100 – 200
  • Mit Blitz: manueller Modus

DER AUFBAU

Aufzubauen gibt es hier nicht viel, aber die Voraussetzungen müssen stimmen. Zum Einen muss es draußen ausreichend kalt sein, -5°C sollten es schon sein. Zum Anderen muss es nahezu windstill sein, denn die Seifenblasen sind extrem windanfällig und selbst ein für uns kaum wahrnehmbarer Hauch bringt sie schnell zum Platzen. Schließlich braucht Ihr noch einen passenden Untergrund, auf den man Ihr Seifenblasen setzen wollt. Gut dafür eignet sich zum Beispiel Holz, Steine, Moos, oder – wenn man welchen hat – Schnee. Metall hingegen hat bei mir gar nicht funktioniert. Egal was Ihr wählt, es sollte natürlich auch schön aussehen.

Zu guter Letzt muss das Licht stimmen. Da die Eiskristalle im Gegenlicht am besten zur Geltung kommen, macht Ihr die Fotos idealerweise kurz nach Sonnenaufgang oder kurz vor Sonnenuntergang. So könnt Ihr die tiefstehende Sonne nutzen, und zudem gibt das eine zauberhafte Lichtstimmung. Wenn das nicht geht, etwa weil die Sonne durch Häuser oder Bäume verdeckt ist, dann nehmt einen externen Blitz zur Hilfe. Diesen positioniert Ihr außerhalb des Bildausschnitts hinter der Seifenblase und löst ihn mit einem Fernauslöser aus. Die passende Lichtstimmung könnt Ihr in diesem Fall zum Beispiel dadurch erzeugen, dass Ihr am Blitz eine farbige Folie anbringt.

DIE EINSTELLUNGEN

Die tatsächlichen Einstellungen hängen natürlich vorrangig von den tatsächlichen Lichtverhältnissen ab, daher kann ich hier nur Richtwerte angeben. Beim Objektiv habe ich mich für mein „Immerdrauf“ entschieden, denn der Brennweitenbereich von 17-70 mm (entspricht 27-112 mm am Vollformat) hat mir die nötige Flexibilität bei der Wahl des Bildausschnitts gegeben. Um ausreichend Schärfentiefe zu haben, habe ich die Blende zwischen ƒ/8 und ƒ/11 eingestellt. Den ISO-Wert habe ich, je nach dem wie die Sonne ins Bild passte, zwischen 100 und 200 gewählt; eben so, dass die Belichtungszeit 1/25 Sekunde oder kürzer war. Dank des guten Bildstabilisators im Sigma konnte ich mir so sicher sein, keine verwackelten Bilder zu bekommen.

Zum Fokussieren habe ich den Autofokus mit einem einzelnen Fokuspunkt genutzt. Da das Gefrieren der Seifenblase nur wenige Sekunden dauert, konnte ich so schnell die Position bzw. den Bildausschnitt wechseln. Allerdings hatte die Kamera durchaus ihre Schwierigkeiten damit, immer auf die von mir gewollte Seite der Blase (vorne oder hinten) scharf zu stellen. Ideal ist hier ein Objektiv, bei dem man jederzeit manuell in den Autofokus eingreifen kann – ein Feature, dass dem Sigma leider fehlt.

Da die Sonne bei uns um diese Jahreszeit morgens perfekt durch eine Haus- und Baumlücke auf unsere Terrasse scheint, musste ich nicht auf einen Blitz zurückgreifen, um das nötige Gegenlicht zu erzeugen. Mit Blitz stellt Ihr die Kamera in den manuellen Modus, wobei die tatsächlichen Einstellungen ausgehend von den oben genannten Werten (ISO 100, ƒ/8, 1/25) natürlich entsprechend der Lichtverhältnisse vor Ort angepasst werden müssen. Tendenziell stellt Ihr die Kamera so ein, dass das Bild ohne Blitz etwa eine Blende unterbelichtet ist, und nehmt dann den Blitz dazu. Sofern Ihr die Seifenblase nicht immer im selben Abstand zum Blitz positioniert, macht Ihr es Euch am einfachsten, wenn Ihr den Blitz auf Automatik (TTL) stellt und die Helligkeit nötigenfalls mit der Blitzbelichtungskorrektur anpasst.

DAS SHOOTING

Geplatzt!
So geht’s nicht: Ein kleiner Windhauch hat die halb gefrorene Seifenblase platzen lassen. Zudem war durch Blende ƒ/11 und ISO 100 die Belichtungszeit mit ⅛ Sekunde zu lang, so dass das Bild zusätzlich auch noch verwackelt ist.

Die Erfahrung zeigt, dass, wenn man die Seifenblasen durch den üblichen Blasring (nicht lachen, der heißt wirklich so!) pustet, sie in den seltensten Fällen dort landen, wo man sie haben will – und wenn sie das tun, dann platzen sie sofort. Sehr viel zuverlässigere Ergebnisse erzielt man mit einem Strohhalm: diesen in den Mund nehmen, in die Seifenblasenflüssigkeit eintauchen und die obere Öffnung mit der Zunge zuhalten (nicht saugen; glaubt mir, das schmeckt nicht). Dann den Strohhalm an die gewünschte Stelle halten und die Blase zur gewünschten Größe aufpusten. Es wird nicht jedes Mal klappen, aber die Erfolgsquote ist ausreichend hoch.

Man hat ein paar Sekunden Zeit, bis die Blase anfängt zu gefrieren. Das reicht auf jeden Fall, um den Strohhalm wegzulegen und die Kamera in Position zu bringen. Die Eiskristalle bilden sich zuerst am unteren Rand der Blase und wachsen dann wie Farne nach oben. Wenn es sehr kalt ist, bilden sich auch Kristalle oben auf der Blase, die in einem anderen Muster wachsen. Wie die Kristalle dabei wachsen, ist natürlich Glückssache. Das Ganze funktioniert deswegen, weil eine Seifenblase aus drei Schichten besteht: zwei Lagen Seife mit einem dünnen Wasserfilm dazwischen, und das Wasser gefriert schneller als die Seife.

Nach etwa zehn bis fünfzehn Sekunden ist die Blase komplett gefroren; dieses Zeitfenster bleibt einem also, um die Fotos zu machen. Eine vollständig gefrorene Blase ist dann nur noch milchig-trüb und man kann kaum noch Strukturen erkennen – daher wird es schwer, schöne Bilder mit mehr als einer Seifenblase hinzubekommen.

Man kriegt den Bogen relativ schnell raus was das Timing und die richtige Größe der Blasen angeht. Dann bleibt noch, mit verschiedenen Untergründen, dem Bildausschnitt und den Einstellungen zu spielen. Je mehr Seifenblasen man fotografiert, umso mehr verschiedene Muster wird man in den Eiskristallen sehen.

Die erforderlichen frostigen Temperaturen sind es denn schließlich, die das Shooting zeitlich begrenzen: Zum einen ist man selbst irgendwann so durchgefroren, dass es schwer wird, die Kamera noch halbwegs ruhig zu halten. Zum anderen fängt auch die Seifenblasenflüssigkeit im Behälter irgendwann an, zu gefrieren, bzw. sie wird so zähflüssig, dass sich damit keine Blasen mehr pusten lassen. Dann wird es Zeit, reinzugehen, sich mit einem schönen Kaffee aufzuwärmen und die geschossenen Bilder anzuschauen.

TIPPS & TRICKS

Hier noch ein paar hilfreiche Hinweise, um die Sache etwas angenehmer zu gestalten und die Erfolgsquote zu erhöhen:

  • Benutzt Handschuhe. Diese sollten dick genug sein, um Eure Hände zu wärmen, aber dünn genug, dass Ihr die Kamera noch gut bedienen könnt.
  • Sorgt für Windschutz. Die Seifenblasen sind echt unglaublich windempfindlich. Ich habe mir teilweise mir Kartons geholfen, die neben den Blasen auf dem Tisch standen, so dass weder die Kartons noch ihre Schatten im Bild zu sehen waren, aber die Blase geschützt war. Allerdings solltet Ihr keine bunten Kartons nehmen; deren Spiegelung sieht man sonst in der Seifenblase.
  • Macht die Fotos zu zweit. So kann eine(r) die Seifenblasen setzen, während die/der andere fotografiert. Das spart Zeit, macht Spaß, und Ihr könnt auch einfach und schnell den Standort wechseln.

FAZIT

Empfehlung: Wenn es bei Euch mal kalt genug ist: unbedingt ausprobieren! Es ist ein derart faszinierendes Schauspiel, dabei zuzuschauen, wie die Eiskristalle über die Seifenblase wachsen, dass ich immer wieder dabei zuschauen könnte – selbst ohne dabei zu fotografieren.

Was ich gelernt habe: Nicht von der Kälte abschrecken lassen. Wer besondere Fotos haben will, muss auch was Besonderes dafür tun. Und die Bilder lohnen die Mühe allemal.


LINKS

Bildnachweis: alle Bilder eigene Aufnahmen.

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