Bilder in Bewegung: Zeitraffer-Aufnahmen – Nachbearbeitung

Zeitraffer

In den beiden ersten Teilen der Serie ging es darum, wie man mit verschiedenen Kameras die Bilder für eine Zeitrafferaufnahme macht. Für einen längeren Clip kommen dabei schnell ein paar tausend Fotos zusammen. Um diese nun in ein fertiges Video umzuwandeln, gibt es zahlreiche Programme für jedes Betriebssystem. Vom Prinzip her funktionieren diese alle gleich; sie unterscheiden sich beim Funktionsumfang, dem Bedienungskomfort und natürlich dem Preis. Ich möchte hier die beiden Methoden vorstellen, die ich üblicherweise nutze: die schnelle und einfache Variante mit Adobe Photoshop ohne weitere Bearbeitung der Bilder, sowie den Workflow mit der Kombination aus Adobe Lightroom und LRTimelapse, der umfassende Möglichkeiten zur Optimierung bietet des fertigen Videos bietet.

WIE AUS 2.000 FOTOS EIN FILM WIRD

Starten wir mit dem einfachen Fall: die Bilder liegen bereits alle im JPEG-Format vor, so wie das zum Beispiel bei Zeitraffer-Aufnahmen mit meiner alten GoPro der Fall ist. Wer von Adobe das Creative Cloud Foto-Abo nutzt, hat neben Lightroom auch Photoshop zur Verfügung. In Photoshop einfach über Datei → Öffnen das erste Bild auswählen und im Öffnen-Dialog bei den Optionen den Haken für Bildsequenz setzen. Photoshop fragt dann im nächsten Schritt nach der Bildwiederholrate, und anschließend kann man direkt den Film im gewünschten Format exportieren. Wer nur Lightroom nutzt, findet im Internet eine Reihe von Skripten, die im Prinzip dasselbe machen.

Bildsequenz in Photoshop öffnen
Bildsequenz in Adobe Photoshop CC öffnen

Außerdem gibt es eine Vielzahl weiterer Bildbearbeitungsprogramme, die eine solche Funktion anbieten. Ohne sie selber ausprobiert zu haben, möchte ich zumindest das in Java geschriebene Open-Source-Tool ImageJ und die Software Panolapse nennen. Beide laufen sowohl auf MacOS X als auch auf Windows.

Ich möchte noch eine weitere Möglichkeit nennen, die langjährigen Apple-Nutzern zur Verfügung steht: Wer in seinen Archiven noch einen Registrierungscode für die Pro-Version des alten QuickTime Player 7 hat, kann sich die letzte Version von QuickTime 7 von der Apple-Homepage herunterladen. Man kann zwar keine neuen Lizenzschlüssel mehr kaufen, aber die alten funktionieren noch. Nachdem man die Pro-Version aktiviert hat, steht im Menü Datei die Option Bildsequenz öffnen zur Verfügung. Dort einfach das erste Bild der Sequenz auswählen. Es folgt eine Abfrage für die gewünschte Bildwiederholrate, und nach einem kurzen Moment lässt sich das Video bereits anschauen. Anschließend lässt es sich im Apple-üblichen QuickTime-Format (H.264) als Videodatei speichern.

BEARBEITUNG DER EINZELFOTOS

Vor der Umwandlung zum Film bietet sich noch die Gelegenheit, die Bilder zu bearbeiten. Hat man im RAW-Format fotografiert, so stehen einem hierfür die vollen Möglichkeiten zu Verfügung. Insbesondere in den sehr hellen und den sehr dunklen Bildbereichen lassen sich so viele Details herausholen. Zudem kann man Weißabgleich, Kontrast und Farbwiedergabe den eigenen Wünschen entsprechend optimieren.

Damit ergibt sich die Herausforderung, die Bilder so konsistent zu bearbeiten, dass hinterher ein möglichst gleichmäßiger Film dabei herauskommt. Man braucht also ein Programm, das es erlaubt, an einem Foto gemachte Änderungen auf den Rest der Bildreihe zu übertragen.

In Adobe Lightroom geht das am besten, wenn man ein Bild etwa aus der Mitte der Sequenz bearbeitet und dann die Entwicklungseinstellungen auf alle Fotos synchronisiert. Das funktioniert sehr gut, solange sich die gemachten Änderungen für alle Bilder etwa gleich gut eignen. Dabei sollte man die Aufnahmen auch direkt im Seitenverhältnis 16:9 zuschneiden. Nachdem man alle Dateien in der Größe 3840×2160 Pixel (4K-Auflösung) oder 1920×1080 Pixel (Full HD) als JPEG exportiert hat, kann man den Bilderstapel wie oben beschrieben in ein Video umwandeln.

WORKFLOW MIT LRTIMELAPSE 4

Will man die Bilderreihe für die Zeitrafferaufnahme umfangreicher bearbeiten, reicht ein übliches Bildbearbeitungsprogramm alleine nicht mehr aus – denn die Schwierigkeit liegt ja darin, die Anpassungen der einzelnen Fotos so aufeinander abzustimmen, dass am Ende im Video keine plötzlichen Helligkeits- oder Farbänderungen auftreten. Solche sind unvermeidlich, wenn man z.B. im Verlauf der Dämmerung die Verschlusszeit und den ISO-Wert ändert, um die Belichtung anzupassen. Videos von Sonnenauf- oder -untergängen werden daher auch als der „Heilige Gral“ der Zeitraffer bezeichnet.

Für solche Fälle habe ich mir die Software LRTimelapse 4 von Gunther Wegner zugelegt. Diese arbeitet in Verbindung mit Adobe Lightroom und bietet eine Reihe von Funktionen, mit denen sich die erstellten Videos deutlich verbessern lassen. LRTimelapse ist einfach zu bedienen und bietet sehr umfangreiche Möglichkeiten um Anpassungen an den Ausgangsbildern auf die ganze Reihe zu synchronisieren und dabei auch Helligkeitsänderungen im Laufe der Aufnahme anzugleichen. Dabei verändert LRTimelapse die Bilder nicht selbst, sondern berechnet die nötigen Anpassungen für jedes Bild und gibt diese als Metadaten an Lightroom weiter. Die eigentliche Verarbeitung der Bilder erfolgt durch Adobes Camera RAW Engine. Der Prozess läuft wie folgt ab:

  • LRTimelapse starten und den Ordner mit den RAW-Dateien für die Zeitraffer öffnen. Das Programm importiert die Daten und analysiert den Helligkeitsverlauf. Basierend darauf schlägt es eine Anzahl von Keyframes vor, die sich manuell noch anpassen lassen. Üblicherweise setzt man zwischen vier und acht solcher Keyframes.
  • Über einen speziellen Drag&Drop-Button wird die Bildsequenz einfach nach Lightroom importiert. Dort kann man durch Setzen eines vordefinierten Filters die Keyframes auswählen.
  • Diese kann man nun nach Belieben und in vollem Umfang bearbeiten. Man beginnt mit dem ersten Frame und synchronisiert anschließend die vorgenommenen Einstellungen auf alle folgenden Bilder. Dann geht man zum nächsten Foto, nimmt eventuell nötige Anpassungen vor, synchronisiert wieder auf die Folgebilder und so weiter, bis alle Keyframes den eigenen Wünschen entsprechen. Dabei sollte man die Bilder auch gleich auf 16:9 anpassen. So kann man den Bildausschnitt frei wählen; LRTimelapse schneidet sonst automatisch mittig zu.
  • Sind die Keyframes fertig bearbeitet, speichert man die Metadaten als Dateien ab und kehrt zu LRTimelapse zurück.
  • Jetzt kommt der Clou: LRTimelapse berechnet, ausgehend von den Keyframes, automatisch die nötigen Anpassungen für alle übrigen Fotos. So ergeben sich sanfte Übergänge für Helligkeit, Farben und Kontraste. Das dauert einen Moment, dafür kann man sich dann in der Vorschau direkt das Ergebnis anschauen.
  • Zum Feinschliff bietet LRTimelapse noch eine „Deflicker“ (Entflacker) Funktion an, um Helligkeitssprünge zu vermindern. Ich habe auf diese Weise sogar bei Verwendung der Belichtungsautomatik (Blendenvorwahl) der Kamera sehr gute Ergebnisse bei Aufnahmen während der Dämmerung erzielen können.
  • Schließlich werden die Anpassungen für alle Fotos als Metadaten in separaten Dateien (*.xmp) gespeichert.
  • In Lightroom werden diese neuen Metadaten dann geladen und die darin enthaltenen Anpassungen auf die Bilder angewendet.
  • Zuletzt startet man aus Lightroom heraus den Export. Zunächst werden auch hier wieder alle Bilder als JPEG auf die Festplatte gespeichert – bei 2.700 Bildern kann das schonmal ein paar Stunden dauern, zumindest auf einem über sechs Jahre alten Laptop. Danach rendert LRTimelapse aus den JPEGs einen Film mit den gewünschten Einstellungen (Auflösung, Bildwiederholrate, Video-Codec etc.). Das geht relativ schnell, und man kann aus der JPEG-Sequenz immer wieder neue Videos mit anderen Einstellungen erzeugen.

Gunter Wegner bietet ein rund halbstündiges Tutorial-Video (auf Deutsch) an, in dem er ausführlich die Funktionen und Arbeitsweise mit dem Programm erläutert.

BEISPIEL

Das folgende Video zeigt einen Sonnenaufgang über einen Zeitraum von etwa vier Stunden, mit einem Foto alle zehn Sekunden. Aufgenommen wurde der Zeitraffer mit der Canon 760D und dem Radian 2. Für die Aufnahme habe ich die Blende fest auf 2,2 eingestellt, während Verschlusszeit und ISO-Wert von der Kamera automatisch gewählt wurden. Die ersten Bilder entstanden bei 5 Sekunden, ISO 400; die letzten bei 1/4.000 Sekunde, ISO 100. Der Radian 2 hat dabei die Kamera ausgelöst und gedreht.

Die Bilder wurden anschließend wie oben beschrieben in Adobe Lightroom und LRTimelapse 4 bearbeitet. So entstand ein Video mit sehr gleichmäßigen Helligkeits- und Farbübergängen. Die Musik, die aus der freien Musik-Bibliothek von YouTube stammt, habe ich zum Schluss in Adobe PremierePro hinzugefügt.

Noch mehr als die Dämmerung an sich fasziniert mich in dem Video jedoch die Bewegung der Wolken. Es wird sicher nicht mein letzter Film dieser Art gewesen sein; ich werde noch viel mit Zeitintervall, Zeitraum, Ort und Wetter experimentieren…


FAZIT

Empfehlung: Für mich hat sich die Investition in LRTimelapse absolut gelohnt, und ich empfehle es jedem, der sich ernsthaft mit Zeitraffer-Aufnahmen auseinandersetzt. Es gibt auch eine kostenlose Demo-Version, die auf 400 Bilder pro Sequenz beschränkt ist, aber sonst den vollen Funktionsumfang bietet. So kann man gut testen, ob das Programm den eigenen Vorstellungen entspricht.

Was ich gelernt habe: Das Zeitraffer Spaß machen, ist denke ich schon in den ersten Teilen der Serie klar geworden. Mit den passenden Werkzeugen lassen sich auch schwierige Lichtsituationen meistern. So entstehen mit überschaubarem Aufwand kleine Meisterwerke – wieder mal ein „Gewusst, wie“.


LINKS:

Bildnachweis: Titelbild – Screenshot Adobe Lightroom CC; Bildsequenz öffnen – Screenshot Adobe Photoshop CC; YouTube-Video Sonnenaufgang – eigene Aufnahme

Bilder in Bewegung: Zeitraffer-Aufnahmen mit der DSLR/DSLM

Zeitraffer

Dieser Beitrag ist der zweite Teil einer Mini-Serie zum Thema „Zeitraffer“. Der erste Teil beschreibt, wie man Zeitraffer-Videos mit der GoPro (oder einer vergleichbaren Action-Kamera) aufnimmt. Damit kann man bereits ziemlich gute Ergebnisse erzielen, und das mit wenig Aufwand. Um die Aufnahmen noch weiter zu verbessern, gibt es vor allem zwei Ansatzpunkte: freie Wahl der Brennweite und manuelle Kontrolle der Belichtung.

VERBESSERUNGSMÖGLICHKEITEN

Wie schon erwähnt, ist der offensichtlichste Vorteil bei der Nutzung einer Spiegelreflex- oder Systemkamera gegenüber der GoPro die freie Wahl der Brennweite. Dies ermöglicht wiederum andere Perspektiven, da man einzelne Details einer Szene herausheben kann. Je länger die Brennweite, umso leichter fallen Wackler auf, zum Beispiel, weil der Wind gegen das Objektiv drückt. Diese müssen dann in der Nachbearbeitung stabilisiert werden, damit das Video am Ende nicht zittert. Daher ist eine stabile Aufstellung der Kamera sehr wichtig.

Des Weiteren hat man im manuellen Modus der Kamera die volle Kontrolle über die Belichtung der einzelnen Bilder – also Verschlusszeit, Blende, ISO-Wert und Weißabgleich. Sofern im Laufe der Aufnahme keine wesentlichen Änderungen an der Helligkeit der Szene zu erwarten sind, empfiehlt es sich immer, alle diese Werte manuell fest einzustellen. Dadurch ist ein gleichbleibendes Aussehen der Fotos gewährleistet und es entstehen keine seltsamen Effekte durch die Belichtungsautomatik, etwa wenn eine Wolke vor die Sonne zieht und die Szenerie dadurch auf einmal deutlich dunkler und blauer wird. Außerdem muss der Fokus ebenfalls manuell auf das wichtigste Element im Bild eingestellt werden. Ansonsten kann es passieren, dass die Kamera unbeabsichtigt auf Bewegungen im Bild reagiert und Teile der Aufnahme plötzlich unscharf sind.

Um die Bildqualität voll auszunutzen, sollte man natürlich in RAW fotografieren – daher muss man hier, noch viel mehr als bei der GoPro, die Datenmenge im Blick behalten. Bei meiner Canon 760D ist eine RAW-Datei bis zu 30 MB groß. Ein Zeitraffer über eineinhalb Stunden mit einem Aufnahmeintervall von zwei Sekunden erzeugt 2.700 Fotos – das sind rund 80 GB! Dementsprechend habe ich für solche Zwecke in eine 128 GB SD-Karte investiert. Ebenso muss der Akku der Kamera ausreichend lange durchhalten. Für besonders lange Aufnahmen nutze ich daher einen Batteriegriff an der Kamera, in dem zwei Akkus Platz haben.

Eine weitere Gestaltungsmöglichkeit ergibt sich schließlich durch den Einsatz von Filtern. Egal ob Action-Kamera oder Spiegelreflex, bei schönem Wetter ist die Belichtungszeit für ein Foto in der Regel sehr kurz, so um 1/1000 Sekunde. Das führt im fertigen Video dazu, dass sich bewegende Leute oder Fahrzeuge scheinbar ruckartig von einer Position zur nächsten springen, wie man im Beispiel im ersten Teil gut sehen kann. Um bei Filmaufnahmen eine flüssige Bewegung zu erzielen, nimmt man als Richtwert für die Belichtungszeit üblicherweise das Doppelte der Bildwiederholrate, also 1/60 bei 30 Bildern pro Sekunde. Um die Belichtungszeit derart strecken zu können, ohne dass das Bild überbelichtet wird, kommen sogenannte Graufilter oder Neutral-Dichte (ND) Filter zum Einsatz.

Ich habe einen 1.000× Graufilter (ND 3,0-Filter) genutzt, um die Belichtungszeit auf eine halbe Sekunde zu verlängern. In Verbindung mit dem Tokina 11-20 mm Ultra-Weitwinkel habe ich folgende Einstellungen verwendet: ISO 200 | 16 mm | ƒ/4.0 | ½ Sek. Dadurch verschwimmen sich bewegende Personen oder Objekte im Bild. In Kombination mit einem Aufnahmeintervall von zwei Sekunden ergibt sich so im fertigen Film eine schöne fließende Bewegung; das fertige Beispiel-Video zum Vergleich mit dem aus dem ersten Teil gibt es weiter unten.

Bewegungsunschärfe
Bewegungsunschärfe durch Belichtungszeit von einer halben Sekunde bei Verwendung eines Graufilters

Polarisationsfilter können grundsätzlich auch genutzt werden, allerdings mit Einschränkungen: Da die Wirkung des Polfilters vom Winkel der Kamera zur Sonne abhängt, ändert sich die Stärke des Effekts im Laufe der Aufnahme, wenn die Sonne in dieser Zeit deutlich wandert. Das lässt sich in der Nachbearbeitung kaum korrigieren.

Meine 760D hat, im Gegensatz zur GoPro und einigen neueren Kameras, kein eingebautes Intervalometer – der Impuls, alle x Sekunden ein Foto zu machen, muss also von außen kommen. Die preiswerteste Variante dafür ist ein Kabelauslöser, der so eine Funktion mit eingebaut hat. Brauchbare Modelle finden sich im Internet schon für rund 20 Euro, passend für alle gängigen Kameramodelle. Eine weitere Möglichkeit besteht in der Nutzung einer Smartphone-App. Dazu muss die Kamera per Kabel, Bluetooth oder WiFi mit dem Smartphone verbunden werden. Solche Apps bieten neben dem Zeitraffer-Modus oft noch viele weitere Funktionen.

Ich wollte neben technisch besseren Bildern noch eine weitere Komponente ins Spiel bringen, um meine Videos interessanter zu gestalten: nämlich die Kamera selbst während der Aufnahme zu bewegen. Das erfordert eine sehr präzise Steuerung, damit sich hinterher eine sanfte Bewegung ergibt. Dafür gibt es inzwischen einige Geräte zur Auswahl, die sowohl die Bewegung als auch die synchronisierte Steuerung der Kamera übernehmen.

ALPINE LABS RADIAN 2

Über eine Crowdfunding-Kampagne bin ich auf den Radian 2 von Alpine Labs gestoßen. Dieses Gerät, das aussieht wie eine unscheinbare schwarze Dose, hat es buchstäblich in sich: es enthält einen Akku, einen Motor und eine Fernsteuerung für die Kamera. Bedient wird es via Bluetooth mit der passenden Smartphone-App; die Kamera wird via USB-Kabel verbunden. Im Wesentlichen ermöglicht es Zeitrafferaufnahmen mit Kameraschwenks: Über einen festgelegten Zeitraum wird die Kamera einen bestimmten Winkel (horizontal oder vertikal) gedreht, und alle x Sekunden wird ein Foto gemacht. Der Radian macht zwischen Drehen und Aufnahme immer eine kurze Pause, damit das Bild nicht verwackelt.

Timelapse-Setup
Timelapse-Setup: Canon 760D mit Batteriegriff, Alpine Labs Radian 2 und iPhone mit der Radian App

Mit der recht schweren Kombination aus Kamera, Batteriegriff und dem Tokina (Gesamtgewicht: 1,5 kg) hatte der Radian keinerlei Mühe bei horizontalen Schwenks. Für einen vertikalen Schwenk war das jedoch zu schwer; das muss ich bei Gelegenheit nochmal mit einem leichteren Aufbau testen.

Unabhängig davon lässt sich auch die Aufnahme selbst auf vielfache Weise variieren. Der Radian kann während der Aufnahme die Kamera-Einstellungen verändern. So kann bei Aufnahmen in der Dämmerung die Belichtung angepasst werden („Exposure Ramping“). Die Frequenz der Aufnahmen lässt sich ebenfalls regeln, so dass sich die Geschwindigkeit der Zeitraffer im Verlauf des Videos ändert („Speed Ramping“).

Alles in allem ein sehr vielseitiges und dazu einfach zu bedienendes Gerät, das viel Abwechslung in Zeitraffer-Aufnahmen bringt. Natürlich kann man den Radian auch verwenden um die GoPro zu drehen – allerdings fehlt hier die Verbindung mit der Kamera, da sich die GoPro nicht auf gleiche Weise fernsteuern lässt. Das schränkt die Möglichkeiten deutlich ein. Der Radian 2, wie ich ihn habe, ist bei Alpine Labs aktuell ausverkauft. Ob und wann es wieder welche gibt, ist nicht klar. Es gibt inzwischen jedoch auch vergleichbare Geräte anderer Hersteller.

BEISPIEL

Das folgende Video zeigt einen Zeitraum von etwa eineinhalb Stunden. Die Fotos wurden wie oben beschrieben mit der Canon 760D, dem Radian 2 und einem ND-Filter gemacht; ich habe alle zwei Sekunden für eine halbe Sekunde belichtet. Dadurch wirken die Bewegungen im Bild flüssiger; die Leute springen nicht mehr im Bild umher. Die Drehung der Kamera bringt zusätzliche Bewegung ins Bild. Mit am faszinierendsten finde ich jedoch die Bewegung der Wolken an diesem Tag.

AUSBLICK

Im nächsten Teil wird es um die Nachbearbeitung gehen: Wie optimiere ich die aufgenommenen Fotos, und wie wird aus den vielen Einzelbildern ein fertiger Film? Es gibt unzählige Möglichkeiten zur Bearbeitung und Konvertierung der Daten. Ich werde Euch vorstellen, welche Vorgehensweise und Software ich dafür nutze.


FAZIT

Empfehlung: Bei der Bildqualität liegen zwischen den mit der großen Kamera aufgenommenen Fotos und denen aus der GoPro natürlich Welten. Dafür ist die nötige Ausrüstung aber auch deutlich größer und schwerer (und teurer). Je nach Gegebenheit muss man das gegeneinander abwägen. Wann immer möglich, empfehle ich auf jeden Fall den Einsatz einer Spiegelreflex- oder Systemkamera, um alle Möglichkeiten der Bildgestaltung und Nachbearbeitung ausnutzen zu können.

Was ich gelernt habe: Wichtig ist, dass sämtliche Einstellungen – ISO, Belichtungszeit, Blende, Fokus, Weißabgleich – manuell vorgenommen werden, damit diese während der Aufnahmezeit konstant bleiben. Anpassungen durch die Automatik der Kamera führen sonst zu unschönem Flackern im fertigen Video. Bei der Aufnahme schneller Bewegungsabläufe, wie zum Beispiel fahrenden Autos, wirkt das fertige Video deutlich flüssiger, wenn man einen Graufilter zur Verlängerung der Belichtungszeit nutzt, um so Bewegungsunschärfe zu erzeugen.


LINKS

Bildnachweis: Titelbild – Screenshot Adobe Lightroom CC; alle anderen Bilder – eigene Aufnahmen.

Bilder in Bewegung: Zeitraffer-Aufnahmen mit der GoPro

Zeitraffer

Dieser Beitrag wird der erste Teil eine Mini-Serie rund um das Thema „Zeitraffer“. Für mich liegt eine der wesentlichen Motivationen zum Fotografieren darin, Dinge so einzufangen, die das bloße Auge nicht sieht. Das können Makro-Aufnahmen sein, das Einfrieren schneller Bewegungen – oder eben Bewegungsabläufe als Film.

Hier kann es reizvoll sein, Bewegungen stark zu verlangsamen – viele Smartphones und Action-Kameras bieten heute schon spezielle Zeitlupen-Funktionen mit bis zu 120 Bildern pro Sekunde. Damit lassen sich Bewegungen ruckelfrei auf etwa 1/5 der ursprünglichen Geschwindigkeit verlangsamen. Soll es noch langsamer werden, braucht es spezielle – und damit teure – Kameras, zumindest wenn der Film hinterher auch noch eine gute Auflösung haben soll.

Das Gegenteil davon lässt sich einfacher umsetzen: Zeitraffer eignen sich dazu, Bewegungsmuster sichtbar zu machen, die zu langsam ablaufen, um sie mit dem bloßen Auge erfassen zu können. Für die Umsetzung braucht es nicht mehr als eine digitale Fotokamera mit der Möglichkeit, in festgelegten Zeitabständen Bilder aufzunehmen. Und etwas passende Software, die sich im Internet einfach finden lässt. Die Kamera muss dabei gar kein Top-Modell sein; für ein 4K-Video reichen schon 10 Megapixel aus.

Im ersten Teil beschreibe ich die Umsetzung von Aufnahme der Fotos bis zur Erstellung des Videos mit einer GoPro-Kamera und der zugehörigen Software.

IDEE & ORT

Das Eisenbahnmuseum Darmstadt-Kranichstein gehört mit Sicherheit zu den Orten, wo ich am längsten und am meisten fotografiere. Dabei geht es mir oft weniger darum, die Fahrzeuge in der Ausstellung im Bild festzuhalten, sondern vielmehr den Betrieb während der Veranstaltungen zu zeigen – insbesondere während des größten Events, den sogenannten „Bahnwelttagen“, die jedes Jahr im Mai am langen Himmelfahrt-Wochenende stattfinden. Ich habe den Schwerpunkt meiner Fotos auf das Publikum gelegt und nur mittelbar auf Exponate, die gerade die Aufmerksamkeit auf sich zogen.

Das waren immer nur Momentaufnahmen: Als Mitarbeiter im Museum muss ich während der Veranstaltungen selbst meine Aufgaben in der Ausstellung erfüllen und bekomme so oft nur wenig vom Geschehen auf dem Gelände mit – außer in den Pausen, die ich dann auch zum Fotografieren nutze. Trotzdem hat mich immer interessiert, was eigentlich den ganzen Tag über „da draußen“ passiert. So installierte ich meine Kamera mitten im Geschehen. Weil aber ein Acht-Stunden-Tag in Echtzeit anzuschauen langweilig wäre, hatte ich die Idee, Zeitraffer-Aufnahmen zu machen.

GOPRO KAMERA & SOFTWARE

Vor vielen Jahren habe ich mir eine GoPro Hero 3+ Black Edition Actionkamera gekauft, um damit Aufnahmen aus Perspektiven machen zu können, die mit einer großen Kamera nicht oder nur sehr schwer zugänglich sind. Neben verschiedenen Videomodi besitzen alle GoPros auch einen eingebauten Zeitraffermodus, in dem die Kamera alle paar Sekunden ein Foto macht. Das Zeitintervall kann man bei meiner GoPro zwischen 0,5 und 60 Sekunden wählen. Welches Zeitintervall das richtige ist, hängt davon ab, welche Abläufe man im Bild festhalten möchte; also was sich wie schnell bewegt.

Solange man die einmal gestartete Aufnahme nicht stoppt, läuft sie weiter bis die Speicherkarte voll oder der Akku leer ist. Damit ersteres nicht passiert, legte ich mir eine Micro-SD-Karte mit 64GB Kapazität zu. Für die Stromversorgung habe ich zwei Varianten genutzt: um einen ganzen Tag einzufangen, sorgte ich für eine externe Stromversorgung über Netzteil und USB-Kabel. Für Aufnahmen über 2 bis 3 Stunden reicht der integrierte Akku in Verbindung mit dem für die GoPro 3+ erhältlichen, auf der Rückseite ansteckbaren Zusatz-Akku.

AUFNAHME

Für die Aufnahme braucht es, wie immer in der Fotografie, ein passendes (interessantes) Motiv. Bei einem Zeitraffer kommt noch hinzu, dass sich dieses Motiv im Laufe der Zeit verändern soll: Wolken am Himmel, Verkehr auf einer lebhaften Kreuzung oder im Eisenbahnmuseum eben die Drehscheibe am Ringlokschuppen. Dann sind ein passender Ort und die richtigen Adapter nötig, um die Kamera stabil (wackelfrei) zu befestigen. Ich habe die Ausrichtung der Kamera über die passende Smartphone-App kontrolliert und dann darüber auch die Aufnahme gestartet.

Im Eisenbahnmuseum arbeite ich in der Regel ich mit einem Zeitintervall von zwei Sekunden; im Laufe eines ganzen Veranstaltungstags kommen so über acht Stunden 14.400 Fotos zusammen. Macht man daraus ein Video mit 30 Bildern pro Sekunde, so werden am Ende aus acht Stunden acht Minuten.

NACHBEARBEITUNG

Da meine alte GoPro ausschließlich Fotos im JPEG-Format schießt, sind die Möglichkeiten der Nachbearbeitung relativ begrenzt, zumal die Änderungen auf alle Bilder synchronisiert werden müssen. Bei der teils erheblichen Anzahl von Dateien stellt dies Hard- und Software vor eine nennenswerte Herausforderung. Wie wird nun aus all den Bildern ein Film? Am einfachsten geht das über die mitgelieferte „GoPro Studio“ Software.

GoPro Studio
GoPro Studio (v2.5.12) – Zeitraffer-Video importieren und bearbeiten

Dort wählt man im ersten Schritt den Ordner mit den von der Kamera kopierten Dateien auf der Festplatte aus. Die Software baut daraus automatisch einen Videoclip zusammen. Dann stellt man die gewünschten Optionen ein. Die wichtigsten Einstellungen sind die Bildwiederholrate und ob man den Fischaugen-Effekt herausrechnen lassen möchte oder nicht. Wenn viele gerade Linien im Bild sind, ist das durchaus sinnvoll, kann aber zu starken Verzerrungen in den Bildecken führen. Das Programm erstellt daraus dann einen fertigen Film, den man schließlich im gewünschten Format exportieren kann.

BEISPIEL

Das folgende Video habe ich vor drei Jahren mit der GoPro und der mitgelieferten Software wie oben beschrieben erstellt. Das Aufnahmeintervall betrug zwei Sekunden; über acht Stunden macht das insgesamt 14.400 Fotos:

Dieser Clip hat natürlich noch keinen Ton, da er aus einzelnen Fotos erstellt wurde. Man kann das Video einfach so nutzen oder mit anderen Bausteinen zu einem abwechslungsreichen Film zusammenbauen – dann natürlich auch mit Ton. Die GoPro-Software bietet selbst einige Videoschnitt-Funktionen an, die ich jedoch nie nutze. Früher habe ich meine Filme mit Apples iMovie Software erstellt; inzwischen nutze ich Adobe Premiere Pro CC. Auf das Thema Videoschnitt und Video-Nachbearbeitung werde ich in diesem Beitrag jedoch nicht eingehen. Stattdessen verweise ich dafür auf die fantastische Video-Anleitung (fünf Teile) von Arthur Konze auf YouTube.

ALTERNATIVEN UND GRENZEN

Aktuelle GoPro-Kameras findet Ihr beim Elektronik-Händler Eures Vertrauens. Es soll jedoch nicht unerwähnt bleiben, dass es inzwischen auch recht preiswerte Alternativen zur GoPro gibt. Was die Qualität der erzeugten Bilder und Videos angeht, so gibt es natürlich Unterschiede, zumindest wenn man die Ergebnisse mit dem aktuellen Top-Modell vergleicht. Ob das den Aufpreis wert ist, muss jeder für sich selbst entscheiden, je nach Anwendungszweck.

Zudem bieten inzwischen auch viele Smartphones eine Zeitraffer-Funktion – entweder direkt in der integrierten Kamera-App oder durch Apps von Drittanbietern. Für meinen Anwendungsfall kommt das jedoch nicht infrage: Das Smartphone ist wesentlich empfindlicher gegenüber Umwelteinflüssen (direkte Sonneneinstrahlung, Regen), die Speicherkapazität ist in der Regel ebenso begrenzt wie die Akkulaufzeit – und wer hängt sein Smartphone mit allen seinen Daten bei einer Veranstaltung unbeaufsichtigt ins Gelände?

So oder so gibt es Grenzen. An erster Stelle ist man an die feste Brennweite der Kamera gebunden, die ein extremes Weitwinkel-Bild (Fischauge) liefert. Das ist nicht immer das, was man braucht. Zudem hat die kleine Kamera Probleme mit starken Kontrasten – an hellen Sommertagen sind entweder die hellen Stellen im Bild, z.B. Wolken, ausgebrannt und daher nur noch als weiße Kleckse zu sehen, oder die Schatten saufen im Schwarz ab. Zudem produzieren der automatische Weißabgleich und die Belichtungsautomatik oft seltsame Effekte, etwa wenn Wolken an der Sonne vorbeiziehen und sich so das Licht immer wieder ändert.

Die GoPro bietet mit „ProTune“ auch einen fortgeschrittenen Aufnahmemodus. Dort kann man z.B. den Weißabgleich fest einstellen. Dadurch sind die Aufnahmen kontrastärmer und bieten mehr Möglichkeiten in der Nachbearbeitung. Allerdings konnte ich damit bei Zeitraffer-Aufnahmen nie zufriedenstellende Ergebnisse erreichen – vermutlich, weil mir die Erfahrung im Umgang mit Color Grading und Look-Up Tables fehlt. Neuere GoPro-Modelle wie z.B. die GoPro Hero 5 können auch Fotos im RAW-Format schießen; wer so ein Modell hat, sollte diese Möglichkeit unbedingt nutzen.

AUSBLICK

Im nächsten Teil der Serie wird es um Zeitraffer-Aufnahmen mit Spiegelreflex- bzw. Systemkameras gehen, sowie darum, wie man noch etwas mehr Bewegung in den Film bringt. Der dritte Teil wird sich dann mit der Nachbearbeitung befassen, also insbesondere damit, wie man die Möglichkeiten des RAW-Formats am besten ausnutzen kann, um mit vertretbarem Aufwand ein qualitativ hochwertiges Video zu erzeugen.


FAZIT

Empfehlung: Zeitraffer mit der GoPro sind sehr schnell und einfach gemacht und liefern durchaus beachtliche Ergebnisse. Diese Variante bietet eine ganze Reihe von Vorteilen: Die Kamera ist klein, leicht, unauffällig und lässt sich vielseitig befestigen. Sie arbeitet absolut geräuschlos und hält mit Zusatzakku viele Stunden durch. Die Umwandlung der Fotos in ein fertiges Video geht mit der mitgelieferten GoPro Studio Software im Handumdrehen. Also viel Spaß für wenig Aufwand!

Was ich gelernt habe: Zeitraffer-Videos haben für mich eine neue Möglichkeit eröffnet, Fotografie einzusetzen, um Bewegungsabläufe darzustellen. Vor allem, dass man die Kamera, einmal eingerichtet, einfach „ihr Ding“ machen lassen und sich währenddessen anderen Tätigkeiten widmen kann, ist einfach prima und erlaubt entspanntes „Multitasking“.


LINKS

Bildnachweis: Titelbild – Screenshot Adobe Lightroom CC

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