Foto-Experiment: Wassertropfen

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Wieder ein trübes Wochenende. Wieder einmal Zeit, sich mit einer Fotoidee für drinnen zu beschäftigen. Da kam mir gerade recht, dass ich beim Stöbern auf YouTube über ein Video gestolpert bin, wie man durch eine Glasscheibe mit Wassertropfen darauf sehr schöne abstrakte Bilder erzeugen kann. Die meisten Sachen, die ich dafür brauchte, waren eh schon im Haus – der Rest ließ sich schnell mit einer Fahrt zum Baumarkt und der Investition weniger Euros ergänzen.

FÜR UNGEDULDIGE

Ausrüstung Einstellungen
  • Kamera
  • 1-2 externe Blitze
  • Funkauslöser für Blitze
  • Stativ mit schwenkbarer Mittelsäule oder Galgenstativ
  • Fernauslöser
  • Glasplatte
  • Sprühflasche mit Wasser
  • Manueller Fokus
  • Manueller Modus
  • ISO 100
  • 1/125 Sekunde
  • Blende ƒ/22
  • Weißabgleich: Blitz
  • Blitze: manueller Modus, 1/8 Leistung

DER AUFBAU

Das Wichtigste für dieses Foto-Experiment ist natürlich die Glasplatte. Diese sollte möglichst keine Kratzer oder Flecken haben und natürlich sauber sein. Die Platte muss nicht sehr groß sein; 30×40 cm reichen da schon völlig aus. Ihr braucht etwas, wo Ihr sie drauflegen könnt; ich habe mir da mit Wasserflaschen und Trinkgläsern beholfen. Als Hintergrund für die Bilder diente ein Stück Fotokarton.

Der Aufbau der Kamera stellte eine Herausforderung dar. Den Autofokus konnte ich nicht nutzen, da dieser meistens auf die Gegenstände unter der Glasplatte scharf gestellt hat statt auf die Wassertropfen darüber. Bei manuellem Fokus ist selbst bei Blende ƒ/22 die Schärfentiefe so gering, dass durch unvermeidbare Wackelei in der über den Tisch gebeugten Haltung viele Fotos unscharf wurden. Es musste eine andere Lösung her.

Viele große (und teure) Stative haben für solche Zwecke eine schwenkbare Mittelsäule – mein kleines Reisestativ kann das nicht. Also habe ich auf eine Bastellösung gesetzt: Aus Lichtstativ und Reflektorhalter habe ich mir ein Galgenstativ gebaut, daran einen Stativkopf geschraubt, der schließlich die Kamera gehalten hat. Obwohl ich die Stativfüße entsprechend mit Gewichten (Sandsack) beschwert und alle Schrauben und Klemmen ordentlich festgezogen habe, war das insgesamt eine recht wackelige Angelegenheit. Mit der entsprechenden Vorsicht und einem Fernauslöser für die Kamera hat die Konstruktion jedoch ihren Zweck voll und ganz erfüllt.

Aufbau zum Foto-Experiment "Wassertropfen"
Aufbau zum Foto-Experiment „Wassertropfen“: Die Glasplatte liegt hier auf Wasserflaschen (ca. 30cm hoch); später habe ich sie auf niedrigere Gläser gelegt. Zudem habe ich den Abstand der Kamera variiert. Bei der Positionierung der Blitze ist darauf zu achten, dass die Kante der Glasplatte keinen Schatten ins Bild wirft.

Die Blitze habe ich zu beiden Seiten des Aufbaus positioniert. Ich habe zunächst eine Reihe von Testaufnahmen gemacht, um sicherzustellen, dass die Blitze weder störenden Reflexionen auf der Glasplatte erzeugen, noch ungewollte Schatten ins Bild werfen, zum Beispiel durch die Kante der Glasplatte.

Dann kam das Wasser ins Spiel. Ich habe die Glasplatte zunächst mit einem Mittel behandelt, das eigentlich für Autoscheiben gedacht ist, damit der Regen besser abperlt und die Scheiben nicht beschlagen. Das erzeugt eine Art Lotus-Effekt, so dass sich nicht einfach ein durchgehender Wasserfilm bildet, sondern schöne einzelne Tropfen. Danach habe ich mit einer einfachen Sprühflasche solange Wasser aufgesprüht, bis ausreichend viele und große Tropfen auf der Scheibe waren.

Als letztes habe ich mir die Dinge besorgt, die ich unter die Glasscheibe legen wollte, um sie dann durch die Tropfen zu fotografieren: Obst, eine Blume, sowie Stoffe und Utensilien aus der Schatzkammer meiner Frau ♥.

DIE EINSTELLUNGEN

Das Aussehen der Bilder hängt im Wesentlichen von drei Faktoren ab:

  • Abstand von der Glasplatte zum Objekt darunter
  • Abstand von der Kamera zur Glasplatte
  • Brennweite des Objektivs

Je nachdem, wie man das variiert, kann man verschieden große Dinge ins Bild nehmen und das Größenverhältnis von Objekt zu Wassertropfen verändern. Die Bilder in der Galerie vermitteln einen Eindruck von der Wirkung verschieden großer Tropfen im Verhältnis zum Motiv.

Aufbau zum Foto-Experiment "Wassertropfen"
Aufbau zum Foto-Experiment „Wassertropfen“: ISO 100, ƒ/22, 1/125 Sek., manueller Fokus eingestellt per Live View. Die Blitze werden über den Godox X1c eingestellt und ausgelöst; die Kamera per Kabel-Fernauslöser.

Ich habe verschiedene Brennweiten ausprobiert; die meisten Fotos sind entweder mit dem Tamron SP 90 mm ƒ/2.8 Macro oder dem Canon EF 50 mm ƒ/1.8 entstanden, bei identischen Kameraeinstellungen. Diese sind schnell erklärt:

  • Blende: ƒ/22. Ich wollte eine möglichst große Schärfentiefe haben, damit im Bild nachher sowohl die Tropfen als auch der Gegenstand darunter scharf zu sehen sind. Ich habe auch andere Blendenwerte ausprobiert; aber die Ergebnisse bei ƒ/22 haben mir tatsächlich am besten gefallen.
  • ISO: 100. Da durch die Blitze ausreichend Licht gegeben war, konnte ich ganz auf die beste Bildqualität setzen.
  • Belichtungszeit: 1/125 Sekunde. Der genaue Wert ist hier gar nicht so wichtig; es kommt nur darauf an, dass ein ohne Blitz aufgenommenes Bild komplett schwarz ist, um in den Tropfen keine Reflexionen von Fenstern oder anderen Umgebungslichtern zu haben.
  • Blitze: 1/8 Leistung. Deren Leistung habe ich im manuellen Modus eingestellt, bis das Foto korrekt belichtet war. Bei sehr hellen oder sehr dunklen Objekten habe ich die Leistung entsprechend angepasst.

Ein paar Versuche hat es gebraucht, bis alles soweit gepasst hat – aber das ging recht schnell, und dann konnte es losgehen.

DAS SHOOTING

Nachdem alles aufgebaut ist, besteht die wesentliche Herausforderung darin, mit verschiedenen Gegenständen herumzuspielen und auszuprobieren, wie diese durch die Wassertropfen im Bild aussehen. Grundsätzlich empfehlen sich hier eher farbenfrohe Motive, wobei deren Muster nicht zu kleinteilig sein sollte, denn sonst wirkt das Gesamtbild durch die Wiederholung des Musters in den Tropfen sehr unruhig.

Außer dem Motiv habe ich auch verschiedene Abstände zur Glasplatte, Brennweiten und Blendenwerte ausprobiert. Eine weitere Möglichkeit, die Größe der Tropfen im Bild und damit die Wiederholung des Musters zu beeinflussen, ist, die Glasplatte zu bewegen. In der Regel finden sich in der Mitte des mit Wasser besprühten Bereichs eher große Tropfen, am Rand eher kleine. Dieses Muster verändert sich im Laufe der Zeit ein wenig, denn nach etwa einer Stunde sind die kleinsten Tropfen verdunstet, und es bleiben nur die größeren übrig.

Bei jeder Veränderung der Brennweite oder des Abstands zwischen Kamera und Glasplatte muss natürlich neu fokussiert werden. Dazu habe ich die Live-View-Funktion der Kamera bei zehnfacher Vergrößerung genutzt. Das war gar nicht so einfach, da meine Galgenstativ-Hilfskonstruktion recht wackelig war. Aber mit einer ruhigen Hand ließ sich sowohl das Fokussieren als auch das Aufnehmen der Bilder gut bewerkstelligen.

TIPPS & TRICKS

Wie so häufig bei solchen Experimenten liegt der Teufel eher im Detail, und einige Probleme fallen einem erst auf, wenn man die fertigen Bilder auf dem großen Bildschirm am Computer betrachtet.

  • Die Glasplatte sollte wirklich frei von Kratzern sein. Selbst kleinste Kratzer, die mit bloßem Auge kaum auffallen, treten durch die starke Vergrößerung hinterher in den Bildern sehr deutlich zum Vorschein. Das wird verstärkt durch die Tatsache, dass Kratzer im Gegensatz zu den kreisrunden Tropfen meistens geradlinig sind, und daher sofort als störendes Element auffallen. Ich habe deswegen alle Fotos aus dem ersten Versuch wieder gelöscht, und dann statt der gläsernen Tischplatte auf den Einlegeboden einer Vitrine zurückgegriffen. Genauso gut eignet sich auch die Glasscheibe aus einem Bilderrahmen – Hauptsache, sie hat keine Kratzer.
  • Für viel Tiefenschärfe braucht es viel Licht, daher habe ich auf die Blitze zurückgegriffen. Da sich die Gegenstände unter der Glasplatte in der Regel nicht von alleine bewegen, kann man die Bilder auch nur mit Umgebungslicht machen. Dabei sollte man jedoch auf die Spiegelungen auf Glasplatte und Wassertropfen (Deckenlampe, Fenster, Fernseher…) achten. Zudem muss wegen der dann notwendigen langen Belichtungszeiten die Kamera absolut wackelfrei aufgestellt sein.

FAZIT

Empfehlung: Zur Nachahmung empfohlen – eine schöne Fotografie-Spielerei für ein trübes Wochenende. Die so entstandenen Bilder eignen sich prima z.B. als Hintergrundbilder für Smartphone, Tablet oder Präsentation.

Was ich gelernt habe: Improvisation. Es braucht nicht immer die teure Profi-Studio-Ausrüstung, um schöne Bilder zu erzeugen, wenn man sich mit dem behelfen kann, was man im Hause hat. Und man kann auch aus an sich nicht gerade spannenden Gegenständen interessante Bilder zaubern.


LINKS

Bildnachweis: alle Bilder eigene Aufnahmen.

Foto-Experiment: Lichtmalerei mit Flugzeugen

Night Traffic

Langzeitbelichtungen zählen zu den vielen Mitteln und Wegen, etwas so zu fotografieren, wie man es mit dem bloßen Augen sonst nicht sieht. Und das ist etwas, was mich an der Fotografie sehr reizt. Zu den am weitesten verbreiteten Motiven dieser Art gehören Nachtaufnahmen von Städten, in denen fahrende Autos mit ihren Lichtern lange Streifen durchs Bild malen.

Daran musste ich denken, als ich neulich bei einem Abendspaziergang mal wieder einem der startenden Flugzeuge bei uns in der Gegend hinterher schaute. Alle Flüge, die in Frankfurt auf der Startbahn West abheben, starten genau in unsere Richtung. In der Abenddämmerung kann man ihre Scheinwerfer und Positionslichter sehr gut am Himmel sehen. So reifte die Idee mal auszuprobieren, was man daraus machen kann.

FÜR UNGEDULDIGE

Ausrüstung Einstellungen
  • Kamera
  • Stativ
  • Fernauslöser
  • Wetterfeste Kleidung
  • Getränke
  • Was zum Lesen
  • Taschenlampe
  • Manueller Fokus
  • Manueller Modus
  • ISO 100
  • 30 Sekunden
  • Blende ƒ/11 – ƒ/5.6
  • Serienbildaufnahme
  • Weißabgleich: Tageslicht

DER AUFBAU

Vor ein paar Tagen schließlich waren die Bedingungen ideal: Das Wetter war klar und trocken. Dazu waren ein paar Wolken unterwegs, die aber hoch genug waren, dass sie vom hellen Flughafen nicht angeleuchtet wurden und die startenden Flugzeuge auch nicht sofort darin verschwanden. Also habe ich meine Ausrüstung eingepackt und bin losgelaufen, raus aufs Feld.

Dort habe ich mir einen passenden Standort gesucht, von dem aus man die startenden Flugzeuge gut sehen konnte, ohne die Lichter des nächsten Orts im Bild zu haben. Vor allem galt es zu vermeiden, dass vorbeifahrende Autos mit ihren Scheinwerfern direkt in die Kamera leuchten.

Da ich den Blickwinkel vorher schlecht abschätzen konnte, hatte ich mehrere Objektive eingepackt. Der Bildausschnitt bei 35 mm gefiel mir sehr gut, und so habe ich das Sigma A 18-35 mm ƒ/1.8 verwendet, mit dem ich schon viele schöne Nachtaufnahmen gemacht habe. Da ich die Blende nie weiter geöffnet hatte als ƒ/5.6, hätte jedes normale Standard-Zoomobjektiv hier auch gereicht.

Für die geplanten Langzeitbelichtungen stand die Kamera natürlich auf einem Stativ, und ich hatte meinen Fernauslöser dabei. Den habe ich hauptsächlich deshalb genutzt, weil man dort den Auslöser einrasten kann, so dass die Kamera im Serienbildmodus mehrere Fotos direkt hintereinander schießt.

DIE EINSTELLUNGEN

Hier war Ausprobieren angesagt. Von vornherein klar waren die folgenden Einstellungen: Den ISO-Wert habe ich fest auf 100 eingestellt, um das Rauschen im Bild zu minimieren und die Belichtungszeit zu verlängern. Da sich im Laufe der Dämmerung das Licht ändert, habe ich den Weißabgleich fest auf Tageslicht eingestellt. Und zu guter Letzt habe ich manuell auf den Horizont fokussiert und die Aufnahmemodus auf Serienbild gestellt.

Als nächstes habe ich nach der Belichtungszeit geschaut. Mit Blick durch den Sucher der Kamera verfolgte ich ein Flugzeug von dem Moment an, wo es über den Bäumen auftauchte. Um den gewählten Bildausschnitt zu durchqueren, brauchte es rund 80 Sekunden.

Wie wählt man also die Belichtungszeit? Dabei sind zwei einander entgegengesetzte Effekte abzuwägen. Zum einen entstehen bei kürzeren Intervallen mehr Bilder. Vor allem ergeben sich Lücken in den Leuchtstreifen, da die Kamera zwischen zwei Fotos immer eine kurze Pause macht. Diese müssen dann in der Nachbearbeitung von Hand geschlossen werden. Dies kann durch längere Belichtungszeiten vermieden oder zumindest reduziert werden. Allerdings hat das einen Einfluss auf den Kontrast: Je länger man belichtet, umso schwächer treten die Leuchtspuren hervor.

Ich habe daher ein paar Testfotos gemacht und mir die Ergebnisse auf dem Display der Kamera bei maximaler Vergrößerung angeschaut. Die folgenden beiden Bilder zeigen den Unterschied zwischen einer ganzen und einer halben Minute Belichtungszeit:

Lichtspur (60 Sek.)
Ausschnitt einer Lichtspur mit 60 Sekunden Belichtungszeit bei 200% Vergrößerung. Die von den blinkenden Positionslichtern gemalten Punkte sind kaum noch zu erkennen.
Lichtspur (30 Sek.)
Ausschnitt einer Lichtspur mit 30 Sekunden Belichtungszeit bei 200% Vergrößerung. Die Streifen sind nun erkennbar heller im Vergleich zum Hintergrund, und die Punkte der blinkenden Positionslichter sind deutlich sichtbar.

Ich habe mich schließlich für eine Belichtungszeit von 30 Sekunden entschieden. So waren die Leuchtspuren gut sichtbar, und ich hatte bei einer Flugzeit von 80 Sekunden durch das Bild in jeder Spur zwei Lücken zu schließen – ein guter Kompromiss. Zudem ist das die längste Belichtungszeit, die von meiner Kamera noch im manuellen Modus unterstützt wird. Längere Belichtungen sind nur im „Bulb“-Modus möglich, was die Bedienung der Kamera bzw. des Fernauslösers etwas komplizierter macht.

Als letzten Wert habe ich dann die Blende so gewählt, dass die Belichtung für mich passend war. Dabei wollte ich vor allem vermeiden, dass der Himmel zu hell wird, um die Bilder später einfacher zusammenbauen zu können. So habe ich mit ƒ/11 angefangen und dann, als es zunehmend dunkler wurde, die Blende nach und nach auf ƒ/5.6 geöffnet.

DAS SHOOTING

Nachdem alles eingerichtet war, musste ich nur noch warten – allerdings nie sehr lange. Sobald die Lichter eines Flugzeuges über den Bäumen auftauchten, habe ich den Knopf am Fernauslöser gedrückt und eingerastet. So hat die Kamera drei Bilder direkt nacheinander aufgenommen. Oft war am Ende der dritten Aufnahme bereits das nächste Flugzeug in Sicht. Falls nicht, habe ich der Kamera eine kurze Pause gegönnt.

So kamen über einen Zeitraum von rund eineinhalb Stunden, von viertel nach neun bis zum letzten Start um 22:45, 75 Fotos zusammen. Obwohl der Tag mit über 20°C recht warm war, wurde es mit zunehmender Dunkelheit schnell kühl, sodass sich jetzt die mitgenommene dicke Jacke als sehr nützlich erwies – genauso wie die eingepackten Getränke und was zu lesen.

Alles in allem verging die Zeit doch recht schnell. Dann habe ich alles wieder zusammengepackt, mit der Taschenlampe sichergestellt, dass ich in der Dunkelheit nichts vergessen habe und mich wieder auf den Heimweg gemacht.

DIE NACHBEARBEITUNG

Am nächsten Tag ging es dann daran, aus den Einzelaufnahmen das fertige Bild zusammenzubauen. Dazu habe ich zunächst alle Bilder nach Adobe Lightroom CC importiert und dort einige wenige Einstellungen auf alle Bilder angewandt: Objektivkorrekturen aktiviert (Profilkorrektur und Chromatische Aberration) sowie Kontrast und Klarheit angehoben, um die Leuchtspuren besser vom Hintergrund abzusetzen.

Dann habe ich mir das Foto herausgesucht, auf dem mir der Himmel am besten gefallen hat – das sollte mein Hintergrund werden. Dieses habe ich dann hinsichtlich Farben, Kontraste und Details meinen Vorstellungen entsprechend gestaltet. Das sah dann so aus:

Nachthimmel
Nachthimmel – Dieses Bild hatte für mich den schönsten Himmel, daher habe ich es als Hintergrund verwendet und alle anderen Lichtspuren hier eingebaut.

Dann habe ich alle 75 Bilder, inklusive des Hintergrundbilds, in Lightroom markiert und über „Foto“ → „Bearbeiten in…“ → „In Photoshop als Ebenen öffnen…“ nach Photoshop übertragen. Das hat eine ganze Weile gedauert, aber dann waren alle Fotos in einem Projekt übereinander gelegt.

Als erstes habe ich das Hintergrundbild nach ganz unten gezogen, so dass alle anderen Ebenen darüber lagen, und diese alle ausgeblendet. Dann habe ich mir immer die drei Fotos, die zu einem Flug gehören, herausgesucht und diese wieder eingeblendet:

Einzelne Lichtspur, Teil 1
Einzelne Lichtspur, Teil 1
Einzelne Lichtspur, Teil 2
Einzelne Lichtspur, Teil 2
Einzelne Lichtspur, Teil 3
Einzelne Lichtspur, Teil 3

Der nächste Schritt war dann, für die gewählten Ebenen den Mischmodus von „normal“ umzustellen auf „Aufhellen“. Das heißt, dass von der jeweiligen Ebene nur die Bildanteile übernommen werden, die heller sind als das darunterlegende Bild – und das ist im Wesentlichen die Leuchtspur des Flugzeugs. Das Ergebnis nach diesem ersten Schritt sah so aus:

Eine Spur hinzufügen, vor der Bearbeitung
Die drei Teile einer Lichtspur, im Ebenenmodus „Aufhellen“, vor dem Entfernen ungewollter Artefakte und dem Schließen der Lücken.

Das kommt dem gewünschten Ergebnis schon recht nahe, aber einige Dinge stören hier: Zum einen ist im Hintergrund noch ein Flugzeug quer durchs Bild geflogen, was die rot-weiß gestrichelte Linie am linken Horizont verursacht. Zum anderen sind die Sterne oben rechts im Bild nun doppelt, da sie sich im Vergleich zum Hintergrundbild bereits weiterbewegt haben, und hinter den Bäumen ist das Leuchten des Flughafen zu sehen.

Daher habe ich als nächsten Schritt die drei Ebenen der Leuchtspur auf eine Ebene reduziert und dann eine Ebenenmaske hinzugefügt. Mit deren Hilfe habe ich dann alle ungewollten Bildelemente wieder ausgeblendet – im Endeffekt habe ich die Maske komplett schwarz gemalt, mit Ausnahme der Lichtspur.

Schließlich habe ich den Kopierstempel verwendet, um die beiden Lücken zu schließen, die von der Dreiteilung der Aufnahme herrühren. Dafür habe ich den Aufnahmemodus des Kopierstempels auf „aktuelle Ebene“ gestellt, sowie Deckkraft und Fluss auf 100%. Hier das fertige Ergebnis:

Eine Spur hinzufügen, nach der Bearbeitung
Die fertige Lichtspur: Die Lücken wurden geschlossen, der Streifen des landenden Flugzeugs sowie die doppelten Sterne und das Leuchten hinter den Bäumen sind entfernt.

Danach habe ich diese fertige Ebene ausgeblendet und mich dem nächsten Lichtstreifen zugewendet. Ich habe jede Leuchtspur einzeln bearbeitet, denn das erleichtert die Orientierung beim Schließen der Lücken und beim Entfernen ungewollter Bildelemente. Zudem hat mir das ermöglicht, die einzelnen Spuren am Ende unabhängig voneinander über entsprechende Tonwert-Korrekturebenen in ihrer Helligkeit anzupassen.

Der letzte Arbeitsschritt war dann, alle Ebenen einzublenden, wiederum auf eine einzige Ebene zu reduzieren und das fertige Bild zu speichern:

Night Traffic
Night Traffic – Das fertige Bild. Aus 75 Einzelaufnahmen zusammengesetzt, zeigt es die Lichtspuren, die von startenden Flugzeugen in den Abendhimmel gemalt werden.

TIPPS & TRICKS

Hier noch ein paar weiterführende Informationen, wenn Ihr so etwas selbst mal ausprobieren wollt:

  • Grundsätzlich ist es bei Fotos dieser Art empfehlenswert, mehrere eher kurz belichtete Fotos zu machen und diese anschließend in der Nachbearbeitung zu kombinieren, als eine einzige lange Belichtung. Die Bildqualität wird am Ende besser sein. Vor allem wird das Risiko gesenkt, mehrere Minuten des Geschehens zu verlieren, weil z.B. ein Auto durchs Bild fährt und in die Kamera leuchtet.
  • Es gibt ein sehr gutes Video-Tutorial von Stephan Wiesner zum Thema „Startrails“. Bei ihm bewegen sich Sterne statt Flugzeuge durchs Bild, aber die Nachbearbeitung in Photoshop ist weitgehend dieselbe wie bei dem hier gezeigten Bild.
  • Bei Langzeitbelichtungen hat der Bildaufbau zwei Komponenten, die es zu beachten gilt: Was sieht man als statischen Hintergrund? Und welche Muster erzeugen die Lichtspuren darauf? Um ein Gefühl dafür zu entwickeln hilft natürlich wie immer: ausprobieren.
  • Solche Fotos brauchen Zeit – sowohl in der Planung, während der Aufnahme an sich, als auch in der Nachbereitung. Ich war insgesamt zwei Stunden auf dem Feld, und die Nachbearbeitung hat nochmals etwa drei Stunden gedauert. Nehmt Euch die Zeit für solche Projekte; es lohnt sich!

FAZIT

Empfehlung: Wenn Ihr mal einen Abend Zeit habt – auf jeden Fall ausprobieren. Schnappt Euch Kamera und Stativ, und dann ab zur nächsten Straßenbrücke, Bahnhof, Flughafen, Volksfest – wo auch immer sich etwas mit Lichtern bewegt. So lassen sich anschauliche und teils überraschende Bewegungsmuster einfangen…

Was ich gelernt habe: Ich habe einige gute Erfahrungen gesammelt, zum Beispiel zu den Auswirkungen der Belichtungszeit bei solchen Langzeitbelichtungen und Lichtmalereien. Das gleiche gilt für den Umgang mit Ebenen und Kopierstempel in Photoshop bei der Nachbearbeitung.


LINKS:

Bildnachweis: alle Bilder eigene Aufnahmen.

Was heißt eigentlich…? – Grundbegriffe, Abkürzungen und Objektivbezeichnungen

Grundbegriffe, Abkürzungen und Objektivbezeichnungen

Jeder, der zum ersten Mal tiefer in das Thema Fotografie einsteigt, sieht sich schnell einem ganzen Wust von Fachbegriffen und Abkürzungen gegenüber. In Testberichten, Tutorials und Online-Communities wimmelt es nur so davon. Dabei hat mich anfangs besonders verwirrt, dass es für ein und dieselbe Sache oft verschiedene Bezeichnungen gibt – oder umgekehrt dieselbe Abkürzung mehrere Bedeutungen hat. Da ich gerade dabei bin, einige meiner Ausrüstungsgegenstände zu verkaufen und durch andere zu ersetzen, musste ich für die entsprechenden Artikelbeschreibungen wieder die passenden Bezeichnungen heraussuchen. Grund genug, das hier mal auf einer Seite zusammenzufassen.

GRUNDBEGRIFFE

Zum Thema Fotografie gibt es unzählige Bücher und Videos, in denen die Grundlagen beschrieben, Anleitungen gegeben und Begriffe erklärt werden. Damit will ich hier gar nicht konkurrieren. Aber ich möchte zumindest die Begriffe, die ich selbst regelmäßig in meinen Posts verwende, in meinen eigenen Worten erläutern.

Bei den meisten Begriffen habe ich Euch den Link zum entsprechenden Artikel auf Wikipedia direkt mit eingebaut, falls Ihr etwas ausführlicher nachlesen möchtet. Und wenn Ihr es ganz genau wissen wollt, dann empfehle ich Euch ausdrücklich die Vorlesungsreihe „Lectures on Digital Photography“ von Mark Levoy.

Belichtungsdreieck

(en: exposure triangle)

Bezeichnet das Zusammenspiel von Belichtungszeit, Blende und ISO-Wert für die korrekte Belichtung eines Fotos.

  • Jede der drei Größen hat eine Belichtungskomponente und eine künstlerische Komponente:
    • Alle drei können das Foto entweder dunkler (kurze Belichtungszeit, geschlossene Blende, kleiner ISO-Wert) oder heller (lange Belichtungszeit, offene Blende, hoher ISO-Wert) machen.
    • Mithilfe der Verschlusszeit kann man Bewegungen entweder einfrieren (kurz) oder fließend darstellen (lang).
    • Eine weit geöffnete Blende erzeugt eine geringe Schärfentiefe, so dass nur das Motiv im Fokus ist. Eine geschlossene Blende hingegen bewirkt das Gegenteil, so dass ein wesentlich größerer Bildbereich scharf abgebildet wird.
    • Niedrige ISO-Werte ergeben ein klares Bild, während hohe ISO-Werte zu Bildrauschen (Körnung) führen.
    • Je nach Art des Fotos, das man machen will, wählt man einen oder zwei der Werte fest, und lässt die Kamera den dritten automatisch wählen.
    • Bei Hamburger Fotospots gibt es einen wunderbaren Spickzettel – Neudeutsch „Cheatcard“ genannt – der anschaulich die drei genannten Parameter und ihre jeweilige Wirkung darstellt:
Quelle: Hamburger Fotospots
  • Erstes Beispiel: Wenn ich die Belichtungszeit halbiere, aber dafür den ISO-Wert verdopple, kommt am Ende dieselbe Belichtung heraus (Bewegungsunschärfe wird verringert, dafür leidet die Bildqualität).
  • Zweites Beispiel: Wenn ich die Blende von ƒ/2.8 auf ƒ/5.6 ändere, kann ich dafür die Belichtungszeit vervierfachen, ohne dabei die Belichtung des Fotos zu verändern (Bewegungen werden fließender gezeigt, dafür verändert sich die Tiefenschärfe).
  • Grau ist alle Theorie, daher hier zwei sehr anschauliche YouTube-Videos zu diesem Thema:
Belichtungszeit /
Verschlusszeit
(en: exposure time shutter speed)

Die Zeitdauer, in der Licht auf den Sensor fällt. Bei den meisten Kameras lässt sie sich zwischen 1/4.000 und 30 Sekunden einstellen (⇒ Wikipedia).

  • Höherwertige Kameras bieten auch 1/8.000 Sekunde an.
  • Für Langzeitbelichtungen jenseits von 30 Sekunden gibt es den sogenannten „Bulb“-Modus, bei dem die Belichtungszeit durch Drücken und Loslassen oder zweimaliges Drücken des Auslösers beliebig lang gewählt werden kann.
  • Wird gesteuert durch den Verschluss (siehe unten).
Blende

(en: Aperture)

Technisch gesehen bezeichnet die Blende die Öffnung im Objektiv, durch die das Licht auf den Kamerasensor fällt. Sie lässt sich in der Regel im Durchmesser variieren (⇒ Wikipedia).

Künstlerisch gesehen ist die Blende das wichtigste Gestaltungsmittel des Fotografen. Sie bestimmt die Schärfentiefe, also den Entfernungsbereich im Bild, der scharf dargestellt wird. Das macht den Unterschied zwischen einem Portrait mit weichem Hintergrund und einer durchgehend scharfen Landschaftsaufnahme. Außerdem hat sie Auswirkungen auf die Menge des einfallenden Lichts, insbesondere bei Aufnahmen mit Blitz.

  • Die Einstellung der Blende wird immer in Relation zum Objektiv angegeben. Die Blendenzahl errechnet sich aus der Brennweite des Objektivs geteilt durch den Durchmesser der wirksamen Öffnung. Da die Größe der Öffnung im Nenner steht, ist die Blendenzahl umso kleiner, je größer die Blendenöffnung ist (⇒ Wikipedia).
  • Die Blendenwerte sind so gewählt, dass eine Änderung von einem Wert zum nächsten immer einer Verdoppelung oder Halbierung der durchgelassenen Lichtmenge entspricht. Das ist gleichbedeutend mit einer Verdoppelung oder Halbierung der Größe (Fläche) der Blendenöffnung. Der Flächeninhalt eines Kreises mit Radius r ist bekanntermaßen π * r². Wenn ich den verdoppeln will, ergibt sich folglich: 2 * π * r² = π * 2 * r² = π * (√2)² * r² = π * (√2 * r)². Ich muss also den Radius um den Faktor √2 ≈ 1,4 verändern, um die Fläche zu verdoppeln.
  • Daher sind die Blendenzahlen immer Vielfache von √2: ƒ/1, ƒ/1.4, ƒ/2, ƒ/2.8, ƒ/4, ƒ/5.6, ƒ/8, ƒ/11, ƒ/16…
Objektiv mit verschieden weit geöffneter Irisblenden im Vergleich (Quelle: Wikipedia)
  • Da bei manuellen Objektiven der Einstellring für die Blende bei diesen Werten einrastet, spricht man im Englischen von „stop“. Dementsprechend beziehen sich die Begriffe „stop of light“, „stop up“ und „stop down“ auf eine Verdoppelung oder Halbierung der eingefangenen Lichtmenge.
  • Im Deutschen wird das Wort Blende auch synonym dafür benutzt; man spricht dann von „einer Blende mehr“ bei Verdoppelung der Lichtmenge. Diese Formulierung wird oft unabhängig davon verwendet, ob die Wirkung tatsächlich mit der Blende erzielt wurde oder durch andere Mittel wie etwa Belichtungszeit, ISO-Wert oder Blitzleistung.
  • Zwischen den oben genannten Hauptwerten gibt es noch Werte für jeweils ±⅓ Blende, also z.B.: ƒ/2.8, ƒ/3.2, ƒ/3.5, ƒ/4.
  • Durch diese Notation ist die Angabe der Blende, bzw. ihre Auswirkung auf die Belichtung, unabhängig von Objektiv und Kamera. Das heißt, ein mit den Daten „ISO 100, Blende ƒ/8, 1/200 Sek.“ korrekt belichtetes Foto eines bestimmten Motivs wird mit jeder Kamera, an der ich diese Werte einstellen kann, korrekt belichtet sein. Was sich unterscheidet ist, je nach Brennweite und Sensorgröße, der dargestellte Bildausschnitt, der Blickwinkel und die Schärfentiefe.
  • Wenn man in einem Foto Umgebungslicht und Blitzlicht mischen will, dann kontrolliert die Blende die Menge des Blitzlichts im Foto, während die Belichtungszeit das Umgebungslicht kontrolliert.
Blitz-Synchronzeit

(en: flash sync speed)

Bezeichnet die kürzeste Belichtungszeit, bei der ein Blitz ohne spezielle „High Speed“-Funktion noch ein vollständig belichtetes Bild liefert. Sie ist abhängig von der Bauart des Verschlusses (siehe unten) und liegt je nach Kamera bei etwa 1/200 Sekunde.
Bokeh Der Begriff leitet sich ab aus dem japanischen Wort für „unscharf, verschwommen“. In der Fotografie wird damit beschrieben, mit welcher Qualität die unscharfen Bildbereiche in einem mit offener Blende aufgenommenen Foto gezeichnet werden (⇒ Wikipedia). Das Bokeh ist abhängig von der Konstruktion des jeweiligen Objektivs und der Beschaffenheit der Linsen. Besonders bei Portrait-Objektiven wird ein hoher Wert auf ein schönes Bokeh gelegt, damit der Hintergrund möglichst weich erscheint und nichts vom Motiv ablenkt. Es gibt jedoch auch Objektive, die ein sehr unruhiges Bokeh erzeugen, z.B. weil Konturen in den unscharfen Bereichen verdoppelt werden.
Chromatische
Aberration / Farbsäume
(en: chromatic aberration / color fringing)
Beim Durchqueren von Wassertropfen werden die einzelnen Farben des Lichts unterschiedlich stark gebrochen. Das Sonnenlicht wird in seine einzelnen Farben zerlegt; so entsteht ein Regenbogen. Dasselbe passiert, wenn das Licht sich seinen Weg durch die Linsen eines Objektivs sucht. Die einzelnen Linsen müssen also so aufeinander abgestimmt sein, dass auf dem Sensor wieder alle Farben passend zueinander an den richtigen Stellen landen. Gelingt das nicht, sieht man an Kanten mit starken Kontrasten (z.B. Äste eines Baums gegen den hellen Himmel oder weißer Rahmen eines ansonsten dunklen Fensters) deutliche Farbsäume, die meistens grün auf der einen und lila auf der anderen Seite sind (⇒ Wikipedia). Sie lassen sich in der Nachbearbeitung in Programmen wie z.B. Adobe Lightroom üblicherweise gut korrigieren.
Crop-Faktor /
Formatfaktor
(en: crop factor)

Um verschiedene Kamera-Typen untereinander vergleichbar zu machen, werden wesentliche Angaben wie z.B. die Brennweite des Objektivs immer auf das sog. Vollformat umgerechnet. Damit werden Kameras bezeichnet, deren Sensor dieselbe Größe hat wie das Negativ eines 35-mm-Kleinbildfilms (24 x 36 mm). Der Formatfaktor gibt das Verhältnis der Längen der Diagonalen an. (⇒ Wikipedia)

  • Weit verbreitet sind die Formate APS-C (Crop-Faktor 1,5 (Nikon) bzw. 1,6 (Canon)) und Micro-Four-Thirds (Crop-Faktor 2 (Olympus, Panasonic)).
  • Zum Vergleich der Brennweite wird diese mit dem Crop-Faktor multipliziert: 50 mm an Canon APS-C entsprechen – multipliziert mit 1,6 – also 80 mm am Vollformat. Diese Entsprechung bezieht sich jedoch allein auf den Bildausschnitt, nicht auf den Blickwinkel.
  • Zum Vergleich der Schärfentiefe multipliziert man die Blende ebenfalls mit dem Crop-Faktor. Beispiel: die rückseitige Kamera an Apples iPhone 7 hat eine Blende von ƒ/1.8 und einen Crop-Faktor von 7,2. Das entspricht also in etwa ƒ/13 am Vollformat und macht klar, warum es mit einer Handy-Kamera praktisch unmöglich ist, Bilder mit unscharfem Hintergrund aufzunehmen (große Blendenzahl = große Schärfentiefe).
Interner Fokus

(en: internal focus)

Bei Objektiven mit internem Fokus befinden sich alle beweglichen Elemente zum Scharfstellen des anvisierten Motivs innerhalb des Objektivs. Das bedeutet, dass insbesondere das Frontelement des Objektivs beim Fokussieren weder ausfährt noch sich dreht. Das ist vor allem dann wichtig, wenn man Filter verwenden möchte, bei denen es auf die richtige Orientierung ankommt; wie etwa Polarisationsfilter oder Filter mit Farb- bzw. Grauverlauf.
ISO

Bezeichnet allgemein die Internationale Organisation für Normung in der Schweiz. Da die Abkürzung für diese Bezeichnung in jeder Sprache anders wäre (auf Deutsch müsste es eigentlich ION heißen), verwendet man weltweit ISO als Eigennamen, abgeleitet von der griechischen Silbe „iso“ für „gleich“. In der Fotografie wird mit dem ISO-Wert die Lichtempfindlichkeit eines analogen Films bzw. digitalen Kamerasensors bezeichnet, wie sie in der Norm ISO 5800 definiert ist (⇒ Wikipedia).

  • Der Standardwert bei den meisten Kameras heutzutage ist ISO 100.
  • Je höher der ISO-Wert, umso lichtempfindlicher ist der Film bzw. Sensor. Dies geht immer mit einer zunehmenden Minderung der Bildqualität (Körnung bzw. Rauschen) einher. Wie stark diese ausfällt, ist bei Digitalkameras abhängig von der Bauform des Sensors, insbesondere der Größe der einzelnen Pixel. Je größer, umso besser. Deshalb haben Low-Light Kameras üblicherweise nur eine geringe Auflösung.
Naheinstellgrenze

(en: minimum focus distance)

Die Naheinstellgrenze bezeichnet die kürzeste Entfernung, auf die ich mit dem Objektiv noch scharf stellen kann. Wichtig zu wissen ist dabei, das dieser Mindestabstand immer von Sensor aus gemessen wird, und nicht vom Frontelement des Objektivs aus. Die Position des Sensors ist auf dem Kameragehäuse mit einem Symbol (0) markiert. Wenn die Naheinstellgrenze z.B. 15 cm sind, aber vom Sensor bis zum Frontelement sind es schon 12 cm, dann bleiben tatsächlich nur noch 3 cm Luft zum anvisierten Objekt. Grundsätzlich nimmt der Mindestabstand mit steigender Brennweite zu; bei Teleobjektiven können das leicht 1,5 Meter oder mehr sein. Ausnahme sind Makro-Objektive, die ganz speziell so konstruiert sind, dass auf sehr kurze Entfernung scharf stellen kann. Dadurch wird der große Abbildungsmaßstab möglich.

Schärfentiefe /
Tiefenschärfe
(en: depth of field)

Die Schärfentiefe (synonym auch Tiefenschärfe; welcher der beiden Begriffe richtig(er) ist, ist Gegenstand fortwährender Debatten zwischen Fotografen und Sprachwissenschaftlern) bezeichnet den Entfernungsbereich, innerhalb dessen Objekte hinreichend scharf abgebildet werden (⇒ Wikipedia).

  • Grundsätzlich werden nur Gegenstände, die sich exakt in der Fokusebene befinden, zu 100% scharf abgebildet.
  • Je weiter ein Gegenstand von der Fokusebene entfernt ist, nach vorne oder hinten, umso unschärfer wird er abgebildet. Das ist ein fließender Übergang, und die Grenze bis wohin ein Gegenstand „scharf genug“ ist, hängt zum einen von der Auflösung der Kamera ab, und zum anderen von der subjektiven Wahrnehmung des Betrachters.
  • Die Schärfentiefe wird kontrolliert durch drei Faktoren:
    1. Die Blende: Kleine Blendenzahl = geringe Schärfentiefe; große Blendenzahl = große Schärfentiefe.
    2. Die Brennweite: Je kürzer die Brennweite, umso größer die Schärfentiefe.
    3. Die Fokusentfernung: Je weiter weg das anvisierte Motiv ist, umso größer ist die Schärfentiefe. Ab einer bestimmten Entfernung (abhängig von Brennweite und Blende) ist Schärfentiefe unendlich; diesen Abstand nennt man Hyperfokaldistanz.
  • Deshalb werden Portraits gerne mit langer Brennweite und möglichst offener Blende fotografiert; so ist nur das Gesicht scharf und der Hintergrund möglichst unscharf. Umgekehrt arbeitet man für Landschaftsaufnahmen typischer Weise mit kurzen Brennweiten und geschlossener Blende (z.B. ƒ/8), damit möglichst viel Bildinhalt scharf abgebildet wird.
Verschluss

(en: shutter)

Der Verschluss ist eine Vorrichtung in der Kamera, die dafür sorgt, dass nur für die Dauer der eingestellten Belichtungszeit Licht auf den Film bzw. Sensor fällt (⇒ Wikipedia). Dabei ist im Wesentlichen zwischen zwei Verschlussarten zu unterscheiden:

  • Beim elektronischen oder digitalen Verschluss handelt es sich nicht um einen Verschluss im eigentlich Sinne, da während der gesamten Zeit Licht auf den Sensor trifft. Der Sensor wird zurückgesetzt (alle Werte auf null), und nach der angegebenen Zeit werden die Werte aller Pixel ausgelesen. Der Vorteil ist, dass dieser Vorgang absolut geräuschlos erfolgt. Die meisten Video-, Handy- und Kompaktkameras arbeiten so; auch Spiegelreflexkameras im Video-Modus.
  • Spiegelreflexkameras nutzen für Fotos üblicherweise einen mechanischen Schlitzverschluss, mit dem sehr präzise Belichtungszeiten bis zu 1/8.000 Sekunde realisiert werden können. Dieser besteht aus zwei Vorhängen. Zu Beginn der Belichtungszeit bewegt sich der erste Vorhang, der bis dahin den Sensor komplett abgedeckt hat, zur Seite. Am Ende der Belichtungszeit bewegt sich der zweite Vorhang aus seiner Ruhestellung in gleicher Richtung über den Sensor und deckt ihn wieder ab. Bei sehr kurzen Belichtungen (unter 1/200 Sekunde) bewegen sich die beiden Vorhänge sehr dicht hintereinander. Dadurch ist zu keinem Zeitpunkt mehr der gesamte Sensor offen, sondern es bewegt sich ein Schlitz so über den Sensor, dass jeder Bereich des Sensors für die eingestellte Zeit belichtet wird.
    • Was dabei genau passiert, kann man sich sehr schön in diesem Zeitlupen-Video auf YouTube anschauen.
    • Daher brauchen Blitze für kurze Belichtungszeiten einen speziellen „High Speed“ Modus. Durch deren extrem kurze Abbrennzeit würde man sonst einen schwarzen Balken im Bild sehen, da nur der Teil des Bildes belichtet wird, der sich zum Blitzzeitpunkt gerade zwischen den beiden Vorhängen befindet.
    • Aus der Bauform und Funktionsweise des Verschlusses leiten sich auch die Begriffe erster/zweiter (Verschluss-)Vorhang ab, die beschreiben, ob der Blitz am Anfang oder am Ende der Belichtungszeit ausgelöst wird.
  • Bei beiden Verschlusstypen wird nicht das gesamte Bild auf einmal aufgenommen, sondern die Belichtung bewegt sich gewissermaßen über den Sensor – durch das zeilenweise Auslesen der Pixel bzw. die Bewegung des Schlitzverschlusses. Das hat den Nachteil, dass schnell bewegende Objekte verzerrt abgebildet werden (sog. Rolling-Shutter-Effekt). Es gibt auch Kameras mit einem sog. „Global Shutter“, bei dem die gesamte Bildinformation auf einmal ausgelesen wird. Diese Technik kommt vor allem in teuren Hochgeschwindigkeitskameras zum Einsatz.
  • Robert Hall hat ein Video auf YouTube, in dem er die Unterschiede sowie die Vor- und Nachteile der beiden Verschlussarten erläutert.

ABKÜRZUNGEN

Abkürzungen in der Fotografie gibt es nahezu beliebig viele. Ich habe hier nur die herausgegriffen, die ich selber relativ häufig benutze. Außerdem fehlen in dieser Liste alle Abkürzungen, die sich auf die Bauform oder Funktion von Objektiven beziehen; diese findet Ihr weiter unten in einer eigenen Rubrik.

AF

Autofokus – Damit stellt die Kamera automatisch auf das anvisierte Objekt scharf. Es gibt zwei grundsätzlich unterschiedliche Autofokus-Systeme: Die Phasenerkennung kommt in Spiegelreflexkameras bei Nutzung des optischen Suchers zum Einsatz; die Kantenerkennung bei der Nutzung eines elektronischen Suchers oder Displays (z.B. am Handy). Die Phasenerkennung ist schneller, die Kantenerkennung zuverlässiger. Ferner kommen je nach Kamera bzw. Objektiv verschiedene Stellantriebe zum Einsatz; siehe auch Objektivbezeichnugen.

APS‑C

Advanced Photo Systems-Classic – Unter dieser Bezeichnung werden heutzutage Digitalkameras mit einer Sensorgröße von 22,5 x 15,0 mm (Crop-Faktor 1,6) bis 25,1 x 16,7 mm (Crop-Faktor 1,5) zusammengefasst. Praktisch alle Kameras mit wechselbaren Objektiven und einem Neupreis unter 1.000,- € haben einen solchen Sensor. APS-C ist keine standardisierte Angabe; die Sensorgröße schwankt je nach Hersteller. Bei Nikon tragen diese Kameras die Bezeichnung „DX“.

Die Bezeichnung geht zurück auf das Mitte der 1990er noch für analoge Filme entwickelte APS-System. Das Aufnahmeformat betrug etwa ⅓  des 35-mm-Kleinbildfilms. Dadurch war es möglich, kleinere Kameras zu bauen und zusätzliche Bildinformationen auf dem Film zu speichern. Durch die schnell aufkommende Digitalfotografie konnte sich APS im Analogbereich jedoch nie durchsetzen und verschwand bereits nach wenigen Jahren wieder vom Markt.

APS-C als Klassifizierung der Sensorgröße hat keinen Bezug zur Sensortechnologie APS (Active Pixel Sensor). Dies ist eine Bauform von sog. CMOS-Sensoren, die wegen des geringen Stromverbrauchs und der kompakten Baugröße in nahezu allen Handy- und Kompaktkameras zum Einsatz kommt.

ILC Interchangeable Lens Camera – Kamera mit wechselbarem Objektiv. Wird oft als Oberbegriff für System- und Spiegelreflexkameras gebraucht, in Abgrenzung zu den Kompaktkameras mit fest verbautem Objektiv.
DSLM Digital Single-Lens Mirrorless – Die englische Bezeichnung für digitale spiegellose Kameras, im Deutschen oft auch als Systemkameras bezeichnet (Beispiel: Sony Alpha a6000). „Single-Lens“ bedeutet, dass das Bild im Sucher durch dasselbe Objektiv erfasst wird wie das eigentliche Foto. Bei älteren Kompaktkameras gab es für den Sucher oft eine eigene Optik. Da heutzutage praktisch alle Kameras digital sind, wird das D oft weggelassen und nur SLM benutzt. Ferner gibt es eine Reihe synonymer Abkürzungen: MILC (Mirrorless Interchangeable Lens Camera), MSC (Mirrorless System Camers) und – mein Favorit  :mrgreen: – EVIL (Electronic Viewfinder Interchangeable Lens camera).
DSLR Digital Single-Lens Reflex – Die englische Bezeichnung für digitale Spiegelreflexkameras (Beispiel: Canon EOS 760D). Auch hier wird oft nur „SLR“ genutzt.
MF Manueller Fokus – Wechselobjektive erlauben in der Regel auch ein manuelles Scharfstellen auf das Motiv. Dies ist sinnvoll bei schwierigen Lichtverhältnissen (z.B. Nachtaufnahmen) oder für Aufnahmen, bei denen ein sich bewegendes Ziel an einer bestimmten Stelle fotografiert werden soll und der Autofokus nicht schnell genug wäre.
MFT Micro-Four-Thirds – Bezeichnet ein hauptsächlich von Olympus und Panasonic genutztes Sensorformat mit dem Crop-Faktor 2. „Four Thirds“ bezieht sich dabei auf das Seitenverhältnis des Sensors von 4:3, anstelle der sonst in der Fotografie üblichen 3:2.
SOOC Straight Out Of Camera – Diese vor allem in Internet-Foren und Foto-Communities genutzte Abkürzung steht für „direkt aus der Kamera“ und bedeutet, dass das so bezeichnete Foto in keiner Weise am Rechner nachbearbeitet wurde.

OBJEKTIVBEZEICHNUNGEN

Bei den Objektiven wird es besonders wild, da hier die Abkürzungen für dieselben Eigenschaften und Funktionen von Hersteller zu Hersteller variieren. In der unten stehenden Tabelle habe ich die gängigsten Kürzel für die Marken, die ich nutze, zusammengefasst.

Was ich dabei gezielt ausgelassen habe, sind die ganzen Bezeichnungen für die „optische Formel“ eines Objektivs – also welche speziell geformten Linsen verbaut sind und welche besonderen Beschichtungen diese haben. Das würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Wichtig sind da nur die Auswirkungen auf die Bildqualität (Verzerrung und chromatische Aberration).

Funktion Canon Samyang Sigma Tamron Tokina
Objektiv für Vollformat-Kameras EF DG Di FX
Objektiv für Kameras mit APS-C Sensor EF-S CS DC Di II DX
Objektiv für spiegellose Kameras EF-M FE (Sony E-Mount) DN
Bildstabilisator IS (Image Stabilization) OS (Optical Stabilizer) VC (Vibration Compensation)
Autofokus USM (Ultra-Sonic Motor)

STM (Stepping Motor)

 AF HSM (Hyper-Sonic Motor) USD (Ultrasonic Silent Drive)  AF
Interner Fokus IF IF IF IF
Profi-Objektive L (Luxury) A (Art)

S (Sport)

EX (Excellence)

SP (Super Professional) AT-X Pro
Consumer-Objektive C (Contemporary) AT-X
ANMERKUNGEN:
  • Canon: Objektive, die intern fokussieren, sowie Objektive für „Normalverbraucher“ haben keine eigene Bezeichnung.
  • Samyang: Objektive von Samyang werden unter verschiedenen Markennamen verkauft; darunter Rokinon, Bower, Opteka, Pro-Optic, Vivitar und Walimex. Technisch sind sie jeweils identisch; unterscheiden sich beim Preis aber teils deutlich. Vollformat-Objektive haben keine eigene Bezeichnung; Objektive mit Bildstabilisator gibt es keine. Auch wird nicht zwischen verschiedenen Produktlinien unterschieden.
  • Tamron: Objektive speziell für spiegellose Kameras gibt es von Tamron meines Wissens nach aktuell keine. Consumer-Objektive haben keine eigene Bezeichnung.
  • Tokina: Keine Objektive speziell für spiegellose Kameras oder mit Bildstabilisator im Angebot.

FAZIT

Empfehlung: Am Anfang sind die ganzen Begriffe und Abkürzungen ziemlich verwirrend, aber davon sollte man sich nicht abschrecken lassen! Für die Grundbegriffe hilft am Anfang natürlich auch mal ein Buch, aber letztlich ist es „learning by doing“. Insbesondere mit dem Belichtungsdreieck muss man sich intensiver befassen und die damit verbundenen gestalterischen Möglichkeiten (Wie bekomme ich den Hintergrund unscharf? Wie friere ich Bewegungen ein?) verinnerlichen.

Was ich gelernt habe: Eine Menge  😀 Und ich lerne immer noch. Auch beim Schreiben dieses Artikels habe ich wieder ein paar Dinge besser verstehen gelernt…


LINKS

Außer auf Wikipedia finder Ihr weitergehende Erklärungen hier:

Bildnachweis: Titelbild: eigene Grafik

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