In eigener Sache: Meine Fotowand 2017

Fotowand 2017

Mit dem Fotografieren ist es wie mit vielem anderen auch: Man entwickelt sich weiter, indem man sich Ziele setzt, Aufgaben stellt, Herausforderungen angeht, Dinge macht, die man bisher – zumindest so – noch nicht gemacht hat. Also frage ich mich: Was will ich fotografieren? Was muss ich dafür tun? Und dann: Was hat geklappt – und was nicht?

Um für mich dabei den Überblick zu behalten nutze ich eine Anregung von Stephan Wiesner: Die Fotowand. Meine eigene Fotowand für 2017 möchte ich hier mit Euch teilen – und Euch dann natürlich auch nach und nach von der Umsetzung berichten.

BLICK ZURÜCK

Wenn ich so zurückdenke, wie sich das Fotografieren für mich entwickelt hat, gibt es da bis jetzt drei Phasen: Zuerst habe ich eigentlich nur geknipst – ich habe, ohne dabei viel zu überlegen, dokumentiert, wo ich war und was ich erlebt habe. Gelegentlich waren da auch ein paar richtig gute Fotos dabei, die mir auch heute noch sehr gefallen, aber damals waren das eher Zufallstreffer.

Dann kam die Zeit in der ich angefangen habe, mir über die Bilder mehr Gedanken zu machen: die passende Wahl des Bildausschnitts, das Hauptmotiv in seiner Umgebung bzw. Hintergrund, die Lichtverhältnissen etc. Ich wurde wählerischer bei den Aufnahmen. Ich habe nicht mehr einfach alles fotografiert, sondern mir die Sachen herausgesucht, die mich besonders interessieren. Und ich habe auch mal ein Foto bewusst nicht gemacht, wenn zum Beispiel das Licht so gar nicht gestimmt hat. Es ging aber immer noch nach dem Motto „Ok, jetzt bin ich hier, mal schauen was ich für Fotos machen kann“.

Damit sind wir bei Phase drei, wo genau das herumgedreht wird. Jetzt sage ich mir: Ich will dieses Bild machen, wo muss ich dafür hin? Wann muss ich dort sein? Das Foto wird so zum Ziel eines Ausflugs oder Nachmittags und nicht mehr nur bloße Folge davon. Das erfordert Planung, nicht nur beim Wann und Wo, sondern auch: Welche Ausrüstung nehme ich mit? Welches Objektiv? Brauche ich ein Stativ, einen Graufilter, einen Fernauslöser, einen Blitz…?

Wenn ich eine Idee für ein Bild habe, dann suche ich nach Anleitungen, Vorbildern im Netz, hole mir Anregungen, und dann geht es raus und es wird ausprobiert. So habe ich im vergangenen Jahr einige sehr schöne Bilder hinbekommen, die ich so 2015 ganz sicher noch nicht gekonnt hätte. Und 2017 möchte ich diese Messlatte weiter anheben.

FOTOWAND 2017

NACHTAUFNAHME / LANGZEITBELICHTUNG: SYKLINE

Nachtaufnahmen fand ich schon immer reizvoll, gerade auch in Großstädten. Jetzt habe ich, was das angeht, das Glück, in der Nähe von Frankfurt zu wohnen. Dort hat man in der Kombination aus Main und Skyline einige schöne Motive zur Auswahl. Ich habe mich an diesem Bild im vergangenen Jahr schon einige Male probiert, aber bislang habe ich es noch nicht so hinbekommen, wie ich mir das vorstelle.

Den richtigen Standpunkt für mein Foto weiß ich inzwischen: auf der Flößerbrücke. Dort hat man die bei Dunkelheit schön beleuchtete Ignaz-Bubis-Brücke im Vordergrund und dann die Skyline des Bankenviertels dahinter.

Foto-Skizze: Skyline zur blauen Stunde
Foto-Skizze: Skyline zur blauen Stunde

Neben der Wahl des Standorts konnte ich bei den vergangenen Versuchen auch meine Ausrüstung ausprobieren und optimieren. Ich werde das Bild definitiv mit dem Sigma A 18-35mm ƒ/1.8 aufnehmen, aufgrund der überragenden Schärfe, die das Objektiv liefert. Stativ und Fernauslöser sind ebenfalls klar. Außerdem hab ich immer noch einen schwarzen Pappkarton oder ähnliches dabei, denn die Flößerbrücke wird von starken, vor der Brücke angebrachten Scheinwerfern angeleuchtet – und diese leuchten sonst trotz Gegenlichtblende ins Objektiv und sorgen für unschöne Artefakte im Bild. Meine Graufilter werde ich ebenfalls einpacken. Ich habe zwei Stück: einen 8x und einen 1000x. Damit kann die Belichtungszeit entsprechend verlängern, um das Wasser seidig glatt wirken zu lassen.

Was jetzt noch fehlt: ein Wochentagsabend im Winter, wenn es schon früh dunkel wird und noch viele Büros in den Hochhäusern beleuchtet sind sowie ein interessanter Himmel. Ganz ohne Wolken ist langweilig; zu viele Wolken sind auch schwierig, weil der Himmel dann nicht mehr dunkel wird, sondern die Wolken vom hinter der Stadt liegenden Flughafen angeleuchtet werden. Am meisten interessiert mich dabei die Zeit von Sonnenuntergang bis etwa eine dreiviertel Stunde danach, die sogenannte „blaue Stunde“.

NAHAUFNAHME / MAKRO: AUGE

Makros, oder zumindest mal Nahaufnahmen, gehören ebenfalls zu den Bereichen der Fotografie, die mich reizen. Und zwar, weil sie Details zur Geltung bringen, die man sonst einfach nicht wahrnimmt – entweder, weil sie schlicht zu klein sind oder weil die Motive sich sonst zu schnell bewegen, um sie in Ruhe zu betrachten. Das Thema war mir wichtig genug, dass ich mir im letzen Frühjahr ein dediziertes Makro-Objektiv gekauft habe: das Tamron SP 90mm ƒ/2.8 Di VC Macro. Damit bin ich dann im Lavendelstrauch auf Hummel- und Schmetterlingsjagd gegangen oder habe eine Pusteblume in Groß aufgenommen.

Bei den Recherchen rund um das Thema Makros bin ich im Internet immer wieder auf ein faszinierendes Motiv gestoßen: Nahaufnahmen von Augen. Und das ist zu etwas geworden, wo ich denke: Das will ich auf jeden Fall auch ausprobieren.

Foto-Skizze: Nahaufnahme eines Auges
Foto-Skizze: Nahaufnahme eines Auges

Einige Anleitungen und Hinweise habe ich natürlich schon gelesen, was noch fehlt ist: ausprobieren und machen. So weiß ich zum Beispiel noch nicht, ob ich das Foto besser draußen im Sonnenlicht oder drinnen mit Blitz mache. Wie muss das Licht sein, damit die Details in der Iris gut zur Geltung kommen, aber das Modell nicht geblendet die Augen zukneift und ich mit der Kamera bzw. dem Objektiv keinen Schatten auf das Auge werfe?

MAKRO: EISKRISTALLE / SCHNEEFLOCKEN

Bleiben wir noch für eine weitere Foto-Idee im Makro-Bereich: Eiskristalle und Schneeflocken. Dafür braucht es natürlich vor allem erstmal etwas, was hier in der Gegend nun inzwischen den dritten Winter in Folge absolute Fehlanzeige ist: Schnee. Oder zumindest mal anhaltenden und ausreichend tiefen Frost.

Foto-Skizze: Eiskristall-Makro
Foto-Skizze: Eiskristall-Makro

Ein paar „Testbilder“ mit Raureif konnte ich immerhin schon machen – mit durchaus vielversprechenden Ergebnissen. Aber ich bin mir sicher: Da geht noch mehr. Am liebsten im Streiflicht der tiefstehenden Sonne am frühen Morgen, aber sonst tut es hier auch ein passend positionierter externer Blitz.

BEWEGUNG EINFRIEREN AM SPRINGBRUNNEN

Diese Idee ist praktisch das Gegenteil zur Langzeitbelichtung oben: Hier will ich das Wasser nicht seidig glatt zeigen, sondern mit einer möglichst kurzen Belichtungszeit die Bewegung einfrieren und so jeden einzelnen Tropfen gleichsam schwerelos an der Stelle schwebend einfangen. Mit meiner 760D bedeutet das: 1/4000 Sekunde. Vielleicht schaffe ich ja noch das Upgrade zur 80D, dann geht sogar 1/8000 Sekunde – aber es gibt ja auch noch ein paar andere Prioritäten. So oder so wird auch hier, einfach aufgrund der Lichtstärke, wohl das Sigma A 18-35mm ƒ/1.8 zum Einsatz kommen.

Foto-Skizze: Bewegung einfrieren am Springbrunnen
Foto-Skizze: Bewegung einfrieren am Springbrunnen

Während ich mir beim „wie“ hier schon ziemlich sicher bin, fehlt mir noch das „wo“. Also ein Springbrunnen mit einer schönen Fontäne. Leider ist es so, dass in hier Darmstadt viele Springbrunnen auch im Sommer abgestellt sind – entweder weil das Geld für die Instandsetzung marode gewordener Leitungen und Becken fehlt oder aufgrund mutwilliger Beschädigungen und Verunreinigungen. Bislang hat mir hier noch die Muße gefehlt, gezielt nach Springbrunnen in den umliegenden Städten zu suchen – aber für 2017 hab ich das auf dem Plan. Wenn Ihr Vorschläge habt, wo schöne Brunnen sprudeln, dann freue ich mich über Eure Nachricht!

AUTO-PORTRAIT MIT AUFSTECKBLITZ

Diese Idee ergab sich aus der Stöberei im Internet zur Frage: Was kann man eigentlich alles mit einem externen Blitz machen? Dabei bin ich unter anderem auf ein YouTube-Video von Christian Adams gestoßen und dachte mir direkt: was für eine geniale Idee! Aus vielen Einzelbildern, in denen mit einem normalen Aufsteckblitz jeweils nur ein Teil des Autos beleuchtet ist, wird ein Gesamtfoto mit „Showroom-Feeling“ zusammengesetzt. Praktischer Weise gehört ein würdiges Motiv für so eine Aufnahme seit inzwischen 20 Jahren zu unserer Familie:

Foto-Skizze: Auto-Portrait mit Aufsteckblitz
Foto-Skizze: Auto-Portrait mit Aufsteckblitz

Ich denke noch über einen passenden Ort nach, wo ich das Auto möglichst ohne störende Reflexionen, Spiegelungen oder Hintergrund aufnehmen kann. Vor allem will ich ungestört sein, aber auch niemanden in der Umgebung mit der Herumblitzerei nerven. Ansonsten fehlt es eigentlich nur noch an der passenden Gelegenheit – und natürlich einer frischen Politur für das Schmuckstück.

FLUGZEUGE AM FLUGHAFEN

Flugzeuge haben für mich etwas Besonderes, weil sie für mich vor allem mit einem Gefühl verbunden sind: Fernweh. Oft, wenn ich entweder zu Hause im Garten oder im Büro aus dem Fenster heraus den in die Wolken steigenden Fliegern nachschaue, denke ich mir: Wo fliegen die wohl hin? Wie wäre es, jetzt selber da drin zu sitzen? Und auch wenn ich beruflich tatsächlich immer mal wieder selber drin sitze, so ist es für mich nach wie vor etwas Besonderes, am Flughafen zu sein.

Foto-Skizze: Flugzeuge am Flughafen
Foto-Skizze: Flugzeuge am Flughafen

Ich möchte versuchen, dieses Gefühl irgendwie im Bild festzuhalten. Es gibt am und um den Frankfurter Flughafen eine Reihe von Fotostandpunkten, die sich dafür anbieten. Bis jetzt ist es hier aber bei der Theorie, der Recherche, geblieben – das will ich nächstes Jahr ändern. Also raus an den Flughafen und schauen, wie sich die verschiedenen Perspektiven dann tatsächlich darstellen. Dafür werde ich dann auf jeden Fall mein Teleobjektiv und mein Immerdrauf mitnehmen – und ein Stativ.

WEITERE IDEEN

Ich habe natürlich noch mehr Ideen, auch wenn diese noch nicht so konkret oder ausgereift sind wie die oben vorgestellten und es daher noch nicht in das Stadium Skizze/ Fotowand geschafft haben. Zum Beispiel gibt es hier in Darmstadt mit dem Vivarium einen kleinen, aber feinen Zoo. Vom Schmetterling bis zum Känguru finden sich hier eine Menge potentieller Motive, so dass ich dort unbedingt mal auf die „Pirsch“ gehen will.

Auch im Eisenbahnmuseum werde ich auf jeden Fall wieder nach schönen Motiven suchen, mit besonderen Lichtstimmungen – zum Beispiel wenn die untergehende Sonne den Lokschuppen durch die alten Fenster in orangefarbenes Streiflicht taucht. Oder hinter den Kulissen, mit Einblicken die sonst eher im Verborgenen liegen.

Darüber hinaus halte ich Augen und Kopf offen für weitere Ideen, die sich im Laufe des Jahres ergeben…

KALENDER 2018

Ein Projekt, an dem ich definitiv wieder arbeiten möchte, ist ein Fotokalender. Für 2017 hatte ich aus einem „best of“ meiner Fotos aus dem Zeitraum Oktober 2015 – Oktober 2016 einen Kalender zusammengestellt, mit dem ich einigen Freunden eine große Freude machen konnte. Auch, weil viele Bilder in Größe DIN A2 nochmal eine ganz andere Wirkung entfalten als auf einem kleinen Bildschirm betrachtet. Mit hat dabei besonders die Herausforderung gefallen, für jeden Monat ein passendes Motiv zu finden.

Für 2018 möchte ich das deshalb wieder angehen. Dieses Mal stelle ich mir die Aufgabe, einen Kalender mit Fotos im Hochformat zu gestalten. Ein paar Bilder aus diesem Jahr habe ich bereits in die engere Auswahl genommen – auch wenn es vermutlich nicht alle davon am Ende tatsächlich in den Kalender schaffen werden, weil mit den Schmiede-/Feuermotiven bereits ein paar recht ähnliche dabei sind. Die endgültige Entscheidung werde ich aber erst treffen wenn ich alle Bilder zusammen habe, damit sie am Ende auch zueinander passen.

Kalender 2018
Kalender 2018: Die ersten Kandidaten

Natürlich werde ich auch Ideen von der Fotowand für den Kalender nutzen, auch wenn sich nicht alle Motive einfach so ins Hochformat übertragen lassen. Aber gerade in dieser Herausforderung liegt ja auch der Reiz…

Seid gespannt!
– Jochen =8-)

Bildnachweis: Alle Skizzen und Fotos: eigene Bilder.

YouTube-Empfehlung: ValueTechTV

ValueTechTV

Hinter ValueTech steht im Wesentlichen der Berliner Matthias Proske mit seinem Team. Die Platform bietet dabei sehr viel mehr als nur den YouTube-Kanal, auf den ich zuerst gestoßen bin. Dazu gehört auch die Homepage mit geschriebenen Testberichten und einem recht aktiven Forum rund um Fotografie und Computer. ValueTech ist auch auf den üblichen sozialen Medien aktiv.

Mich haben vor allem die gut gemachten und angenehm präsentierten Testberichte zu Kameras und Objektiven überzeugt, und so war das einer der ersten Kanäle, die ich abonniert habe. Die Tests sind praxisnah, weder zu akademisch oder wissenschaftlich, aber auch nicht zu abschweifend. So habe ich über die Reviews auf diesem Kanal zum Beispiel mein Makro-Objektiv gefunden, mit dem ich sehr glücklich bin und das  mir schon einige faszinierende Aufnahmen beschert hat.

Angenehm hier auch: Matthias ist nicht auf eine bestimmte Kamera-Marke festgelegt sondern testet alle großen Hersteller gleichermaßen, so dass man sehr guten Überblick erhält.

PLAYLIST-EMPFEHLUNGEN

  • DSLR, DSLM und Kompaktkameras – Diese Kanal sammelt alle Kameratests von Canon, Nikon, Samsung, Sony und Co. Die jeweils fünf bis zehn Minuten langen Videos geben einen guten Überblick über das vorgestellte Modell und umfassen gelegentlich auch Vergleiche mit Vorgänger- oder Konkurrenzmodellen oder ein Unboxing. Zu ausgewählten Kameras gibt es dann jeweils nochmal eigene Playlists mit mehreren Videos, wie zum Beispiel für meine Canon 760D.
  • Objektive – Was wäre eine gute Kamera ohne die passenden Objektive? Hier gibt es die Testberichte nicht nur den Objektiven der Kamerahersteller wie Canon, Nikon oder Sony selber, sondern auch Drittanbieter wie Tamron und Sigma sind hier gut vertreten.
  • Foto- und Videozubehör – Diese Kategorie ist extrem umfangreich. Von Stativen über Speicherkarten und Mikrofonen zu Filtern, Taschen und Gimbals findet man hier eigentlich alles, was außer Kameras und Objektiven eben noch zum Thema Fotografie gehört.

Abschließend sei erwähnt, dass es auch noch eine Playlist mit 12 Tipps für bessere Fotos gibts. Der Begriff „Tutorial“ wäre hier allerdings übertrieben, aus meiner Sicht ist das eher ein Video-Glossar in dem einzelne Aspekte der Fotografie ganz kurz vorgestellt werden.


FAZIT

Empfehlung: Gut gemachte, informative Reviews zu Kameras, Objektiven und Ausrüstung. Auf jeden Fall ein Abonnement auf YouTube wert!

Was ich gelernt habe: Die Videos von ValueTechTV haben mir dabei geholfen, einige gute Entscheidungen für meine Ausrüstung zu treffen.


LINKS

Titelbild: Screenshot von YouTube

Frohe Weihnachten!

Ich wünsche Euch allen frohe Weihnachten – genießt die Feiertage mit Euren lieben, lasst es Euch gut gehen, kommt zur Ruhe, und vor allem: bleibt gesund und fröhlich!

Jochen =8-)

Frohe Weihnachten!

Ausgeliehen und ausprobiert: Sigma A 50-100mm f/1.8

Sigma A 50-100mm ƒ/1.8 an der Canon 760D

Eine verbleibende Lücke in meiner Ausrüstung ist ein hochwertiges Tele-Zoom-Objektiv – also insbesondere eines, das sich auch für Portraits mit schön unscharfem Hintergrund (Bokeh) eignet. Mit dem „nifty fifty“ Canon 50mm ƒ/1.8 sowie dem Tamron SP 90mm ƒ/2.8 Di VC Macro habe ich zwar schon zwei geeignete Festbrennweiten, aber gerade für Situationen wie Veranstaltungen bei denen sich die Leute bewegen, möchte ich die Flexibilität eines Zooms haben.

Grundsätzlich kommen hier zwei Objektive infrage: zum einen der „Klassiker“, ein 70-200mm ƒ/2.8, das es von Canon, Sigma und Tamron in verschiedenen Ausführungen gibt. Oder das noch recht neue Sigma 50-100mm ƒ/1.8 speziell für APS-C Kameras wie meine 760D. Diese Gläser haben jedoch alle eines gemeinsam: Sie liegen in einer Preisklasse in der man nicht mehr „auf Verdacht“ kauft. Natürlich gibt es unzählige Testberichte, aber um herauszufinden welches Objektiv besser zu meiner Art zu fotografieren passt, bleibt nur eines: ausprobieren.

DRUM PRÜFE WER SICH EWIG BINDET

Die wenigsten von Euch werden das Glück haben einen Fotografen zu kennen, von dem man sich so ein Objektiv mal eben für eine Weile ausleihen kann. Dafür gibt es inzwischen eine ganze Reihe von Anbietern, bei denen man Foto-Ausrüstung mieten kann – nicht nur Objektive, auch Kameras oder ganze Blitz- und Beleuchtungsausrüstungen. Ich habe diesen Service inzwischen zwei Mal genutzt und sehr gute Erfahrungen damit gemacht.

ZOOMYRENTALS

Der Anbieter, den ich nutze, heißt ZoomyRentals.de. Die Firma sitzt in Berlin und bietet eine große Auswahl an Kameras, Objektiven und Zubehör von bzw. für Canon, Sony und Nikon. Der Ausleihvorgang verläuft ganz einfach:

  • Ihr registriert Euch
  • Vor Eurer ersten Bestellung müsst Ihr einmalig eine Kopie Eures Personalausweises zur Verifizierung im Profil hinterlegen. Euer Name und Eure Anschrift müssen gut lesbar sein.
  • Ihr sucht Euch die gewünschte Ausrüstung aus
  • Ihr wählt den Starttermin und die Mietdauer – diese kann zwischen 3 Tagen und 4 Wochen betragen
  • Los geht’s!

Ich empfehle Euch unbedingt, bei jeder Bestellung die angebotene optionale Versicherung mit abzuschließen. Gerade bei teureren Sachen gilt die Devise „better safe than sorry“.

LIEFERUNG

Die Lieferung erfolgt durch einen DHL-Boten. Ihr erhaltet die Ausrüstung am Vormittag des ersten Miettags, und sie wird bei Mietende wiederum vormittags per Boten abgeholt. Das funktioniert sehr zuverlässig; Empfang und Abholung werden jeweils durch Unterschrift bestätigt. Somit seid Ihr auf der sicheren Seite. Vor allem landet das teure Objektiv nicht versehentlich beim Nachbarn oder auf der Terrasse.

Gut verpackt: Sigma A 50-100mm ƒ/1.8 fertig zum Versand
Gut verpackt: Sigma A 50-100mm ƒ/1.8 fertig zum Versand

Bei Objektiven gehören in der Regel je ein Deckel für Vorder- und Rückseite, Sonnenblende, Schutzfilter und eine Objektivtasche zum Lieferumfang. Das alles wird zum Versand sicher in dicken Schaumstoff verpackt. In dem Karton befindet sich dann neben dem Lieferschein auch direkt der Adressaufkleber für die Rücksendung.

Und dann kann es losgehen: Ihr könnt die gemietete Ausrüstung für die Leihdauer nach Lust und Laune ausprobieren. Sorgsamer Umgang mit den Sachen versteht sich von selbst.

SIGMA A 50-100mm ƒ/1.8

Ich habe mir im Dezember 2016 den „großen Bruder“ meines Sigma A 18-35mm ƒ/1.8 eine Woche lang ausgeliehen. In der Zeit hatte ich Besuch und es stand unter anderem eine Feier an, so dass sich ausreichend Gelegenheit zum Testen bot.

LOOK & FEEL

Das Objektiv fällt sofort auf: Es ist groß. Und es ist schwer. Die Kamera locker mit einer Hand herumzutragen wird da schnell zu einer sportlichen Herausforderung; sicherlich kein Objektiv das man immer dabei hat, sondern nur gezielt mitnimmt. Setzt man das in Relation zum Preis von aktuell (Dez. 2016) rund 1.000 Euro wird schnell klar, dass diese Investition wohl überlegt sein will. Das Gewicht hat aber auch seinen Grund: Bei 100mm Brennweite und Blende ƒ/1.8, dazu noch mit dem Zoom, kommt eine Menge Glas zusammen. Zudem ist das Objektiv aus Metall gefertigt und sehr hochwertig verarbeitet.

Sowohl den Zoom als auch den Fokusring habe ich von der Bedienung her als sehr angenehm empfunden. Insgesamt hat mich die Verarbeitung, die ich ja auch schon vom 18-35er her kenne, wieder absolut überzeugt. Die in Reviews im Internet oft kritisierte Objektivschelle hat mich in der Handhabung kaum gestört.

Sigma A 50-100mm ƒ/1.8
Groß, schwer, hochwertig: Sigma A 50-100mm ƒ/1.8

AUSSTATTUNG & EINSATZGEBIET

Dieses Objektiv dient eigentlich genau einem Zweck: nämlich auch mit einer APS-C Kamera professionelle Portraitaufnahmen mit butterweichem Hintergrund machen zu können. Die durchgehende Offenblende von ƒ/1.8 ist das Alleinstellungsmerkmal. Der Zoombereich ist mit 50-100mm recht begrenzt – gerade mal ein 2x Zoom, verglichen mit rund 3x bei einem 70-200er. Insbesondere beim Fotografieren auf der Feier habe ich diesen Bereich jedoch als genau richtig empfunden. Die kürzere Anfangsbrennweite ist in geschlossenen Räumen auf jeden Fall von Vorteil, und am langen Ende kann man, dank der enormen Bildschärfe, durch Zuschneiden des Bildes noch einiges herausholen.

Was sich auf jeden Fall bemerkbar macht ist das Fehlen eines Bildstabilisators. Im stimmungsvoll beleuchteten Raum war ich mit der Belichtungszeit auch bei Blende ƒ/1.8 und ISO 800 meistens in einem Bereich zwischen 1/60 und 1/10 Sekunde. Da wird es selbst mit Aufstützen auf Tisch oder Stuhllehne schwer, die Bilder nicht zu verwackeln – insbesondere bei 100mm. Höher als 800 gehe ich bei der 760D mit dem ISO-Wert nur in Ausnahmefällen, weil das Bildrauschen ab ISO 1600 für meinen Geschmack zu auffällig wird.

Ich werde daher auf jeden Fall auch noch ein 70-200mm ƒ/2.8 mit Bildstabilisator testen. Durch die im Vergleich zum Sigma um gut eine Stufe kleinere Blende wird die Verschlusszeit zwar länger. Dafür sinkt jedoch unter dem Strich das Risiko ein Bild zu verwackeln deutlich. Wie sich das insgesamt in der Praxis auswirkt, werde ich dann sehen.

ZUVERLÄSSIGKEIT & BILDQUALITÄT

Bei den Sigma Art Objektiven mit Blende 1.8 – sowohl beim 18-35er als auch beim 50-100er – ist das mit dem Autofokus so eine Sache. Scheinbar hängt es vom einzelnen Objektiv ab, wie zuverlässig der Autofokus im Phasendetektionsmodus (durch den optischen Sucher) arbeitet. Das gemietete 50-100er zeigte sich hier vorbildlich: Bei praktisch allen Bildern, die ich gemacht habe, saß der Fokus da, wo ich ihn haben wollte. Bei meinem eigenen 18-35er hingegen ist es Glückssache: Bei rund einem Drittel der Bilder greift der Autofokus komplett daneben. Testberichte im Internet bestätigen den Eindruck, dass dies vom konkreten Objektiv abhängt; die Urteile reichen in diesem Punkt bei beiden Objektiven von „hoffnungslos“ bis „problemlos“.

Als Ausweichlösung bietet sich an, den Live-View zu nutzen, denn der Autofokus per Kontrasterkennung funktioniert immer – ist aber langsamer (wer wissen will warum das so ist, kann sich diese Vorlesung anschauen). Und wer die nötige Geduld oder das Feingefühl hat, kann auch manuell fokussieren. Beim Fotografieren mit Stativ nutze ich diese Möglichkeit eigentlich immer.

Die Bildqualität ist dafür über jeden Zweifel erhaben. Bereits bei Offenblende ist die Bildschärfe bis in die Ecken atemberaubend. Das muss sie auch sein, denn in dem Blendenbereich unterhalb von 2.8 liegt ja gerade die Besonderheit des Objektivs. Die Zeichnung der unscharfen Hintergründe ist angenehm weich; nur gelegentlich wird das Bokeh unruhig wenn viele kleine Lichter im Hintergrund sind. Schließt man die Blende, wird man mit wunderschönen Lichtsternen belohnt. Mich haben die gemachten Bilder, drinnen wie draußen, Personen wie Landschaft, durchweg begeistert. Die Bildqualität ist auf jeden Fall ein ganz starkes Argument zugunsten des Sigma A 50-100mm ƒ/1.8.

Sigma A 100-150mm ƒ/1.8 - Beispiel 1

Sigma A 100-150mm ƒ/1.8 - Beispiel 3


FAZIT

Empfehlung: Das Sigma A 50-100mm ƒ/1.8 besetzt eine sehr kleine Nische, nämlich professionelle Portraits mit einer APS-C Kamera zu erstellen. Diese Nische besetzt es allerdings sehr gut. Mich hat vor allem die herausragende Bildqualität begeistert! Verarbeitung und Anmutung entsprechen dem hohen Wert. Es hat auf jeden Fall Spaß gemacht, damit zu arbeiten.

Ich werde, wenn sich eine passende Gelegenheit bietet, auch noch ein 70-200mm ƒ/2.8 mit Bildstabilisator zum Vergleich ausprobieren und dann auf Basis der gewonnenen Erfahrungen mit beiden Objektiven eine Entscheidung treffen. Die gibt es dann auch wieder hier zum Nachlesen.

Was ich gelernt habe: Ein Objektiv mal für eine Woche auszuleihen ist die perfekte Art, es in Ruhe ausprobieren und sich einen Eindruck verschaffen zu können, ob es die eigenen Vorstellungen und Erwartungen erfüllt. Ich werde diese Möglichkeit in Zukunft mit Sicherheit noch öfter nutzen.

Und: Es macht unheimlich Spaß, mit so einem Profi-Objektiv zu fotografieren. Die Testwoche hat mir aber auch gezeigt: So schön die Bilder auch sind, die große Offenblende beim 50-100er allein ist nicht alles. Ich will vor einer Entscheidung auf jeden Fall den Vergleich haben, und von daher war die Entscheidung, das Objektiv erstmal nur zu mieten, genau richtig.


LINKS

Bildnachweis: Alle Bilder eigene Aufnahmen.

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